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Jens Holger Jensen | 06/09/2016 | 3972 Views | 1 | Articles

Frankfurt-Sachsenhausen näher betrachtet:
Das Sachsenhäuser Westend - Die Straßen rund um das Städel

Ausgewertete Adressbucheinträge im Malerviertel für den Zeitraum von 1875 bis 1975


Weil ich nicht einfach mit den Straßen rund um den Thorwaldsenplatz aufhören wollte habe ich mich Ende des vergangenen Jahres dazu entschlossen weitere Adressbuch-Zusammenfassungen in Angriff zu nehmen. Ausgewählt habe ich für die nächste Etappe die Straßen in der unmittelbaren Umgebung des Städelschen Kunstinstituts und der Städelschule, im westlichen Teil von Frankurts größten Stadtteil Sachsenhausen.
  
Dieser Beitrag setzt die im Jahr 2012 begonnenen Präsentationen fort, die ich als sogenannter StadtteilHistoriker, als Stipendiat der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt aufge-nommen habe. Es standen dabei immer Straßen im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen im Mittelpunkt der Nachforschungen. Nach der Textorstraße (2012), der Holbeinstraße (2014) rückten die Straßen rund um den Thorwaldsenplatz (2015) nun die Straßen rund um das Städel in meinen Fokus.  Mit den hier vorgestellten neun Straßen, aus dem Malerviertel, werden die Adressbucheinträge aus rund 100 Jahren  dokumentiert.

Die auf einen Treidelfahrt zurückgehende südliche Mainuferstraße, mit dem Namen Schaumainkai,  ist die längste dieser Straßen. Sie umfasst insgesamt 103, nur ungerade, Hausnummern. Eine gegenüberliegende, mit geraden Hausnummern auszustattende Häuserzeile, existiert nicht. Die Hausnummern der parallel zum Main verlaufenden Straßen Städel-, Hans-Thoma- und Steinlestraße waren ursprünglich rot. Die senkrecht vom Main abgehenden Straßen wie die Dürer-, Rembrandt, Rubens-, und Schaubstraße hatten ursprünglich blaue Hausnummern. Das farbliche System wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankfurt eingeführt aber bereits Anfnag der 20. Jahrhundertes wieder abgeschafft, die Zählweise aber bis heute beibehalten. Die heutigen Hausnummern sind nicht nur in der Farbe, sondern auch im Design und der Art der Anbringung, Ausdruck großer Kreativität und Vielfalt.

Für die wieder sehr hilfreiche direkte und persönliche Unterstützung meiner Projektarbeit möchte ich mich sehr herzlich bei folgenden Personen bedanken:
Günter Appel
Gertrud Bardorff
Georg Becker
Gisela Dittrich
Mary Grunert-Steigleder
Werner Hardt
Jan Kaltwasser
Claudia R. Lack
Volker Mahnkopp
Ursula May
Karlheinz Porzelt +
Heidrun Reupke
Rainer Schaudt
Dr. Heinz Schomann
Bodo Steigleder
Solvejh Wach
Dieter Wesp
Alfred Zschietzschmann

Bei meinen Recherchen für Hinweise zu Eigentümern und Anwohnern habe ich häufig auf die beiden Bände der von Prof. Wolfgang Klötzer herausge-gebenen Frankfurter Biographie zurückgegriffen. Eine aktualisierte Auflage ist unter der Leitung von Dr. Sabine Hock zurzeit im Entstehen. Die dazugehörige Website lautet: Frankfurter Personenlexikon. Wichtige Detail-informationen konnte ich dem von Helmut Hill herausge-gebenen Buch mit Portraits der Offenbacher Stadtteile Rumpenheim und Waldheim ebenso entnehmen, wie dem 1970  erschienen  Heft "1200 Jahre Rumpenheim". Das von Richard Becker verfasste Buch "125 Jahre Pferderennen in Frankfurt" hat mir ebenfalls gute Dienste geleistet. Zurückgegriffen habe ich auch auf das von Notker Hammerstein 1989 veröffentlichte Buch über die Geschichte der Johann Wolfgang Goethe Stiftungsuniversität (1914 - 1950). Das von Dr. Heinz Schomann im vergangen Dezember vorgestellte Buch "Das Frankfurter Malerviertel und der Aufstieg von Sachsenhausen" hat meine Recherchen ganz allgemein erleichtert und weit mehr als nur ergänzt. Die vom Vorsitzenden des Niederräder Bezirksvereins , Werner Hardt, verfassten Bücher über die Geschichte des Frankfurter Stadtteils haben mir die erforderliche Orientierung bezüglich des genauen Standorts einer gesuchten Hutfabrik gegeben. Der Neu-Isenburger Stadtarchivarin, Claudia R. Lack, verdanke ich Kopien von dort  gesammelten Unterlagen über das Unternehmen Arthur van Kaick. Die größte Anzahl Informationen habe ich jedoch den im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte  angelegten Sammlungen zur Personengeschichte entnommen.  

