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Dossier: 1914-2014 - Hundert Jahre Erster Weltkrieg

angelegt am 20.12.2013 von Georgios Chatzoudis

Pünktlich zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs hat in Deutschland eine neue Diskussion über Ursachen und Gründe der Ereignisse von 1914 bis 1918 eingesetzt, wie es sie seit der Fischer-Kontrovers vor nun fast 50 Jahren nicht mehr gegeben hat. Auslöser ist das neue Buch des australischen Historikers Prof. Dr. Christoph Clark von der University of Cambridge "Die Schlafwandler", das zu einer Neuinterpretation vor allem der Kriegsschuldfrage eingeladen hat. Im Verlauf des Jahres 2013 sind darüber hinaus zum Ersten Weltkrieg zahlreiche weitere Bücher erschienen, viele Ausstellungen eröffnet und mehrere Vortragsreihen organisiert worden. In diesem Dossier sammeln wir Beiträge zum Ersten Weltkrieg, verbunden mit dem Anspruch, die unterschiedlichen Formen der aktuellen Auseinandersetzungen abzubilden.

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Georgios Chatzoudis | 14.09.2014 | 1019 Aufrufe | Artikel

14 Sept 1914 Montag. Insterburg

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh von Saalau nach Insterburg gefahren. In Insterburg zuerst die schöne, aussen schlichte, innen polnisch reiche Kirche besucht. Die Russen sind am Freitag Nachmittag aus Insterburg ausgerückt.…

14 Sept 1914 Montag. Insterburg

Russian Cossacks in WWI in an early stage of the war, probably 1914

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Georgios Chatzoudis | 13.09.2014 | 614 Aufrufe | Artikel

13. Sept. 1914. Sonntag. Saalau. Ostpr.

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Nachts Befehl, dass wir Morgens nach Saalau, 3 km zurückgehen und dort auf mehrere Tage Quartier beziehen sollen. Die Verfolgung ist aufgegeben; wir haben umsonst gehungert. Gedrückte Stimmung beim…

13. Sept. 1914. Sonntag. Saalau. Ostpr.

Russische Gefangene nach der Schlacht bei Tannenberg, 1914

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Georgios Chatzoudis | 12.09.2014 | 499 Aufrufe | Artikel

12. IX 1914 Sonnabend. Gr. Laszeningken b/Insterburg

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh um 5 aus dem Biwak geholt, mit „Sofort abrücken“. Wir verfolgen die Russen, die auf die Grenze zu fliehen sollen. Es besteht die Hoffnung, sie abzuschneiden und ins Haff zu werfen. Auf der…

12. IX 1914 Sonnabend. Gr. Laszeningken b/Insterburg

Russische Gefangene zwischen 1915 und 1917

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Georgios Chatzoudis | 11.09.2014 | 1538 Aufrufe | Interviews

"Die nationale Perspektive auf die Geschichte überwinden"

Interview mit Friedrich Kießling zur Kriegsschulddebatte

Die Fixierung auf die Kriegsschuldfrage in den Diskussionen über den Ersten Weltkrieg verschleiern den Blick auf viele andere Fragen, die sich professionelle Historikerinnen und Historiker längst…

"Die nationale Perspektive auf die Geschichte überwinden"

Prof. Dr. Friedrich Kießling, Department Geschichte, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

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Georgios Chatzoudis | 11.09.2014 | 634 Aufrufe | Artikel

11. Sept. 1914. Freitag; vor Allenburg

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Vormittags im Bahnhof Gr. Wohlsdorf sechs Verwundete, fünf Deutsche und ein Kosake (Schuss unter dem Herzen, Lanzenstich im Kopf, halbnackt, dicke Schmutzkruste an den Füssen blondes…

11. Sept. 1914. Freitag; vor Allenburg

Ankunft Verwundeter in Besztercze, 31.10.1916

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Georgios Chatzoudis | 10.09.2014 | 1011 Aufrufe | Artikel

