Anmelden

Login

merken
Jakob Krais | 08.12.2016 | 340 Aufrufe | Beiträge

Qatar Airways vs. Emirates

Der globale Sport und die neuen Mächte am Persischen Golf

Die kleinen Golfmonarchien etablieren sich immer mehr als feste Größen auf der Welt­karte: als arabische Regionalmächte und als „global microstates“. Dafür nutzen sie vor al­lem den internationalen Sport.

El Clásico steht für die vielleicht größte sportliche Rivalität in Europa. Wenn Real Madrid ge­gen den FC Barcelona spielt, stehen sich nicht nur zwei Fußballteams gegenüber: Cristiano Ronaldo trifft dann auf Lionel Messi, die spanische Hauptstadt auf die Metropole des unabhängigkeitswilligen Katalo­nien, der Klub der Könige auf den kosmopolitischen Verein aus der alten Bastion der Republik – und die Vereinigten Arabischen Emirate auf Katar. Diesen Eindruck erhält man jedenfalls seit 2013, wenn man sich die Trikots anschaut. Auf den weißen von Real prangt der Schriftzug Fly Emira­tes, während das Blau-Rot von Barça mit Qatar Airways überschrieben ist.

Zoom

Qatar & Emirates: Nasir al-Khulaifi von Qatar Sports Investments (l.) mit Neuzugang Zlatan Ibrahimović (M.) bei Paris St. Germain, 2013

Golfmonarchien als globale Marken
Es ist kein Zufall, dass ein Spiel, das wie kaum ein anderes aus dem normalen Ligabe­trieb weltweite mediale Aufmerksamkeit erfährt, inzwischen im Zeichen der Golfmonar­chien steht. Die kleinen Staaten auf der Arabischen Halbinsel versuchen, sich als Teil einer „branding strategy“[1] über den Sport als wichtige Punkte auf der Weltkarte von Me­dien und Business zu positionieren: Durch eine Verbindung mit bekannten Marken des globa­len Sports verbrei­ten Katar und die Emirate, aber auch Bahrain oder Oman ein bestimm­tes Image von sich und etablieren sich selbst als Marken, die auf der ganzen Welt wahrgenommen werden.

Das liegt auch daran, dass die vier Monarchien mit ihren zwischen 1,2 und 5,5 Millionen Einwohnern – von denen jeweils nur Minderheiten auch Staatsbürger sind – kaum auf eigene sportliche Erfolge hoffen können. Monaco oder Singapur ha­ben vorgemacht, wie man sich als eigentlich unbedeutender Kleinstaat dennoch innerhalb kurzer Zeit be­kannt machen kann: als „global microstate“,[2] der als Treffpunkt einer internationa­len Elite Geschäfts- und Freizeitmöglichkeiten auf höchstem Niveau bietet.

Erste Anerkennung als internationaler Konferenzort erhielt die katarische Hauptstadt Doha 2001 als Gastgeber der Verhandlungsrunde der Welthandelsorganisation (WTO). Die VAE bekamen dagegen 2009 den Zuschlag für die Internationale Agentur für erneuerbare Energien (IRENA), deren Hauptsitz in der neu entworfenen ökologischen Modellstadt Masdar liegt. In Dubai wird außerdem die Expo 2020 stattfinden. Durch diesen Bedeutungszuwachs im weltweiten Maßstab bieten sich den Golfstaaten Perspektiven jenseits der auf fossilen Energieträgern basierenden Rentierökonomie.

Olympische Träume
Um sich als globales Zentrum zu etablieren, lässt sich gut das Rampenlicht großer Sportereig­nisse nutzen. Abgesehen von der schieren Medienpräsenz kann ein Gastgeber­land immer auch seine Organisationskompe­tenz und seine technologische Entwicklung demonstrieren. Am prominentesten ist hier Katar, das 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten wird – obwohl es „eines der kleinsten Länder der Welt ist, kaum eine Fußballgeschichte hat und dort normalerweise sengende Hitze herrscht.“[3]

Schon 2006 fanden in Doha – zum ersten Mal in einem arabischen Land – die Asien­spiele statt, die in ihrer Geschichte häufiger als Generalprobe für Olympia fungiert haben (zum Beispiel für Tokio oder Seoul). Seitdem geben sich in Katar internationale Spitzensport­ler bei ihren jeweiligen Titelkämpfen praktisch die Klinke in die Hand. Spätes­tens die Leichtathletik-WM 2019 und die im Fußball drei Jahre später sollen end­lich auch die Reife für Olympische Sommerspiele beweisen, nachdem die katarische Haupt­stadt be­reits zweimal mit einer Bewerbung gescheitert ist (für 2016 und 2020).

