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Charlotte Jahnz | 05/03/2019 | 527 Views | 1 | Talks |
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Geschichte wird gemacht

Die Public History zwischen Fachdiskurs, Politik und populärer Vermittlung

Geschichte boomt. In Computerspielen, Dokumentar- und Spielfilmen, in historischen Romanen oder populärwissenschaftlichen Zeitschriften findet sie ein breites Publikum. Unternehmen haben mit dem „History Marketing“ einen Weg gefunden, mit der eigenen Geschichte für mehr Umsatz zu sorgen. Nicht immer sind professionelle Historikerinnen und Historiker mit dieser Art von Geschichtsvermittlung einverstanden. Zu vereinfachend und manchmal sogar verfälschend seien diese Geschichtsvorstellungen.

Und natürlich wird Geschichte überall auf der Welt auch heute noch zu politischen Zwecken genutzt. Akteure aus Zivilgesellschaft, Kunst und Politik rekurrieren nach wie vor offen oder auch verdeckt auf die Vergangenheit, um ihre Belange durchzusetzen. In Polen wurde im Frühjahr 2017 der Gründungsdirektor des Danziger Museums des Zweiten Weltkriegs abgesetzt. Die polnische Regierung hatte schon zuvor versucht, die Eröffnung des Museums zu stoppen. In Deutschland fallen einige AfD-Politiker in regelmäßigen Abständen damit auf, dass sie Narrative zur deutschen Geschichte verbreiten, die die Zeit des Nationalsozialismus relativieren. Als Reaktion auf einige dieser Äußerungen errichtete das Künstlerkollektiv „Zentrum für politische Schönheit“ Ende 2017 einen Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals auf dem Nachbargrundstück des Wohnhauses des AfD-Politikers Björn Höcke.

Wie aber setzt sich die Geschichtswissenschaft selbst mit dieser populären Geschichtsvermittlung auseinander? Die Subdisziplin „Public History“ erforscht und testet zugleich populäre Zugänge zur Geschichte aus. Public History wird sowohl als „Geschichte in der Öffentlichkeit“ als auch als „Geschichte für die Öffentlichkeit“ begriffen. Es geht ihr um Analyse und Vermittlung. Gemeinsam mit nichtprofessionellen Historikerinnen und Historikern, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erarbeiten die „Public Historians“ Konzepte, mit denen ein breites Publikum erreicht werden soll und probieren neue Formate aus. Solche Projekte der Public History, ob digital oder analog, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Angesichts der Demokratiekrise in Europa und Nordamerika stellen sich allerdings neue Fragen und Probleme für den Umgang mit der Geschichte in der Öffentlichkeit. Inwiefern ist Geschichtspolitik eine Gefahr für den partizipativen Ansatz der Public History? Ist deren Zugang nicht häufig zu affirmativ? Wie wird Public History aktuell zu politischen Zwecken und zur Konstruktion von Identitätspolitiken genutzt? Welchen Einfluss haben das „postfaktische“ Klima und die antielitäre Kritik auf Geschichtsdiskurse in der Öffentlichkeit? Wer gehört dieser „Öffentlichkeit“ eigentlich an? Aber auch: wie sieht eine zeitgemäße Public History aus? Wie kann die Fachwissenschaft ein breites Publikum erreichen? Welche Sprache muss sie dabei sprechen? Und: wie vermittelt man gesichertes historisches Wissen, wenn es nicht zuletzt auf die Verkaufszahlen ankommt?

Dazu diskutierten am 15. November 2018 das Podium von Geisteswissenschaft im Dialog im Universitätsclub in Bonn.

Es diskutierten:

Dr. Tobias Becker
Deutsches Historisches Institut London, Max Weber Stiftung

Prof. Dr. Christine Gundermann
Universtiät Köln

PD Dr. Magdalena Saryusz-Wolska
Deutsches Historisches Institut Warschau, Max Weber Stiftung

Prof. Dr. Joachim Scholtyseck
Universität Bonn

Joachim Telgenbüscher
PM History

Moderation: Moritz Hoffmann, Freier Historiker

Das Video der Veranstaltung "Geschichte wird gemacht: Die Public History zwischen Fachdiskurs, Politik und populärer Vermittlung"

Comment

by Dilemma | 05.05.2019 | 16:40
Das Dilemma wird in der Videokonferenz gut dargestellt und leider ist es wohl für die "hochseriöse" Wissenschaft nicht lösbar. Wenn jemand etwas über Stalingrad lesen will wie hier dargestellt, will er/sie etwas über Stalingrad lesen und nicht etwas, das zu 80% aus Strukturbeschreibungen des Nationalsozialismus besteht.

Trotzdem haben auch solche populärwissenschaftlichen Publikationen ihre Berechtigung. Ich persönlich habe bis in die 80er noch zum Beispiel die Bechtermünz-Bände (Darstellung der Schlachten des WW2) über den WW2 in meiner Stadtbibliotek gerne ausgeliehen - heute sind sie verschwunden. Aber man kann das in der Zeit des Internets nicht mehr verschwinden lassen. Insofern braucht sich die "seriöse" Zunft auch nicht zu wundern, wenn mit den heutigen Möglichkeiten diese Publikationen aus dem Boden schießen.

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