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Judith Wonke | 26.12.2017 | 1900 Aufrufe | Interviews

"Museum mal anders"

Interview mit dem Netzwerk Kölnische Geschichte

"Museum mal anders" - das ist das Ziel des Netzwerkes für Kölnische Geschichte, das vor rund einem Jahr gegründet wurde. Das Team aus jungen Historikerinnen und Historikern organisiert seither regelmäßig Abendveranstaltungen, um Geschichtsinteressierten die Kölner Geschichts- und Kulturlandschaft näher zu bringen. Ein Format ist die sogenannte histo.bar, die im September bereits zum dritten Mal im Kölnischen Stadtmuseum stattfand, der vierte histo.bar-Abend ist für Januar geplant. Im Interview stellt das Netzwerk dieses Format vor, gibt Einblicke in weitere Planungen und ihre persönlichen Motivationen. 

Das Netzwerk Kölnische Geschichte (oben, v.l.n.r.: Luca Jacobs, Yvonne Katzy und Vanessa Skowronek; unten: Mieke Jansen und Janek Cordes)

"Historische Museen, Kulturveranstaltungen und Kölner Stadtgeschichte"

L.I.S.A.: Wann und durch wen wurde das Netzwerk Kölnische Geschichte gegründet und was war die Intention?

Netzwerk Kölnische Geschichte: Museum mal anders – das war die Essenz, als wir uns vor so ziemlich genau einem Jahr das erste Mal zusammengesetzt haben. Zunächst waren wir zu viert, Yvonne Katzy, Mieke Jansen, Luca Jacobs und Vanessa Skowronek, alle Teil des studentischen Infoteams des Kölnischen Stadtmuseums. Später kam Janek Cordes mit dazu, der auch als Grafiker eine große Hilfe ist. Wir haben alle „irgendwas mit Geschichte“ studiert und stehen kurz vor dem Uniabschluss. Unsere Ideen entstanden aus der Überlegung heraus, dass wir unsere Begeisterung für historische Museen, Kulturveranstaltungen und Kölner Stadtgeschichte gern auch anderen Leuten unseres Alters näherbringen wollen und durch ein eigenes Programm selbst Einfluss auf die Kölner Kulturszene nehmen können. Besonders durch das Studium und die Arbeit im Museum eröffnen sich immer wieder neue Perspektiven auf die Geschichtsvermittlung und die Probleme „hinter den Kulissen“ einer jeden Geschichtsdarstellung. Auch darum soll es zukünftig gehen; wie gehen wir in Köln gesellschaftlich überhaupt mit unserer Vergangenheit um?

L.I.S.A.: Was sind Ihre persönlichen Motivationen – fasziniert Sie ein bestimmter Aspekt der Kölner Geschichte besonders?

Netzwerk Kölnische Geschichte: Kölns 2000jährige Stadtgeschichte hat viel zu bieten, da stimmt uns sicher jeder zu. Bei uns sind die Interessenschwerpunkte breit gefächert, jeder hat so seine Lieblingszeit und -thematik. Trotzdem begeistern wir uns immer wieder auch für neue Dinge – ob als Urkölner oder "Imi" – irgendetwas Neues kann man immer finden. Wir dachten uns, dass wir damit nicht die Einzigen sein können und versuchen daher, diese Begeisterung aufzugreifen und zielgruppengerecht zu vermitteln.

„Geschichte und eine Bar“

L.I.S.A.: Eines der Formate ist die histo.bar, die regelmäßig im Kölnischen Stadtmuseum stattfindet. Was ist das Besondere an dieser Veranstaltung?

