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L.I.S.A.video | 06.08.2014 | 3270 Aufrufe | Georgios Chatzoudis

Nachbetrachtungen zu Kalapodi

EPISODE 1 | Kultkontinuität

Die Ausgrabungen in Kalapodi, am früheren Orakel von Abai, haben zahlreiche neue Erkenntnisse vor allem für die Religionsgeschichte des antiken Griechenlands gebracht. Die jüngsten Kampagnen sind in zwei L.I.S.A.video-Serien dokumentiert: Das Orakel-Rätsel und Ewige Götter. Insgesamt haben der Archäologe und frühere Leiter der Deutschen Archäologischen Instituts Athen, Prof. Dr. Wolf-Dietrich Niemeier, und sein Vorgänger Dr. Rainer Felsch in Kalapodi Überreste und Spuren von zehn übereinandergelagerten Tempeln gefunden. Stützen diese Tempel die These von der religiösen und kultischen Kontinuität zwischen der mykenischen und der archaischen Periode?

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Die Archäologen Dr. Rainer Felsch und Prof. Dr. Wolf-Dieter Niemeier in Kalapodi (v.l.n.r.)

Um 1200 v. Chr. endete die spätbronzezeitliche Hochkultur Griechenlands, die nach ihrem Hauptfundort, der grandiosen Zitadelle von Mykene, die mykenische genannt wird, in einer großen Katastrophe. Von der Forschung wurde lange Zeit vermutet, dass auf diese Epoche eine Zeit des Niedergangs und der Stagnation folgte, die als „Dunkle Jahrhunderte“ (1200 bis 850 v. Chr.) bezeichnet wird. Anschließend begann eine „Griechische Renaissance“, während der unter Bezugnahme auf die heroische Vergangenheit der mykenischen Epoche das Polis-System entstand und die Grundlagen für die große Zeit Griechenlands in der Klassischen Epoche gelegt wurden. Neuere Entdeckungen, vor allem die der Nekropole von Lefkandi auf Euböa, weisen aber darauf hin, dass eine Reihe der für den Aufstieg der griechischen Kultur im Verlauf des ersten vorchristlichen Jahrtausends grundlegenden Voraussetzungen bereits in den „Dunklen Jahrhunderten“ gelegt wurden, die demnach keinesfalls nur eine Zeit der Krise waren. Religion und Kult dieser wichtigen Periode der griechischen Geschichte sind allerdings noch immer weitgehend unbekannt.

 

Dem Heiligtum von Kalapodi in Phokis kommt vor dem Hintergrund der neueren Forschung besondere Bedeutung zu. Es liegt in einer sanft geschwungenen Hügellandschaft nahe dem wichtigen antiken Weg, den Pausanias als Leofóros bezeichnet und der nördlich des Passes von Hyampolis von den Thermopylen nach Orchomenós, Livadia und Theben führte. Seit 2004 arbeitet in Kalapodi mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung ein international besetztes Team des Deutschen Archäologischen Instituts Athen unter der Leitung von Prof. Dr. Wolf-Dietrich Niemeier, das die dort in den Jahren 1973 bis 1982 von einem Mitarbeiter der Abteilung Athen des DAI, Dr. Rainer Felsch, durchgeführten Arbeiten wieder aufgenommen hat. Eine Auswahl der reichen Funde aus dieser Zeit ist heute im Archäologischen Museum von Lamia ausgestellt. Während die Ausgrabung des Nordtempels und seiner bis in das neunte Jahrhundert v. Chr. zurückreichenden Vorläufer seinerzeit weitgehend abgeschlossen werden konnte, rückten der erst 1978 entdeckte hocharchaische Südtempel und insbesondere auch seine Vorläufer ins Zentrum der aktuellen Arbeiten in Kalapodi. Die 2004 aufgenommenen Grabungen stellten die Identifizierung einer für das griechische Festland einzigartigen kontinuierlichen Abfolge von Kultbauten von der archaischen über die geometrische und protogeometrische bis hinunter zur spätmykenischen Epoche in Aussicht. Die übereinander liegenden Tempel versprachen außerdem wesentlichen Aufschluss über die immer wieder diskutierte Entstehungsgeschichte des griechischen Tempels sowie über die wahrscheinliche Kultkontinuität an diesem Platz über die „Dunklen Jahrhunderte“ hinweg, die immer noch eine der rätselhaftesten Perioden der griechischen Geschichte sind.

 

In der ersten Staffel von L.I.S.A.video haben wir die Ausgrabungen in Kalapodi bereits dokumentiert, die in der zweiten Staffel fortgesetzt wurde.

 

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Homepage der Gerda Henkel Stiftung.

Projektleitung:

Prof. Dr. Wolf-Dietrich Niemeier

Ort:

Kalapodi, Griechenland

Kommentar

von Dr. Zoppo Trump | 27.08.2014 | 16:00 Uhr
Zitat Niemeier: "Manchmal hat man den Eindruck, der Maler der Chigi-Kanne hätte vor unserer Wandmalerei gesessen"
Sollte es bei einer derart geringen Anzahl von Fragmenten nicht eher so heißen: "Manchmal hat man den Eindruck, der Zeichner der Rekonstruktion der Wandmalerei hätte vor der Chigi-Kanne gesessen"? ;-)
Nix für ungut!
Zoppo

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