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Georgios Chatzoudis | 07/01/2019 | 549 Views | 1 | Presentations |
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Marko Demantowsky | Das irisierende Potential der Digital History

Kölner Vorträge im Sommersemester 2019 | Die Historie und das Digitale

Was bedeutet heute digitale Geschichtswissenschaft? Ist darunter die Anwendung von digitalen Werkzeugen in der Geschichtsforschung, also eine neue Hilfswissenschaft, zu verstehen? Oder eher die Erforschung einer zunehmend digital verfügbaren Vergangenheit? Vielleicht doch die Geschichte der Digitalisierung an sich, also einer konkreten technischen Innovation? Oder handelt es dich dabei eher um ein didaktisches Projekt, zukünftige Geschichtslehrende digital auszubilden? Der Historiker und Geschichtsdidaktiker Prof. Dr. Marko Demantowsky (Basel) hat eine Perspektive auf die sogenannte Digital History, die alle Fragen umfasst und stellt die dabei folgende These auf: Die Digitalisierung entspricht einer Revolution, die der des Erfindung des Buchdrucks gleichkommt und in der Folge alle Lebensbereiche nicht nur betrifft, sondern grundlegend verändert. Dieser Herausforderung muss sich die Geschichtswissenschaft stellen, und die Antwort darauf kann nur eine digitale Geschichtswissenschaft sein. In seinem Vortrag im Rahmen der Kölner Vorträge, die im Sommersemester 2019 den Titel "Die Historie und das Digitale. Geschichtswissenschaft im 21. Jahrhundert" tragen, führt Marko Demantowsky seine These aus.

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Kölner Vorträge im Sommersemester 2019:
Die Historie und das Digitale. Geschichtswissenschaft im 21. Jahrhundert

Die Geschichtswissenschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten viele “turns” erlebt. Sie haben zu einer grundlegenden Neuperspektivierung des Verständnisses von “Geschichte” geführt. Neben der Erweiterung von Quellentypen, Fragestellungen und Gegenständen ist die Reflexion auf die eigenen Quellen und den Konstruktions- wie Repräsentationscharakter von Geschichte als Wissenschaft deutlich gestärkt worden.

Wie reiht sich hier der “digital turn” ein, der sowohl in Forschungszugängen und Publikationsformen wie in wissenschaftlicher Lehre und Kommunikation oder der öffentlichen Repräsentation von Geschichte bereits Realität ist? Was bedeutet der Einzug digitaler Forschungstools in die Geschichtswissenschaft für deren Selbstverständnis und Arbeitsmethoden? Haben sie, wie manche es befürchten, andere erhoffen, ein Potenzial, um nicht nur disziplinäre Grenzen zu perforieren, sondern auch neue Forschungsfragen zu erschließen? Birgt dies die Gefahr einer Spaltung in jene, die sich die zunehmend komplexen neuen Quellenformate, Auswertungsformen und Repräsentationstechniken aneignen, und jenen, die sich den traditionellen Fragestellungen, Methoden und Interpretationsformen verbunden sehen?

Während einige die digitale Herausforderung durch einen erweiterten Methodenkanon einhegen wollen, sehen andere in ihr den entscheidenden Schritt zu einer längst überfälligen Abkehr von etablierten historischen Arbeitsmethoden. So muss diskutiert werden, ob das „Digitale“ in seinen vielen Facetten eine besondere Dimension und Transformation darstellt und wie grundlegend darüber nachzudenken ist, was Geschichte im Zeitalter des digitalen Wandels eigentlich und was eigentlich Geschichte ist.

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by Walter Böhme | 10.07.2019 | 23:41
Der umfassende Blick auf Digitalisierung ist sympathisch. Doch darüber kommt m.E. zu kurz, dass geradlinig entworfene Zukunftsprognosen von Personen, die nur den Beschleunigungsprozess von Digitalisierung sehen, nicht aber die "Reibungsverluste", unhistorisch sind. Zu denken ist nicht nur an die normalen Wirtschafts- und Innovationszyklen, sondern auch an Computerkriminalität und Cyberkrieg und daraus sich ergebenden Protektionismus sowie auch an die notwendige Ressourcenumlenkung aufgrund des unzureichend verlangsamten Klimawandels.

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