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Dr. Jörn Retterath | 04.02.2018 | 268 Aufrufe | Veranstaltungen

Kolloquium Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix | Internationale Beziehungen und „emotional regimes“. Neue Fragen an die Geschichte des Kalten Krieges

14.03.2018 – 16.03.2018 | Historisches Kolleg München

Die hier angezeigte Tagung steht im Schnittpunkt zweier jüngerer historiografischer Trends, deren mögliche konzeptionelle Verknüpfung geprüft werden soll. Zum einen wird in den letzten Jahren viel von einer Geschichte der Gefühle gesprochen, ja sogar von einem „emotional turn“ ist die Rede. Zum anderen sucht die Geschichte der Internationalen Beziehungen nach wie vor nach neuen Wegen, um sich methodisch von der klassischen Diplomatiegeschichte zu lösen. In Frankreich identifizierte Pierre Renouvin bekanntlich unter den „forces profondes“ neben wirtschaftlichen, geografischen und demografischen Kräften auch nationale Gefühle. Dennoch blieben entsprechende Forschungsansätze, die in anderen Bereichen der Geschichtswissenschaft Eingang gefunden haben, auf dem Feld der Internationalen Geschichte weitgehend unbeachtet.

Programm des Kolloquiums (147.32 KB)
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Die Tagung soll thematisieren, inwieweit in der Geschichtswissenschaft zunehmend etablierte Kategorien wie die temporale Spannung von Erwartung und Erfahrung (Reinhart Koselleck) und (ggf.) Ernüchterung und Enttäuschung sowie insbesondere die Geschichte der Gefühle (Ute Frevert) für die Geschichte der Internationalen Beziehungen fruchtbar gemacht werden kann. Dabei lässt sich an konstruktivistische Theorien der Internationalen Beziehungen (Alexander Wendt) und postmoderne Ansätze (Thomas Diez) anknüpfen. Emotionsgeschichte soll nicht eingrenzend als Geschichte eines Gefühlsausdrucks verstanden werden; es geht nicht darum, ein „früheres Gefühlsleben wiederzugeben“ (Lucien Febvre), oder einen „seelischen Strukturzusammenhang“ (Wilhelm Dilthey) bzw. die „innere Motivation persönlicher Handlungen“ (Karl Lamprecht) zu erforschen. Angestrebt ist vielmehr, die Übertragbarkeit emotions- und kulturgeschichtlicher Erkenntnisse auf die Geschichte der Internationalen Beziehungen systematisch mittels empirischer Explorationen zu überprüfen. Der Begriff der emotional regimes (William Reddy) kann dabei leitmotivisch als Orientierung dienen.

Entsprechende methodische Grundsatzfragen sollen möglichst mit empirischen (Teil-)Ergeb-nissen verknüpft werden. Daher konzentriert sich diese Tagung auf ein relevantes Großthema, nämlich auf die Zeit des Kalten Krieges. Im Mittelpunkt soll im genannten Sinne die erkenntnisleitende Frage stehen, inwieweit die Geschichte der Internationalen Beziehungen während dieser Zeit als Erfahrungs- und Wahrnehmungsgeschichte begriffen werden kann, in der „weiche“ Faktoren wie subjektive Aspekte, Gefühle, Erwartungshorizonte etc. eine entscheidende Rolle spielten. Es ist vorgesehen, folgende Begriffsfelder in den Mittelpunkt der Reflexion zu stellen:

  • Angst, Hass und Besorgnis
  • Vertrauen und Misstrauen
  • Begeisterung und Empörung
  • Enttäuschung und Ernüchterung.

Weitere Sektionen beschäftigen sich mit:

  • „Emotional regimes“ und der deutschen Politik
  • NGOs/humanitärer Hilfe.

Die Einzelbeiträge beziehen sich empirisch auf alle einschlägigen Felder, so etwa auf individuelle oder kollektive Akteure der internationalen Politik oder auch NGOs, auf Medien wie auf fassbare Stimmungen in der Bevölkerung.

Anmeldeschluss: 05.März 2018 

Leitung: Professor Dr. Hélène Miard-Delacroix (Paris)
Professor Dr. Andreas Wirsching (München)

Eine Veranstaltung des Historischen Kollegs in Kooperation mit der Max Weber Stiftung. 

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