Google Maps
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Wo wären diese Straßen auf einem historischen Plan ungefähr zu lokalisieren?

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Der 1864 von Friedrich Wilhelm Delkeskamp gezeichnete Malerische Plan von Frankfurt am Main und seiner nächsten Umgebung bildet den Zustand des südmainischen Gartengeländes ab, bevor mit einer großflächigen Bebauung begonnen wurde. Die von wohlhabenden, meist seit Generationen in Frankfurt ansässigen Bankier-, Fabrik- und Kaufmannsfamilien er-richteten sogenannten Land- oder Gartenhäusern am südlichen Mainufer (Schaumainkai), verfügten über große Gartengrundstücke. Diese als Gartenhäuser bezeichneten Gebäude waren nach unserem heutigen Verständnis Villen mit Mainblick. Nicht alle diesen Villen haben die vollständige oder teilweise Ruinierung während oder nach dem Zweiten Weltkrieg überdauert. An ihrer  Stelle sind moderne Bürogebäude entstanden oder deren Grundstücke  sind im Museumspark (Metzlerpark) aufgegangen.

Die an der Rückseite des Schaumainkais trassierten Straßen sind in den ehemaligen Großgärten angelegt worden. Mit exakt diesen Straßen habe ich mich im vergangenen halben Jahr beschäftigt. Die Schreyerstraße bildet eine Ausnahme, denn diese wurde als letzte der vorgestellten Straßen fluchtlinienmäßig festgelegt. Deren Verlauf steht mit dem 1898 voll-endeten Bau des Hippodroms, einer großen zweigeschossigen Reithalle, mit Stallungen für rund 130 Pferde, im direkten Zusammenhang.  Zur südlichen Mainuferstraße (Schaumainkai) bleibt anzumerken, dass dieser erst ab der Schweizer Straße (ehemals Heiligen Gässchen) oder der Haus-Nr. 41 (Deutsches Filmmuseum) dem Malerviertel zuzurechnen ist. Aus den Adressbüchern wurde jedoch die gesamte Straße und deren Eigentümer und Haushalts-vorstände in der Tabelle zusammengestellt.

In alphabetischer Reihenfolge waren das (kursiv die ursprünglichen Namen):

Dürerstraße      (Sandhöfer Fußweg)
Hans-Thoma-Straße (Forsthausstraße)
Rembrandtstraße
Rubensstraße
Schaubstraße   (Morettostraße)
Schaumainkai   (Schaumainstraße - vor dem Schaumainthor - Treidelpfad)
Schreyerstraße 
Städelstraße
Steinlestraße     (Städelstraße)

Zur Orientierung: ein Blick von oben

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Eine aktuelle Aufnahme, von dem noch im Bau befindlichen neuen Henninger-Turm, mit einer Markierung für das Gebiet mit den vorgestellten Straßen

Fluchtlinienplanung und Bebauungsbeginn

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Das Städelsche Kunstinstitut

Im Jahre 1815 brachte der Frankfurter Bankier und Gewürzhändler Johann Friedrich Städel sein am Rossmarkt gelegenes Wohnhaus sowie sein gesamtes Vermögen in die nach ihm benannte Stiftung ein. Dazu zählte auch seine umfangreiche Kunst- und Büchersammlung. Stiftungszweck war ein allen Bürgern offen stehendes Museum sowie eine Kunstschule, das Städelsche Kunstinstitut.

