Registrieren
merken
Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Speer | 22.04.2017 | 942 Aufrufe | Artikel

Mediävistik: interdisziplinär und grenzüberschreitend | Das Cologne-Toronto Graduate Student Colloquium 2016

Nachbericht über das Kolloquium von Kathrin Borgers, Promovierende an der Universität zu Köln

Das Cologne-Toronto Graduate Student Colloquium wird von der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne und dem Zentrum für Mittelalterstudien (ZEMAK) der Universität zu Köln gemeinsam mit dem Centre for Medieval Studies der University of Toronto veranstaltet. Vom 29. September bis 1. Oktober 2016 fand das inzwischen schon vierte Kolloquium in Toronto statt.

Google Maps

Auch dieses Jahr bot das Kolloquium den teilnehmenden Doktorandinnen und Doktoranden wieder die Möglichkeit, ihre Projekte mit einem Vortrag vorzustellen, auf den dann eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler der jeweils anderen Universität mit einem 15-minütigen Kommentar reagierte. So entwickelte sich im Plenum eine rege Diskussion um die im Entstehen begriffenen Promotionsprojekte. Darüber hinaus förderte die Partizipation vielen unterschiedlichen Fachbereiche einen lebendigen, interdisziplinären Austausch. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen dieses Jahr aus der Philosophie, Germanistik, Altertumskunde, Geschichte und Kunstgeschichte, um sich mit Fokus auf mittelalterlichen Forschungsfeldern zu vernetzen.

Foto 1

Das Kolloquium startete mit einer Führung über den historischen Campus der Universität, die der Gastgeber Professor Lawrin Armstrong übernahm (Foto 1). Seine herzliche Begrüßung wurde durch die einführenden Worte der Direktorin des Centre for Medieval Studies, Professorin Conklin Akbari, am Nachmittag ergänzt, wonach sich das Schirmherrschafts-Trio mit Professor Andreas Speer zu einem Foto zusammenfand (Foto 2). Nach einem gemeinsamen Kaffee begann dann der erste Nachmittag mit Vorträgen zur Visualisierung optischer Theorien im 15. Jahrhundert, zu Konsekrationsriten in klösterlichen Ordensgemeinschaften und zur Gesundheitsvorsorge im mittelalterlichen Straßburg, bevor der Abend mit einem gemeinsamen Dinner abschloss. Der zweite Vormittag setzte sich aus Vorträgen zusammen, die sich einerseits mit transkulturellen Begegnungen in Grenzgebieten und anderseits mit einer Kompilation medizinischer Texte des 12. Jahrhunderts beschäftigten. Nach einem gemeinsamen Lunch ging die Diskussionsrunde am Nachmittag mit zwei literatur- und sprachwissenschaftlichen Positionen weiter: zur Figur der ‚Frau Welt‘, der Personifikation weltlicher Sinnesfreude und ihren Bezügen zu den Begriffen Schönheit und Hässlichkeit, und zum „Kreuzleich“ von Frauenlob, ein poetisches Werk des 14. Jahrhunderts. Beendet wurde die Runde mit einer Analyse der vegetabilen, animalischen und menschlichen Lebensformen bei Albertus Magnus. Der zweite Abend diente der Vernetzung der Doktorandinnen und Doktoranden untereinander: Wir zogen zur ‚Students’ Night‘ in ein nahegelegenes Pub weiter.

Foto 2

Die drei Vorträge des letzten Tages handelten von der schriftlichen Anordnung der „Summa“ des Antonius in einer mittelalterlichen Handschrift, der „Lectura Thomasina“ und den entsprechenden Manuskripttraditionen des Werkes sowie John Buridans Auffassung von der Wahrheit. Als abschließende Tour führte uns Lawrin Armstrong in die Medieval Manuscripts of PIMS Library, in der wir neben den regulären Bibliotheksräumen die beeindruckende Sammlung mittelalterlicher Handschriften einsehen durften. Nach dem letzten Dinner brachen einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, um gemeinsam die ‚Nuit Blanche‘ zu erkunden – eine Kunst-Nacht, dessen Ausstellungsräume sich über die gesamte Stadt ausbreiteten und sowohl im Innen- als auch im Außenraum zeitgenössische Kunstwerke zeigten. Teilweise riefen diese auch zur interaktiven Beteiligung auf, woraufhin sich Andreas Speer nicht nehmen ließ, das Cologne-Toronto Graduate Student Colloquium als Puzzleteil in eines der Werke zu integrieren (Foto 3). Das Kolloquium hat sich als fruchtbare Plattform erwiesen, um Forschungsideen kontrovers zu diskutieren, den Status des eigenen Projektes zu überprüfen und den Blick auf interdisziplinäre Forschungsperspektiven zu weiten. Nach diesen drei erkenntnisreichen Tagen bin ich mir sicher, dass es im kommenden Jahr allen Beteiligten eine große Freude sein wird, die Kolleginnen und Kollegen aus Toronto in Köln zu begrüßen, um sich für die Gastfreundschaft zu revanchieren.

Foto 3

Kommentar erstellen

K9P3M5