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Dossier: 1914-2014 - Hundert Jahre Erster Weltkrieg

created on 12/20/2013 by Georgios Chatzoudis

Pünktlich zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs hat in Deutschland eine neue Diskussion über Ursachen und Gründe der Ereignisse von 1914 bis 1918 eingesetzt, wie es sie seit der Fischer-Kontrovers vor nun fast 50 Jahren nicht mehr gegeben hat. Auslöser ist das neue Buch des australischen Historikers Prof. Dr. Christoph Clark von der University of Cambridge "Die Schlafwandler", das zu einer Neuinterpretation vor allem der Kriegsschuldfrage eingeladen hat. Im Verlauf des Jahres 2013 sind darüber hinaus zum Ersten Weltkrieg zahlreiche weitere Bücher erschienen, viele Ausstellungen eröffnet und mehrere Vortragsreihen organisiert worden. In diesem Dossier sammeln wir Beiträge zum Ersten Weltkrieg, verbunden mit dem Anspruch, die unterschiedlichen Formen der aktuellen Auseinandersetzungen abzubilden.

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Georgios Chatzoudis | 11/06/2014 | 628 Views | Articles

6. Nov 1914. Freitag. Gnászyn (bei Czenstochau)

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Katen liess mir Nachts sagen, acht russische Armeecorps seien im Anmarsch; wir würden hier stehen bleiben und bis zum Äussersten aushalten. – Nachmittags nach Czenstochau; Kiepert getroffen, der…

6. Nov 1914. Freitag. Gnászyn (bei Czenstochau)

Postkarte des britischen Kreuzers HMS Monmouth, der am 1. November 1914 im Seegefecht bei Coronel, vor der Küste Chiles gesunken ist

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Georgios Chatzoudis | 11/02/2014 | 917 Views | Articles

2. November 1914. Montag. Czenstochau – Piaski

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh ins Pauliner Kloster, wo das wundertätige Muttergottesbild gezeigt wird. Aufstieg zur Höhe des Klosters auf dem „hellen Berge“ zwischen bettelnden Krüppeln. Oben zuerst eine überreich…

2. November 1914. Montag. Czenstochau – Piaski

Paulinerkloster auf dem Jasna Góra in Częstochowa

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Georgios Chatzoudis | 11/01/2014 | 730 Views | Articles

1 November 1914. Sonntag. Czenstochau

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Vormittags kurzer Marsch von Plawno nach Piaski. Um unseren Pferden Ruhe zu verschaffen, sind wir aus der Gefechtsstaffel herausgezogen worden. Nachmittags nach Czenstochau gefahren. Unterwegs…

1 November 1914. Sonntag. Czenstochau

Experts in Close-quarter fighting: Siberian infantrymen in their field-service equipment at Warsaw

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Georgios Chatzoudis | 10/31/2014 | 896 Views | Articles

31. Oct 1914. Sonnabend. Plawno

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh um 3/4 5 aus Krosno abgerückt. Schneidend kalter Wind in der Dunkelheit. Zahllose Kolonnen werden, als es Tag wird, auf allen Strassen gegen Nowo Radomsk und Czenstochau zurückgehend sichtbar.…

31. Oct 1914. Sonnabend. Plawno

Krosno im 19. Jahrhundert

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Georgios Chatzoudis | 10/25/2014 | 659 Views | Articles

25. Oct. 1914. Sonntag Spala

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Die Frauen im Sonntagsstaat zur Kirche gehend; leuchtende reine Farben ihrer Kleider, Streifen von hellem Safranrot, Grün, Kirschrot, Purpur, Citronengelb in orientalisch reichen…

25. Oct. 1914. Sonntag Spala
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Georgios Chatzoudis | 10/24/2014 | 637 Views | Articles

24. Oct. 1914 Sonnabend. Spala

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Zum Corpskommando, das in Rzeczyca auf einem grösseren Gute liegt. Schon im kaiserlichen Wildpark vor Rzeczyca hörte man aus einer Entfernung von 15 bis 20 Kilometern heftige Kanonenschläge. Ein…

24. Oct. 1914 Sonnabend. Spala

Campaign in Southwest Poland, 1914

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Georgios Chatzoudis | 10/22/2014 | 724 Views | Articles

22. Oct. 1914. Donnerstag. Spala (Cieblowice)

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Heute das Eiserne Kreuz erhalten. Wir liegen in Cieblowice in der Kaiserlichen Forst drei Kilometer vom Kaiserlichen Jagdschloss Spala entfernt. Meinen Leuten erlaubt, in der Forst drei Stück…

22. Oct. 1914. Donnerstag. Spala (Cieblowice)

Moordammbau Ostrowo. Belegen des dortigen Dammes mit Knüppelbelag.

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Georgios Chatzoudis | 10/20/2014 | 615 Views | Articles

20 Oct. 1914. Dienstag. Stoczki

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Wir sind heute noch weiter nach Westen marschiert. Unterwegs trafen wir die Pferde des A.O.K., das nach Konsk zurückgeht. Unser Corps soll als linker Flügel der neuen Aufstellung mit der Front nach…

20 Oct. 1914. Dienstag. Stoczki

Der Stab der 8.Armee, keine weiteren Angaben, Sep. 1914 Schlacht bei den Masurischen Seen vermutlich

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Georgios Chatzoudis | 10/18/2014 | 636 Views | Articles

18. October 1914. Sonntag. Soltyków

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Vormittags nach Radom. Gottesdienst in der schönen spätgothischen katholischen Kirche (die russisch-orthodoxe ist geschlossen). Inbrunst der Gemeinde, die knieend die Kirche füllt; viele Bäuerinnen…

18. October 1914. Sonntag. Soltyków

Harry Graf Kessler

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Georgios Chatzoudis | 10/14/2014 | 2928 Views | 1 | Interviews

"Clark hat den Konsens der 1980er Jahre aufgekündigt"

Rückblick mit Gerhard Hirschfeld auf das Gedenken an den Ersten Weltkrieg

Es ist mehr als ein Jahr her, dass die deutschsprachige Ausgabe von Christopher Clarks "Die Schlafwandler" erschien und vor allem in den Medien leidenschaftlich diskutiert wurde. Auf sein Buch…

"Clark hat den Konsens der 1980er Jahre aufgekündigt"

Comment

by Hans Günter Thorwarth | 24.12.2013 | 14:06
Friedliche Weihnachten!

