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Georgios Chatzoudis | 13.01.2020 | 1726 Aufrufe | 4 | Interviews |
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Geschichte in nervösen Zeiten

Zu Gast bei L.I.S.A.spezial mit Jörn Rüsen

Wir leben in nervösen Zeiten. Historisch betrachtet, nahmen wahrscheinlich die meisten Zeitgenossen irgendwann einmal diesen Satz in den Mund - in der neueren Geschichte etwa am Vorabend des Ersten Weltkriegs, später beispielsweise anlässlich der Kuba-Krise und zurzeit mit Blick auf die zahlreichen Umbrüche und Konflikte in der Welt, die vielleicht einmal als historisch bedeutend gewertet werden. Ein Bewusstsein bzw. einen Sinn für Krisen und Katastrophen zu haben, scheint dem Menschen demnach eingeschrieben zu sein. Das gilt gerade mit Blick auf unsere aktuelle Zeit, in der Begrifflichkeiten wie Hypersensibilisierung, Empörung, Emotionalisierung, Gereiztheit, Moralisierung zum Standardrepertoire von Gegenwartsanalysen gehören. Der renommierte Geschichtstheoretiker Prof. Dr. Jörn Rüsen schaltet sich immer wieder in aufgeregte Debatten ein - zuletzt auch bei L.I.S.A. zum Thema "Deutsche Kultur und Identität". Wir haben ihn in Bochum besucht und mit ihm über unsere Zeit und ihr Verhältnis zu Geschichte und Geschichtswissenschaft gesprochen - darunter über Debattenkultur, den Nutzen der Geschichte, Renationalisierungstendenzen in Europa, eine europäische Geschichtsschreibung oder auch über die Stellung des Menschen in der Moderne und in der Natur.

Auswahl der Videokapitel

00:14 Begrüßung und die Frage nach der Bedeutung von Geschichte heute
05:30 Warum beteiligen sich Historiker/innen heute kaum noch an größeren Debatten?
14:54 Hat die Geschichtswissenschaft mit Aufgabe der Meistererzählung ihre Erklärkraft verloren?
19:40 Wie kann heute eine gesamteuropäische Geschichtsschreibung aussehen?
23:54 Wie dauerhaft sind historische Prämissen ?
31:10 Ist für die Geschichtswissenschaft der Universalismus heute noch ein Ideal?
37:12 Ist die Geschichtsschreibung heute nach wie vor eurozentrisch?
48:48 Wie soll sich die Geschichtswissenschaft heute zur Zukunft verhalten?
53:00 Glauben Sie noch an das Projekt der Moderne?
56:47 Welchen Stellenwert hat darin noch die Vernunft?
60:30 Was muss der Mensch hervorbringen, um nicht selbstzerstörerisch zu sein?
69:55 Wie ist die Rückkehr des Nationalismus in Europa einzuschätzen?
73:07 Was ist deutsch?
75:45 Wo steht der Mensch heute in Natur und Umwelt?
70:21 Kann man aus der Geschichte lernen?
86:31 Welche Lektüre empfehlen Sie?

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Zu Gast bei L.I.S.A.
13.04.2015

Kommentar

von Quentin Quencher | 13.01.2020 | 13:24 Uhr
Danke erst mal für dieses Interview. Vielleicht äußere ich mich später noch zu den Aussagen oder Themen, bin natürlich – wie könnte es anders sein – nicht mit allem einverstanden. Aber dennoch, die starke Stunde war sehr anregend und kurzweilig.

Kommentar

von M. Demantowsky | 14.01.2020 | 15:09 Uhr
Eine sehr interessante Anregung liegt in der Frage Rüsens, warum es eigentlich keinen europäischen Historiker*innen-Verband gibt. Es ist eine gute Idee!

Kommentar

von Dr. Martin Klüners | 14.01.2020 | 17:41 Uhr
Im Hinblick auf Rüsens (vor allem am Ende des Gesprächs geäußerte) Thesen zur Religion erlaube ich mir, auf seine und meine diesbezügliche Publikation hinzuweisen, die in Kürze bei V&R erscheint: https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/themen-entdecken/psychologie-psychotherapie-beratung/psychotherapie-psychosoziale-beratung/psychoanalyse-psychotherapie/55364/religion-und-sinn

Kommentar

von Georgios Chatzoudis | 14.01.2020 | 17:47 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Klüners,
vielen Dank für den Hinweis. Gerne können wir Ihr Buch bei einer nächsten Gelegenheit besprechen.
Viele Grüße!

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