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Georgios Chatzoudis | 03.03.2010 | 1649 Aufrufe | Artikel

Peristyl und Polis -
Entwicklung und Funktionen öffentlicher griechischer Hofheiligtümer klassischer und hellenistischer Zeit

Autor: Burkhard Emme, Universität Heidelberg

Wer als Laie auf griechische Architektur angesprochen wird, dem kommen meist in erster Linie säulenumstandene Tempel in den Sinn. Mindestens ebenso weit verbreitet - wenngleich weit weniger gut bekannt - ist die gegenteilige Bauform des von Säulenhallen umstandenen Hofes, das Peristyl. Peristylbauten konnten innerhalb der griechischen Städte eine Vielzahl von Funktionen erfüllen: Sie dienten als Heiligtümer, Sportanlagen, Amtslokale, Marktbauten oder Gasthäuser. Auch die Paläste der hellenistischen Könige oder private Wohnhäuser konnten um ein Peristyl herum errichtet werden. Der säulenumstandene Hof bildete somit vielerorts das Zentrum von Gebäuden verschiedenster Funktion. Allen Bauten gemein ist jedoch ihre räumliche Organisation um den zentralen Hof sowie die damit einhergehende architektonische Abgeschlossenheit nach außen. Diese Beobachtung bildet den Ausgangspunkt für die Arbeitshypothese, dass die Bauform allgemein zur Ausbildung baulich abgeschlossener Räume für exklusive Gruppen von Benutzern diente.

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Umzeichnung des Palati Philius

Um diese Hypothese zu überprüfen, werden im Rahmen des Promotionsvorhabens verschiedene Vorgehensweisen miteinander kombiniert. An erster Stelle steht eine kritische Auseinandersetzung mit dem erhaltenen Baubestand anhand der Forschungsliteratur sowie durch Anschauung der Befunde vor Ort. Aus der Untersuchung der Bauten ergibt sich dabei in aller Regel das Bild eines bis in die baulichen Einzelheiten durchdachten Systems, das die Bauten von außen hermetisch abgeschlossen wirken lassen musste, während im Inneren zahlreiche Räume durch weite Säulenstellungen auf den zentralen Hof geöffnet waren.  An zweiter Stelle steht die Einbettung der Bauten in ihren antiken Kontext. Antike Schriftquellen wie auch Inschriften verhelfen hier oftmals zu einem Bild von der Nutzung und Wirkung der Gebäude, wie es aus dem archäologischen Befund allein kaum je zu gewinnen wäre. An dritter Stelle schließlich steht die Einordnung des Phänomens in den weiteren Rahmen der antiken Architekturgeschichte. Es zeichnet sich in diesem Zusammenhang bereits zum jetzigen Zeitpunkt ab, dass Aufkommen und rasche Verbreitung des peristylen Baugedankens im 4. Jh. v. Chr. in engem Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Prozess der zunehmenden Monumentalisierung und funktionalen Diversifizierung griechischer Städte zu sehen sind.

Alles in allem bietet das Projekt die seltene Möglichkeit materialorientierte Detailuntersuchungen mit einer umfassenden Fragestellung zu verbinden und damit unsere Kenntnis griechischer Baukunst im allgemeinen sowie des ihr eigenen wechselseitigen Verhältnisses von Architektur und Gesellschaft zu befördern.

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Ausgrabungsstätte Phlius in der Argolis auf dem Peloponnes

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