1833 folgte ein Umzug aus dem inzwischen zu klein gewordenen ehemaligen Wohnhaus in ein Palais in der Neuen Mainzer Straße.

1878 wurde der Neubau der Gemäldegalerie am südlichen Mainufer eröffnet.

1899 gründet sich der Städelsche-Museums-Verein und 1907 wird eine Städtische Galerie ins Leben gerufen.  Ab 1922 liegen beide Galerien im Verantwortungsbereich des jeweiligen Städel-Direktors. 1944 wird das, bereits seit 1943 geschlossene, Gebäude von Bomben schwer getroffen und beschädigt.

Der mühsame Wiederaufbau dauert beinahe 20 Jahre bis ins Jahr 1963.
1990 bekam das Städel einen Anbau in der Holbeinstraße und im Jahre 2012 konnte der spektakuläre unteridische Erweiterungsbau eröffnet werden.

Frankfurter Adressbücher

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Diese Zeichnungen wurden den Adressbüchern der Jahre 1942 und 1975 entnommen.

Wie bei den vorangegangenen Straßen im Sachsenhäuser Westend wurden aus diesmal die Adressbuch-Eintragungen in einen Excel-Tabelle übernommen.In den senkrechten Spalten wurden die Jahre (1875, 1880, 1885, 1890, 1895, 1900, 1905, 1910, 1915, 1920, 1925, 1930, 1935, 1940, 1942, 1953, 1955, 1960, 1965, 1970 und 1975) und in die waagerechten Zeilen die Namen der Haushaltsvorstände und deren Berufe, getrennt nach Hausnummern, eingetragen. Die Etagenzuordnung der Bewohner erfolgte in den Adressbüchern nur bis in die 1940er Jahre.

Die im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte (ISG) und dem Frankfurt-Lesesaal der Goethe-Universität als Mikro-Fich verfügbaren wurden seitenweise ausgedruckt und dann manuell in Excel übertragen. Bedingt durch die teilweise sehr schlecht lesbaren Mikro-Fich konnten einige Einträge nicht oder nur rudimentär übernommen werden. Derartige Einträge wurden in der Tabelle vermerkt. Um die Navigation in der Tabelle zu erleichtern wurden die einzelnen Jahrgänge (Spalten) farblich gekennzeichnet und die Jahreszahl durchgängig am rechten Rand eingetragen. 

Aus dem Adressbuch den Jahres 1940 fehlten im ISG in den Mikro-Fich die Seiten 295 bis 298, also zwei Doppelseiten. Ein zweiter Versuch, die Mikro-Fich in der Frankfurter Universität zu lesen, misslang ebenfalls, weil auch dort diese Seiten fehlten. Meiner Bitte, ausnahmsweise in das gedruckte Exemplare schauen zu dürfen, wurde entsprochen und das entsprechende Buch bestellt. Es stellte sich heraus, dass in der Papierausgabe diese Seiten vor langer Zeit und vor der Erstellung der Mikro-Fich herausgerissen wurden, was die fehlende Mikro-Fich-Seiten erklärt. Glücklicherweise existiert in der Frankfurter Universität eine zweite tadellose Print-ausgabe des Adressbuches. So bin ich schliesslich doch zu den Einträgen der Rubensstraße gekommen.

Mit freundlicher Unterstützung eines Ex-Kollegen, der eine Vollversion der Software Acrobat-Writer besitzt, ist es wieder gelungen die Excel-Dateien im pdf-Format abzuspeichern. Weil dieses Programm eine maximale Formatgrüße von DIN A0 erlaubt, bedarf es einer Erhöhung der Ansicht (Auflösung) auf etwa 600%. Das ist möglicherweise für ungeübte Betrachter gewöhnungsbedürftig, anderseits erlaubt es dadauch auch die Auswahl einer individuellen Schriftgröße.

