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Georgios Chatzoudis | 29.11.2016 | 1505 Aufrufe | Interviews

"Ein Journalismus, der sich Narrativen fügt, ist ein Widerspruch in sich selbst"

Interview mit Ulrich Teusch über die Glaubwürdigkeitskrise der Medien

"Lügenpresse, Lügenpresse"- unter dieser Anklage vereinen sich nicht nur Anhänger und Sympathisanten der Pegida-Bewegung, sondern auch diejenigen, die das Vertrauen in die Berichterstattung der sogenannten Mainstream-Medien verloren haben. Bewusste Unterschlagung von Informationen sowie deren gezielte Manipulationen bis zur Lüge - das sei angeblich das Resultat einer politisch gesteuerten Medienstrategie. Der Politikwissenschaftler und Journalist Prof. Dr. Ulrich Teusch hält den Kampfbegriff "Lügenpresse" für pauschalisierend und daher für falsch und ersetzt ihn durch ein Konzept, das er "Lückenpresse" nennt. Aus seiner langjährigen Erfahrung in den Medien hält er diesen Begriff in seinem neuen Buch für geeigneter, um die gegenwärtigen Arbeitsweisen in den Redaktionen und die Kritik daran zu umschreiben. Was er dabei genau mit "Lücke" meint und wie er die aktuelle Glaubwürdigkeitskrise der Medien begreift, dazu haben wir ihm unsere Fragen gestellt.

"Misstrauen, Kritik, Kontrolle sind die Herangehensweisen eines mündigen Rezipienten"

L.I.S.A.: Herr Professor Teusch, Sie sind Politikwissenschaftler und Journalist und haben zuletzt ein medienkritisches Buch vorgelegt. Es trägt den sprechenden Titel „Lückenpresse“. Es ist gleich klar, auf welchen Begriff Sie anspielen und sich gleichzeitig distanzieren: „Lügenpresse“. Bevor wir auf diese vor allem semantische Verschiebung zu sprechen kommen, was hat Sie zu diesem Buch bewogen?

Prof. Teusch: Für Medien und Medienkritik interessiere ich mich schon sehr lange. Und „Journalist“ war mein erster großer Berufswunsch. Ich bin dann zwar für längere Zeit in die Wissenschaft „abgedriftet“, aber vor etwa anderthalb Jahrzehnten dann doch zu den Medien zurückgekehrt. Was nun das Buch betrifft: Mir ist es in den letzten Jahren ganz ähnlich ergangen wie vielen anderen Rezipienten auch. Ich habe mich zunehmend über Medien und ihre Berichterstattung geärgert. Und die anschwellende Medienkritik, wie sie in zahllosen Leserforen oder auch auf der Straße artikuliert wurde, hat mich weit eher gefreut als geängstigt. Denn in einer von Medien geprägten Welt kann es gar nicht genug Medienkritik geben. Ich glaube nicht, dass man Medien einfach so „vertrauen“ sollte. Im Gegenteil, Misstrauen, Kritik, Kontrolle sind die adäquaten Herangehensweisen eines mündigen Rezipienten. Als sich die Kritik dann aber immer stärker in dem Kampfbegriff „Lügenpresse“ verdichtete, erschien mir das wenig hilfreich. Es gibt nach wie vor viele integre, sauber arbeitende Journalisten; und die werden durch den Begriff „Lügenpresse“ nun pauschal mit in Haft genommen für die vielen Fehlleistungen, die andere zu verantworten haben.

Ich wollte also differenzieren. Dann ergab sich die Möglichkeit, für den SWR ein knapp einstündiges Hörfunk-Feature zum Thema zu machen. Dort habe ich vor allem selbstkritische Journalisten zu Wort kommen lassen, um zu zeigen, dass viele der Betroffenen in den Redaktionen die Probleme durchaus sehen. Letztlich ging und geht es mir darum, kritische, aber differenzierungswillige Rezipienten und selbstkritische Journalisten in einen konstruktiven Dialog zu bringen. Durch die Arbeit am Feature hatte sich dann so viel Material angehäuft, dass sich das Buch gleichsam zwanglos daraus ergab.  

