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Dr. Birte Ruhardt | 05.03.2015 | 1547 Aufrufe | Interviews

"Rund um die Promotion"

Interview mit Nadine Chmura über Perspektiven nach der Promotion

Häufig ist die Zeit nach der Promotion unsicher, da es auf dem universitären Arbeitsmarkt immer enger wird und viele Stellen nur noch befristet vergeben werden. Daher rät Dr. Nadine Chmura zu einer Weiterqualifizierung im außeruniversitären Bereich schon während der Promotion. Die promovierte Archäologin unterstützt dabei den Vorstand der University of Bayreuth Graduate School. Auf ihrer Seite "Rund um die Promotion" gibt sie ihre eigenen Erfahrungen weiter und zeigt mögliche Perspektiven nach der Promotion auf. Zu ihrer universitären und außeruniversitären Karriere haben wir ihr einige Fragen gestellt.

Dr. Nadine Chmura

"Für die Arbeit in der Nachwuchsförderung ist eine eigene Promotion sehr hilfreich"

L.I.S.A.: Auf Ihrem Lebenslauf sind alle klassischen Berufsfelder für Geisteswissenschaftler vertreten: Museum, Hochschule, Verlag, Medien. Was reizte Sie letztendlich am Wissenschaftsmanagement?  

Dr. Chmura: Ich hatte das Glück, während meines Studiums und meiner Promotion, in allen Berufsfeldern tätig sein zu dürfen, die mich interessieren. Nach meiner letzten Etappe als Referentin für Marketing und PR an der Hochschule Rhein-Waal war für mich klar, dass mich der Bereich Nachwuchsförderung am meisten interessiert und ich hier am besten alle Fähigkeiten und Kenntnisse einbringen kann. Dadurch, dass ich an der Universität Marburg das Graduiertenzentrum Geistes- und Sozialwissenschaften geleitet und die Marburg University Research Academy mit aufgebaut habe, wusste ich, welche Anforderungen dieser Job mit sich bringt. Nachdem ich vier Jahre lang dann das Referat für Marketing und Presse an einer Fachhochschule aufgebaut habe, kenne ich nun auch dieses Tätigkeitsfeld von der Pieke auf und weiß auch um die Belange der Fachhochschule. Meine Arbeit in der Wirtschaft rundet mein Profil ab. Mit der Arbeit in der Nachwuchsförderung an einer Universität kann ich alle bisherigen Bereiche miteinander vereinen, verzahnen und meine Kenntnisse und Fähigkeiten im Wissenschaftsmanagement am besten nutzen.

L.I.S.A.: Wieso entschieden Sie sich dennoch für eine Promotion in klassischer Archäologie, obwohl für Sie schon früh feststand, dass eine klassische Wissenschaftskarriere für Sie nicht in Frage kommt?

Dr. Chmura: In erster Linie war der Spaß an der Archäologie, dem wissenschaftlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und das Interesse an dem Thema ausschlaggebend. Zu Beginn meiner Promotion war ich noch als Redakteurin tätig, wechselte dann aber an die Universität Marburg in die Nachwuchsförderung. Für die Arbeit in der Nachwuchsförderung und insbesondere für die Beratung und Förderung von Promovierenden ist eine eigene Promotion, die Kenntnis der Abläufe, der Schwierigkeiten, der Bedarfe etc. sehr hilfreich. Das war allerdings nur der nette Nebeneffekt, mir hat die Arbeit an der Dissertation zum größten Teil sehr viel Freude gemacht.

"Die Aufgaben in der Nachwuchsförderung sind sehr vielseitig"

L.I.S.A.: Neben Ihrer Promotion arbeiteten Sie als Mitarbeiterin für verschiedene Projekte vor allem im wirtschaftlichen Bereich, wie auch im Consulting. In diesen Bereichen sind Geisteswissenschaftler ja eher selten vertreten. Welche Eigenschaften bringen Geisteswissenschaftler mit, die im Consulting nützlich sind? Fehlt Ihnen nicht das wirtschaftliche Fachwissen?

Dr. Chmura: In meinem Studium der klassischen Archäologie habe ich durch die Organisation von Ausstellungen, Führungen und Vortragsreihen Kenntnisse vom Projektmanagement erlangt. Durch meine Projektarbeit am Haus der Geschichte und als Redakteurin bei meinestadt.de wurden diese Kenntnisse noch vertieft. Diese Fähigkeiten auch größere Projekte durchzuführen und den Überblick zu behalten, waren in den wirtschaftlichen Bereichen gerne gesehen. Das wirtschaftswissenschaftliche Fachwissen wurde durch die Kollegen und Kolleginnen abgesichert. Ich konnte dafür die Anbahnung der (inter-)nationalen Kontakte, die Presse- und Öffentlichkeitarbeit, das Marketing, das Projektmanagement – eben das ganze Paket drum herum – abdecken, wodurch sich die Spezialisten auf die fachlichen Fragen konzentrieren konnten. 