Neben diesen Tabellen wurden jedem Straßen-Kapitel auch eine Auswertung der Berufe bei-gefügt. Es stellte sich insgesamt das gleiche Phänomen ein, wie es schon bei den vorange-gangenen Straßen festzustellen war. Nach 1945 sank die Zahl der sogenannten Kaufmänner und stiegen die Zahlen der Berufe kaufmännischer Angestellter deutlich. Die kriegsbedingten Schäden der Wohngebäude und die damit verbundene Wohnraumknappheit lassen einen deutlich Anstieg der Haushaltungen erkennen. Durch den Bau von völlig neuen Mietshäusern (Dürerstraße 13, Rubensstraße 32, Schreyerstraße 15-17, Städelstraße 27-29) kam es bis zum Jahr 1975 nicht zu einem Rückgang der Haushaltungen auf das Niveau des Jahres 1942. Der Anstieg betrug 1975 rund 30 Prozent, nachdem dieser im Jahr 1955 bereits 70 Prozent, gegenüber 1942, betragen hatte.

Schaumainkai (zuvor Schaumainstraße - vor dem Schaumainthor)

Der Straßenname leitet sich von einem ehemaligen Durchlass (Tor) in der Sachsenäuser Stadtbefestigung ab. Im Adressbuch des Jahres 1869 wird der Verlauf wie folgt beschrieben: "fängt an ehemaligen Schaumainthor an, endigt Sandhof's Fussweg". Mit diesem Fußweg ist die heutige Dürerstraße gemeint.

Eine Rückverfolgung der Adresse des Zimmermeisters Carl Philipp Müller macht die Namens-entwicklung der südlichen Mainuferstraße erkennbar.

1840, 1844, 1850                            1852 bis 1873                       ab 1874
vor dem Schaumainthor               Schaumainstrasse               Schaumainkai
  
Da in den älteren Adressbüchern nur eine namentliche Sortierung vorhanden ist (keine nach Straßennamen) wurde auf eine komplette Durchsicht dieser Adressbücher verzichtet. Die ersten Garten- und Landhäuser am südlichen Mainufer sind etwa um 1800 entstanden.

Zum besseren Verständnis von zwei miteinander korrespondierenden Fotografien  der Fahrstraße ist anzumerken, dass seit dem Jahr 1883 eine Linie der Pferdebahn durch die Straße Schaumainkai fuhr. Diese hat seinerzeit Frankfurt mit Sachsenhausen verbunden und fuhr vom Opernplatz zum Lokalbahnhof mit dem Streckenverkauf:  Opernplatz - Neue-Mainzer-Straße - Untermainbrücke - Schaumainkai - Schulstraße - Wallstraße - Lokalbahnhof. Es war die Verläuferin der "Elektrischen", einer ebenfalls auf Schienen verkehrenden Straßenbahn, jedoch mit einem echten 1 oder 2 PS-Antrieb.  Die Schienen, der noch bis 1955 darauf verkehrenden Straßenbahn, lagen noch viel Jahrzehnte in der Straßenmitte und wurden erst vor rund 10 Jahren beim Neuausbau der Straße, zusammen mit dem Kopfsteinpflaster, entfernt.

Die Tabelle mit den Adressbuch-Eintragungen wurde um 27 Hinweise zu Eigentümern und  Bewohnern der Liegenschaften ergänzt. Leider ist es mir  nicht gelungen biographische Informationen zu allen interessanten Persönlichkeiten zu ermitteln.
Mit den vorliegenden Textlängen ist keine Präferenzierung verbunden.

Die historischen Besitz- und Nutzungsverhältnisse, der heute als Museen genutzten Liegenschaften, lassen sich über diese Tabelle sehr gut nachvollziehen.

pdf-Datei mit den Adressbucheinträgen von 1875 bis 1975 (in einem fast durchgängigen 5-Jahres-Intervall) (271.62 KB)

Sozialstruktur Schaumainkai

Eine statistische Zusammenfassung der Berufe der Haushaltsvorstände aus dem Schaumainkai (1875 bis 1975). (c) Jens-Holger Jensen (242.94 KB)

Dürerstraße (ehemals Sandhöfer Fußweg)

