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Georgios Chatzoudis | 05/10/2020 | 1417 Views | 9 | Announcements

Erklärung der L.I.S.A.Redaktion

In eigener Sache

Wir haben heute erstmals in zehn Jahren einen Beitrag, in diesem Fall ein Interview mit zwei Wissenschaftlern der LMU München zum Thema Sprechen und Handeln in Zeiten von Corona, aufgrund von Reaktionen unserer Leserinnen und Leser von der Plattform heruntergenommen. Wir nehmen die dazu geäußerte Kritik auf, das Thema sei zu einseitig behandelt worden, und die in dem Interview geäußerten Positionen könnten als Positionen der L.I.S.A.Redaktion missverstanden werden. Dem ist nicht so, und wir kündigen hiermit an, das Thema noch einmal neu und dann mit verschiedenen Perspektiven anzugehen. Es tut uns leid, sollten wir für Irritationen gesorgt haben.

Ihnen einen schönen Sonntag noch, herzliche Grüße
Georgios Chatzoudis, Redaktionsleitung

Comment

by Tobias Weidner | 10.05.2020 | 16:44
Lieber Herr Chatzoudis,
das ist gut wichtig und richtig.
Die "pc"-Thematik - und die Thesen der Autoren - sollten aber auch im Portal wirklich weiter diskutiert werden (obschon ich mir nicht sicher bin, ob ein solches Postulat in den Augen von Diefenbach und Ullrich nicht schon wieder zu "pc" ist!).
Es gibt ja eine ganze Reihe guter und differenzierter Forschung verschiedener Disziplinen zum Thema. Historiker haben z.B. gezeigt, das "political correctness" ein dezidierter Kampfbegriff politischer Sprache ist, der einen sehr genau zu bestimmenden historischen Ort hat: Besonders in den USA wird er von Neokonservativen seit Beginn der 1990er-Jahre dazu genutzt, liberale Anti-Diskriminierungspolitik zu diskreditieren (Literaturtipp: Der Text von Mittmann in: Hölscher (Hg.): Political Correctness (2008)). Und dass er im aktuellen Sprachgebrauch in der deutschen politischen Debatte ein Begriff ist, der (nicht nur aber) auch von der AfD genüsslich gegen eine angebliche "linksgrünversiffte" Deutungshoheit in Stellung gebracht wird, ist wohl kaum von der Hand zu weisen.
Als der Text gelöscht wurde, wollte ich auf Ihre Rückmeldung im Kommentar gerade fragen, ob ein schriftliches Interview die richtige Form war, um die Thesen dieser Autoren zu diskutieren. Kritisch diskutiert wurde in der gewählten Form nämlich faktisch nicht. Journalistisches Gebot wäre bei einigen der vertretenen Positionen nicht nur die Präsentation von Positionen, sondern auch die kritische Nachfrage. Das Verhältnis der Behauptungen von Diefenbach und Ullrich zu (neu-)rechter Rhetorik war eine wirklich auffällige Leerstelle im Text. Eine Art "elephant in the room".

Viele Grüße
Tobias Weidner

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by Georgios Chatzoudis | 10.05.2020 | 16:53
Lieber Herr Weidner,

haben Sie vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Anregungen. Ich denke auch, dass das Thema "Political Correctness" nicht unter den Teppich gekehrt werden sollte. Auch und gerade nicht in einem Wissenschaftsportal wie L.I.S.A., das sich unter anderem als eine Plattform versteht, die zu fruchtbaren Debatten beitragen möchte und dazu Stimmen aus der Wissenschaft einholt. Ich gebe Ihnen recht, dass dieses Thema für ein schriftliches Interview offenbar nicht geeignet ist, gerade weil es so polarisiert. Wir werden versuchen, das Thema weiterzuverfolgen und in einem anderen Format zu diskutieren. Möglicherweise kann in Zeiten von Corona und den Kontakteinschränkungen ein Chat ein Forum sein. Wir halten Sie und alle anderen, die sich für dieses Thema interessieren, gerne auf dem Laufenden.

