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Georgios Chatzoudis | 21.05.2015 | 4147 Aufrufe | 5 | Interviews

"Reproduktion der Anonymität von 'Münkler-Watch'"

Interview mit Charlotte Jahnz über die Debatte um anonym bloggende Studierende

Studierende der Humboldt-Universität zu Berlin haben einen Blog eingerichtet, in dem sie nach eigenen Worten "in wöchentlichen Abständen kurze Zusammenfassungen seiner Vorlesung" veröffentlichen. Es handelt sich dabei um die Vorlesung des Berliner Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Herfried Münkler über „Politische Theorie und Ideengeschichte“. Sowohl in den klassischen Medien als auch in den sozialen Netzwerken fallen die Reaktionen auf das Blog kontrovers und sehr emotional aus. Die einen sprechen von Rufmord, die anderen sehen im Blog ein legitimes Mittel, Kritik zu äußern. Wir haben die Geschichtsstudentin Charlotte Jahnz von der Universität Bonn, die auch als Community Managerin für das Blogportal www.de.hypotheses.org bei der Max Weber Stiftung arbeitet, um eine Einschätzung der Debatte über das Blog "Münkler-Watch" gebeten.

"Ich sehe den zentralen Konflikt im Bereich Anonymität im Internet"

L.I.S.A.: Frau Jahnz, Sie haben die Debatte um das umstrittene Blog „Münkler-Watch“ aus Sicht einer Geschichtsstudentin, aber auch als leidenschaftliche Bloggerin und Twitterin nicht nur beobachtet, sondern mitgeführt. Wo sehen Sie den zentralen Konflikt bzw. den entscheidenden Knackpunkt in der Diskussion um „Münkler-Watch“? 

Jahnz: Ich denke, die Debatte hat sich stark von den Inhalten, um die es den bloggenden Studierenden ging, losgelöst, und zwar angetrieben von der Berichterstattung über das Watchblog. Das Blog hat am 8. Mai durch eine kurze Meldung bei Spiegel Online mit dem Titel „Historiker Münkler nennt Studenten ‚erbärmliche Feiglinge’“ erst die Aufmerksamkeit erhalten, die es jetzt hat. Die gesamte folgende Berichterstattung befasste sich in erster Linie mit der Frage, ob es legitim ist, dass die Studierenden ihre Kritik anonym bloggen. Die im Blog vorgetragenen Vorwürfe wurden dabei weniger beachtet. Ich sehe den zentralen Konflikt daher eher im Bereich Anonymität im Internet: Sind anonyme Akteure „erbärmliche Feiglinge“ oder nicht?

"Mehr Verteidiger der Anonymität des Blogs"

L.I.S.A.: Die Reaktionen auf „Münkler-Watch“ fallen in den klassischen Medien eher negativ aus. Wie sieht das Feedback in den Sozialen Netzwerken aus? Ähnlich oder bewertet das Netz solche Netzaktivitäten anders? Wie bewerten andere Studierenden das Projekt?

Jahnz: Auch in den Sozialen Netzwerken gibt es unterschiedliche Meinungen. Ich verfolge die Diskussion in einigen Facebook-Gruppen, auf Twitter und im Redaktionsblog von www.de.hypotheses.org. Es gibt auch in den Sozialen Medien diejenigen, die im Blog eine Denunziation Münklers sehen. In meiner „Filterblase“ finden sich – verglichen mit der massenmedialen Berichterstattung – aber mehr Verteidiger der Anonymität des Blogs. Auch im Gespräch mit meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen gibt es ganz unterschiedliche Meinungen. Das Vorgehen der Bloggenden heißen die wenigsten gut, für die Entscheidung anonym zu bloggen wird aber auch Verständnis aufgebracht. Gleichzeitig haben sich natürlich auch viele das Blog angesehen und finden, dass es nicht besonders viel Substanz hat, was sie zum Teil auch in Kommentaren im Blog geäußert haben. 

"Es hätte auch andere Wege und Möglichkeiten gegeben, Kritik zu äußern"

L.I.S.A.: Wir kommen immer wieder auf die Anoymität des Blogs zurück. Wie Sie bereits feststellen, wird den bloggenden Studierenden vor allem vorgeworfen, anonym zu agieren. Eine Ausnahme bildet der Journalist Patrick Bahners, der in einem Beitrag bei de.hypotheses.org diese Vorgehensweise verteidigt und sie für legitim hält. Wie sehen Sie das? Hatten die Bloggenden eine Alternative zur Anonymität?

