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Christian Dzaack | 29.04.2010 | 2046 Aufrufe | 1 | Artikel

Public History: Erinnerung als Auftrag

DIE BUNDESSTIFTUNG ZUR AUFARBEITUNG DER SED-DIKTATUR und die Erinnerungsjahre 2009 und 2010
Autor: Dr. Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wurde 1998 vom Deutschen Bundestag gegründet. Sie hat den gesetzlichen Auftrag, die umfassende Aufarbeitung der Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in SBZ und DDR zu befördern, den Prozess der Deutschen Einheit zu begleiten und an der Aufarbeitung von Diktaturen im internationalen Maßstab mitzuwirken. Gemeinsam mit anderen Institutionen und zahlreichen Partnern im In- und Ausland unterstützt sie die Auseinandersetzung mit den kommunistischen Diktaturen in der SBZ/DDR und in Ostmitteleuropa, um das öffentliche Bewusstsein über die kommunistische Gewaltherrschaft zu stärken. Sie ist damit ein wichtiger Akteur im Bereich der Public History, der sich mit zeitgeschichtlichen Angeboten an eine breite Öffentlichkeit wendet.

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Öffentlichkeit erreichen

Anstoßen und fördern, informieren und vernetzen – so lassen sich die Leitmotive der Stiftungsarbeit beschreiben. In den Erinnerungsjahren 2009/2010 soll(t)en dabei die Friedlichen Revolutionen des Jahres 1989 als herausragende Ereignisse in der deutschen und europäischen Demokratiegeschichte verankert und gewürdigt werden, um so dazu beizutragen, die Folgen der Teilung Deutschlands und Europas zu überwinden. Zur Umsetzung der damit formulierten Ziele hat die Bundesstiftung Aufarbeitung verschiedene Konzepte entwickelt, die darauf ausgerichtet sind, die Öffentlichkeit mit zeithistorischen Angeboten zu erreichen.

History goes Public: Koordinierung und Bündelung – Newsletter und Geschichtsmesse

In einem ersten Schritt wurde bereits im Frühjahr 2007 ein Projektbüro in der Stiftung eingerichtet, das deren Aktivitäten zum Thema „20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ bündelte und koordinierte. In einem weiteren Schritt wandte sich die Bundesstiftung Aufarbeitung im Mai 2007 mit einem Aufruf an die Kommunen in Ost und West, in dem sie diese anregte, gemeinsam Projekte und Initiativen anlässlich des 20. Jahrestages von Friedlicher Revolution und Deutscher Einheit auf den Weg zu bringen. Im Ergebnis entstand ein Netzwerk von bundesweit fast 1.000 Ansprechpartnern, die vor Ort – in ihren Städten und Gemeinden – Projekte zu den Jahrestagen realisierten. Parallel dazu entwickelte die Bundesstiftung einen thematischen Newsletter, der inzwischen per E-Mail an über 1.500 Interessenten verschickt wird. Zugleich stellte sie ein in der Bundesrepublik bis dahin einmaliges Informations- und Vernetzungsforum für Einzelinitiativen zur Verfügung: die „Geschichtsmesse“. Seit 2008 findet sie jährlich statt. Die dreitägige Veranstaltung,  die von der Bundesstiftung Aufarbeitung ausgerichtet wird, bringt rund 200 Anbieter und Nutzer der historisch-politischen Bildungsarbeit aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen. Bürgermeister, Verwaltungsangestellte, Lehrer, Journalisten, Museumsleiter, u.a. treffen hier auf Wissenschaftler, Minister und Staatssekretäre sowie Präsidenten und Geschäftsführer der großen historisch-politischen Institutionen. Wie auf einer Handelsmesse besteht für die Besucher auf dem „Markt der Möglichkeiten“ die Gelegenheit, sich einen Überblick über die neuesten Angebote zum Thema zu verschaffen. Neben Vorträgen namhafter Wissenschaftler und Podiumsdiskussionen wird den Teilnehmern die Möglichkeit geboten, in ganztägigen Workshops eigene Vorhaben vorzustellen.

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Informations- und Vernetzungsforum: Geschichtsmesse 2010 in Suhl

Bildung online: Bildungskatalog und Zeitzeugenportal

Mit dem Bildungskatalog und dem Zeitzeugenportal hat die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zwei Angebote im Internet bereitgestellt, die die schulische und außerschulische Bildungsarbeit befördern sollen.
Der Bildungskatalog enthält eine Sammlung von ca. 200 didaktischen Materialien für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit. Die Zusammenstellung konzentriert sich auf die Geschichte der SBZ/DDR, der deutschen Teilung und deren Überwindung und des Kommunismus in Osteuropa.

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Auf www.stiftung-aufarbeitung.de/bildungsarbeit/ stellt die Bundesstiftung Aufarbeitung ihren Bildungskatalog online

Desweiteren steht mit dem Zeitzeugenportal 89/90 eine Internetplattform zur Verfügung, die Zeitzeugen der Friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit an Schulen und außerschulische Träger der historisch-politischen Bildungsarbeit vermittelt. Zudem bietet die Seite thematisch einschlägige Ressourcen, die auch zur Vorbereitung von Schulstunden oder Veranstaltungen zum Thema Friedliche Revolution und Deutsche Einheit geeignet sind.

Unter www.zeitzeugenportal8990.de können Zeitzeugen zu den Jahren 1989/90 recherchiert und kontaktiert werden.