"Perspektive des Medienrezipienten und der des Medienschaffenden"

L.I.S.A.: Aus welcher Perspektive ist das Buch vor allem geschrieben? Aus der des Wissenschaftlers, des Medienschaffenden oder des Medienrezipienten? Welche Erfahrungen mit Medien fließen ein?

Prof. Teusch: Keinesfalls aus der des Wissenschaftlers. Das Buch ist locker und journalistisch geschrieben, hier und da auch polemisch oder ironisch, und es richtet sich an ein breites Publikum. Ich habe mich um Anschaulichkeit bemüht, illustriere also meine Analysen mit zahllosen Beispielen, und ich versuche, die Perspektive des Medienrezipienten mit der des Medienschaffenden zu verknüpfen. Es geht mir, wie gesagt, um einen Dialog, und damit der zustande kommen und gelingen kann, müssen beide Seiten einander verstehen lernen. Was die Erfahrungen angeht: Ich berichte im Buch recht ausführlich von meiner eigenen Mediensozialisation und wie ich zu einer medienkritischen Haltung gekommen bin. Vielleicht sind ja da einige Hinweise dabei, die auch anderen Rezipienten nützlich sein können. Und natürlich erzähle ich von meinen Erlebnissen als Autor und von den vielen Gesprächen, die ich mit Kolleginnen und Kollegen über das Thema geführt habe.

"Narrative als große journalistische Deutungsmuster oder Erzählungen"

L.I.S.A.: Was genau meinen Sie mit dem Begriff „Lückenpresse“? Klingt so, als würde jemand nicht gründlich arbeiten oder lernen – auf Lücke eben. Ist das mit dem Begriff intendiert?

Prof. Teusch: Grundsätzlich: Jedes Medium ist notwendigerweise ein Lückenmedium. Selbst ein Mediensystem in seiner Gesamtheit kann kein irgendwie vollständiges oder objektives Bild zeichnen. Was man alles berichten könnte, steht in einem grotesken Missverhältnis zu dem, was man tatsächlich berichten kann. Die spannende Frage lautet: Wie und nach welchen Kriterien wird ausgewählt? Und da ist im medialen Mainstream seit einiger Zeit zu beobachten, dass die Nachrichtenauswahl sich immer ähnlicher wird, dass sie weit mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede aufweist. Bei bestimmten neuralgischen Themen (Außen- und Sicherheitspolitik, Wirtschaft und Finanzen) sprechen Mainstreammedien nicht selten mit einer Stimme. All das wird vom Begriff „Lückenmedien“ erfasst.

Konkret: Lücken entstehen zum Beispiel, wenn bestimmte Nachrichten regelrecht unterdrückt werden; das wären dann Lücken im Wortsinn. Der Begriff bezieht sich aber auch auf die Nachrichtengewichtung; die eine Nachricht wird künstlich hochgespielt, die andere wird zwar irgendwo gemeldet, aber bewusst unten gehalten. Oder auf die Kontextualisierung von Nachrichten: Die eine Nachricht wird tendenziös eingebettet, mit einem „spin“ versehen, die andere nicht. Dann gibt es die „double standards“, also das Messen mit zweierlei Maß. Ein Beispiel: Wenn man das Vorgehen Russlands auf der Krim als „völkerrechtswidrig“ klassifiziert – was man natürlich tun kann –, aber die völkerrechtliche Dimension bei den Kriegen im Nahen und Mittleren Osten komplett ausblendet, ist das natürlich ein doppelter Standard. Damit eng verbunden sind gewisse Sprachregelungen. Warum nennt man die Kämpfer im Osten der Ukraine „pro-russische Separatisten“, warum nicht – zum Beispiel – „moderate Rebellen“?

