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Emil Nolde und der Nationalsozialismus: Ein Künstlermythos im 20. Jahrhundert

Künstler und Nachwelt: Fremdstilisierungen und Legendenbildung | Episode 3

Emil Nolde galt lange als die Personifikation des paradigmatischen deutschen Künstlers des 20. Jahrhunderts: Wegweiser des Impressionismus, von den Nationalsozialisten als "entarteter Künstler" mit einem Berufsverbot belegt, Rückzug in die innere Emigration, Rehabilitierung nach 1945 usw. Der Historiker Dr. Bernhard Fulda von der University of Cambridge weist im Rahmen seines Forschungsprojekts nach, wie sehr Nolde an der Entstehung des Bildes vom Künstlermärtyrer mitgewirkt hat. Die Analyse des reichhaltigen Nachlasses des Malers in Seebüll, der erstmals untersucht werden durfte, zeigt aber auch, dass mehrere andere Akteure an dieser Erzählung mitgeschrieben haben - darunter die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, rennomierte Kunsthistoriker, der Schriftsteller Siegfried Lenz in seinem berühmten Roman "Deutschstunde" sowie die Nationalgalerie, wo die Ergebnisse des Forschungsprojektes in der aktuellen Berliner Nolde-Ausstellung zu sehen sind.

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Das Projekt
Dieses Projekt wird die Beziehung des Künstlers Emil Nolde zum Nationalsozialismus erstmals umfassend aufarbeiten, und gleichzeitig mit einer Rezeptionsgeschichte Noldes, insbesondere nach 1945, verbinden. Es wird die erste Studie sein, die zu dieser Thematik den reichhaltigen Quellenbestand der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde auswerten kann, und somit auch die Rolle der Stiftung in der Vermittlung der Kunst und Person Emil Noldes beleuchten wird. Trotz seiner bis 1945 ungebrochenen Sympathie für den Nationalsozialismus wurde Nolde nach dem Krieg zur Verkörperung des verfolgten Künstlers. Eine wichtige Rolle dabei spielten - neben der Nolde-Stiftung in Seebüll - der missionarische Eifer und Kulturpatriotismus von einflußreichen Museumsdirektoren wie Carl Georg Heise, Alfred Hentzen und Werner Haftmann, und die spezifische Mediendynamik und die Konventionen der Kunstberichterstattung in der deutschen Nachkriegszeit. Das Projekt wird dafür Museumspolitik, Ausstellungspraktiken, Darstellungsstrategien und Ausstellungsrezeptionen untersuchen und diese in den weiteren Kontext der Systemkonkurrenz im Kalten Krieg und der kulturellen Vergangenheitsbewältigung stellen.

Ort

Seebüll

Projektleitung
Dr. Bernhard Fulda

Redaktion
Hasso Bräuer

Kamera
Maximilian Schecker

Schnitt
Maximilian Schecker

Gesamtkonzeption
Gisela Graichen und Peter Prestel

Alle Episoden
Bild und Kontext
Episode 1
10.04.2019
Künstler und Künstlerimage: Quellen der Selbststilisierung
Episode 2
17.04.2019
Künstler und Nachwelt: Fremdstilisierungen und Legendenbildung
Episode 3
24.04.2019
Das Generalinterview mit Dr. Bernhard Fulda
Episode 4
01.05.2019

Kommentar

von Jörg Merz | 19.05.2019 | 00:53 Uhr
Sehr geehrter Herr Fulda, sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse habe ich die Folgen über Nolde und den Nationalsozialismus gehört und gesehen. Die Selbst- und Fremdstilisierungen eines (bedeutenden) Künstlers sind keine isolierten Phänomene. Noch wirkungsvoller kommen sie bei Picasso zum Ausdruck. Ich erlaube mir, dazu auf meine Studie "Guernica oder Picassos Abscheu vor der militärischen Kaste" (Freiburg 2017) hinzuweisen.

Mit freundlichen Grüßen
Jörg Merz

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