L.I.S.A.: Nun sind Sie in der Geschäftsführung der University of Bayreuth Graduate School. Worin bestehen genau Ihre Aufgaben? Inwieweit nützt dabei Ihnen Ihre bisherige Berufserfahrung und Ihre wissenschaftliche Ausbildung?

Dr. Chmura: Die Aufgaben in der Nachwuchsförderung sind sehr vielseitig. Neben der Konzeption der Ausrichtung der University of Bayreuth Graduate School und der Beratung der Hochschulleitung in Fragen der Nachwuchsförderung, gehören Verwaltungsarbeit, Beratung von NachwuchswissenschaftlerInnen, Eventmanagement, Internationalisierung, Marketing und PR, Mentoring, Networking und viele weitere Punkte zu meinen Aufgaben. Dass ich eine eigene Promotion durchgeführt habe, hilft mir natürlich im Beratungsangebot weiter und ich kann die Bedarfe der Promovierenden besser verstehen. Zumal ich zu Beginn der Promotion als „externe“ (außerhalb der Universität tätig) und dann als „interne“ Doktorandin (an der Universität angestellt) beide Erfahrungen gemacht habe. Durch meine bisherige Arbeit für und mit anderen Fächerkulturen, insbesondere im Consulting und an der Fachhochschule, sind mir die Themen und die Kommunikation mit Natur-, Umwelt-, Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaftern vertraut.

Die "University of Bayreuth Graduate School"

"Mutig auf andere Fachgebiete und Unternehmen zuzugehen"

L.I.S.A.: Gleichzeitig haben Sie das Projekt „Rund um die Promotion“ ins Leben gerufen. Worin besteht dieses Projekt und welche sozialen Medien nutzen Sie, um darauf aufmerksam zu machen?

Dr. Chmura: Das Projekt „Rund um die Promotion“ habe ich nach meinem Wechsel von der Nachwuchsförderung zur Leitung der Stabstelle Marketing und PR ins Leben gerufen. Ich habe während meiner Zeit als Marketingreferentin weiterhin als Mentorin für NachwuchswissenschaltlerInnen, Mitglied des QZP – QualitätsZirkel Promotion fungiert und viele Anfragen zu Tipps und Tricks rund um die Promotion erhalten. Ich wollte versuchen, die in meiner bisherigen Laufbahn gesammelten Informationen möglichst breit weiterzuleiten. Mit dem Projekt „Rund um die Promotion“ konnte ich das gebündelt tun und vielleicht noch weitere Personen erreichen, die die Informationen benötigen könnten. Zunächst habe ich eine Homepage und dann einen Facebook-Account eingerichtet. Die beiden Tools sind miteinander verbunden, so dass auch jemand, der nicht bei Facebook ist, die Informationen auf der Homepage findet. Da es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt und der Twitter- und GooglePlus-Account nicht so stark frequentiert waren, habe ich mich auf die beiden Medien konzentriert.  

L.I.S.A.: Was würden Sie Promovierenden in den Geisteswissenschaften schließlich mit auf den Weg geben?

Dr. Chmura: Ich fand es sehr hilfreich, dass ich während meiner Promotion in verschiedenen Arbeitsfeldern arbeiten und somit Berufserfahrung sammeln konnte. Da der größte Teil der Promovierenden nach der Promotion eine außeruniversitäre Karriere anstreben (muss), würde ich allen raten, sich auch für Jobs außerhalb der Wissenschaft weiter zu qualifizieren. Das gilt aber nicht nur für GeisteswissenschaflterInnen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass vielen Promovierenden in den Geisteswissenschaften bewusst ist, dass der universitäre Arbeitsmarkt für die Fülle der Absolventen begrenzt ist und sich während der Promotion weiterqualifizieren. Mein Rat wäre es auch mal außerhalb der üblichen Wege zu versuchen und mutig auf andere Fachgebiete und Unternehmen zuzugehen. Sie sollten sich bewusst sein, dass sie vielseitig und unterschiedlich einsetzbar sind.  

Die Webseite "Rund um die Promotion"

Dr. Nadine Chmura hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

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