Jahnz: Die Bloggenden hatten natürlich eine Alternative zur Anonymität. Auf der anderen Seite: Hätten die Studierenden mit ihren Namen gebloggt, wäre die Affäre vielleicht nicht so hochgekocht. Genauso gut bestünde aber die Möglichkeit, dass heutige Bachelorstudierende im zweiten Semester sich nicht sicher sind, ob man noch in zehn Jahren bei einer Internetrecherche zu ihren Namen zunächst auf die "Causa Münkler-Watch" stoßen soll. Es hätte neben dem Blog aber natürlich auch noch ganz andere Wege und Möglichkeiten gegeben, die Kritik zu äußern. Ich kenne die Gegebenheiten an der Humboldt-Universität nicht, aber es gibt Studierendenvertretungen, und es gibt Fachschaften, die vermittelnd hätten tätig werden können. Doch dass die Studierenden die Form des Blogs gewählt haben, um ihre Meinung zu äußern, kann man in meinen Augen nicht „Denunziation“ nennen.

"Viele sehen sich einem ungeheuren Druck ausgesetzt"

L.I.S.A.: In einem Kommentar zu „Münkler-Watch“ haben Sie auf das Abhängigkeitsverhältnis bzw. auf die Asymmetrie zwischen Studierenden und Professorinnen bzw. Professoren hingewiesen. Zudem verwiesen Sie auf die Debatte um „angepasste Studierende“. Was genau meinen Sie damit? Ist Kritik am eigenen Prof riskant?

Jahnz: Ich glaube nicht, dass Kritik am eigenen Prof generell riskant ist und habe diese Erfahrung bislang auch nicht gemacht. Aber Ausnahmen von dieser Regel gibt es auch, und dessen sollte man sich bewusst sein. Ich wollte mit meinem Kommentar aber auf einen anderen Aspekt der Debatte hinweisen: Auf der einen Seite wird häufig kritisiert, dass Studierende heute viel zu angepasst seien, nur noch das Nötigste für die Universität tun, sie eher als Karriereleiter wahrnehmen und kaum noch Lust an der Diskussion haben. Ich sehe das Blog "Münkler-Watch" hier als deutliches Gegenbeispiel an.

Auf der anderen Seite liest man in gängigen Studierendenmagazinen aber häufig davon, wie man sich selbst optimieren solle. Also etwa: Welche Praktika sind gut für mich, welche Uni soll ich besuchen, wie gehe ich mit Lücken im Lebenslauf um? Das zeigt, in welcher Situation Studierende heute sind. Viele sehen sich einem ungeheuren Druck ausgesetzt, gerade was spätere Chancen am Arbeitsmarkt angeht. Daher wundert mich die Begründung, warum "Münkler-Watch" anonym geführt wird, auch nicht. Den Widerspruch zwischen den an Studierende gerichteten Erwartungen, einerseits unbequem diskussionsfreudig zu sein, andererseits stromlinienförmig angepasst, reproduziert die Anonymität von „Münkler-Watch“. Der darüber entbrannte Streit bestätigt schließlich den Widerspruch. 

"Blogs sehe ich vor allem als Chance"

L.I.S.A.: Um die Vorwürfe der Studierenden zu überprüfen, wird in mehreren Kommentaren als Lösung vorgeschlagen, Vorlesungen auf Video aufzuzeichnen und anschließend für die Öffentlichkeit ins Netz zu stellen. Wie sehen Sie das? Und: Ist Bloggen eine zukunftsweisende Form der Kommunikation über universitäre Lehrinhalte?

Jahnz: Ich finde, das Aufzeichnen der Vorlesung hätte den Vorteil der Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Die in die Öffentlichkeit getragene Kritik könnte eine öffentliche Erwiderung oder Bestätigung erfahren, die Grundlage für eine öffentliche Diskussion der eigentlichen Sachfragen, um die es den Studierenden geht, wäre geschaffen. Es besteht ja anscheinend auch ein öffentliches Interesse an der Vorlesung, sodass sie Zuschauer auch außerhalb der Universität hätte finden können. Unter dem Aspekt der Wissenschaftskommunikation würde ich das als Chance sehen.

