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Birgit Marzinka | 14.03.2012 | 1860 Aufrufe | Ankündigungen

Rechtsextremismusprävention und Demokratieerziehung durch Gedenkstätten und Kriegsgräber?

LaG-Magazin (03/2012)

Das LaG-Magazin hat es sich zur Aufgabe gemacht, danach zu fragen, ob und wie historisch-politische Bildung als ein Element der Rechtsextremismusprävention dienen kann. In den Medien oder der öffentlichen Diskussion trifft man häufiger auf die Hoffnung, ein Gedenkstättenbesuch oder andere Formen der Auseinandersetzung mit dem Holocaust könnten Rechtsextreme in ihrer Weltanschauung beeinflussen. Solche Erwartungen werden jedoch in der Fachdiskussion mehrheitlich zurückgewiesen.

Zu Recht wird auf ein Überstrapazieren historisch-politischer Bildung verwiesen und in Frage gestellt, ob ausgerechnet der Holocaust, dem die Abwesenheit jeglicher Menschenrechte für Jüdinnen und Juden immanent ist, als Folie für Rechtsextremismusprävention und Demokratiepädagogik dienen könne. Trotzdem kann historisch-politische Bildung Gesprächsanlässe schaffen, um sich auch mit gegenwärtigen Themen und Fragestellungen auseinanderzusetzen. Dabei muss sicherlich unterschieden werden, an wen sich Angebote richten: Handelt es sich um Präventionsarbeit mit Jugendlichen oder um die Arbeit mit überzeugten Rechtsextremist/innen, die sich mit ihren Ressentimentstrukturen gegen pädagogische Bemühungen als immun erweisen?

Die von uns angesprochenen Autor/innen beantworten die Fragestellung unserer Ausgabe differenziert unter verschiedenen Gesichtspunkten sowie mit unterschiedlichen Nuancierungen. Es entspricht der Thematik, dass sich in den von uns ausgewählten Projektbeispielen und Institutionen sowohl solche finden, die ausschließlich im Bereich der Arbeit gegen Rechtsextremismus tätig sind, als auch andere, die Schnittstellen zwischen politischer und historischer Bildung schaffen.

Peter Reif-Spirek widmet sich grundlegend dem Zusammenhang von Rechtsextremismus, Geschichtsrevisionismus und historisch-politischer Bildung anhand von Beispielen aus dem Freistaat Thüringen.

Michael Sturm und Heiko Klare beschreiben den Rahmen, in dem aus ihrer Perspektive historisch-politische Bildung über die Schaffung eines differenzierten Geschichtsbewusstseins einen Beitrag zur Rechtsextremismusprävention leisten kann.

Dr. Stefan Mühlhofer geht dem Gedanken nach, dass mehr Wissen über den Nationalsozialismus noch lange kein Weniger an Rechtsextremismus in der Gesellschaft bedeutet. Dennoch habe die Arbeit der Gedenkstätten zur Folge, dass der politische Einfluss rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien in der Bundesrepublik eher nicht höher ist.

Johannes Fülberth zeigt die Arbeit gegen Rechtsextremismus in den Studientagsangeboten der Gedenk– und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz auf.

Dr. John Cramer beschreibt am Beispiel der Kriegsgräberstätte Essel die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge gegen sogenanntes Heldengedenken und Geschichtsrevisionismus.

Sophia Oppermann beschreibt die Arbeit und die Zugänge von Trainingsplatz 7xjung, ein Ausstellungsprojekt von Gesicht Zeigen! in Berlin.

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LaG-Magazin vom 14. März 2012 (03/12)

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