10 Sept. 1914 Donnerstag vor Friedland; spät Gr Wohlsdorf

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh landete ein Flieger. Die Meldungen von der Front, die er brachte, waren nicht sehr gut. Unsere Division (der linke Flügel unserer Stellung) ist gestern nicht vorwärts gekommen. Die Russen…

10 Sept. 1914 Donnerstag vor Friedland; spät Gr Wohlsdorf

Karte von der Ostfront

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Georgios Chatzoudis | 09.09.2014 | 2855 Aufrufe | Interviews

"Versuche national kostümierter Geschichtspolitik"

Interview mit Rudolf Walther über das Echo auf "100 Jahre Erster Weltkrieg"

In den vergangenen Wochen sind in überregionalen Zeitungen mehrere Beiträge von Historikern erschienen, die sich kritisch mit der in den letzten Monaten wiederaufgelebten sogenannten…

"Versuche national kostümierter Geschichtspolitik"

Dr. Rudolf Walther, Historiker und Publizist

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Georgios Chatzoudis | 08.09.2014 | 390 Aufrufe | Artikel

8. Sept. 1914 Dienstag. Pr. Wilten

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh Nachricht, dass das Zitzewitzsche Gestüt aus Waren nahe bei im Walde geflüchtet stehe und dass wir dort Pferde bekommen könnten. Hingefahren und in einer hübschen Lichtung im Walde bei…

8. Sept. 1914 Dienstag. Pr. Wilten

Foto: DLA

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Georgios Chatzoudis | 07.09.2014 | 514 Aufrufe | Artikel

7. Sept 1914. Lampasch bei Pr. Eylau Montag

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh aus Guttenfeld abgerückt, um über Eylau nach Lampasch bei Friedland zu reiten. Um 1/2 2 Uhr Nachts kam eine dringende Forderung nach Munition von der Front, da am 8ten ein Gefecht erwartet…

7. Sept 1914. Lampasch bei Pr. Eylau Montag

Foto des Meldereiters Wilhelm Holter (zwischen 1914 und 1918 aufgenommen)

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Georgios Chatzoudis | 04.09.2014 | 323 Aufrufe | Artikel

4 Sept. (Forts)

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Ausgeladen gegen Mittag, nach mehr als sechzigstündiger Fahrt, in Mülhausen in Ostpreussen. Quartier in Baarden, etwa 15 Kilometer weiter. Das Ostpreussische wellige Land, mit seinen Wiesenflächen,…

4 Sept. (Forts)

Polen - Gruppenbild deutscher Soldaten im Feld, mit Lebensmitteln, in der Mitte ein Schild mit der Aufschrift "Wir verhungern noch lange nicht", 1914

Kommentar

von Hans Günter Thorwarth | 24.12.2013 | 14:06 Uhr
Friedliche Weihnachten!

Es scheint wirklich so zu sein, dass Clarks „Schlafwandler“ ein Feuer entzündet hat, hauptsächlich bei der Diskussion um die Frage, wer die „Schuld“ am Ersten Weltkrieg trug. Wer sich aber in den letzten Jahren über die geschichtlichen Zusammenhänge anhand der bereits zahlreich vorhandenen Geschichts-Literatur informiert hatte und gleichzeitig seinen eigenen Verstand einsetzte, ahnte schon, dass es nicht Deutschland allein sein konnte, das die Hauptschuld am Krieg zu verantworten hatte.

Ich freue mich und ich danke der LISA-Redaktion dafür, dass sie sich dem Thema so ausführlich und differenziert angenommen hat. Hochrangige Beiträge und Interviews auf höchstem Niveau informieren sowohl den Wissenschaftler als auch den interessierten Laien. Ich finde das Dossier „1914-2014“ einen wichtigen und rechtzeitigen Beitrag zur Diskussion und Bildung zum Thema, dass nächstes Jahr seinen „100. Jahrestag feiert“.