Alle genannten Mechanismen verstärken sich wechselseitig, und wenn sie in schöner Regelmäßigkeit auftreten oder sich bei bestimmten Themen zu einem flächendeckenden Phänomen auswachsen, entstehen die sogenannten Narrative, also große journalistische Deutungsmuster oder Erzählungen. In diese Narrative werden dann alle neu einlaufenden Informationen eingeordnet. Wenn sie ins Narrativ passen, ist ihnen Aufmerksamkeit gewiss, falls nicht, trifft sie das Lückenschicksal. Dass die Politik immer wieder solche Narrative in die Welt setzt, kann ich verstehen; aber dass Journalisten die Narrative bedienen, halte ich für absolut inakzeptabel und indiskutabel. Ein Journalismus, der sich Narrativen fügt, ist ein Widerspruch in sich selbst. Und er ist gefährlich, weil er den Blick verstellt. Zudem sind Narrative ein günstiger Nährboden für gelegentliche Kampagnen oder gar handfeste Propaganda. 

"Es gibt einen 'Mainstream außerhalb des Mainstreams', ein minoritäres Segment"

L.I.S.A.: Wie definiert sich für Sie der Begriff der „Mainstream-Medien“ (MSM)? Wann ist ein Medium, sei es eine Zeitung, ein Radio- oder ein TV-Sender, für Sie Teil des sogenannten Mainstreams?

Prof. Teusch: Mit Mainstream meine ich diejenigen, die sich selbst als „Leit- und Qualitätsmedien“ verstehen, also die überregionalen und regionalen Tageszeitungen, die Wochenzeitungen und politischen Magazine, dazu natürlich ARD und ZDF und ihre kommerziellen Konkurrenten. Aber ich nehme eine sehr wichtige Unterscheidung vor: Ich spreche vom „Mainstream innerhalb des Mainstreams“; er ist der eigentliche Gegenstand des Buches und der Kritik, er bildet das dominante Segment in unserem Mediensystem. Daneben gibt es aber auch einen „Mainstream außerhalb des Mainstreams“, ein minoritäres Segment, dem ich mich auch selbst zurechne. Es befindet sich eher auf dem Rückzug und muss aufpassen, dass es nicht völlig an die Wand gedrückt wird. Dieses minoritäre Segment hat insbesondere im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, etwa in den Kulturwellen des Hörfunks oder auch in TV-Programmen wie Arte, noch seinen Platz. Die Kolleginnen und Kollegen dieses minoritären Segments sind – natürlich neben den zunehmend kritischen Rezipienten – die Hauptzielgruppe des Buches.

L.I.S.A.: Thomas Meyer hat in seinem medienkritischen Buch „Die Unbelangbaren“ die These aufgestellt, dass Journalisten aus einer Position agieren, in der sie das letzte Wort haben und für das, was sie verbreiten, nicht belangt werden können. Sie hingegen sprechen in einem Kapitel Ihres Buches von den „belangbaren Journalisten“. Wer sind diese Journalisten, von denen Sie sprechen?

Prof. Teusch: Meine Analyse unterscheidet sich von der Thomas Meyers. Ich beobachte, dass der politische und der mediale Mainstream weitgehend deckungsgleich sind. Die Folge: Wenn es im politischen Mainstream Kontroversen gibt, dann spiegelt auch der mediale Mainstream diese Kontroversen wider. Ist sich der politische Mainstream jedoch in einer bestimmten Frage weitgehend einig, dann ist es auch der mediale. Solange sich Journalisten oder Medien innerhalb der vom politischen Mainstream vorgegebenen Bandbreite positionieren, sind sie in der Tat „unbelangbar“. Das ändert sich aber sehr schnell, wenn sie für Auffassungen Partei ergreifen, die sich außerhalb des Mainstreams befinden, sei es links oder rechts davon. Anders ausgedrückt: Wenn Journalisten „aus dem Ruder laufen“, sind sie sehr wohl belangbar. Ich erwähne im Buch kurz die Fälle des früheren ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender und des einstigen „Report“-Chefs Franz Alt, führe das dann aber in einem eigenen Kapitel am Beispiel zahlreicher Journalisten aus anderen Ländern näher aus. In allen von mir geschilderten Fällen haben die jeweiligen Journalisten die Grenzen des Mainstream-Konsenses überschritten und sind für ihr Verhalten sanktioniert worden.