Auch Blogs sehe ich vor allem als Chance. Besonders die Geisteswissenschaften, sicherlich aber auch die Sozialwissenschaften, sehen sich heute mit starkem Rechtfertigungsdruck konfrontiert. Blogs können dabei eines von vielen Instrumenten sein, der Öffentlichkeit zu zeigen, was sie mit ihren Steuermitteln finanziert. Das geht bis hin zu den Nicht-Geisteswissenschaftlern im Freundeskreis, die auf diesem Wege erfahren könnten, was man an der Universität eigentlich so macht. Darüber hinaus hat beispielsweise ein Seminarblog viele weitere Vorteile: Man lernt sich kurz zu fassen, für ein interessiertes Publikum zu schreiben und mit Content-Management-Systemen umzugehen. Zynisch betrachtet sind das weitere Softskills für die spätere Verwertbarkeit am Arbeitsmarkt.

Charlotte Jahnz hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

Kommentar

von Dr. phil. Klaus Neumann | 21.05.2015 | 15:22 Uhr
Ich tendiere dazu, Münklers Kritik an der Anonymität der studierenden Blogger inhaltlich (weniger bezüglich der allzu scharfen Wortwahl) zu teilen.

Dass die Argumente der Bloggenden inhaltlich eher wenig Substanz zu haben scheinen (erst wird etwas behauptet und dann auf Münklers Entgegnung zurück gerudert) ist das eine. Vor allem aber ist doch zu beachten, dass es sich hier um Studierende der Sozial- und Politikwissenschaften (!) handelt und um den vergleichsweise geschützten Raum einer Universität. Im Gegensatz zu Bloggern beispielsweise im "Arabischen Frühling" müssen Studierende NICHT um ihr Leben fürchten, wenn sie abweichende Meinungen vertreten. Herr Prof. Münkler ist auch nicht der Arbeitgeber der Studierenden. Dass Studierende durch Kritik ihre "Karrierechancen" (= das bemerkenswerte Hauptargument der Blogger für die Anonymität gegenüber dem Tagesspiegel) gefährden würden, halte ich für eine reine Schutzbehauptung. Ich habe an der Universität gänzlich andere Erfahrungen gemacht, nämlich die, dass Lehrende Studierende mit Mut zur eigenen Meinung schätzen und zwar auch dann, wenn diese politisch andere Auffassungen vertreten. Es kam lediglich darauf an, nicht nur Meinungen kund zu tun, sondern die eigene Position auch begründen zu können.

Wenn Studierende dazu übergehen würden, innerhalb der Universität die braven und stillen Mäuschen zu sein und stattdessen die Kritik in einen anonymen außeruniversitären Raum verlagern, dann wäre das ein Warnsignal. Dann verfehlt die Universität ihren Auftrag, Studierende nicht nur fachlich, sondern auch charakterlich zu bilden und den offenen Austausch von Ideen und Argumenten zu befördern.

PS: Zugute halten kann man den Blogger_innen sicher, dass sie versuchen, die Grundlagen der Vermittlung von "Ideengeschichte" zu hinterfragen. Wenn ich aber daran denke, dass sich Studierende auf diese Art - Vermeidung offener Kommunikation und des transparenten Einstehens für die eigene Position und stattdessen anonyme und tendenziell denunziatorische Kritik im Web - auf ihre "Karriere" vorbereiten, dann würde ich mir diese Menschen später jedoch eher nicht als Kolleg_innen wünschen.

Kommentar

von PD Dr. Oliver Hülden | 22.05.2015 | 15:18 Uhr
Ich muss hier jetzt mal widersprechen, weil das Interview einen wesentlichen Punkt des Streits verschweigt. Der zentrale Konflikt besteht nämlich gar nicht so sehr in der Anonymität, sondern darin, dass das Blog und die dort geäußerten Vorwürfe wenig bis gar nicht fundiert sind (das stellt Frau Jahnz in einem Nebensatz ja auch fest: „wenig Substanz“) und darüber hinaus aus einer politischen Ecke kommen, die in dieser militanten Form eine ziemliche, man kann auch sagen extreme Minderheitenposition einnimmt. Herr Münkler ist als Militarist, Rassist und Sexist bezeichnet worden. Das sind schon schwere Vorwürfe, die diffamierenden Charakter haben und im Übrigen alle miteinbeziehen, die Herr Münkler jemals eine Plattform gegeben haben, ohne ihn ebenfalls so zu brandmarken.

