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Georgios Chatzoudis | 06.07.2010 | 1637 Aufrufe | Artikel

Enthüllung einer Gedenktafel
zur Erinnerung an den Lischka-Prozess

Begrüßung des Präsidenten des Verwaltungsgerichts Köln,
Dr. Joachim Arntz, am 28. Mai 2010 im Appellhof in Köln

Sehr geehrte Frau Ministerin, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Frau Klarsfeld, sehr geehrter Herr Klarsfeld, meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich im Appellhof, dem ältesten Gerichtsgebäude unserer Stadt. Ganz besonders herzlich möchte ich die aus Frankreich in der Begleitung von Frau und Herrn Klarsfeld angereisten Gäste begrüßen. Soyez les bienvenus á Cologne!

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Meine Damen und Herren,
wir haben uns heute in dieser Mittagsstunde hier versammelt, um eines Prozesses zu gedenken, der in gewisser Weise einen Wendepunkt in der bundesdeutschen Rechtsprechung zu den Verbrechen des Dritten Reiches darstellt. Hierzu wird Herr Dr. Faßbender, der seinerzeitige Vorsitzende des Schwurgerichts, den ich an dieser Stelle ebenfalls sehr herzlich begrüße, nachher sicher noch einiges sagen. Gestatten Sie mir daher nur einige sehr persönliche Worte:

Als ich im Februar dieses Jahres zu einem Besuch in Paris war, sah ich an einem Haus in der Rue Charlemagne die Inschrift: „Ne les oublions jamais – vergessen wir sie nie“. Die Inschrift erinnert an die Opfer der deutschen Besetzung von Paris in den Jahren 1940 – 1944. Ne les oublions jamais – das gilt natürlich für die Opfer. Aber sollte es nicht in gleicher Weise auch für die Täter und ihre Taten gelten? Auch sie dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Auch sie müssen wir in Erinnerung behalten. Indem wir die Erinnerung an sie und ihre Verbrechen wach halten, gedenken wir zugleich der Opfer und des Unmenschlichen, dem sie ausgesetzt waren.

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Gedenktafel am Eingang des Prozesssaales im Kölner Verwaltungsgericht

Kurt Lischka, Herbert Hagen und Ernst Heinrichsohn waren Täter. Das Schwur­gericht hat sie wegen ihrer Mitver­ant­wortung für die Deportation von 75.000 Juden in die Vernich­tungslager zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt. 75.000 Menschen  -  das ist schon für sich genommen eine erschreckende Zahl. Aber lässt Sie das ganze Ausmaß an Nieder­tracht und Unmensch­lichkeit, das Ausmaß des Schreckens und der Verzweif­lung deutlich werden, das diese Menschen durchlitten haben? Und welches unend­liche Leid wurde vor allem auch den über 11.000 Kindern zugefügt, welche zu den Deportierten zählten. Beate und Serge Klarsfeld haben in ihrem Buch „End­station Auschwitz“ Informationen über das Schicksal der etwa 800 jüdischen Kinder aus Deutschland und Österreich zusam­mengetragen, die sich unter ihnen befanden. Ich habe nie in meinem Leben etwas gelesen, das mich mehr erschüttert hätte - und auf jeder Seite an meine eigenen Kinder gedacht.

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Lischka-Prozess - der Sitzungssaal im Verwaltungsgericht Köln

Aber bei der Erinnerung allein dürfen wir nicht stehen bleiben. Das Schicksal der Opfer, die Umstände, die dazu geführt haben, dass sie zu Opfern wurden, müssen uns Mahnung und Ansporn zugleich sein. Mahnung, wozu Rassenhass und Anti­semi­tismus, Größenwahn und die Aufgabe aller sittlichen Werte führen können. Und Ansporn, alles in unseren Kräften stehende zu tun, damit sich Vergleichbares nie mehr wiederholen kann. „Wer vor der Vergangenheit die Augen schließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“ So hat es Richard von Weizsäcker in seiner Anspra­che zum 40. Jahrestag des Kriegsendes formuliert und so steht es auch auf der Gedenktafel im Lichthof dieses Gerichtsgebäudes.

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Verwaltungsgericht Köln am Appellhofplatz

Ja, Frau Klarsfeld, es ist richtig: Ne les oublions jamais. Das Schicksal dieser Menschen darf ebenso wenig in Vergessenheit geraten, wie die Taten derjenigen, die ihnen dieses unermessliche Leid zugefügt und sie in den Tod getrieben haben. Deshalb danke ich Ihnen, Frau Klarsfeld und Ihnen, Herr Klarsfeld, für diese Initiative, die nun auch in unserem Gerichtsgebäude an das Schicksal der aus Frankreich deportierten Juden, aber auch an die Täter und ihre gerechte Strafe erinnern wird.

Vielen Dank!

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