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Dr. Jörn Retterath | 27.04.2015 | 890 Aufrufe | Ankündigungen

"Hochkultur in der Sowjetunion und in ihren Nachfolgestaaten im 20. Jahrhundert in kulturgeschichtlicher Perspektive"

Eine Tagung am Historischen Kolleg in München vom 7. bis 9. Mai 2015

Die Neuere Kulturgeschichte hat in den letzten Jahrzehnten neue Themen und Fragestellungen erschlossen: Alltag und Erfahrung, Erinnerung und Emotion, Körperlichkeit und Gewalt, Repräsentation und Performance. Dabei hat die anthropologische Fassung des Kulturbegriffs neben vielen Vorteilen auch Nachteile: Sie bezeichnet die symbolische Komponente sämtlicher menschlicher Praktiken und sozialer Produkte als Kultur und riskiert damit eine Überstrapazierung dieses Begriffs. Das Kolloquium „Hochkultur in der Sowjetunion und in ihren Nachfolgestaaten im 20. Jahrhundert in kulturgeschichtlicher Perspektive“ engt das Objekt der Kulturforschung ein. Es versucht, das Instrumentarium der Neueren Kulturgeschichte für die Erforschung der „traditionellen“ Kulturerscheinungen wie Musik, Theater, Literatur, bildende Kunst und Tanz zu nutzen. Themen wie Kulturpolitik, kulturelle Milieus, Kulturtransfer sowie Rezeption von Kultur werden anhand der spannungsreichen Geschichte der Sowjetunion und ihrer Nachfolgestaaten im 20. Jahrhundert erörtert. Im Kolloquium wird daher die Hochkultur als ein Spannungsfeld der Politik und des Alltags, der Kontrolle und der Identitätsbildung, der Anpassung und der Subversion im internationalen Kontext betrachtet.

Kolloquium: Hochkultur in der Sowjetunion und in ihren Nachfolgestaaten im 20. Jahrhundert in kulturgeschichtlicher Perspektive
Leitung: Prof. Dr. Igor Narskij

Ort: Historisches Kolleg, München (Kaulbachstr. 15, 80539 München)
Datum: 7. – 9. Mai 2015

Anmeldung: Teilnahme nur nach bestätigter Anmeldung unter joern.retterath@historischeskolleg.de möglich

Programm

Donnerstag, 7. Mai 2015

15:00 Uhr            Igor Narskij (Tscheljabinsk/München): Begrüßung und Einführung: Formative Herausforderungen
15:30 Uhr            Boris Kolonitskij (St. Petersburg): Die Hochkultur im Zeitalter des Ersten Weltkriegs in Russland und das kulturelle Kriegsgedächtnis in der UdSSR / Художественная культура эпохи Первой мировой войны в России и культурная память о войне в СССР
16:20 Uhr            Dietrich Beyrau (Tübingen): Zum Grab der Rosa Luxemburg – Utopien in Russland seit 1900
  
17:10 Uhr            Kaffeepause  
  
Kulturpolitik

17:40 Uhr            Aleksandr Fokin (Tscheljabinsk): Kulturproblematik der Parteitage in den 1960er und 1970er Jahren / Проблемы культуры на партийных съездах 1960-1970-х гг.
18:30 Uhr            Igor Narskij (Tscheljabinsk/München): Hat der sowjetische Parteistaat das Volk zu tanzen gelehrt? Kulturpolitik und Amateurchoreographie in der Sowjetunion
  
19:20 Uhr            Empfang im Gartensaal des Historischen Kollegs  
  
Freitag, 8. Mai 2015  

Autoritäten in der Hochkultur

9:00 Uhr              Georg Witte (Berlin): Die Autorität des Autors? Zum kulturellen Status der Literatur in Russland
9:50 Uhr              Dorothea Redepenning (Heidelberg): „Lernen bei den Klassikern.“ Leninistisches Kulturverständnis und die Konsequenzen für die ernste Musik in der Sowjetunion
  
10:40 Uhr            Kaffeepause  
  
Kulturelles Milieu

11:10 Uhr            Galina Yankovskaya (Perm): Repräsentation der egalitären Ideale der Art-Gemeinschaft während der Symposien des Verbands der Künstler 1911 und 1957 / Эгалитарные идеалы арт-сообщества в зеркале съездов союза художников 1911 и 1957 гг.
12:00 Uhr            Rüdiger Ritter (Berlin): Musik und ihre gesellschaftlichen Orte
  
12:50 Uhr            Mittagspause/Gemeinsames Mittagessen der Referentinnen und Referenten/Kaffee im Historischen Kolleg  
  
Kulturtransfer

14:30 Uhr            Ivan Sablin (Heidelberg): Vom Orientalismus zur Transkulturalität: Asien in der klassischen Musik zur Sowjetzeit
15:20 Uhr            Elena Korowin (Karlsruhe): Kulturtransfer während der „Perestroika“: Vorhang auf für eine neue russische Ästhetik
 

16:10 Uhr            Kaffeepause  
  
Hochkultur und Medien
 
16:40 Uhr            Kirsten Bönker (Bielefeld): Das sowjetische Fernsehen und die Neujustierung kultureller Grenzen  
  
Samstag, 9. Mai 2015  

9:00 Uhr              Nikolaus Katzer (Moskau): Wem gehört Babel'? „Rote Reiter“ zwischen Modernismus und Folklore  

Kulturrezeption
 
9:50 Uhr              Stefan Weiss (Hannover): Gedanken zu einer Kulturgeschichte des sowjetrussischen Opern- und Konzertpublikums
10:40 Uhr            Boris Belge (Tübingen): „Neue Musik“ als europäischer Erfahrungsraum. Die Rezeption zeitgenössischer Komposition in der Sowjetunion und Westeuropa, 1953–1991
  
11:30 Uhr            Kaffeepause/Kleiner Snack  
  
Alternative Kulturprojekte

12:00 Uhr            Michel Abeßer (Freiburg):          Ernsthaft, modern und exklusiv? – Sovetskij Džaz als kulturelles und soziales Projekt der 1960er Jahre
 12:50                     Zinaida Vasilyeva (Neuchâtel): Unsichtbarer Staat – staatliche Kultur: Infrastruktur der musikalischen Amateurvereinigungen im Spätsozialismus / Незаметное государство: инфраструктура любительских объединений эпохи позднего социализма
  
ca. 13:40 Uhr     Tagungsende  

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