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Georgios Chatzoudis | 10/03/2011 | 1960 Views | 1 | Interviews

"Es fehlt das Handeln des Volkes"

Interview mit Prof. Dr. Otto Dann

Der 3. Oktober wird heute zum 22. Mal als Tag der Deutschen Einheit begangen, aber wird er auch gefeiert? Für die meisten ist er nach mehreren Umfragen vor allem ein freier Tag. Nur eine Minderheit verbindet mit dem 3. Oktober den Gang der Ereignisse, der im Sommer 1989 einsetzte und die Nachkriegsordnung in Deutschland nur binnen eines Jahres hinwegfegte. Nach einer laufenden L.I.S.A.Umfrage sprechen sich mehr als 70 Prozent für den 9. November als Tag der Deutschen Einheit aus, nur rund ein Viertel für den 3. Oktober.

Wir haben vor einigen Tagen den emeritierten Historker der Universität zu Köln Prof. Dr. Otto Dann gesprochen und ihn unter anderem gefragt, was er vom 3. Oktober hält. Außerdem wollten wir von dem Nations- und Nationalismusforscher wissen, wie die Deutschen heute mit dem Begriff der Nation umgehen.

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Prof. Dr. Otto Dann lehrte mehr als dreißig Jahre als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte am Historischen Seminar der Universität zu Köln.

"Den 3. Oktober feiere ich mit"

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"Der 18. März wäre eine Alternative gewesen"

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"Vieles spricht für den 9. November"

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"Ich bin gegen dieses 'Wieder' im Vereinigungsprozess"

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"Das Verständnis von Nation war in Deutschland immer problematisch"

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"Der Begriff Nation spielt heute kaum noch eine Rolle"

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"Nation bedeutet eine demokratische politische Gemeinschaft zu sein"

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"Frankreich hat eine andere Tradition"

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"Eine ganze Menge ist gelungen, einiges aber auch nicht"

Das Buch kann Auszugsweise bei GoogleBooks online gelesen werden,unter: http://tinyurl.com/3rzpu5r
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Das Interview mit Prof. Dr. Otto Dann in einer Datei

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Die L.I.S.A.Redaktion hat das Gespräch mit Prof. Dr. Otto Dann am Telefon geführt und aufgezeichnet.

Comment

by Dipl.-Ing. Wilhelm K.H. Schmidt | 04.01.2015 | 23:08
Zur 25. Wiederkehr des Tages der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2015 ist im Auftrag der Stadt Premnitz (Land Brandenburg) eine Ausstellung mit dem Titel "40 Jahre deutsch-deutsche Teilung - Geschichte auf Briefmarken" in Arbeit, die sich aus der Sicht der Philatelie mit dem Begriff der Nation beschäftigt. Auf 20 Tafeln werden Themen der deutschen Nation mittels postkartengroßer Abbildungen von Briefmarken dargestellt. Tenor der ausgewählten Themen ist die Annahme, dass die deutsche Nation trotz Teilung fortbestand. Diese Annahme wird gestützt durch die Auswahl von Briefmarkenemissionen der Postverwaltungen aus Ost und West zu den gleichen Themen, die aus den gemeinsamen Wurzeln des kulturellen Erbes beider deutscher Staaten resultierten. Dadurch wurde die Absicht der DDR-Machthaber, eine Zwei-Nationen-Theorie mit der Zielstellung der Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft unbewusst unterlaufen. Daran konnten auch das Verschwinden des Textes aus der DDR-"National"-Hymne "lass uns Dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland" und der Übergang von der Briefmarkenbezeichnung von "Deutsche Demokratische Republik" zu "DDR" Anfang der 1970-er Jahre nichts ändern. Mit dem neidvollen Blick auf den erfolgreichen Weg der Bundesrepublik zu einer gelebten Demokratie hat es immer noch nationalbewusste meist ältere DDR-Bürger gegeben, die die Hoffnung auf die Vereinigung nicht aufgegeben hatten. Es ist sehr bedauerlich, dass der Begriff der Nation nach dem 3. Oktober 1990 politisch kaum noch verwendet wird. Es gibt keine jährlich wiederkehrende Rede des/der Bundeskanzlers/-kanzlerin zur Lage der Nation, die das Identitätsbewusstsein aller Deutschen stärken würde. Hinzu kommt die unverständliche Festlegung des 3. Oktober anstelle des volkstragenden Ereignisses des Umstürzens der trennenden Mauer am 9. November 1989 zum Staatsfeiertag, der nicht das Handeln der Ostdeutschen, sondern lediglich den politischen institutionellen Akt der Vereinigung würdigt und entsprechend teilnahmslos in weiten Teilen unseres Landes begangen wird. Dem Kölner Historiker Prof. Otto Dann ist es zu verdanken, den Begriff der Nation immer in den Fokus gerückt zu haben.

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