Olympische Ambitionen werden auch Dubai nachgesagt, wo in den letzten Jahren  ein großer Komplex an Trainings- und Wettkampfstätten der Spitzenklasse entstanden ist. Diese Dubai Sports City beherbergt heute schon das International Cricket Council, das 2005 als erster Weltsportver­band seinen Hauptsitz an den Golf verlegte. Die Region hat sich daneben bereits als Schauplatz regelmäßiger Sportveranstaltungen einen Namen ge­macht.

Sportkulissen
Durch das warme Klima bietet sie sich im Winter für Freiluftsportarten an. Wettkämpfe zu dieser Jahreszeit haben den Vorteil, dass sie nicht direkt mit etablierten Events in Europa und Nordamerika konkurrieren müssen. Die Tennistur­niere von Dubai und Doha, die Radrennen in Katar und Oman oder der Dubai-Marathon haben dazu beigetra­gen, den Persischen Golf als bekannte Kulisse des Weltsports zu verankern. In der vergange­nen Saison schlu­gen zudem mit Bayern München und Borussia Dortmund die beiden Spitzenklubs der Fußball-Bundesliga ihr Wintertrainingslager in Katar beziehungs­weise den VAE auf – ein Trend, der zunehmen könnte, da mehrere Bundesligis­ten bereits angekündigt haben, wegen der politischen Lage nicht mehr in ihre angestammten Winterquartiere in der Türkei zu reisen.

Dass sich die Sportbegeisterung unter den Bewohnern der Region selbst anscheinend in Grenzen hält, tut dem keinen Abbruch. Dabei gelten Bewegungsmangel und Überge­wicht iro­nischerweise als drängendste Gesundheitsprob­leme in den neuen Sporthochbur­gen am Golf. In Katar zahlen die spärlichen Zuschauer in den topmodernen Hallen und Sta­dien häufig keinen Eintritt, sondern erhalten selbst Geld dafür, dass sie ein Fußball- oder Bas­ketball­spiel verfolgen: „Manche kennen heute die Mannschaft, die sie unterstützen, gar nicht. Sie kommen aus Bangladesch, Nepal oder Pakistan: Für sie ist der Stadionbe­such wie ein Ar­beitstag“, so zwei marokkanische Gastarbeiter gegen­über der französi­schen Sportzeitung L’Équipe.[4]

Eintrittsgelder der Zuschauer in den Arenen machen inzwischen ohnehin nur noch ei­nen winzigen Anteil der Einnahmen bei Sportveranstaltungen aus. Entscheidend ist mittler­weile die Werbung und damit die Fernsehübertragung. Daher können auch, wie in den vergangenen Jahren geschehen, Spiele der indischen Cricketliga in Dubai oder der itali­enische Fußball-Supercup in Doha stattfinden. Die Fans vor Ort werden von den berich­tenden Sendern – in der arabischen Welt sind die wichtigsten nicht zufällig beIn Sports aus Katar sowie Dubai Sports – bestenfalls noch als Statisten für den stimmungsvol­len Hintergrund gebraucht.

Der Golf der unbegrenzten Möglichkeiten
Die „global microstates“ bieten aus Sicht internationaler Verbände trotz fehlender Fans entscheidende Standortvor­teile: Hier scheint möglich, was anderswo nicht durchsetz­bar wäre. Der Stararchitekt Ieoh Ming Pei beschreibt die Vorzüge der Arbeit in Doha so: „Die Schönheit dieses Ortes besteht darin, ihn zu formen.“[5] Immense spektaku­läre Sportanla­gen – neben der Dubai Sports City etwa die neuen Formel1-Strecken in Bahrain und Abu Dhabi – lassen sich in vielen traditionellen Sportnationen wegen ökonomischer und ökologi­scher Bedenken kaum noch realisieren.

