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Uwe Protsch | 23.03.2011 | 2332 Aufrufe | 3 | Artikel

Frauen als Häftlinge in Arbeitserziehungslagern (Bitte um Auskunft)

Bei meinen Recherchen zum Arbeitserziehungslager Frankfurt-Heddernheim habe ich (bis jetzt) zwei Karteikarten der Gestapo ermittelt, denen zu Folge jeweils eine Zwangsarbeiterin in das AEL Heddernheim eingewiesen wurde, obwohl dieses nur für Männer bestimmt war; für Frauen gab es eigene Lager bzw. Gefängnisse.

Ich weiß nicht, ob ich diese beiden Fälle als fehlerhafte Eintragungen ansehen soll. Einerseits haben die Nazis, so weit ich es beurteilen kann, in allen Bereichen streng auf Trennung der Geschlechter geachtet. Andererseits vermittelt die Personenkartei der Gestapo den Eindruck (entsetzlich) gewissenhafter Arbeit. Womöglich hat die Gestapo es in Einzelfällen für pragmatisch angesehen, Frauen in Heddernheim einzuweisen, weil es in Frankfurt und Umgebung kein Arbeiserziehungslager für Frauen gab und man sich den Transport sparen wollte.

Deshalb bitte ich an dieser Stelle Diejenigen um eine Einschätzung, die sich mit dem Lagersystem der Nazis auskennen: Ist es denkbar, dass Frauen in Einzelfällen in ein für Männer bestimmtes Lager eingewiesen wurden? Sind solche Fälle bekannt? Vielen Dank für jede Unterstützung.

Kommentar

von Renate Ullrich | 01.05.2011 | 22:56 Uhr
Hallo Herr Protsch, diese Seite bei LAGIS ist vermutlich bekannt.
Heddernheim, Außenlager KZ-Hinzert, ehemaliges AEL Heddernheim
Heddernheim, Gemeinde Frankfurt am Main, Stadt Frankfurt am Main
zwischen Zeilweg und Oberschelder Weg. Gruß R. Ullrich

http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsrec/current/3/sn/nstopo?q=Heddernheim

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von Lenore Hinkel | 06.09.2011 | 16:58 Uhr
Bestimmt auch schon bekannt; für verhaftete Frauen aus Frankfurt gab ein eigenes AEL in Hirzenhain. Dazu gibt es eine interessante Publikation (s.u.). Darin wird beispielsweise berichtet, dass ausnahmsweise auch Männer im AEL Hirzenhain inhaftiert wurden. Wahrscheinlich gilt ähnliches für Heddernheim.

Michael Keller: "Das mit den Russenweibern ist erledigt". Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Gestapo-KZ, Massenmord einer SS-Kampfgruppe und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit am Tatort in Hirzenhain wie auf dem Kriegsgräberfriedhof im Kloster Arnsburg 1943-1996, 2. stark erweiterte Auflage, Friedberg 2000.

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von Uwe Protsch | 28.01.2013 | 21:39 Uhr
Nachtrag: Mittlerweile ist es gesichert, dass im "Arbeitserziehungslager" Frankfurt-Heddernheim Frauen inhaftiert waren. Es gibt mehrere Dutzend Karteikarten und andere Dokumente, die das belegen.

Die Frage ist nur noch, nach welchen Kriterien Frauen dort inhaftiert wurden. Am 25.06.1944 hatte die Gestapo eine Razzia durchgeführt, bei der zahlreiche Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aufgegriffen und für drei bis vier Tage in das "AEL" verbracht wurden. Aber es sind auch längere Haftzeiten von Frauen im "AEL" belegt.

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