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Schönheit – Fluch oder Segen? Ein Ideal im Wandel

Dossier: Schönheit – Fluch oder Segen? Ein Ideal im Wandel

angelegt am 04.11.2014 von Georgios Chatzoudis

Der erste überlieferte Schönheitswettbewerb der Geschichte hatte schlimme Folgen. Aber hätte Paris tatsächlich ahnen können, was er auslöste, als er den Apfel weder Hera noch Athene, sondern der Aphrodite gab? Das erzürnte die gedemütigten Göttinnen so sehr, dass sie den Trojanischen Krieg anstifteten. Dabei wollten sie doch nur die Schönsten sein.

Aber "schön" möchte auch heute noch wahrscheinlich jede und jeder sein. Weil wir Menschen es nicht alle auf die gleiche Weise sind, wird immer wieder das geflügelte Wort gebraucht, dass jedes Individuum auf seine Art schön sei. Demnach wäre Schönheit ein höchst individuelles und zeitloses, beinahe arbiträres Konzept. Stimmt das aber auch?

Unser Zeitgeist lässt eher das Gegenteil vermuten: Es herrscht offenbar ein allgemein gültiges Schönheitsideal, zu dem man gut oder weniger gut passt. Im "Mann ohne Eigenschaften" heißt es dazu: "Es gibt natürlich zu allen Zeiten alle Arten von Antlitzen; aber je eine wird vom Zeitgeschmack emporgehoben und zu Glück und Schönheit gemacht, während alle anderen Gesichter sich dann diesem anzugleichen suchen."

Zeitschriften, Modekampagnen, Werbung und Fernsehsendungen diktieren uns Tag für Tag,  was "schön" ist. Ein Blick in Modezeitschriften, einmal in "Germany's next Topmodel" hineingezappt oder auch die Lektüre von Jugendmagazinen führen uns vor, schön ist, wer vor allem über schlanke Linien, einen durchtrainierten Körper, ein faltenfreies Gesicht und über haarlose hellbraune Haut verfügt. Wem die Natur diese Gaben nicht geschenkt hat, kann heute auf eine reiche Angebotspalette für Körperkorrekturen zurückgreifen - von der Botox-Spritze über Fettabsaugen bis zur neuen Nase. Der Körper wird zum Kultobjekt, es ist die Rede vom Schönheitswahn.

Wie vergänglich der Schönheitsimperativ ist, zeigt ein Blick zurück in die Geschichte. Die griechische Klassik setzte dabei für die nächsten 2000 Jahre erste Maßstäbe: Schlanke und definierte Körper, bei den Frauen durften Bauch und Hüften noch etwas runder ausfallen. In der Renaissance wandelte sich das Bild - damals malten Rubens und andere Künstler dieser Zeit am liebsten üppige Damen. Die spätere Romantik pries hingegen Zerbrechlichkeit und Blässe und Frauen hungerten sich bereits mit Essig und Zitrone zur schlanken Linie. Das viktorianische Zeitalter schätzte wiederum Körperfülle - als Statussymbol für Wohlstand und Respektabilität. Auch in einigen außereuropäischen Kulturen galt und gilt bis heute dick als schick und dünn als Ausdruck von Armut und wenig Anmut.

Ende des 19. Jahrhunderts setzt mit dem Siegeszug der puritanischen Leistungsethik ein grundlegender Wandel in der Wahrnehmung des Körpers ein. Seither gilt in den westlichen Gesellschaften Fettleibigkeit als Ausweis mangelnder Disziplin, Verweichlichung oder Krankheit. Fett wird mit Trägheit in Verbindung gebracht. Schlankheit dagegen steht für Erfolg und Leistungswillen.

Schönheit ist folglich einem permanenten und historisch bedingten Wandel unterworfen. Hera und Athena hätten heute vielleicht bessere Chancen.

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