Der Journalist und Schriftsteller Ernst Pfeiffer-Belli schildert in seiner 1986 erschienenen Autobiographie "Junge Jahre im alten Frankfurt und eines langen Lebens Reise" seine Zeit als junger Familienvater, Anfang des 2. Weltkriegs, im Haus und Garten des Hauses Dürerstraße 13, das den Krieg und die Bomben der Alliierten Streitkräfte nicht überstanden hat:
"Als das Haus der Großeltern verkauft wurde, wanderten die grünen Möbel in das Haus meiner Eltern und von dort nach Sachsenhausen in den Garten der Dürerstraße 13, der im ersten Jahr des letzten Krieges die schattige duftreiche Umwelt meines kleines Sohnes sein sollte. Dort stand ein großer Eibenbaum unbestimmbaren Alters von harmonischer Bildung. Unter diesem Baum stellten wir das ovale Tischchen, die Windsorstühlchen und den grünen behäbigen Sessel, auf dem nun, den Vater vertretend und damit eine alte Wunde schließend, der Sohn Christian thronte, umgeben von einigen dürftigen Stofftieren, denn es war Krieg, und die Spielwarengeschäfte waren rasch ausverkauft." ..."Gegen Regenstürze können Eibenbäume das gottgewollte Ihrige tun, nicht aber gegen Brandbomben, die in einer Juninacht in den Garten prasselten und weder den Eibenbaum noch das Kindermobilar verschonten. So kam es, daß ich, nachdem die Sirenen Entwarnung geheult hatten, im Garten unter dem angekohlten Eibenbaum die kläglichen Reste des Tisches und der Stühlchen fand und den kleinen, kraftvoll gefügten Sessel, der schwarz verkohlt noch ein wenig glühte."

Die in den Adressbüchern aufgeführte große Anzahl Kunstmaler, Bildhauer und Professoren ist auffallend. Es handelt sich um die Ateliers der Künstler, nicht aber um deren Wohnungen, im Gebäude des Städelschule.

Die beigefügte Adressbuch-Zusammenstellung enthalt drei biographische Hinweise. Ein Hinweis enthält ein weiteres Zitat von Erich Pfeiffer-Belli.  

pdf-Datei mit den Adressbucheinträgen von 1880 bis 1975 (in einem fast durchgängigen 5-Jahres-Intervall) (163.47 KB)

Sozialstruktur Dürerstraße

Eine statistische Zusammenfassung der Berufe der Haushaltsvorstände aus der Dürerstraße (1880 bis 1975). (c) Jens-Holger Jensen (226.17 KB)

Hans-Thoma-Straße (ursprünglich: Forsthausstraße)

