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M.A. Francesco Reinerio | 15.05.2014 | 2000 Aufrufe | 4 | Artikel

“Lasst Tesla in Frieden” – Säkularismus in Serbien

Ein Bericht aus Novi Sad, Republik Serbien

Ein kleiner müßiger Kulturkampf spielt sich seit Jahrzehnten um die Person Nikola Teslas ab, den berühmtesten jugoslawischen Erfinder; serbische Nationalisten und Geistliche betonen seit langem unermüdlich das Serbentum und die Orthodoxie eines alles andere als nationalistischen und religiösen Wissenschaftlers. Aber jetzt wird es ernst: umstritten ist die Abführung von der Urne mit Teslas Gebeinen vom ihm gewidmeten Museum in der wojwodinischen Hauptstadt in den riesigen Dom des Heiligen Sava zu Beograd, vermutlich mit dem Zweck der endlich vollständigen Instrumentalisierung dieses unabhängigen Genies von Seiten der Serbischen Orthodoxen Kirche und der Regierung kurz vor den Präsidentschaftswahlen: die eine möchte ihn verheiligen, die andere nationalisieren. genau ihn, der zwar aus einer serbischen Familie abstammte, aber unter dem Kaisertum Österreich – heutigem Kroatien – geboren wurde, in den Vereinigten Staaten lebte und in Jugoslawien starb.

So begann eine Gruppe von Wissenschaftlern eine unparteiliche Kampagne auf Facebook unter dem Namen Ostavite Teslu na miru, und mit dem Hashtag #OdbranimoTeslu auf Twitter, die bisher die Abstimmungen von Zehntausenden Bewunderern Teslas sammelten. Es wäre traurig, aber es ist wahrscheinlich, wenn diese populäre Botschaft ignoriert würde, und die Abführung der Urne unter der internationalen Verschwiegenheit geschähe. Es ist aber bisher erfreulich, dass die Bürger Serbiens ihre Stimme kurz vor den Wahlen auch um heikle Fragen wie diese hören lassen.Die Bewegung lässt wissen, dass es bei dem Protest hauptsächlich um die Weise geht, wie politische, symbolische Entscheidungen wie diese einseitig getroffen werden, sowie um den Eingriff der serbischorthodoxen Hierarchie in öffentliche Regierungsbeschlüsse eines zumindest amtlich säkularen Landes. Dazu gehört die ihres Erachtens unnötige und ideologische Zuordnung von so einem internationalen Freigeist zum nationalen Staatsglauben.

Dieses Ereignis führt uns zu der wichtigen Frage nach der noch unvollständigen Trennung von Kirche und Staat in manchen Balkanländern, insbesondere in den postjugoslawischen, welche keinen Raum für die Reifung und die Entfaltung des Glaubens als persönlicher Frömmigkeit offen lassen, sondern dazu neigen, sie als Werkzeug zur nationalen Trennung zu missbrauchen. Seltsamer- aber bezeichnenderweise genug, wird die Serbische Orthodoxe Kirche in den öffentlichen Gesprächen als SPC (srpska pravoslavna crkva) angeführt, als ob es sich um eine vertretende politische Partei handeln würde. Eine nicht nur balkanische Anomalie, aber unter allen europäischen Ländern konnte die fehlende Laizität der nationalen Politik nur hier im ehemaligen Jugoslawien so viele noch aktuelle Unheile anrichten und unter anderem den Boden für ein zukünftiges interreligiöses Verständnis unterminieren. Deshalb ist es wichtig, auf Gegenbewegungen wie diese aufmerksam zu machen, die den Weg zu einer entspannteren Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zeigen können.
Diese und solche Überlegungen sind Kern unserer Forschung über Südosteuropa und sein interreligiöses Alltagsleben. Sie stellen keine Äußerungen gegen die regierenden Kräften oder die Glaubensgemeinden Serbiens als solche dar.

Nikola Tesla um 1890

Kommentar

von P. Rakocevic | 25.11.2014 | 16:08 Uhr
Lassen SIE die Serben in Frieden! Eine Frage an Sie, Pseudo-Wissenschaftler: Ist ein Löwe geboren in Österreich, wobei der Vater und auch die Mutter Löwen waren, ein Österreicher oder ein Löwe? Natürlich ein Löwe! So ist es auch mit Tesla! Er ist zwar auf d. Gebiet von Österreich -damals bestand Kroatien nicht- geboren, seine Eltern waren Serben, der Vater war sogar ein orthodoxer Priester, und so kann Nikola Tesla, von Abstammung her, weder ein Österreicher, noch weniger ein Kroate sein! Später bekam er einen Pass der neu gegründete K&K Monarchie für die Ausreise nach USA. Er war also automatisch Staatsbürger der Monarchie von serbischer Abstammung, nicht aber von Kroatien! Er war also EIN SERBE! Klar?
Genauso ist klar, dass die serbische Kirche mit Recht darauf besteht, dass Teslas Urne nicht mehr in einem Museum -nicht in Novi Sad wie Sie schreiben, sondern in Belgrad, so wie es sich gehört für einen orthodoxen Serben, und auch wg. seinen Vater, in Belgrad in der "Sveti Sava" Kirche aufgebahrt wird!

Kommentar

von M.A. Francesco Reinerio | 01.12.2014 | 10:53 Uhr
Die Sage geht weiter¹: SNS und SPC führen ihr gemeinsames Unternehmen mit bürokratischen Mitteln² fort, durch eine von Ihnen selbst aufgestellten Kommission der Stadt Belgrad, die über die Abführung der fraglichen Urne entscheiden sollte. Dies gegen den einhelligen Willen sämtlicher lebenden Nachfahren Teslas³ sowie der wissenschaftlichen Gemeinschaft.

Quellen:
¹ http://is.gd/occpRu
² http://is.gd/FjxQbo
³ http://is.gd/xP3wKV

Kommentar

von Mihael Ritter | 02.03.2016 | 05:02 Uhr
Er starb doch nicht in Jugoslawien - es ist allgemein bekannt, dass er in der USA verstarb.

Kommentar

von Die Vernunft | 25.11.2016 | 14:52 Uhr
Ja, Tesla's papi war serbe, aber wer hat ihn geboren?, eine kroatin, und wo ist er geboren?, ach auch in kroatien... Ich weiss nicht ob er je in serbie war, ist aber auch egal. Die dinge sind nun wie sie eben sind, und werden sich auch nicht ändern wenn man gewisse tatsachen nicht erwähnt wie Mutter oder geburtsort. Tesla war sicher nicht nationalistisch, sonder nur ein Mensch für die ganze Welt der allen gutes geben wollte und gab...Als er noch lebte war jedem egal woher er kam und starb in den USA (New York denke ich) in einem Hotel wo er kostenlos wohnen durfte. Und heute tun sich kroaten vorallem serben aber auch ja österreicher sich streiten welcher nationalität er gewesen war um sich zu schmücken. Wie jemmerlich und beschämend ist das nur. Wo wart ihr alle nur als er noch lebte...

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