Die erhobenen Vorwürfe bilden denn auch gar keine Diskussionsgrundlage, da sie quasi als Tatsachenbehauptungen daherkommen – und wer will schon mit einem Rassisten, Sexisten und Militaristen diskutieren. Und da liegt auch der Knackpunkt: Irgendwelche Leute mit einem ziemlich festgefügten und einseitigen Weltbild, die in ihrem Blog zudem ständig die normative und die analytische Ebene durcheinanderbringen, stellen diffamierende Behauptungen auf, weil jemand ihrem Weltbild nicht entspricht. Es ist nämlich schon etwas anderes, freundlich den Professor in einer Vorlesung darauf hinzuweisen oder von mir aus auch darauf zu drängen, ob man die eurozentrische Perspektive nicht mal für eine Sitzung aufgeben kann oder ob man jemanden öffentlich als Rassisten beschimpft. Die ganze Aktion, die ja an der HU auch schon diverse Vorgeschichten hat, zeigt Züge, die der Freiheit der Lehre diametral widersprechen und ansonsten von einem falschen Verständnis von Pluralismus und Demokratie sowie von schlechten Umgangsformen zeugen. Hier soll nämlich einem Professor in ziemlich dreister Weise vorgeschrieben werden, was er nach Vorstellung der so genannten Kritiker in seiner Veranstaltung sagen darf und was nicht.

Dann noch eine Anmerkung zum Thema Transparenz: Also gerade Herfried Münkler, der gefühlt alle zwei Wochen seine durchaus kontrovers diskutierbaren Sichtweisen in irgendeinem Medium ausbreitet und sich damit auch unterschiedlichster öffentlicher Kritik aussetzt, den braucht man jetzt wirklich nicht noch dadurch transparent machen, dass man ihn unter Videobeobachtung stellt, ob er Carl Schmitt auch richtig oder falsch interpretiert. Menschen in diesem Land regen sich teilweise schon darüber auf, dass sie über einen Platz laufen müssen, wo eine Videokamera hängt, und wir hängen demnächst in jeden Hörsaal eine rein. Ich finde, dass muss jede Dozentin und jeder Dozent schon selbst entscheiden, ob sie/er das möchte oder nicht.

Schließlich eine letzte Bemerkung: Vieles von dem, was Frau Jahnz ausführt, ist richtig und bedenkenswert, ich denke nur, dass es mit dem, was die „Kritiker“ von Herrn Münkler im Schilde führen, eher am Rande etwas zu tun hat. Denn beispielsweise über die angesprochenen Optimierungszwänge, über die muss man tatsächlich reden. Und zwar in dem Sinne, was wir mit diesem Zwang zur Produktion von „Abziehbildern“, die alle denselben CV aufweisen, den jungen Menschen und letztendlich der Gesellschaft antun. Frau Jahnz beweist ja, dass man als Student dazu öffentlich seine Meinung unter eigenem Namen kundtun kann. Das ist auch gut so, und schaden wird es ihr mit Sicherheit nicht, auch wenn sich bisweilen mal jemand an ihren Ansichten stören sollte.

Kommentar

von Dr. Britta Kägler | 26.05.2015 | 20:04 Uhr
Wie meine Vorredner sehe auch ich den „Knackpunkt“ (L.I.S.A.) nicht in der Anonymität, sondern in den diffamierenden Vorwürfen selbst. Inhaltliche Widersprüche aushalten zu lernen, zu diskutieren und weiterzudenken, ist doch wunderbar. Aussagen, die einem selbst widerstreben, gleich an den Pranger zu stellen, ist etwas ganz anderes. Und das steckt durchaus im Münkler-Watch. Diskussionsfreude spreche ich den Studierenden, die ich an meinen Universitäten bislang kennengelernt habe, nicht ab. Es wird im Gegenteil gern diskutiert. Was mir in den Netzdiskussionen hingegen oft fehlt, ist die Toleranz gegenüber anderen Meinungen als denen, die dem vermeintlichen Zeitgeist entsprechen.

