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Björn Schmidt | 05.09.2015 | 1289 Aufrufe | Vorträge |
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Meier-Graefe und die Materialität: Von der dekorativen Kunst bis Arnold Böcklin

Vortrag von Prof. Dr. Jenny Anger | Tagung "Julius Meier-Graefe (1867-1935)"

Welche Rolle spielte die Materialität der Kunst im Denken Julius Meier-Graefes? Wie bewertete er die körperliche Erfahrung bei der künstlerischen Betrachtung? Prof. Dr. Jenny Anger vom Department of Art History am Grinnell College in Iowa, USA, spricht diesbezüglich aus einer sehr speziellen Perspektive. Ihrer Meinung nach ist in den USA das Missverständnis weit verbreitet, das Meier-Graefe ein Vorvater von Clemens Greenberg gewesen sei. Dieser wiederum sah im Modernismus eine Befreiung von der Stofflichkeit hin zum rein Optischen. Prof. Anger vertritt im Gegenzug die These, dass das Werk Meier-Graefes dabei helfen kann, die Kunst wieder verkörperlicht und materiell zu "sehen". Wie Sie zu dieser These kommt und welche Rolle Arnold Böcklin und Paul Cézanne dabei spielen, erläutert sie in ihrem Vortrag.

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Der Kunstkritiker, Kunstvermittler und Kunsthändler Julius Meier-Graefe (1867-1935) wurde durch seine außerordentliche Aktivität auf vielen Gebieten der Kunst zu einer zentralen Gestalt des kulturellen Geschehens von der Jahrhundertwende bis zu Beginn der 1920er Jahre. Wie kein anderer etablierte er durch seine Schriften eine „neue Schule des Sehens“, die die moderne, zeitgenössische Kunst in den Vordergrund stellte, aber auch zu einer Neubewertung von Künstlern der Vergangenheit führte. Der heutige Kanon der Kunstgeschichte geht wesentlich auf seine Neuperspektivierung der Kunstgeschichte zurück.  

Durch seine persönliche Verbundenheit mit Künstlern wie Edvard Munch, Henry van de Velde und Henri de Toulouse-Lautrec, als Mitbegründer der bibliophilen Zeitschrift PAN sowie durch seine aktive Förderung der neuen dekorativen Bewegung, des Jugendstils und des französischen Impressionismus, wurde Meier-Graefe zu einem einzigartigen Mentor und Anreger, zu einer kulturellen Instanz. Meier-Graefe verkörperte exemplarisch die „Generalisten“-Generation um 1900, die im Sinne eines europäischen Kulturtransfers keine nationalen Grenzen kannte. Seine lebenslange Verbundenheit mit der Kunst und Kultur Frankreichs machte ihn zu einem bedeutenden Vermittler der Moderne.  

2015 jährt sich das 80. Todesjahr Meier-Graefes – Anlass, diese Grenzgängerfigur in seiner deutschen Hauptwirkungsstätte, Berlin, zu würdigen und erstmals den aktuellen Forschungsstand zu seinem umfangreichen Werk und der modernen Kunstkritik um 1900 auf einer internationalen Tagung zur Diskussion zu stellen.

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