Von Herrn Volker Mahnkopp, evangelischer Pfarrer der benachbarten Lukaskirche, wurde die Geschichte eines ehemaligen Kinderhauses recherchiert. Er leitet seine "Dokumentation zu vom NS-Staat verfolgten Personen im Frankfurter Kinderhaus der Weiblichen Fürsorge e.V. Hans Thoma-Straße 24" wie folgt ein:
"Diese Materialsammlung entstand im Rahmen der Untersuchung dreier benachbarter Stiftungen zu Frankfurt am Main-Sachsenhausen, nach ähnlichem Muster: Eine nicht-verheiratete Frau, Tochter jüdischer Eltern, stiftet aus Trauer über den Verlust eines ihr nahestehenden Menschen einen ansehnlichen Teil ihres Erbes für eine gemeinnützige Aufgabe, die Kindern zugute kommen soll: Evelyn de Neufville, geb. Mylius, im Jahre 1897, zum Bau eines Kinderhospitals der Dr. Christ'schen Stiftung auf ihrem Grundstück zur Forsthausstraße (seit 1922: Hans-Thoma-Straße) hin, Rose Livingston 1913 die monumentale Ausmalung der Lukaskirche und Bertha Schwarzschild geb. Salin 1918 Mittel zum Kauf der Villa Müller, Forsthausstraße 24. Alle drei Einrichtungen sind einen Steinwurf weit voneinander entfernt und meine Frage war, was diese miteinander außer der geographischen Nähe und den Umständen ihrer Entstehung verbunden haben mag. Ergebnisse dazu werden in einem gesonderten Beitrag zu schildern sein, wobei dem Stichwort "Kinderwohl" besondere Bedeutung zufällt. Was die Gebäude betrifft, so sind sie auf tragische Weise verbunden: sie wurden in derselben Nacht, am 22.03.1944, durch Bomben beschädigt bzw. zerstört. So gleich das Ende, so ähnlich der Ursprung der benachbarten Stiftungen, so verschieden die Geschichten der mit ihnen verbundenen Menschen: während das Kinderhaus am 15.09.1942 geschlossen und nahezu alle Kinder, weil Kinder jüdischer Mütter, ins Ghetto Theresienstadt deportiert wurden, wurde das Kinderhospital zur reinen Geburtsklinik für Mütter in Not, sofern die keine jüdischen Großeltern hatten.  Die Lukaskirche beherbergte Gemälde von Wilhelm Steinhausen, der seine Mutter und die US-amerikanische Stifterin, beide aus jüdischen Hause, dort verewigte, weswegen die Städtische Galerie einvernehmlich mit der Evangelischen Stadtsynode und dem Kirchenvorstand der Lukasgemeinde die Ausmalung alljährlich als nicht schützenswert einstufte, die Ölbilder in der Kirche beließ und sie der Vernichtung preisgab. Keines der 21 Bilder überlebte. Von den am 11. September 1942 im Kinderhaus lebenden 74 Personen erlebten elf Minderjährige sowie eine Erwachsene das Ende des Zweiten Weltkrieges. Alle anderen wurden vom sie rassisch verfolgenden NS-Staat ermordet."

In der Adressbuch-Tabelle wurden biographische Hinweise zu fünf Personen eingefügt. Für weiterführende Hinweise zu Theodor Wolfensperger wäre ich sehr dankbar.

pdf-Datei mit den Adressbucheinträgen von 1880 bis 1975 (in einem fast durchgängigen 5-Jahres-Intervall) (172.20 KB)

Sozialstruktur Hans-Thoma-Straße

Eine statistische Zusammenfassung der Berufe der Haushaltsvorstände aus der Hans-Thoma-Straße (1880 bis 1975). (c) Jens-Holger Jensen (232.86 KB)

Städelstraße

Im rückwärtigen Teil der, dem Schaumainkai zugehörigen, Großgärten der Garten- oder Landhäuser wurde die Städelstraße geplant und angelegt. Die Städelstraße sollte ursprünglich eine Straßenflucht umfassen, die wenig kürzer als der Schaumainkai, die heutige Metzlerstraße und Steinlestraße einbezog.

Die Tabelleneinträge wurden um sechs Hinweise zu dort wohnhaften Persönlichkeiten bzw. Eigentümern der Liegenschaften ergänzt.

pdf-Datei mit den Adressbucheinträgen von 1885 bis 1975 (in einem fast durchgängigen 5-Jahres-Intervall) (174.96 KB)

Sozialstruktur Städelstraße

Eine statistische Zusammenfassung der Berufe der Haushaltsvorstände aus der Städelstraße (1885 bis 1975). (c) Jens-Holger Jensen (231.08 KB)

Rembrandtstraße

Die Reihenhäuser mit den Hausnummern 19 bis 27 habe ich, ganz subjektiv, immer mit Ge-bäuden assoziiert, wie man sie häufig in den Niederlanden sieht. Ich habe sie völlig untypisch für das Malerviertel empfunden. Das bezieht sich nur auf das äussere Erscheinungsbild, ver-mutlich weil die schmalen Häuser  fast völlig ohne Schnörkel, Erker und Fachwer auskommen. Es ist tatsächlich eine oberflächliche Betrachtung. 

