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Dossier: 1914-2014 - Hundert Jahre Erster Weltkrieg

angelegt am 20.12.2013 von Georgios Chatzoudis

Pünktlich zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs hat in Deutschland eine neue Diskussion über Ursachen und Gründe der Ereignisse von 1914 bis 1918 eingesetzt, wie es sie seit der Fischer-Kontrovers vor nun fast 50 Jahren nicht mehr gegeben hat. Auslöser ist das neue Buch des australischen Historikers Prof. Dr. Christoph Clark von der University of Cambridge "Die Schlafwandler", das zu einer Neuinterpretation vor allem der Kriegsschuldfrage eingeladen hat. Im Verlauf des Jahres 2013 sind darüber hinaus zum Ersten Weltkrieg zahlreiche weitere Bücher erschienen, viele Ausstellungen eröffnet und mehrere Vortragsreihen organisiert worden. In diesem Dossier sammeln wir Beiträge zum Ersten Weltkrieg, verbunden mit dem Anspruch, die unterschiedlichen Formen der aktuellen Auseinandersetzungen abzubilden.

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Georgios Chatzoudis | 11.10.2014 | 285 Aufrufe | Artikel

11. Oct. 1914. Sonntag. Wolka – Szelenzna

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh Befehl sofort nach Zwolen abzurücken. In Zwolen auf Telegraphenamt weiterer Befehl, in beschleunigter Gangart auf der Chaussee nach Nowo-Aleksándria Munition zu überbringen. Um 2 fort aus…

11. Oct. 1914. Sonntag. Wolka – Szelenzna
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Georgios Chatzoudis | 08.10.2014 | 606 Aufrufe | Artikel

8 Oct. 1914. Donnerstag. Jawór Solecki

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh um zehn Min. vor 7. Befehl, dass Kolonne um 7 stehen u abmarschieren solle. Die Befehle kommen auf den schlechten Wegen nicht mehr durch. Um acht abmarschiert nach Norden über Ostroviec nach…

8 Oct. 1914. Donnerstag. Jawór Solecki

Paradeuniform des russischen Preobrastenski Regiments, 1910

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Georgios Chatzoudis | 07.10.2014 | 316 Aufrufe | Artikel

7 Oct. 1914. Mittwoch Bodzechów

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Ausgerückt um 8 Vorm. Aber nachdem kaum zwei Kilom. geritten, kam uns Schell entgegen mit dem Befehl, wieder in die alten Quartiere zu rücken. Heute Ruhetag, ebenso wie gestern. Schell Resultat der…

7 Oct. 1914. Mittwoch Bodzechów

Leichen von russischen Soldaten nach einem Gefecht

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Georgios Chatzoudis | 02.10.2014 | 310 Aufrufe | Artikel

2 Oct. 1914 Freitag. Mostki

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Gefechtsstaffel gebildet unter Schell. Ich an zweiter Stelle hinter Brocken. Vom Gen Kom. Mitteilung über Kriegslage. Russen versammeln sich in grosser Stärke hinter Weichsel, um uns anzugreifen.…

2 Oct. 1914 Freitag. Mostki

Russische Infanteristen auf dem Vormarsch entlang einer Eisenbahnlinie, 1914

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Georgios Chatzoudis | 30.09.2014 | 1684 Aufrufe | Interviews

"Das Balkanbild des Westens hat sich um den Ersten Weltkrieg herum verfestigt"

Interview mit Daniela Schanes über das Serbienbild im Ersten Weltkrieg

Serbien und die Serben sind im Zuge der aktuellen Diskussionen über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs immer wieder in den Blickpunkt gerückt worden. Mit ein Grund dafür ist Christopher Clark, der…

"Das Balkanbild des Westens hat sich um den Ersten Weltkrieg herum verfestigt"

Dr. Daniela Schanes und ihre Dissertationsschrift "Serbien im Ersten Weltkrieg. Feind- und Kriegsdarstellungen in österreischisch-ungarischen, deutschen und serbischen Selbstzeugnissen"