L.I.S.A.: Über die Medien werden zahlreiche sogenannte Verschwörungstheorien reproduziert: entweder sind sie gesteuert, korrumpiert oder untereinander verschworen. Das ist das übliche Repertoire derjenigen, die von „Lügenpresse“ sprechen. Was halten Sie dem entgegen?

Prof. Teusch: Neben den von Ihnen genannten Erklärungen werden auch noch andere genannt, wie zum Beispiel personelle Ausdünnung der Redaktionen, Arbeitsüberlastung, Beschleunigung der Abläufe, Konformismus, Realitätsverlust, viele andere. All das spielt zweifellos eine Rolle, aber es kann das Problem in seiner Gesamtheit nicht erklären. Ich behaupte, dass die Defizite strukturell verankert und interessengeleitet sind. Die Lücken (im weitesten Sinn) entstehen nicht zufällig, sie sind gewollt. Daher lege ich den Akzent auf die Besitz- und Kontrollstrukturen in den Medien. Also auf die Frage: Wem gehören Medien, wer hat Einfluss, wer entscheidet über Personal, Etat, politische Linie? Das Problem verbirgt sich meines Erachtens nicht im individuellen Fehlverhalten oder den Unzulänglichkeiten einzelner Journalisten, vielmehr handelt es sich um ein systemisches Problem.

Was nun die Besitz- und Kontrollverhältnisse angeht, da gibt es im Mainstream doch eigentlich nur drei große Varianten: privatwirtschaftliche, staatliche und öffentlich-rechtliche Organisationsformen. Welche bietet die besten Voraussetzungen für integren, unabhängigen Journalismus? Die staatliche? Wohl eher nicht. Die privatwirtschaftliche? Man bedenke, dass sich in den USA Anfang der 1980er Jahre noch 50 Unternehmen den Medienmarkt teilten und es heute nur noch sechs Mega-Konzerne sind. Und in vielen anderen Ländern sieht es auch nicht wesentlich besser aus. Diese Konstellation bleibt nicht ohne Folgen für die inhaltliche Ausrichtung. Selbstverständlich machen Medienmogule à la Murdoch mit ihren Imperien nicht nur (immer noch) beachtliche Profite, sondern auch und vor allem: Politik. Bleibt die öffentlich-rechtliche Organisationsform. Sie war ja einmal gedacht als „dritter Weg“ zwischen kommerziellen und staatlichen Varianten. Aber sie hat sich im Laufe der Zeit den beiden anderen Modellen angenähert, das heißt: Sie ist staat- und wirtschaftsnäher geworden, insbesondere abhängiger von Staat und Wirtschaft. Und sie muss sich gegenüber beiden über die „Quote“ legitimieren. All das sind keine guten Voraussetzungen für integren, unabhängigen Journalismus.

L.I.S.A.: Auf der anderen Seite fällt auf, dass über bestimmte politische Ereignisse und Entwicklungen in den Medien sehr ähnlich berichtet wird, beispielsweise in den 1990er Jahren im Fall Jugoslawiens oder jetzt zuletzt über die Griechenlandkrise oder den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. Im Falle der US-Präsidentschaftswahlen gibt es in der politischen Präferenz der Medien auch große Übereinstimmung. Wie erklären Sie sich diese Tendenz zur Homogenisierung in Berichterstattung und Kommentierung?