In der nachfolgenden Tabelle sind zwei biographische Hinweise zu finden.

pdf-Datei mit den Adressbucheinträgen von 1895 bis 1975 (in einem fast durchgängigen 5-Jahres-Intervall) (146.01 KB)

Sozialstruktur Rembrandtstraße

Eine statistische Zusammenfassung der Berufe der Haushaltsvorstände aus der Rembrandtstraße (1895 bis 1975). (c) Jens-Holger Jensen (219.48 KB)

Steinlestraße (sollte ursprünglich Städelstraße heißen)

Die an der Rückseite der für Heinrich von Liebieg, nach einem Entwurf des Münchner  Architekten Leonhard Romeis vom Baumeister Karl Friedrich Rau, errichteten schlossartigen Villa verlaufenden Steinlestraße, ist zweifelsfrei eine der verkehrsarmsten Straßen des Maler-viertels. Ich kann mich nicht erinnern, das dort einmal sämtliche Straßenparkplätze  belegt waren. Der aussergewöhnliche Baustil des Liebieghauses, er kann als eine Mischung aus Neobarock und Jugendstil (Historismus) bezeichnet werden, beeinflusste offensichtlich einige Bauherren in der Steinlestraße. Dort befinden sich einige Bauten, die Elemente des Liebieg-hauses wie Fachwerk, Erker oder Türmchen besitzen.

Gemessen an der nicht sehr langen, fast ausschliesslich mit Villen bebauten Straße, ist die Anzahl der dort zeitweise ansässigen stadtbekannten Persönlichkeiten recht hoch. Neun Kurzportraits wurden in die beigefügte Adressbuch-Tabelle eingefügt.

pdf-Datei mit den Adressbucheinträgen von 1900 bis 1975 (in einem fast durchgängigen 5-Jahres-Intervall) (180.27 KB)

Sozialstruktur Steinlestraße

Eine statistische Zusammenfassung der Berufe der Haushaltsvorstände aus der Steinlestraße (1900 bis 1975). (c) Jens-Holger Jensen (224.16 KB)

Rubensstraße

Vom Schaumainkai bis zur Gartenstraße ist die Rubensstraße mit Einfamilienhäusern und im weiteren Verlauf mit Mehrfamilienhäusern bebaut. Die Kennedyallee überquerend, folgt ein Ende der 1960er Jahre errichtestes Appartementhaus.

Die Tabelle mit den Adressbuch-Einträgen beinhaltet acht Hinweise zu dort wohnhaften stadt- und zum Teil international bekannten Persönlichkeiten.

pdf-Datei mit den Adressbucheinträgen von 1905 bis 1975 (in einem fast durchgängigen 5-Jahres-Intervall) (162.91 KB)

Sozialstruktur Rubensstraße

Eine statistische Zusammenfassung der Berufe der Haushaltsvorstände aus der Rubensstraße (1905 bis 1975). (c) Jens-Holger Jensen (225.06 KB)

Schaubstraße (ursprünglich: Morettostraße)

Die zunächst nach dem italienischen Maler Alessandro Bonvicino Moretto benannte Straße liegt am westlichen Rand des Malerviertels. Der Unternehmer Carl Ludwig Schaub  hatte testamentarisch festgelegt, dass nach seinem Tode die Erlöse aus seinem Vermögen dem Städel für Neuanschaffungen zur Verfügung stehen soll. Das Kapital der Carl Schaub Stiftung betrug 1906, dem Zeitpunkt der Testamenteröffnung, 1,2 Millionen Goldmark. Das Städel konnte in der Folge, aus den Erlösen rund 40 Gemälde anschaffen.

Zwei Hinweise zu bekannten Persönlichkeiten sind in der nachfolgenden Tabelle zu finden.

pdf-Datei mit den Adressbucheinträgen von 1905 bis 1975 (in einem, wo möglich, 5-Jahres-Intervall) (108.58 KB)

Sozialstruktur Schaubstraße

Eine statistische Zusammenfassung der Berufe der Haushaltsvorstände aus der Schaubstraße (1915 bis 1975). (c) Jens-Holger Jensen (216.56 KB)

Schreyerstraße

Leider war es mir nicht möglich viel über den ersten Besitzer und Bauherr der Villa Schreyer-straße 2-6, Hugo Greffenius, herauszufinden. Es handelte sich um einen Ingenieur und Unter-nehmer, der zunächst in Frankfurt Getreidemühlen konstruierte und diese dann offenbar auch schlüsselfertig für seine Kunden baute.  Für weiterführende Hinweise zu Hugo Greffenius und dessen Familie wäre ich sehr dankbar.