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Georgios Chatzoudis | 19.09.2014 | 459 Aufrufe | Artikel

19 September. 1914. Sonnabend. Labiau

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Von Adl. Paddeim früh abgerückt nach Labiau, wo wir verladen werden, wahrscheinlich nach Galizien. Wir wissen nicht. Unsere Route ist uns nur bis Dirschau angegeben. So ist auch dieser zweite,…

19 September. 1914. Sonnabend. Labiau

Eisenbahn-Ersatz-Bataillon

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Georgios Chatzoudis | 18.09.2014 | 561 Aufrufe | Artikel

18 September 1914 Freitag. Adl. Paddeim u Königsberg

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh nach Labiau. Unterwegs an der Chaussee zuerst die russischen Schützengräben und Drahthindernisse, mächtige Erdbauten und Verschanzungen, an denen sie Wochen gearbeitet haben müssen, dann bei…

18 September 1914 Freitag. Adl. Paddeim u Königsberg

Karte von Königsberg und Umgebung um 1910

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Georgios Chatzoudis | 17.09.2014 | 771 Aufrufe | Artikel

17 Sept. 1914. Donnerstag Adlig Paddeim b. Labiau

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Von Kgl Damerau nach Adlig Paddeim marschiert und dort auf dem Gut einquartiert. Dreiviertel der Wirtschaftsgebäude sind niedergebrannt; das Schloss ist beschossen worden. Eine Granate ist ins…

17 Sept. 1914. Donnerstag Adlig Paddeim b. Labiau

Kowno. Übergang der deutschen Truppen über die Notbrücke des Njemen

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Georgios Chatzoudis | 16.09.2014 | 1917 Aufrufe | Interviews

"Der Erste Weltkrieg ist nicht Ausgangspunkt des Zweiten"

Interview mit Jörn Leonhard über sein aktuelles Buch zum Ersten Weltkrieg

Hans-Ulrich Wehler hat sein Buch als "das wichtigste Buch zum Ersten Weltkrieg" bezeichnet. Auf mehr als 1.000 Seiten betrachtet der Freiburger Historiker Prof. Dr. Jörn Leonhard von der…

"Der Erste Weltkrieg ist nicht Ausgangspunkt des Zweiten"
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Denis Walter | 16.09.2014 | 402 Aufrufe | Veranstaltungen

Heute 18 Uhr Livestream: Im Gedenkjahr nichts Neues? Der Erste Weltkrieg und die Zukunft Europas

16.09.2014 | Berlin, Deutsches Historisches Museum

Bundesministerin Prof. Dr. Johanna Wanka eröffnet eine Veranstaltung zum Ersten Weltkrieg im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin. Die Podiumsdiskussion der Reihe „Geisteswissenschaft im…

Heute 18 Uhr Livestream: Im Gedenkjahr nichts Neues? Der Erste Weltkrieg und die Zukunft Europas

Kommentar

von Hans Günter Thorwarth | 24.12.2013 | 14:06 Uhr
Friedliche Weihnachten!

Es scheint wirklich so zu sein, dass Clarks „Schlafwandler“ ein Feuer entzündet hat, hauptsächlich bei der Diskussion um die Frage, wer die „Schuld“ am Ersten Weltkrieg trug. Wer sich aber in den letzten Jahren über die geschichtlichen Zusammenhänge anhand der bereits zahlreich vorhandenen Geschichts-Literatur informiert hatte und gleichzeitig seinen eigenen Verstand einsetzte, ahnte schon, dass es nicht Deutschland allein sein konnte, das die Hauptschuld am Krieg zu verantworten hatte.

Ich freue mich und ich danke der LISA-Redaktion dafür, dass sie sich dem Thema so ausführlich und differenziert angenommen hat. Hochrangige Beiträge und Interviews auf höchstem Niveau informieren sowohl den Wissenschaftler als auch den interessierten Laien. Ich finde das Dossier „1914-2014“ einen wichtigen und rechtzeitigen Beitrag zur Diskussion und Bildung zum Thema, dass nächstes Jahr seinen „100. Jahrestag feiert“.