In den letzten Jahren scheiterten aus diesem Grund geplante Bewerbungen um die Olympi­schen Spiele sowohl in Hamburg und München als auch in Oslo oder Boston am Widerstand der Bevölke­rung – und das trotz der unbestreitbaren Popularität der entspre­chenden Sportar­ten. Selbst in Brasilien, dem wahrscheinlich fußballverrücktes­ten Land der Welt, wurde die WM 2014 von heftigen Auseinandersetzungen und Demonstra­tionen überschattet.

In den absoluten Monarchien am Persischen Golf spielen solche gesellschaftlichen Kon­flikte dagegen kaum eine Rolle. Die Nachteile der Großprojekte bekommen ohnehin meis­tens nur die Gastarbeiter zu spüren, die in Katar beispielsweise zwar über 80 Pro­zent der Bevölkerung stellen, aber keinerlei politische Stimme haben. „Manchmal ist weniger Demokratie bei der Planung einer WM besser“, brachte denn auch Jérôme Val­cke, der frühere Generalsekre­tär des Weltfußballverbandes FIFA – der 2015 wegen Korrupti­onsvorwürfen seinen Hut nehmen musste – den diskreten Charme autoritärer Re­gime offenherzig auf den Punkt: „Wenn es ein star­kes Staatsober­haupt mit Entscheidungs­gewalt gibt, ist es für uns Organisatoren leichter, als etwa in Län­dern wie Deutschland, in denen auf verschiedenen Ebenen verhandelt werden muss.“[6]

Chefsache
Es dürfte ganz im Sinne des Ex-FIFA-Funktionärs gewesen sein, dass der Sport am Golf häufig Chefsa­che ist. So vertritt etwa der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, sein Land persönlich im Internationalen Olympischen Komitee. Wie der bahraini­sche König Hamad bin ‘Isa Al Khalifa führt er außerdem einen Ehrendoktor der U. S. Sports Academy. In Dubai steht der Thronfolger dem Sportverband vor. Sein Bruder, der regie­rende Emir (und Vizepräsident der VAE) Muhammad bin Rashid Al Maktum, ist selbst begeisterter Reitsportler und hat mit dem Dubai World Cup das höchstdotierte Pferderen­nen der Welt gestiftet. Seine Frau wiederum, die aus Jordanien stammende Prinzessin Haya bint al-Husain, die als Springreiterin an Olympischen Spielen teil­nahm, war bis 2014 Präsidentin des Weltverbandes FEI.

Anders als die Fürsten von Monaco verfügen die Herrscher der arabischen „microstates“ schon von sich aus über sprudelnde Einnahmequellen – die Öl- und Gasexporte machen die Golfmonar­chien zu den reichsten Ländern der Welt. Dank dieser Gelder können die Scheichs nicht nur Sportereignisse in ihre Hauptstädte holen, sondern auch direkt im Ausland investieren, zum Beispiel in europäische Fußballteams. So erwarb etwa Scheich Mansur bin Zayid Al Nahyan, der Bruder des Emirs von Abu Dhabi (und Präsidenten der VAE), 2009 den englischen Erstligisten Manchester City.

Die Firma Qatar Sports Investments (QSI) kaufte dagegen Paris St. Germain. Der Chef von QSI, Nasir al-Khulaifi, ist seitdem nicht nur gleichzeitig Präsident des aktuellen französi­schen Meisters und laut L’Équipe der „mächtigste Mann im französischen Fußball“;[7] der ehemalige Profisportler und Freund Scheich Ta­mims steht außer­dem dem Tennisver­band Katars vor, leitet die beIn Media Group, die alle wichtigen Sportar­ten in die arabi­sche Welt überträgt, und sitzt als Minister in der Regierung in Doha.

