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Dossier: 1914-2014 - Hundert Jahre Erster Weltkrieg

angelegt am 20.12.2013 von Georgios Chatzoudis

Pünktlich zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs hat in Deutschland eine neue Diskussion über Ursachen und Gründe der Ereignisse von 1914 bis 1918 eingesetzt, wie es sie seit der Fischer-Kontrovers vor nun fast 50 Jahren nicht mehr gegeben hat. Auslöser ist das neue Buch des australischen Historikers Prof. Dr. Christoph Clark von der University of Cambridge "Die Schlafwandler", das zu einer Neuinterpretation vor allem der Kriegsschuldfrage eingeladen hat. Im Verlauf des Jahres 2013 sind darüber hinaus zum Ersten Weltkrieg zahlreiche weitere Bücher erschienen, viele Ausstellungen eröffnet und mehrere Vortragsreihen organisiert worden. In diesem Dossier sammeln wir Beiträge zum Ersten Weltkrieg, verbunden mit dem Anspruch, die unterschiedlichen Formen der aktuellen Auseinandersetzungen abzubilden.

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Thomas Podranski | 06.04.2015 | 2195 Aufrufe | Vorträge

Die „Judenzählung“ im Ersten Weltkrieg und die Wurzeln des radikalen Antisemitismus der Nachkriegszeit

Vortrag von Prof. Dr. Gerd Krumeich

Der Düsseldorfer Historiker Prof. Dr. Gerd Krumeich spricht in seinem Vortrag über "die größte statistische Ungeheurlichkeit des 1. Weltkriegs" (Egmont Zechlin), die durch die Oberste Heeresleitung…

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Dr. Wibke Becker | 03.04.2015 | 1790 Aufrufe | Diskussionen

Der Große Krieg. Köln und das Rheinland im europäischen Kontext

Podiumsdiskussion mit Gertrude Cepl-Kaufmann, Gerd Krumeich und Jost Dülffer

Die Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg hat im vergangenen Jahr eine kaum noch zu bewältigende Masse an Publikationen, Dokumentationen, Ausstellungen und Diskussionen hervorgebracht. Zwei…

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Thomas Podranski | 09.03.2015 | 2651 Aufrufe | Vorträge

Die Kolonien im Ersten Weltkrieg – der Erste Weltkrieg in den Kolonien

Vortrag von Dr. Michael Pesek

Der Historiker Dr. Michael Pesek lenkt in seinem Vortrag den Blick auf die in der Forschung immer noch unterbetrachtete Rolle des afrikanischen Kriegsschauplatzs für den Verlauf und den Ausgang des…

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Georgios Chatzoudis | 03.03.2015 | 1542 Aufrufe | Interviews

"Mit einem deutlichen Anflug von Skepsis"

Interview mit Bernd Sösemann über den Journalisten Theodor Wolff

Vor 100 Jahren, genauer am 1. März 1915, widersetzte sich der Chefredakteur des "Berliner Tageblatts" Theodor Wolff der Militärzensur seines Landes. Er gehörte ohnehin nicht zu jenen Journalisten,…

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Theodor Wolff im Exil in Nizza

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Thomas Podranski | 09.02.2015 | 780 Aufrufe | Vorträge

Umkämpfte Loyalität und ethnische Gewalt: Die inneren Fronten des Ersten Weltkriegs

Vortrag von Prof. Dr. Jörn Leonhard

Prof. Dr. Jörn Leonhard, Freiburger Professor für Geschichte des Romanischen Westeuropas und Verfasser der Studie "Die Büchse der Pandora - Geschichte des Ersten Weltkriegs", referiert in seinem…

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Georgios Chatzoudis | 31.12.2014 | 697 Aufrufe | 1 | Artikel

31 Dez. 1914. Donnerstag. Tomaszów.

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Vormittags kam von der II Österr. Armee ein Befehl, den sie uns baten, dem heute hier einmarschierenden Corps Gallwitz und unserem eigenen A.O.K zu übermitteln: „Da nach den Nachrichten über den…

31 Dez. 1914. Donnerstag. Tomaszów.

Österreichisch-ungarische Soldaten bei der Parade auf der Ringstrasse in Wien anlässlich der Hundertjahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig, 1913

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M.A. Stephanie Buchholz | 29.12.2014 | 1880 Aufrufe | Dokumentarfilme

Friedensutopie und Kriegsnotwendigkeit

Fiktives Streitgespräch mit Prof. Dr. Gerhard Hirschfeld und Prof. Dr. Gerd Krumeich

Die beiden Historiker und Experten des Ersten Weltkriegs Prof. Dr. Gerhard Hirschfeld und Prof. Dr. Gerd Krumeich haben eine etwas andere Art der Vermittlung historischer Inhalte gewählt. In ihrem…

Friedensutopie und Kriegsnotwendigkeit
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Georgios Chatzoudis | 27.12.2014 | 367 Aufrufe | Artikel

27. Dez. 1914. Sonntag. Tomaszów

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Der Angriff des Korps Gallwitz südlich der Piliza geht vorwärts. Das Erste Kav. Korps HKK 1 (Richthofen), das bei Inowlodz von Norden über die Piliza vorstossen sollte, meldet dagegen heute Morgen,…

27. Dez. 1914. Sonntag. Tomaszów

Sibirische Infantristen, 1914

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Georgios Chatzoudis | 24.12.2014 | 807 Aufrufe | Artikel

24. Dez 1914. Donnerstag. Tomaszów

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Früh die Nachricht, dass unsere Truppen (Corps Posen) gestern nach schweren Kämpfen um 11 Uhr Nachts den nördlich der Piliza gelegenen Teil von Inowlodz genommen (in den die Russen Vormittags…

24. Dez 1914. Donnerstag. Tomaszów

Polen 1914.- Kleine Ortschaft mit schlammiger Strasse, Männer vor den Häusern stehend

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Georgios Chatzoudis | 23.12.2014 | 1448 Aufrufe | Interviews

"Wenn man die puren Zahlen einmal gegenüberstellt..."

