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Ingolf Seidel | 26.10.2018 | 231 Aufrufe | Ankündigungen

Inklusive Geschichts- und Erinnerungskulturen?

Wie Sie sicher bemerkt haben, war die diesjährige Sommerpause etwas länger als gewohnt. In der zweiten Jahreshälfte werden wir für Sie insgesamt zwei Magazine herausgeben. Im Monat November erwartet Sie eine Kooperationsausgabe gemeinsam mit Tandem, dem Koordinierungszentrum für Deutsch-Tschechischen Jugendaustausch.

In der vorliegenden Oktoberausgabe des LaG-Magazins beschäftigen wir uns mit Fragen von Inklusion in der Erinnerungs- bzw. Geschichtskultur. Unter Inklusion verstehen wir dabei nicht allein die bessere Ausstattung von Gedenkstätten für Menschen mit Behinderungen, der Erstellung von Ausstellungen in Leichter Sprache oder der Beachtung bisher marginalisierter Geschichte(n). Das sind zweifelsohne wichtige Aspekte.

Sie sind jedoch im Sinne eines weiten Inklusionsbegriffes, wie ihn Martin Lücke in seinem einleitenden Aufsatz skizziert, nur Teil der Thematik. Lückes Inklusionsbegriff impliziert ein kritisches Verhältnis zu selbstzufriedenen Haltungen in der bundesdeutschen Erinnerung, aber auch durchaus konflikthafte Aushandlungsprozesse, wenn der Anspruch sich gegen jede Form von Marginalisierung zu wenden ernstgenommen werden soll.

Inhaltlich und in der Konkretion schließt sich daran der Beitrag von Mark Zaurov an. Auch er geht davon aus, dass es bei dem Grundgedanken von Inklusion um eine Veränderung von Machtverhältnissen geht, wenn der Anspruch von Partizipation eingelöst werden soll. Zaurov fordert nicht nur eine geschichtskulturelle Beschäftigung mit „Deaf History“ ein. Er hat zu deutschen tauben Jüdinnen_Juden und tauben Nationalsozialisten Unterrichtsmaterialien konzipiert, die in seinem Beitrag vorgestellt werden.

Im Beitrag „‘Euthanasie‘ im Nationalsozialismus“ geht Christoph Rodatz auf die Arbeit und die Herausforderungen eines inklusiven Theaterkollektivs von der gemeinsamen Stückentwicklung bis zur Bühnenreife ein. Ein zentrales Thema dabei ist der Umgang mit Emotionen und eigener Betroffenheit von Menschen mit sogenannten Behinderungen.

Sabrina Krümpelmann und Birgit Marzinka geben in ihrem Werkstattbericht einen ersten Einblick in das neue Online-Modul zum Thema Kolonialismus, das in Bälde auf „Lernen aus der Geschichte“ veröffentlicht wird.

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre mit der vorliegenden Ausgabe.

Das angekündigte Magazin zum derzeitigen inhaltlichen Schwerpunkt von Tandem „Gemeinsam erinnern für eine gemeinsame Zukunft. Historisch-politische Bildung in deutsch-tschechischen Jugend- und Schüler_innenbegegnungen“ erscheint am 21. November.

Magazin "Lernen aus der Geschichte" im Oktober 2018

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