Unbedingt beipflichten möchte ich meinem Kollegen Oliver Hülden, dass die Aufzeichnung von Vorlesungen nicht unbedingt die vermeintliche Transparenz vergrößert. Vielleicht ist es sogar eine Frage, die das Präsidium einer Universität zu entscheiden haben wird: An welche „Öffentlichkeit“ richten sich denn die Vorlesungen? Ist es so ohne weiteres vorgesehen, die Leistung der Vorlesungen für jedermann online zu stellen? Werden nicht Vorlesungsmitschriften in der Regel auch nur denjenigen als Skripte zur Verfügung gestellt, die in der Vorlesung sitzen? Da sind sicherlich eine ganze Reihe von Folgefragen zu klären. Den Mehrwert von aufgezeichneten Vorlesungen schätze ich vorsichtig als marginal ein. Selbstverständlich wissen wir alle, dass jederzeit – auch aus dem Zusammenhang gerissene – kleine Videosequenzen von uns in den Lehrveranstaltungen auftauchen können. Aber eine Aufzeichnung einer Lehrveranstaltung wird sicherlich den Duktus verändern... nicht inhaltlich, sicher aber die Nähe, die Form, das informelle und mitunter flapsige, das gut tut, wenn man Wissen, Umgang mit Quellen oder Forschungsdiskursen vermitteln möchte.

Kommentar

von Charlotte Jahnz, BA | 27.05.2015 | 12:48 Uhr
Ich möchte mich dann noch einmal ausführlicher zum Thema "Videoaufzeichnung" äußern. Es steht Herrn Münkler frei, ob er dies möchte und meine Antwort sollte keine Aufforderung darstellen, lediglich eine Überlegung anstellen. Denn (das schrieb ich bereits an anderer Stelle) die Vorwürfe sind in der Welt und vor einem derartigen Angriff besteht kein Schutz. Die Frage ist, wie man damit umgeht und da finde ich es nicht besonders souverän, Vergleiche mit 1933 zu ziehen (aber auch das ist lediglich meine Meinung). Man könnte versuchen, die "diffamierenden Vorwürfe" zu entkräften. Stattdessen ist z.B. im FAZ-Artikel "Der überwachte Professor" von Mona Jaeger vom 25. Mai (online hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/studenten-kritisieren-herfried-muenkler-anonym-13611258.html) zu lesen, Münkler sei den Vorwürfen wehrlos ausgesetzt. Ich bezweifle das. Als Public Intellectual dürfte er mehrere Wege haben, sich zur Wehr zu setzen und er nutzt diese ja auch, wie sein Interview mit der ZEIT in der vergangenen Woche zeigt. Aus bereits genannten Gründen hätte ich die Videodokumentation begrüßt, es ist ja auch nicht so als würde dies nicht bereits stattfinden. Ich habe während meines BA eine Vorlesung per Podcast "besucht", weil ich während dieser VL in einer anderen saß, MOOCs arbeiten zum Teil ähnlich. Es ist eben auch nur eine Möglichkeit der Wissenschaftsvermittlung und generell gesprochen: in die Vorlesung könnte sich auch sonst jeder hineinsetzen, der sich für sie interessiert, aber vielleicht nicht den Status "Student" hat. Ich weiß z.B. nicht, ob die Anwesenheit mehrerer sog. "Seniorenstudenten" die "informelle, mitunter flapsige" Atmosphäre einer Vorlesung verändert (wobei ich mir das schon vorstellen könnte).

Kommentar

von Prof. Dr. Helen Knauf | 27.05.2015 | 15:33 Uhr
Die Frage der Öffentlichkeit einer Vorlesung hat hier zwei Dimensionen:

Die erste - individuelle - betrifft Herfried Münkler, der durch mehr Transparenz die Vorwürfe gegebenenfalls entkräften könnte.

Die zweite - grundlegendere - Dimension betrifft die Öffnung von Hochschulen insgesamt. Für mich steht es außer Frage, dass eine mit öffentlichen Mitteln finanzierte Leistung an einer öffentlichen Hochschule auch allgemein zugänglich sein muss. Im Sinne von Transparenz, Teilhabe und Inklusion sind Veranstaltungen, die nur einem exklusiven Kreis von Eingeweihten zugänglich sind indiskutabel. Dass dabei nicht selbstverständlich davon ausgegangen werden kann, dass jede*r Lehrende jede seiner*ihrer Veranstaltungen filmt und ins Netz stellt, sollte aber auch klar sein. Auf welche Weise, in welchem Umfang und wo dies geschieht, bedarf der Klärung in der Scientific Community. In jedem Falle sehe ich mehr Transparenz und Sichtbarkeit als große Chance für die Wissenschaft, in der Gesellschaft wirksam zu werden und begrüße einen Dialog über diese Fragen. Wenn Münchner-Watch solch einen Dialog anstoßen kann, wäre das doch ein (wenngleich wohl nicht intendierter) Erfolg!

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