Prof. Teusch: An dieser Stelle kommt die aktuelle politische „Großwetterlage“ ins Spiel. Nehmen wir die 1960er oder 1970er Jahre zum Vergleich. Damals waren die Rahmenbedingungen ganz anders. Die Verhältnisse waren relativ stabil, und das auf hohem Niveau. Mit der Folge, dass man sich Liberalität und Offenheit leisten konnte, auch und gerade in den Medien. Doch die Lage hat sich inzwischen grundlegend verändert. Gegenwärtig haben wir es mit einer Vielzahl von Krisen, Konflikten, Kriegen zu tun. Die gesellschaftlichen Fliehkräfte verstärken sich, die Polarisierung nimmt zu. Wenn es politisch, sozial und ökonomisch ans Eingemachte geht, machen sich die eben angesprochenen Besitz- und Kontrollstrukturen eben viel deutlicher bemerkbar als in ruhigen, stabilen Zeiten. Mit der Folge, dass der mediale Mainstream seine soziale Integrationsfunktion immer weniger wahrnimmt. Er positioniert sich auf Seiten der etablierten Ordnung. Er läuft an der kurzen Leine, wird mehr denn je zum Lückenmedium. Aus Mainstream- werden Establishment-Medien.

L.I.S.A.: Wie hoch schätzen Sie angesichts der sozialen Medien, wie beispielsweise Facebook oder Twitter oder auch Blogs, heute den Einfluss der traditionellen Medien auf die Meinungs- und Willensbildung in Politik und Gesellschaft ein?

Prof. Teusch: Die Zeichen sind ja unübersehbar: Die Bindungswirkung, die Macht des medialen wie des politischen Mainstreams erodiert. In Europa wie auch den USA erzielen politische Bewegungen links und rechts des Mainstreams spektakuläre Erfolge. Referenden bringen Ergebnisse, die den Eliten nicht in den Kram passen. Zuletzt hat Donald Trump die US-Präsidentschaftswahlen gewonnen, obwohl im Grunde der gesamte mediale Mainstream vor ihm gewarnt hatte. Ähnliches gilt für die linke Seite, man denke an Jeremy Corbyn oder Bernie Sanders. Im Gegenzug wächst der Einfluss der von Ihnen genannten Faktoren, also des Internets, der sich breit machenden alternativen Medien, wobei Letztere im englischsprachigen Raum schon deutlich stärker verankert sind als hierzulande. Diese Entwicklung wird sich nach meiner Einschätzung fortsetzen. Wenn öffentliche und veröffentlichte Meinung auseinanderdriften, wenn die „vierte Gewalt“ versagt oder nicht das leistet, was das Publikum von ihr erwartet, tritt eben die „fünfte Gewalt“ auf den Plan. Zur fünften Gewalt zählen übrigens auch die Whistleblower. Denken Sie nur an den Einfluss, den Wikileaks mit seinen Veröffentlichen auf den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf genommen hat. 

L.I.S.A.: Was muss sich ändern, damit der Journalismus die von Ihnen behauptete Glaubwürdigkeitskrise überwinden kann?

Prof. Teusch: Dazu müsste er die Dinge, die ich kritisiere, abstellen oder auf ein Minimum reduzieren. Also double standards vermeiden, sich Narrativen oder gerade angesagten Dogmen politischer Korrektheit verweigern, sich interessengeleiteten Sprachregelungen widersetzen, er müsste auf möglichst großer Bandbreite informieren und kommentieren, seine gesellschaftliche Integrationsfunktion wiederentdecken. Doch ich fürchte, das wird er nicht tun. Die von mir angesprochenen Besitz- und Kontrollstrukturen sowie die sich zuspitzenden politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse werden das nicht zulassen. Das dominante Segment des Mainstreams wird auch zukünftig so agieren wie bisher, vielleicht sogar seine Gangart verschärfen. Es wird absichtsvoll Lücken (im weitesten Sinn) produzieren und damit seine Glaubwürdigkeit weiter untergraben, denn keine dieser Lücken bleibt im Internetzeitalter unentdeckt. Eigentlich liegt auf der Hand, was zu tun wäre – aber keiner tut es. Eine paradoxe Situation. Sie führt, wie es im Untertitel des Buches heißt, zum „Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten“.  

Prof. Dr. Ulrich Teusch hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

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