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Andreas Oberdorf, M.Ed., M.A. | 11.10.2017 | 303 Aufrufe | Ankündigungen

Nachwuchstagung zur deutsch-amerikanischen Bildungsgeschichte, 24.-26. Mai 2018 in Münster

Call for Papers "Transatlantic Histories of Schooling and Education - Travelling Knowledge, Concepts, and Materials"

Call for Papers (deutsch / englisch) (102.33 KB)
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Die Erforschung grenzüberschreitender Prozesse der Produktion, Diffusion und Rezeption von pädagogischen Ideen, Organisationsmodellen und Materialien von Schule und Bildung hat sich in den letzten Jahren als fester Bestandteil der Historischen Bildungsforschung etabliert. Hier existieren unterschiedliche Ansätze, Konzepte und Begriffe, die aus der Untersuchung transnationaler Kontakte und Beziehungen im Bildungswesen hervorgegangen sind und historisch immer eng mit der Genese der Nationalstaaten des 19. Jahrhundert in Verbindung stehen. Die vom 24. bis 26. Mai 2018 in Münster stattfindende Nachwuchstagung möchte sich in diesem Kontext schwerpunktmäßig mit zwei Aspekten eingehender auseinandersetzen: Zum einen will sie den Austauschraum zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika in den Mittelpunkt rücken und dafür aktuelle Forschungsansätze, -vorhaben und -ergebnisse zu dieser Thematik zusammenbringen, miteinander vernetzen, methodologisch und inhaltlich diskutieren und weiterentwickeln. Zum anderen will die Tagung insbesondere die Materialität des Austauschs näher beleuchten und hierfür die Frage nach Subjekt, Objekt und Modus des Transfers sowie nach den jeweiligen Folgewirkungen des Transfers stellen.

Seit dem 18. Jahrhundert wird die transatlantische Bildungsgeschichte zwar nicht exklusiv, aber doch in sehr dominanter Weise vom deutsch-amerikanischen Kulturaustausch geprägt. Hier lassen sich Verflechtungen und Wechselwirkungen von unterschiedlicher Qualität, Dauer und Reichweite beobachten, die zwischen deutschen und US-amerikanischen Pädagogen, Wissenschaftlern, Schulen, Universitäten, wissenschaftlichen Gesellschaften und Akademien, staatlichen Akteuren und Institutionen dies- und jenseits des Atlantiks ausgemacht werden können. Die Wurzeln zahlreicher pädagogischer Institutionen und Einrichtungen in den USA liegen nicht etwa in Großbritannien, sondern reichen vornehmlich in die deutschsprachigen Regionen und Länder zurück. So waren es eben diese Austauschprozesse und Beziehungen zwischen Deutschland und Nordamerika, die schließen weitere Ergänzungsprozesse in den jeweiligen Ländern zur Folge hatten. Die Jahrgangsklasse ist hierfür ein prominentes Beispiel. Unterstützt wurden diese Referenzen durch pädagogische Reisen, Publikations- und Materialimporte sowie durch Vorbildbesetzungen. In dieser Hinsicht gilt es, die Ergebnisse dieser paradigmatischen und folgenreichsten Austauschbeziehungen stärker auf Grundlage der laufenden Transferforschungen herauszuarbeiten, um Muster, Abläufe sowie Umfang und Ergebnisse aufzeigen und verknüpfen zu können.

Daneben soll nach der Materialität pädagogischer Objekte und Prozesse gefragt werden, die im transatlantischen Raum von Bedeutung waren. Bereits seit der Kolonialzeit lassen sich durch die in Amerika wirkenden deutschen Missionare und Prediger transatlantische Wechselwirkungen im Bildungswesen aufzeigen. So waren es zunächst vornehmlich Beziehungen des persönlichen Austauschs, die schließlich auch den Transfer von Dingen und Objekten in Gang setzten. Im 19. Jahrhundert zog es amerikanische Studierende und Professoren an deutsche Universitäten, während man sich in den USA die deutsche Forschungsuniversität selbst zum Vorbild machte. In dieser Zeit begannen auch erste Modelltransfers im schulischen Bereich, etwa die Adaption der allgemeinen Schulpflicht, der Elementarschule sowie der spezifischen Organisationsweise des Schulwesens, schließlich fanden auf diese Weise auch Lehrbücher, Naturpräparate und andere Unterrichtsmittel den Weg über den Atlantik. Diese zunächst eher einseitig ausgerichtete Austauschdynamik sollte sich spätestens nach 1945 umkehren, da es zunehmend amerikanische Re-Education-Programme waren, die auf das Schul- und Bildungswesen im Nachkriegsdeutschland starken Einfluss ausübten. Für die Tagung ist hierbei von Bedeutung, welchen Einfluss der Transfergegenstand – Idee, Modell, Person, Objekt – auf den Transferprozess, den Rezeptionsprozess und auf das Ergebnis des Transfers ausübte bzw. vermittelte. Dabei ist ebenso von Interesse, wie diese Spezifika methodisch und methodologisch einzufangen sind. Insofern sind auch explizit transfertheoretische Beiträge erwünscht, die sich mit diesen Fragen eingehender befassen.

Vor diesem Hintergrund hat die Nachwuchstagung zum Ziel, die transatlantischen Beziehungs- und Verflechtungsgeschichten im Schul- und Bildungswesen anhand ausgewählter Fallstudien zusammenzutragen und gemeinsam zu diskutieren. Dabei sollen auch forschungsmethodische Zugänge, Konzepte und Überlegungen thematisiert werden. Hier gilt es anhand laufender Dissertationsprojekte zum einen bewährte Konzepte zu prüfen und zu hinterfragen, zum anderen aber auch neue Ideen und innovative Zugänge aufzuzeigen, die etwa aus anderen Fachdisziplinen übertragen werden können und gewinnbringende Perspektivierungen versprechen. Daher richtet sich die Tagung auch an Nachwuchswissenschaftler/innen anderer Fächer und Disziplinen, die nicht einschlägig zur deutsch-amerikanischen Bildungsgeschichte arbeiten, deren Projekte aber entsprechende Bezüge zur transatlantischen Bildungsgeschichte aufweisen bzw. forschungsmethodische Impulse beisteuern können. Neben Vorträgen soll auch genügend Raum für individuelle Rückmeldungen, gemeinsame Diskussionen und Möglichkeiten zur inhaltlichen und methodischen Vernetzung der Projekte geboten werden.

Um die Zusendung eines Abstracts (max. 600 Wörter) für einen 20-minütigen Vortrag in deutscher oder englischer Sprache zusammen mit einem kurzen tabellarischen Lebenslauf (max. eine Seite) wird bis zum 30. November 2017 gebeten, bitte vorzugsweise als zusammenhängendes PDF-Dokument an Andreas Oberdorf (andreas.oberdorf@wwu.de). Internationalen Teilnehmer/innen kann ggf. ein Reisekostenzuschuss gewährt werden.

Organisation: Fanny Isensee (HU Berlin), Daniel Töpper (HU Berlin), Andreas Oberdorf (WWU Münster)

Homepage: go.wwu.de/those2018

Kontakt:
Andreas Oberdorf
andreas.oberdorf@uni-muenster.de

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