Fly Emirates: Stadien und Flughäfen
Als Sponsoren sind daneben die Fluglinien der Region allgegenwärtig: Der deutsche National­spieler İlkay Gündoğan und seine Kollegen von Manchester City tragen auf ihrer Brust etwa den Schriftzug der in Abu Dhabi ansässi­gen Etihad Airways, während das Team von Mesut Özil, Arsenal London, von Emirates unterstützt wird. Auch die mit katari­schem Kapital nach Paris gelock­ten Stars werben auf ihren Trikots pikanterweise für die in Dubai beheimatete Ge­sellschaft. Emirates war ein Vorreiter im Sponsoring und hat heute Verträge mit zahlreichen europäischen Klubs, ne­ben Paris St. Germain, Arse­nal London und Real Madrid auch mit dem AC Mailand, Benfica Lissabon oder dem Hamburger SV. Qatar Airways kann sich zugute halten, als erster kommer­zieller Sponsor auf den Trikots des FC Barcelona erschie­nen zu sein, wo noch Anfang des 21. Jahrhunderts überhaupt kein Werbeschrift­zug geduldet wurde.

Die Verbindung von Stadien und Flughäfen fügt sich perfekt in das Gesamtkonzept der Herrscher vom Golf. Genau so wie jeder sein kleines Reich als „modern sport hub“[8] etablie­ren will, schicken sich Städte wie Doha und Dubai an, zu hubs des internationalen Luftverkehrs zu werden. Tat­sächlich gehörte letzteres schon 2010 zu den dreißig wichtigs­ten Drehkreuzen der Welt. Gemeinsam verfügen Emirates, Etihad und Qatar Airways über eine doppelt so große Flotte wie die größten Fluggesellschaften Europas (Lufthansa, Air France/KLM, British Airways/Iberia) zusammengenommen.[9]

Gleichzeitig beanspruchen die Golfstaaten den Spitzenplatz bei Qualität und Technolo­gie. Als wahrhaft globale Treffpunkte der Elite stellen sie alle erdenklichen Annehm­lichkei­ten zur Verfügung. Daher findet man hier nicht nur Sportanlagen für Handball oder Schwimmen, sondern ganz selbstverständlich auch satt grüne Golfplätze und Ski- oder Eishockeyhallen. In einer der trockensten und heißesten Regionen der Erde mag das absurd erscheinen – es untermauert aber einfach den An­spruch, eine Destination für die Reichen und Schönen der Welt zu sein.[10]
Selbst das gegenüber den hektischen Emiraten „ruhige“ Sultanat Oman präsentiert sich mit seinen Regatten oder den Asian Beach Games, die 2010 in Maskat stattfanden, gern als Reiseziel für wohlhabende sportliche Besucher aus dem Westen. Die Fluglinie Oman Air sponsert ein Segelteam ebenso wie ein Golfturnier.

Ein Frühling der Monarchen
Auf dem Sport- und Tourismussektor konkurrieren die Anrainer des Persischen Golfs innerhalb der Region heute vor allem mit anderen Monarchien. Besonders Marokko ver­sucht, sich mehr und mehr als internationaler Treffpunkt von globa­lem Format aufzustel­len: Erst vor wenigen Wochen trafen sich die Vertreter von 196 Staaten zum Weltklimagipfel in Marrakesch. Schon vorher konnte das Königreich sich auf der Karte internationaler Sportereignisse etablieren, etwa durch die FIFA-Klub-WM oder die Tennistur­niere von Marrakesch und Casablanca – in der marokkanischen Geschäftsmetro­pole erblicken manche bereits ein zukünftiges Dubai am Atlantik.

Die 1953 in Alexandria begründeten Panarabischen Spiele fanden ausgerechnet im Jahr des Arabischen Frühlings erst­mals in einem Golfstaat statt.[11] Spätestens seitdem wur­den die Karten der regionalen Beziehungen neu gemischt. Früher einflussreiche Staaten wie Syrien, vor allem aber Ägyp­ten sind nur noch mit inneren Ereignis­sen beschäftigt. Und auch die Ölförderländer Li­byen, Algerien und Irak können ihren Reichtum wegen chronischer Instabilität schon lange nicht mehr in eine Führungs­rolle ummünzen.