Netzwerk Kölnische Geschichte: „Geschichte und eine Bar“ fasst die recht simple Idee grob zusammen. Die Veranstaltung ist als entspanntes Feierabendformat konzipiert. Uns ist es wichtig, dass man nach einem langen Tag an der Uni oder auf der Arbeit noch die Möglichkeit hat, ins Museum zu kommen, um dort einen tollen zu Abend zu verbringen – und das zu sehr studentenfreundlichen Preisen. Die Gestaltung des Abends ist dabei individuell: Ob man an allen angebotenen Kurzführungen oder nur an ausgewählten teilnimmt, bei einem Kölsch an der Bar bleibt, oder die Ausstellungen auf eigene Faust erkundet – das bleibt jedem selbst überlassen. Zwischenzeitlich bleibt genügend Zeit zum „netzwerken“– auch die Vortragenden stehen für Fragen zur Verfügung. Außerdem planen wir immer einen besonderen Programmpunkt, wie zum Beispiel das histo.bingo, bei dem fröhlich mitgeraten werden kann, um so noch einmal einen besonderen Abschluss zu haben

L.I.S.A.: Die histo.bar steht jeweils unter einem Motto, zuletzt gab es verschiedene Kurzführungen zum Thema „Sternstunde(n)“ – wie werden die Themen und Referenten ausgewählt?

Netzwerk Kölnische Geschichte: Wir setzten uns zusammen und überlegen, welche Schwerpunkte man in der Ausstellung setzen kann und was uns selbst interessieren würde. Das können dann ganz verschiedene Bereiche sein, die unter einem Oberthema zusammengefasst werden. Als Oberthema wählen wir dann bewusst einen abstrakten, offenen Begriff, der neugierig macht. Wir fragen bei Experten zu den verschiedenen Inhalten an und bauen unser Netzwerk immer weiter aus. Beispielsweise konnten wir bereits Spezialisten der Uni Köln oder der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus für die Kurzführungen gewinnen. Besonderes Glück haben wir, dass wir auf die Unterstützung und auch die Kontakte des Kölnischen Stadtmuseums bauen können. Das hat uns den Anfang sehr erleichtert.

"Tolle Ideen für die Zukunft in Petto"

L.I.S.A.: Bislang findet die histo.bar lediglich im Stadtmuseum statt. Wird das Format zukünftig auch in anderen Kölner Museen und Kultureinrichtungen zu finden sein?

Netzwerk Kölnische Geschichte: Die histo.bars im Stadtmuseum haben alle große Resonanz gefunden, das freut uns natürlich. Wir arbeiten momentan an der Umsetzung einer histo.bar an einem anderen Ort, um uns zu erweitern und so auch noch mehr Abwechslung bieten zu können. Wir haben verschiedene Institutionen im Blick und haben auch schon vielversprechende Kontakte aufgenommen. Im nächsten Jahr wird die histo.bar also voraussichtlich erstmals woanders stattfinden. Sobald es Neuigkeiten gibt, teilen wir die natürlich fleißig auf unserer Homepage und bei Facebook.

L.I.S.A.: Werden weitere Programme neben der histo.bar angeboten? Sind neue Projekte in Planung?

Netzwerk Kölnische Geschichte: Die histo.bar war unser erstes Projekt, wir haben aber bereits eine neue Veranstaltungsidee erfolgreich umgesetzt. Ende November stand das erste histo.veedel an, eine Entdeckungstour durch die Geschichte, die Kultur und das Leben im Kölner Veedel Ehrenfeld. Der Abend war sehr spannend und wurde (trotz Regen) gut angenommen! Neben der histo.bar würden wir diese Veranstaltungsreihe gern regelmäßig stattfinden lassen, dann natürlich jedes Mal in einem anderen Veedel. Wir tüfteln natürlich stetig an neuen Ideen, die unser Programm bereichern und erweitern. Ihr dürft gespannt sein, denn wir haben schon tolle Ideen für die Zukunft in Petto.

Das Netzwerk Kölnische Geschichte hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

histo.bar

Die nächste histo.bar findet am 31. Januar 2018 im Kölnischen Stadtmuseum statt. Los geht es um 18:00 Uhr, der Eintritt kostet 4 Euro - ein Kölsch ist inklusive!

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