Viele Grüße
Georgios Chatzoudis

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by M. Ulrich | 10.05.2020 | 19:31
Ein Beitrag, der sich gegen die Political Correctness wendet, wird gelöscht, weil er nicht politisch korrekt ist.

Quod erat demonstrandum, kann man da nur sagen.

Oder anders ausgedrückt: Genau mein Humor.

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by Nina Franz | 10.05.2020 | 19:49
re: M. Ulrich

Ja, es wäre sicher besser gewesen, den Beitrag und die konstruktive Kritik an ihm sichtbar zu lassen und Frau Diefenbach und Herrn Ulrich die Gelegenheit zu geben, auf die Einwände zu ihrer Position zu reagieren, sowie den Beitrag um den historischen Kontext der "political correctness"-Debatte und ihrer Ideologisierung hinzuweisen. Das wäre enorm wichtig, gerade bei diesem Thema, und ich hoffe, dass das Herausgeberteam von L.I.S.A. sich hierfür die Zeit nehmen wird.

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by M. Ulrich | 11.05.2020 | 19:14
In der Tat, Frau Franz. Ein kluger Mann der LISA schrieb einmal zu einem anderen Beitrag Untenstehendes und bewies damit Haltung und Rückgrat - auch wenn der Wind einmal heftiger wehte :-) Schade, dass er dieses Mal dem Druck "ein Mißverständnis" auszuräumen, nachgegeben hat:


"Dass der Vortrag Dr. Roths in einigen Kommentaren sehr scharf kritisiert wird, hat mich überrascht, halte ich aber im Sinne einer demokratisch verfassten Öffentlichkeit für legitim. Ich denke, dass es Ausweis eines funktionierenden und pluralen öffentlichen Diskurses ist, andere Meinungen bzw. Meinungen, die der eigenen sogar diametral entgegenstehen, gewähren zu lassen und diese auszuhalten, sofern die Meinung nicht die Standards einer demokratisch verfassten Zivilgesellschaft bewusst und gezielt unterläuft."

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by René Schlott | 15.05.2020 | 12:00
Sie haben wirklich Glück, dass das bei einem so kleinen und unbedeutenden Portal niemandem auffällt und aufregt. Eine Zeitung könnte direkt schließen. Nach der Lektüre der Stiftungsgrundsätze werde ich in jedem Fall noch eine Anfrage zu dem Sachverhalt an Kuratorium und Beirat richten. Der verantwortliche Redakteur sollte überlegen, ob er nicht von sich aus die richtigen Konsequenzen ziehen sollte.

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by M. Ulrich | 17.05.2020 | 08:14
Guten Morgen Herr Chatzoudis,

kommt da jetzt noch was oder wird das jetzt alles so gelassen (wie es leider befürchten steht)? Sie hatten doch gesagt, dass sie das Ganze nochmals "anders" aufgreifen wollen, oder? Sollte dann aber zeitnah sein. Oder obsiegt die Zensur und das Ganze wird totgeschwiegen?

Freue mich schon auf ihr "alternatives" Wiederaufgreifen des Themas.

MfG, M. Ulrich

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by René Schlott | 22.05.2020 | 09:49
Ich habe Georgios Chatzoudis bereits persönlich per Mail um Entschuldigung für meinen harschen und übereilten Kommentar vom 15.5. gebeten und bedanke mich dafür, dass er diese angenommen hat. Zugleich möchte ich meiner Hoffung Ausdruck geben, dass für das Interview und die beiden angegriffenen, von der Löschung betroffenen WissenschaftlerInnen eine rasche Lösung im Sinne von Art. 5 GG Abs. 1 und Abs. 3 gefunden wird. Vielen Dank!

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by O. Ingmar | 24.05.2020 | 18:25
Dröhnendes Schweigen. War wohl auch nicht anders zu erwarten. Wenigstens eine Antwort hätten die Herren Ulrich und Schlott verdient. Schade.

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