Doch bei aller theoretisch-wissenschaftlicher Betrachtung möchte ich eine bescheidene, persönliche Anregung geben: Jeder der sich mit dem Ersten Weltkrieg befasst, sollte nicht versäumen, die ehemaligen Schlachtfelder und Friedhöfe im Westen Europas zu besuchen. Ob in Verdun oder an der Somme, ob in der Champagne oder am „Chemin des Dames“, inmitten der endlosen Gräberreihen der Gefallenen tritt die Frage der „Schuld“ in den Hintergrund. Wenn man die Enge der Festungsanlagen von Douaumont und Vaux betritt und sich mit den Schicksalen der Soldaten beschäftigt, scheint die „große Politik“ nicht mehr wichtig zu sein.

1914 wurde die Kathedrale von Reims durch tagelanges, deutsches Artilleriefeuer stark zerstört, ganze Dörfer an der Front in Frankreich sind während des Krieges völlig verschwunden. Allein beim Kampf um den „Hartmannsweilerkopf“ in den Vogesen fielen über 30.000 Soldaten zwischen 1914 bis 1918. Die Bevölkerung im Elsass hatte man nie gefragt, ob sie „deutsch“ oder „französisch“ sein wollten. Mehrmals musste sie ihre Nationalität wechseln. Ihre Heimat wurde zum Spielball und Zankapfel von Politik und Militär.

Letzte Woche besuchten wir die weihnachtlich und festlich geschmückten Städte, „grenzenlos“ beiderseits des Oberrheins. Unterwegs fielen uns öfters Schulklassen auf, die mit ihren Lehrern die jeweiligen Nachbarländer besuchten. Fröhliche, unbeschwerte französische und deutsche Kinder voller Lebensfreude, in Freiburg und in Straßburg. Wenn wir an die kriegerische, europäische Geschichte zurück denken, erscheint es wie ein Wunder!

Der LISA-Redaktion und allen Leserinnen und Lesern eine friedliches Weihnachtsfest und für 2014 viel Glück, Gesundheit und Erfolg!

Hans Günter Thorwarth

Kommentar

von Dr Susanne Willers | 30.01.2014 | 17:04 Uhr
Mit "social bias" wird in der modernen Anthropologie die "ultrasoziale" (Richerson & Boyd 1998) Grundvoreinstellung des modernen Menschen (H. sapiens sapiens) bezeichnet, genauer: dessen extreme soziale Intelligenz und deren Folgeerscheinungen (s. Herrmann et al. 2007).

Nur die sozial intelligentesten Tiere sind zu kognitiven Höchstleistungen fähig wie Empathie, Theory of Mind, Liebe, Mobbing, Eifersucht, Neid, Hass, etc.

Kennzeichnend für den social bias sind unhinterfragte Voraussetzungen in Aussagen wie "unser Volk", "wir Juden", "die Deutschen wollen...", "Rothemden vs. Gelbhemden", "FC-Bayern Fans", etc. etc.

Dieser social bias dürfte spätestens mit der Sesshaftwerdung genetisch verankert worden sein (vgl. Blut-und-Boden-Ideologien, Nationalismus, Chauvinismus, Kriege).

Auch das heutige (2014) mediale Jubelgeschrei (!) anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums (!) des Ausbruchs des 1. Weltkrieges dürfte ein Anzeichen für einen zunehmenden "deutschen" bzw. "gesamteuropäischen" social bias sein.


Literatur

HERRMANN, Esther et al. (2007): Humans Have Evolved Specialized Skills of Social Cognition: The Cultural Intelligence Hypothesis. Science 317 : 1360-6

RICHERSON, PJ, BOYD, R. (1998): The evolution of human ultrasociality. In: Ethnic conflict and indoctrination (edited by I. Eibl-Eibesfeldt & F.K. Salter), pp. 71-95, Oxford.

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