Es scheint wirklich so zu sein, dass Clarks „Schlafwandler“ ein Feuer entzündet hat, hauptsächlich bei der Diskussion um die Frage, wer die „Schuld“ am Ersten Weltkrieg trug. Wer sich aber in den letzten Jahren über die geschichtlichen Zusammenhänge anhand der bereits zahlreich vorhandenen Geschichts-Literatur informiert hatte und gleichzeitig seinen eigenen Verstand einsetzte, ahnte schon, dass es nicht Deutschland allein sein konnte, das die Hauptschuld am Krieg zu verantworten hatte.

Ich freue mich und ich danke der LISA-Redaktion dafür, dass sie sich dem Thema so ausführlich und differenziert angenommen hat. Hochrangige Beiträge und Interviews auf höchstem Niveau informieren sowohl den Wissenschaftler als auch den interessierten Laien. Ich finde das Dossier „1914-2014“ einen wichtigen und rechtzeitigen Beitrag zur Diskussion und Bildung zum Thema, dass nächstes Jahr seinen „100. Jahrestag feiert“.

Doch bei aller theoretisch-wissenschaftlicher Betrachtung möchte ich eine bescheidene, persönliche Anregung geben: Jeder der sich mit dem Ersten Weltkrieg befasst, sollte nicht versäumen, die ehemaligen Schlachtfelder und Friedhöfe im Westen Europas zu besuchen. Ob in Verdun oder an der Somme, ob in der Champagne oder am „Chemin des Dames“, inmitten der endlosen Gräberreihen der Gefallenen tritt die Frage der „Schuld“ in den Hintergrund. Wenn man die Enge der Festungsanlagen von Douaumont und Vaux betritt und sich mit den Schicksalen der Soldaten beschäftigt, scheint die „große Politik“ nicht mehr wichtig zu sein.

1914 wurde die Kathedrale von Reims durch tagelanges, deutsches Artilleriefeuer stark zerstört, ganze Dörfer an der Front in Frankreich sind während des Krieges völlig verschwunden. Allein beim Kampf um den „Hartmannsweilerkopf“ in den Vogesen fielen über 30.000 Soldaten zwischen 1914 bis 1918. Die Bevölkerung im Elsass hatte man nie gefragt, ob sie „deutsch“ oder „französisch“ sein wollten. Mehrmals musste sie ihre Nationalität wechseln. Ihre Heimat wurde zum Spielball und Zankapfel von Politik und Militär.

Letzte Woche besuchten wir die weihnachtlich und festlich geschmückten Städte, „grenzenlos“ beiderseits des Oberrheins. Unterwegs fielen uns öfters Schulklassen auf, die mit ihren Lehrern die jeweiligen Nachbarländer besuchten. Fröhliche, unbeschwerte französische und deutsche Kinder voller Lebensfreude, in Freiburg und in Straßburg. Wenn wir an die kriegerische, europäische Geschichte zurück denken, erscheint es wie ein Wunder!

Der LISA-Redaktion und allen Leserinnen und Lesern eine friedliches Weihnachtsfest und für 2014 viel Glück, Gesundheit und Erfolg!

Hans Günter Thorwarth

Comment

by Dr Susanne Willers | 30.01.2014 | 17:04
Mit "social bias" wird in der modernen Anthropologie die "ultrasoziale" (Richerson & Boyd 1998) Grundvoreinstellung des modernen Menschen (H. sapiens sapiens) bezeichnet, genauer: dessen extreme soziale Intelligenz und deren Folgeerscheinungen (s. Herrmann et al. 2007).

Nur die sozial intelligentesten Tiere sind zu kognitiven Höchstleistungen fähig wie Empathie, Theory of Mind, Liebe, Mobbing, Eifersucht, Neid, Hass, etc.

Kennzeichnend für den social bias sind unhinterfragte Voraussetzungen in Aussagen wie "unser Volk", "wir Juden", "die Deutschen wollen...", "Rothemden vs. Gelbhemden", "FC-Bayern Fans", etc. etc.

Dieser social bias dürfte spätestens mit der Sesshaftwerdung genetisch verankert worden sein (vgl. Blut-und-Boden-Ideologien, Nationalismus, Chauvinismus, Kriege).

Auch das heutige (2014) mediale Jubelgeschrei (!) anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums (!) des Ausbruchs des 1. Weltkrieges dürfte ein Anzeichen für einen zunehmenden "deutschen" bzw. "gesamteuropäischen" social bias sein.


Literatur

HERRMANN, Esther et al. (2007): Humans Have Evolved Specialized Skills of Social Cognition: The Cultural Intelligence Hypothesis. Science 317 : 1360-6

RICHERSON, PJ, BOYD, R. (1998): The evolution of human ultrasociality. In: Ethnic conflict and indoctrination (edited by I. Eibl-Eibesfeldt & F.K. Salter), pp. 71-95, Oxford.

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