Öffentliche Zeitgeschichte: Plakatausstellungen

Ein – auch international – äußerst erfolgreiches Konzept zur öffentlichen Vermittlung von Geschichte stellten 2009 und 2010 die drei großen thematischen Plakatausstellungen der Bundesstiftung Aufarbeitung dar. Dabei kooperierte sie mit verschiedenen Partnern aus dem Bereich der Public History (u.a. Hertie-Stiftung und Stern). Im Ergebnis der Zusammenarbeit entstanden drei Ausstellungen zur deutsch-deutschen Geschichte. Unter dem Titel „20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ wird der Weg zur deutschen Einheit anschaulich dargestellt, während in „Die heile Welt der Diktatur?“ Herrschaft und Alltag in der DDR im Mittelpunkt stehen. Die Ausstellung „Da war mal was…“ erzählt in Comics die Geschichte der deutschen Teilung und richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche. Allein die zuerst genannte Ausstellung wurde bis heute in 15 Sprachen übersetzt und  deutschland- und weltweit in über 100 Ländern an rund 1.200 Orten  gezeigt. Der Kerngedanke des Ausstellungskonzepts besteht darin, dass es leicht von allen an Geschichte Interessierten umgesetzt werden kann, auch und gerade, wenn sie sich nicht von Berufs wegen damit beschäftigen. Die jeweils 20 Plakate umfassenden Ausstellungen können gegen eine geringe Schutzgebühr bei der Bundesstiftung Aufarbeitung erworben werden und dann entweder komplett oder auch in Teilen an öffentlichen Plätzen gezeigt werden. Sie eignen sich hervorragend als Rahmen und Ausgangspunkt für weitere öffentliche Veranstaltungskonzepte.

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Öffentliche Plakatausstellungen der Bundesstiftung Aufarbeitung

Transparente Förderpraxis: wissenschaftliche und außerwissenschaftliche Projektförderung

Die Förderprogramme der Bundesstiftung Aufarbeitung richten sich sowohl an außerakademische als auch an akademische Projekte. Seit 1998 förderte die Bundesstiftung Aufarbeitung über 2.300 Projekte der historisch-politischen Bildungsarbeit, Archiv- und Dokumentationsprojekte, Ausstellungen, Dokumentarfilme sowie Publikationen und Vorhaben der Verbände der Opfer der SED-Diktatur. Der jährliche Wettbewerb „geschichts-codes“ richtet sich an Studierende einer Hochschule, Fachhochschule, Staatlichen Akademie oder Freien Kunstschule in der Bundesrepublik Deutschland. Darüber hinaus fördert(e) die Bundesstiftung Aufarbeitung wissenschaftliche Projekte, die sich mit den Ursachen, der Geschichte und den Folgen der Friedlichen Revolution in der DDR auseinandersetzen, diese in den Kontext der Friedlichen Revolutionen Ostmitteleuropas stellen oder sich dem politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einigungs- und Transformationsprozess in Deutschland ab 1989 widmen. Für das Jahr 2011 wurden sechs Doktorandenstipendien und ein Habilitationsstipendium ausgeschrieben. Für ein Stipendium können sich alle Hochschulabsolventen und angehende Habilitanden bewerben, deren Promotions- oder Habilitationsvorhaben thematisch dem Stiftungszweck entsprechen. Bislang hat die Bundesstiftung Aufarbeitung über 75 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefördert.

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Aufruf zum Stipendienprogramm der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Die Bundesstiftung Aufarbeitung steht allen offen, die sich mit den Ursachen, der Geschichte oder den Folgen der zweiten deutschen Diktatur beschäftigen wollen. Sie verfügt über ein Archiv mit einer einmaligen Fotosammlung sowie über eine umfängliche Spezialbibliothek, die insbesondere Literatur zu den Themen Widerstand, Opposition, non-konformes Verhalten, aber auch zu Herrschaft und Repression im Kommunismus bereitstellt.

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Zeitgeschichte und Öffentlichkeit: Raum und Zeit für Diskussionen

Die Auseinandersetzung mit den Ursachen, der Geschichte und den Folgen der zweiten deutschen Diktatur bedarf öffentlicher Podien. Die Bundesstiftung Aufarbeitung leistet mit einer Vielzahl von Veranstaltungen einen Beitrag zum zeithistorischen Diskurs. Die Angebote werden zum Teil in Eigenregie, aber auch in Kooperation mit anderen Einrichtungen entwickelt und präsentiert. Die Stiftung nimmt dabei sowohl die breite Öffentlichkeit wie auch ein unterschiedliches Fachpublikum in den Blick. Die Veranstaltungen der Bundesstiftung Aufarbeitung sind für alle Interessierten zugänglich, in der Regel eintrittsfrei und befördern so die Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Geschichte an der Schnittstelle zwischen akademischem und öffentlichem Raum.

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Kontakt
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Kronenstraße 5
10117 Berlin

Fon: +49 (030) 31 98 95-0
Fax: +49 (030) 31 98 95-210
E-Mail: buero@stiftung-aufarbeitung.de
Homepage: www.stiftung-aufarbeitung.de

Kommentar

von M.A. Jens Christian Schneider | 07.05.2010 | 13:15 Uhr
Ich schätze sowohl die Institution sowie ihre Arbeit, aber einen Kommentar muss ich kurz loswerden: Ist es denn unbedingt nötig, zumal es hier wirklich um deutsch-deutsche Geschichte geht, mit Anglizismen zu arbeiten? Muss selbst eine Institution wie diese hip und trendy sein? "History goes public" - manchmal kann man derartige Parolen einfach nicht mehr hören....

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