Interview mit Jörg Friedrich über seine Sicht auf den Ersten Weltkrieg

Jörg Friedrichs Buch 14/18. Der Weg nach Versailles gehört zu den umstritteneren Büchern anlässlich des 100jährigen Gedenkens an den Ersten Weltkrieg. Obwohl er ein fakten- und detailreiches Werk…

"Wenn man die puren Zahlen einmal gegenüberstellt..."

Kommentar

von Hans Günter Thorwarth | 24.12.2013 | 14:06 Uhr
Friedliche Weihnachten!

Es scheint wirklich so zu sein, dass Clarks „Schlafwandler“ ein Feuer entzündet hat, hauptsächlich bei der Diskussion um die Frage, wer die „Schuld“ am Ersten Weltkrieg trug. Wer sich aber in den letzten Jahren über die geschichtlichen Zusammenhänge anhand der bereits zahlreich vorhandenen Geschichts-Literatur informiert hatte und gleichzeitig seinen eigenen Verstand einsetzte, ahnte schon, dass es nicht Deutschland allein sein konnte, das die Hauptschuld am Krieg zu verantworten hatte.

Ich freue mich und ich danke der LISA-Redaktion dafür, dass sie sich dem Thema so ausführlich und differenziert angenommen hat. Hochrangige Beiträge und Interviews auf höchstem Niveau informieren sowohl den Wissenschaftler als auch den interessierten Laien. Ich finde das Dossier „1914-2014“ einen wichtigen und rechtzeitigen Beitrag zur Diskussion und Bildung zum Thema, dass nächstes Jahr seinen „100. Jahrestag feiert“.

Doch bei aller theoretisch-wissenschaftlicher Betrachtung möchte ich eine bescheidene, persönliche Anregung geben: Jeder der sich mit dem Ersten Weltkrieg befasst, sollte nicht versäumen, die ehemaligen Schlachtfelder und Friedhöfe im Westen Europas zu besuchen. Ob in Verdun oder an der Somme, ob in der Champagne oder am „Chemin des Dames“, inmitten der endlosen Gräberreihen der Gefallenen tritt die Frage der „Schuld“ in den Hintergrund. Wenn man die Enge der Festungsanlagen von Douaumont und Vaux betritt und sich mit den Schicksalen der Soldaten beschäftigt, scheint die „große Politik“ nicht mehr wichtig zu sein.

1914 wurde die Kathedrale von Reims durch tagelanges, deutsches Artilleriefeuer stark zerstört, ganze Dörfer an der Front in Frankreich sind während des Krieges völlig verschwunden. Allein beim Kampf um den „Hartmannsweilerkopf“ in den Vogesen fielen über 30.000 Soldaten zwischen 1914 bis 1918. Die Bevölkerung im Elsass hatte man nie gefragt, ob sie „deutsch“ oder „französisch“ sein wollten. Mehrmals musste sie ihre Nationalität wechseln. Ihre Heimat wurde zum Spielball und Zankapfel von Politik und Militär.

Letzte Woche besuchten wir die weihnachtlich und festlich geschmückten Städte, „grenzenlos“ beiderseits des Oberrheins. Unterwegs fielen uns öfters Schulklassen auf, die mit ihren Lehrern die jeweiligen Nachbarländer besuchten. Fröhliche, unbeschwerte französische und deutsche Kinder voller Lebensfreude, in Freiburg und in Straßburg. Wenn wir an die kriegerische, europäische Geschichte zurück denken, erscheint es wie ein Wunder!

Der LISA-Redaktion und allen Leserinnen und Lesern eine friedliches Weihnachtsfest und für 2014 viel Glück, Gesundheit und Erfolg!

Hans Günter Thorwarth

Kommentar

von Dr Susanne Willers | 30.01.2014 | 17:04 Uhr
Mit "social bias" wird in der modernen Anthropologie die "ultrasoziale" (Richerson & Boyd 1998) Grundvoreinstellung des modernen Menschen (H. sapiens sapiens) bezeichnet, genauer: dessen extreme soziale Intelligenz und deren Folgeerscheinungen (s. Herrmann et al. 2007).

Nur die sozial intelligentesten Tiere sind zu kognitiven Höchstleistungen fähig wie Empathie, Theory of Mind, Liebe, Mobbing, Eifersucht, Neid, Hass, etc.

Kennzeichnend für den social bias sind unhinterfragte Voraussetzungen in Aussagen wie "unser Volk", "wir Juden", "die Deutschen wollen...", "Rothemden vs. Gelbhemden", "FC-Bayern Fans", etc. etc.

Dieser social bias dürfte spätestens mit der Sesshaftwerdung genetisch verankert worden sein (vgl. Blut-und-Boden-Ideologien, Nationalismus, Chauvinismus, Kriege).

Auch das heutige (2014) mediale Jubelgeschrei (!) anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums (!) des Ausbruchs des 1. Weltkrieges dürfte ein Anzeichen für einen zunehmenden "deutschen" bzw. "gesamteuropäischen" social bias sein.


Literatur

HERRMANN, Esther et al. (2007): Humans Have Evolved Specialized Skills of Social Cognition: The Cultural Intelligence Hypothesis. Science 317 : 1360-6

RICHERSON, PJ, BOYD, R. (1998): The evolution of human ultrasociality. In: Ethnic conflict and indoctrination (edited by I. Eibl-Eibesfeldt & F.K. Salter), pp. 71-95, Oxford.

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