Über den Zweitbeitzer der "Villa Greffenius", konnte ich wegen einer sehr hilfreichen  Unterstützung durch das Stadtarchiv Neu-Isenburg und einen Ex-Kollegen und dessen Ehefrau, deutlich mehr herausfinden. Hier spannt sich der Bogen zur benachbarten Reithalle (Hippodrom) und zu einem bundesweit bekannten Reitstall bzw. Reitinstitut im Offenbacher Stadtteil Rumpenheim sowie der Stadt Neu-Isenburg. Der Besitzer, Arthur van Kaick (AvK), war der Besitzer einer Generatoren und Motorenfabrik in Neu-Isenburg und ein Pferde-liebhaber. Wie ich einem Artikel  der F.A.Z. vom 22.07.1981 entnommen habe, kam er 1949 im Hippodrom in Kontakt zu dem aus amerikanischen Gefangenschaft heimgekehrten alten Reiterfreund und Absolvent der Kavallerierschule Hannover, Otto Marotzke, und stellte diesen in seiner Fabrik an. Nachdem sich AvK einige Turnierpferde angeschafft hatte holte er Marotzke, der früher eine erfolgreicher Dressurreiter war, in seinen neuen Turnierstall, an der nahen Waidmannstraße. Anfang der 1950er Jahre sollen auf der Frankfurter Galopprenn-bahn 6 Rennpferde für AvK gelaufen sein. Als es für seinen Stall in Sachsenhausen zu eng wurde pachtete er ab 1954 das Hofgut Rumpenheim (seit 1942 ein Stadtteil von Offenbach). Das dortige Reitinstitut war sehr erfolgreich. Zu Marotzkes Schülern sollen  u. a. Lieselott Linsenhoff und Josef Neckermann gehört haben.

In der Tabelle wurden Hinweise zu drei ehemaligen Eigentümern eingefügt.

Der auffallend hohe Anteil von Polizisten in der Schreyerstraße resultiert aus den Mietshäuser 3 bis 7 der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft für Frankfurter Polzisten eGmbH, die Ende der 1920er Jahre errrichtet wurden.

pdf-Datei mit den Adressbucheinträgen von 1915 bis 1975 (in einem fast durchgängigen 5-Jahres-Intervall) (121.95 KB)

Sozialstruktur Schreyerstraße

Eine statistische Zusammenfassung der Berufe der Haushaltsvorstände aus der Schreyerstraße (1915 bis 1975). (c) Jens-Holger Jensen (220.50 KB)

Zusammenfassung Sozialstruktur der Straßen rund um das Städel

Eine statistische Zusammenfassung der Berufe der Haushaltsvorstände aller Straßen rund um das Städel (1875 bis 1975). (c) Jens-Holger Jensen (268.96 KB)

Die Top-Fünf-Berufe

Die statistische Auswertung der Top-Fünf-Berufe der Jahre 1900, 1925, 1942, 1955 und 1975 und des Gesamtzeitraums in einer Matrix. (c) Jens-Holger Jensen (211.66 KB)

Comment

by Jens-Holger Jensen | 09.07.2016 | 13:48
Die im Kapitel über die Schreyerstraße fehlenden Informationen über Hugo Greffenius haben liegen dank eines sehr informativen Hinweises der Geschichtswerkstatt Gallus inzwischen doch vor. Ein Mitglied dieser Autorengemeinschaft, Wolfgang H. Gebhardt, hat im Oktober 2014 eine Dokumentation zur Geschichte des MIAG-Fahrzeugbaus vorgelegt. Der Diplom-Ingenieur Hugo Greffenius spielte in dieser Geschichte eine entscheidende Rolle.
Diese Dokumentation der Geschichtswerkstatt Gallus und einige ergänzende Informationen wurden am 7. Juli 2016 in einem separaten L.I.S.A.-Beitrag online gestellt.

Die Überschrift des Beitrags lauter: Sachsenhausen näher betrachtet: Die Schreyerstraße.

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