Doch bei aller theoretisch-wissenschaftlicher Betrachtung möchte ich eine bescheidene, persönliche Anregung geben: Jeder der sich mit dem Ersten Weltkrieg befasst, sollte nicht versäumen, die ehemaligen Schlachtfelder und Friedhöfe im Westen Europas zu besuchen. Ob in Verdun oder an der Somme, ob in der Champagne oder am „Chemin des Dames“, inmitten der endlosen Gräberreihen der Gefallenen tritt die Frage der „Schuld“ in den Hintergrund. Wenn man die Enge der Festungsanlagen von Douaumont und Vaux betritt und sich mit den Schicksalen der Soldaten beschäftigt, scheint die „große Politik“ nicht mehr wichtig zu sein.

1914 wurde die Kathedrale von Reims durch tagelanges, deutsches Artilleriefeuer stark zerstört, ganze Dörfer an der Front in Frankreich sind während des Krieges völlig verschwunden. Allein beim Kampf um den „Hartmannsweilerkopf“ in den Vogesen fielen über 30.000 Soldaten zwischen 1914 bis 1918. Die Bevölkerung im Elsass hatte man nie gefragt, ob sie „deutsch“ oder „französisch“ sein wollten. Mehrmals musste sie ihre Nationalität wechseln. Ihre Heimat wurde zum Spielball und Zankapfel von Politik und Militär.

Letzte Woche besuchten wir die weihnachtlich und festlich geschmückten Städte, „grenzenlos“ beiderseits des Oberrheins. Unterwegs fielen uns öfters Schulklassen auf, die mit ihren Lehrern die jeweiligen Nachbarländer besuchten. Fröhliche, unbeschwerte französische und deutsche Kinder voller Lebensfreude, in Freiburg und in Straßburg. Wenn wir an die kriegerische, europäische Geschichte zurück denken, erscheint es wie ein Wunder!

Der LISA-Redaktion und allen Leserinnen und Lesern eine friedliches Weihnachtsfest und für 2014 viel Glück, Gesundheit und Erfolg!

Hans Günter Thorwarth

Kommentar

von Dr Susanne Willers | 30.01.2014 | 17:04 Uhr
Mit "social bias" wird in der modernen Anthropologie die "ultrasoziale" (Richerson & Boyd 1998) Grundvoreinstellung des modernen Menschen (H. sapiens sapiens) bezeichnet, genauer: dessen extreme soziale Intelligenz und deren Folgeerscheinungen (s. Herrmann et al. 2007).

Nur die sozial intelligentesten Tiere sind zu kognitiven Höchstleistungen fähig wie Empathie, Theory of Mind, Liebe, Mobbing, Eifersucht, Neid, Hass, etc.

Kennzeichnend für den social bias sind unhinterfragte Voraussetzungen in Aussagen wie "unser Volk", "wir Juden", "die Deutschen wollen...", "Rothemden vs. Gelbhemden", "FC-Bayern Fans", etc. etc.

Dieser social bias dürfte spätestens mit der Sesshaftwerdung genetisch verankert worden sein (vgl. Blut-und-Boden-Ideologien, Nationalismus, Chauvinismus, Kriege).

Auch das heutige (2014) mediale Jubelgeschrei (!) anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums (!) des Ausbruchs des 1. Weltkrieges dürfte ein Anzeichen für einen zunehmenden "deutschen" bzw. "gesamteuropäischen" social bias sein.


Literatur

HERRMANN, Esther et al. (2007): Humans Have Evolved Specialized Skills of Social Cognition: The Cultural Intelligence Hypothesis. Science 317 : 1360-6

RICHERSON, PJ, BOYD, R. (1998): The evolution of human ultrasociality. In: Ethnic conflict and indoctrination (edited by I. Eibl-Eibesfeldt & F.K. Salter), pp. 71-95, Oxford.

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