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Johannes Seiler | 25.01.2012 | 3217 Aufrufe | Ankündigungen

Die versunkene Welt der Steppenkrieger
Ausstellung im LVR-Landesmuseum

Universität Bonn sichert mit mongolischen Forschern einzigartige Funde

Vor einigen Jahren förderten Forscher der Mongolischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Bonn in der asiatischen Steppe gemeinsam einzigartige Funde eines längst versunkenen Reitervolkes zutage. Unter den bis zu 1.300 Jahre alten Objekten befinden sich eine Harfe mit Pferdekopf, Bogen und Köcher, Pferdesättel und der älteste erhaltene Filzkaftan. Die wissenschaftlich außergewöhnlich wertvollen Funde sind vom 26. Januar bis 29. April 2012 in einer Sonderausstellung des LVR-LandesMuseums in Bonn zu sehen.

Die Steppenreiter des 7. bis 14. Jahrhunderts waren gefürchtet. „Sie zeichneten sich durch ihre Schnelligkeit und flexible Kampftechnik aus“, sagt Dr. Michael Schmauder, Fachreferent für das Frühmittelalter am LVR-LandesMuseum in Bonn. Die Reiternomaden überraschten ihre Gegner mit plötzlichen Angriffen und ebenso schnellen Rückzügen. „Was auf den ersten Blick wie eine chaotische Horde wirkte, war in Wirklichkeit mit eindeutigen Befehlstrukturen straff und diszipliniert durchorganisiert“, berichtet er. Lange Zeit war den Reiternomaden in der weitläufigen Steppe kaum ein Gegner gewachsen. Viel blieb nach dem Niedergang von dieser Nomadenkultur nicht erhalten, bis in Felsspaltengräbern der Mongolei einzigartige Objekte dieses Volkes gefunden wurden.

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In der Werkstatt des LVR-LandesMuseums
Prof. Dr. Jan Bemmann, Restauratorin Regina Klee und Dr. Michael Schmauder (von links) diskutieren über den mit Goldintarsien versehenen Reflexbogen.

Bis zu 1.300 Jahre alte Fundstücke als Zeugnisse der Nomadenkultur

„Ende des Jahres 2008 zeigten uns unsere mongolischen Kollegen erdfrische Funde“, sagt Dr. Jan Bemmann, Professor für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie an der Universität Bonn. „Unsere Augen weiteten sich vor Staunen.“ Unter den Fundstücken befand sich das älteste Saiteninstrument der Mongolei: Eine Art Harfe mit einem als Pferdekopf gestalteten Endstück.

In den Felsgräbern wurden in einem mongolisch-deutschen Forschungsprojekt unter Leitung von Tsagaan Törbat und Prof. Jan Bemmann zahlreiche weitere Fundstücke zutage gefördert, darunter ein Reflexbogen mit Goldintarsien, Köcher mit Pfeilen, Sättel und Kleidungsstücke, wie der älteste erhaltene Filzkaftan. „In dem trocken-kalten Klima auf 1.800 bis 3.000 Meter und in den Felshöhlen vor Regen, Schnee und Sonne gut geschützt, haben sich diese Objekte ungewöhnlich gut erhalten“, sagt Prof. Bemmann. „Die bis zu 1.300 Jahre alten Fundstücke geben ungeahnte Einblicke in die längst vergangene Welt der Steppenkrieger.“

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Prof. Dr. Jan Bemmann mit einem Lederköcher
Textilien und Leder verrotten sehr leicht und haben deshalb kaum eine Überlieferungchance. Der Lederköcher der Steppenkrieger ist aufgrund des trockenen Klimas jedoch außerordentlich gut erhalten.

Der mongolische Staatspräsident interessierte sich für die Forscher

Meist stießen in der Abgeschiedenheit umherstreifende Hirten oder Jäger auf die in den Höhlen verborgenen Schätze und informierten über Bekannte mongolische Forscher. Seit 1998 pflegen Wissenschaftler der Universität Bonn die Kontakte zu ihren Kollegen von der Mongolischen Akademie der Wissenschaften. Der mongolische Staatspräsident persönlich interessierte sich für die Ergebnisse der Kooperation und lud die Forscher zu sich ein.

Die mongolische Akademie der Wissenschaften stellt die wissenschaftlich außerordentlich wertvollen Fundstücke für eine Ausstellung im LVR-LandesMuseum in Bonn zur Verfügung. Im Gegenzug untersuchen und restaurieren die Experten des LVR-LandesMuseums mit Hilfe der Universität Bonn, der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sowie der Fachhochschule Köln die Exponate. Die Gerda Henkel Stiftung und das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützen das Projekt finanziell.

Die Steppenkrieger verfügten über großes technologisches Wissen

In den Werkstätten des LVR-Museums nehmen die Experten zurzeit die Fundstücke unter die Lupe. „Dabei zeigt sich immer wieder, mit welcher Handwerkskunst die Reiternomaden Waffen, Kleidung und Gegenstände des täglichen Gebrauchs gefertigt haben“, sagt Dr. Schmauder. „Das ist mit eine Erklärung dafür, weshalb sich die Steppenkrieger so lange Zeit gegen andere Völker durchsetzen konnten.“ Für damalige Verhältnisse verfügten die Nomaden über ein unglaubliches technologisches Wissen: Das beweisen etwa die aufwändige Verleimung des Reflexbogens oder der Köcher, in dem die Pfeile jederzeit griffbereit wie in einem Patronengürtel verwahrt wurden.

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Ältestes Saiteninstrument der Mongolei:
Eine Harfe mit einem als Pferdekopf gestalteten Endstück.

Ein Fischledertäschchen enthielt die Feuerzeugutensilien

Zu den Funden zählt auch ein aufklappbares Täschchen aus ungewöhnlichem Material, das Feuerzeugutensilien enthielt und mit einem Lederband verschlossen war. „Zunächst hielt man es für Schlangen- oder Echsenleder“, berichtet Prof. Bemmann. „Dann stellte sich heraus, dass es sich um Fischleder vom Schlangenkopffisch handelt.“ Es ist das erste Täschchen aus diesem Material überhaupt und besonders bemerkenswert, weil Fische - ob als Nahrung oder Rohmaterial - kaum mit Steppenvölkern in Verbindung gebracht werden.

Ledertäschchen vom Schlangenkopffisch:
Es enthielt Feuerzeugutensilien und wurde mit einem Lederband verschlossen.

In der Ausstellung „Steppenkrieger – Reiternomaden des 7. bis 14. Jahrhunderts aus der Mongolei“ können die Besucher vom 26. Januar bis 29. April 2012 in die Welt dieser längst versunkenen Völker eintauchen. Das LVR-LandesMuseum, Colmantstraße 14-16, baut sogar eigens eine mongolische Jurte zu Anschauungszwecken auf. Öffnungszeiten: Di.-Fr. und So. 11-18 Uhr, Sa. 13-18 Uhr, Mo. geschlossen.

Bitte vormerken: Pressekonferenz am Mittwoch, 25. Januar, 11 Uhr im LVR-Landesmuseum. Ausstellungseröffnung am 25. Januar, 19 Uhr.

Fotos zu dieser Pressemitteilung finden Sie unter: http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/014-2012

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