Die Monarchien blieben dagegen von den Umbrüchen weit gehend unberührt. Der Auf­stand in Bahrain war von den Armeen des Golfkooperationsrats schon wieder niedergeschla­gen, als im Dezember 2011 in Doha die Panarabischen Spiele eröffnet wur­den. Der Politikwissenschaftler Christoph Schumann hat die Ansicht vertreten, dass die Monarchien mit ihrer Mischung aus Traditionalismus und Modernisierung einfach eine höhere Legitimität beanspruchen konnten als die Republiken mit ihren uneingelösten Versprechen und abgenutz­ten Paro­len von arabischem Nationalismus und Sozialis­mus.[12]

In der Tat pflegt ein König wie Muhammad VI. von Marokko genau wie seine Herrscherkolle­gen vom Golf das Image des aufgeklärten Monar­chen kombiniert mit dem ge­schäftstüchtigen Macher – und präsentiert so die moderne Seite einer Region, die in den westlichen Medien sonst nur durch Fanatismus und Konflikt auffällt. Fühlten sich die kleinen arabischen Staaten frü­her von ‘Abd al-Nasirs Ägypten dominiert oder von Saddam Husains Irak bedroht, so sind es heute die „microstates“, die Regierungen in Kairo stützen und ihre Kampfjets nach Libyen, Sy­rien oder in den Jemen schicken. Mit ihren Fernsehsendern wie Al Jazeera (und deren Tochter beIn Sports) wetteifern sie dar­über hinaus „um die Kontrolle der arabischen Köpfe und Herzen“.[13]

Risse und Rivalitäten
Allerdings stehen die neuen arabischen Mächte durch ihre geballten sportlichen, wirtschaftli­chen und politischen Anstrengungen auch schneller im Fokus negativer Aufmerk­samkeit. Wie die Sportsoziologen Paul Brannagan und Richard Giulianotti beto­nen, führt das Streben nach „soft power“ leicht zu „soft disempowerment“:[14] Die katastro­phalen Lebensbedingungen der Gastarbeiter in Katar würden ebenso wie die Korruptionsvorwürfe ohne die WM 2022 in westlichen Medien kaum für Schlagzeilen sorgen. Die glänzende Fassade bleibt so nicht ohne Risse.
Die Unterstützung der ägyptischen Muslimbrüder, der palästinensischen Hamas und nach Ansicht vieler Beobachter auch des Is­lamischen Staats im Irak und Syrien kostete Doha selbst die Sympathien der übrigen Mitglieder des Golfkooperationsrats, in erster Linie Saudi-Arabiens und der VAE. Wenn sich auf der Arabischen Halbinsel das neue Machtzentrum der Region befindet, bleibt noch zu klären, wo genau.

Emir Hamad bin Khalifa schien den Bogen jedenfalls überspannt zu haben. Wohl auch deshalb über­gab er die Regierung 2013 seinem Sohn Tamim. So schnell ließen sich die Wogen frei­lich nicht glätten: Die in vieler Hinsicht für Katar so erfolgreiche Handball-WM 2015 wurde überschattet von den Absagen der Mannschaften aus Bahrain und den Emiraten – die viele Experten sich nur politisch erklären konnten.[15] Wenn Barça und Real aufeinander treffen, erhält die alte Rivalität des Clásico also eine sehr reale neue Dimension mit Qatar vs. Emirates.
__________________________________________________________
[1] Katrin Bromber, „The Sporting Way: Sport as Branding Strategy in the Gulf States“, in: Steffen Wippel/ Katrin Bromber/Christian Steiner/Birgit Krawietz (Hrsg.), Under Construction: Logics of Urbanism in the Gulf Region, Farnham/Burlington (VT) 2014, S. 119.
[2] Paul Michael Brannagan/Richard Giulianotti, „Soft power and soft disempowerment: Qatar, global sport and football’s 2022 World Cup finals“, in: Leisure Studies (2014), http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/02614367.2014.964291 - .VQlUfCiDOy0, S. 6.
[3] Ebd., S. 1 (Übers. J. K.).
[4] Vincent Villa/Alexandre Roos, „Rencontres dans le désert. Entre le Tour du Qatar cycliste, l’Open de Doha de tennis féminin, le choc du Championnat de football ou la fête nationale du sport, nos reporters ont vécu une semaine de compétitions au Qatar. Ils racontent.“, in: L’Équipe, 26. 02. 2014, S. 6 (Übers. J. K.).
[5] Zitiert nach: Nadine Scharfenort, „Off and Running: Qatar Brands for FIFA World Cup, and Life Beyond“, in: Wippel/Bromber/Steiner/Krawietz (wie Anm. 1), S. 74 (Übers. J. K.).
[6] Zitiert nach: Barbara Unmüßig, „Fußball und Demokratie“, in: Heinrich Böll Stiftung, http://www.boell.de/de/2014/04/17/fussball-und-demokratie, 30. 04. 2014.
[7] „Le top 30 du foot français“, in: L’Équipe, http://www.lequipe.fr/Football/top30-classement-foot-francais-2015/1/nasser-al-khelaifi, 07. 01. 2016.
[8] Katrin Bromber/Birgit Krawietz, „The United Arab Emirates, Qatar, and Bahrain as a Modern Sport Hub“, in: Katrin Bromber/Birgit Krawietz/Joseph Maguire (Hrsg.), Sport Across Asia: Politics, Cultures, and Identities, New York/Abingdon 2013, S. 189.
[9] Inklusive bestellter Maschinen besitzen die emiratischen und katarischen Unternehmen über 800 Langstreckenflugzeuge. Siehe Jean-Pierre Séréni, „Arabische Konkurrenz für europäische Fluglinien. Die Airlines der Golfstaaten können ihren Anteil am globalen Luftverkehr ständig vergrößern. Ihre Flugzeuge verbrauchen besonders wenig Kerosin, für das sie außerdem weniger zahlen als die Konkurrenz.“, in: Le Monde diplomatique, Atlas der Globalisierung. Die Welt von morgen, Berlin 2012, S. 44f.
[10] Man sollte außerdem nicht vergessen, dass auch die amerikanische Eishockeyliga NHL zahlreiche Teams aus Gegenden von Florida oder Kalifornien beinhaltet, in denen die Temperaturen nie unter den Gefrierpunkt sinken. Selbst Olympische Winterspiele fanden in jüngerer Zeit kaum noch in eigentlichen Wintersportorten statt, sondern eher in größeren Städten, die mehr oder weniger nahe an Skigebieten liegen (zum Beispiel in Turin, Vancouver oder Sotschi).
[11] Schon die Spiele von 1997 in Beirut demonstrierten nicht nur den Wiederaufbau des Libanon nach dem Bürgerkrieg. Das maßgeblich aus Saudi-Arabien und Kuwait finanzierte Event verdeutlichte auch den wachsenden Einfluss, den unter der Regierung des saudisch-libanesischen Bauunternehmers Rafiq al-Hariri die Golfstaaten auf eine traditionsreiche Metropole der arabischen Welt erlangt hatten.
[12] Siehe Christoph Schumann, „Das Revolutionsjahr 2011 und die Krise des arabischen Republikanismus“, in: Heinrich Pehle/Klaus Brummer (Hrsg.), Analysen nationaler und supranationaler Politik. Festschrift für Roland Sturm, Stuttgart 2013, S. 315-326.
[13] Mahfoud Amara, Sport, Politics and Society in the Arab World, Basingstoke/New York 2012, http://www.palgraveconnect.com/pc/doifinder/10.1057/9780230359505, S. 55 (Übers. J. K.).
[14] Brannagan/Giulianotti (wie Anm. 2), S. 12.
[15] So James M. Dorsey, „Qatar’s hosting of GCC summit in further jeopardy following Gulf states’ handball boycott“, in: The Turbulent World of Middle East Soccer, http://mideastsoccer.blogspot.de/2014/11/qatars-hosting-of-gcc-summit-in-further.html, 13. 11. 2014.

Kommentar erstellen

MUU1ED