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Georgios Chatzoudis | 22.03.2016 | 839 Aufrufe | Interviews

"Die Idee für Studierendenwissen entstand im Café Chaos“

Interview mit David Stoop über das Seminararbeitenportal Studierendenwissen.de

Wer kennt die folgende Erfahrung aus der Studienzeit nicht: man schreibt mit vielen Mühen mehrere Seminararbeiten, reicht diese bei den Dozenten ein, erhält sie später bewertet zurück - und dann? Die Reichweite bzw. der Leserkreis der Hausarbeit hat sich damit in der Regel erschöpft. Ter Text landet im Ordner, in der Schublade oder sogar im Papierkorb. Dabei war die Arbeit eine richtig gute Zusammenfassung eines konkreten Themas und hätte durchaus einige Leser mehr verdient gehabt. Diese Gedanken hatten auch die Erfinder des Online-Portals Studierendenwissen, die studentische Hausarbeiten sammeln, um sie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Für diese Idee haben sie jüngst einen Preis erhalten. Wir wollten nun von den Initiatoren wissen, wie Studierendenwissen genau funktioniert und was die nächsten Ziele sind.

Sandra Vacca und David Stoop von La Talpa e.V. nahmen bei der der Preisverleihung der Google Impact Challenge in Berlin die Auszeichnung für Studierendenwissen entgegen

Google Maps

"Projekt nun mit Förderung in Höhe von 10.000 Euro professioneller vorantreiben"

L.I.S.A.: Herr Stoop, die neue Online-Plattform Studierendenwissen.de ist kaum im Netz, schon gibt es den ersten Preis. Bei der von Google ausgeschriebenen Impact Challenge ist Studiendenwissen.de ausgezeichnet worden, wozu wir herzlich gratulieren. Um was für eine Auszeichnung handelt es sich dabei genau? Wofür hat Studierendenwissen.de einen Preis gewonnen?

Stoop: Google hat im Zuge der Google Impact Challenge 2016 soziale Projekte in zwei Kategorien gekürt: Neben zehn sogenannten Leuchtturmprojekten wurden 100 „lokale Projekte“ geehrt, darunter unser Projekt Studierendenwissen. Im Finale der Google Impact Challenge standen Projekte, die sich in besonderem Maße durch Innovation, Reichweite, Realisierbarkeit und ihre Bedeutung für die Gemeinschaft auszeichnen. Die Gewinner wurden anschließend in einer Online-Abstimmung gewählt. Insgesamt hat Google Fördergelder in Höhe von 3,85 Millionen Euro an soziale Projekte ausgeschüttet.

Wir freuen uns sehr, dass wir unser Projekt durch die Förderung in Höhe von 10.000 Euro nun mit professioneller Unterstützung vorantreiben können. Ein Merkmal der Google Impact Challenge ist es, dass es sich um einen Wettbewerb von Projektideen handelt. Die Projekte sind also größtenteils noch nicht fertig umgesetzt, sondern sollen mithilfe der Fördergelder realisiert werden.   

"Das Projekt Studierendenwissen finanziert sich komplett aus Spenden"

L.I.S.A.: Was haben Sie mit dem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro vor? Und: Wie finanziert sich das Projekt Studierendenwissen.de überhaupt? Welche Bedeutung kommt dabei dem Verein La Talpa e.V. zu?

Stoop: Das Preisgeld werden wir in die professionelle Überarbeitung unserer Homepage investieren. Wir haben ein Netzwerk von Fachschaften, Asten und anderen Studierendenorganisationen aufgebaut, das uns beim Ausbau des Hausarbeitenarchivs unterstützt.

Das Projekt Studierendenwissen finanziert sich komplett aus Spenden. Wir streben darüber hinaus aber auch institutionalisierte Partnerschaften mit Organisationen an, die uns langfristig unterstützen möchten. Wichtig ist uns dabei, dass das Projekt seinen gemeinnützigen Charakter behält. Der offene Zugang zu Arbeiten, die Vernetzung von Studierenden und die vereinfachte Veröffentlichung wissenschaftlicher Texte sind die zentralen Elemente von Studierendenwissen.

Aus diesem Grunde haben wir eigens einen Verein gegründet. Der Verein firmiert unter dem Namen „La Talpa – Verein zur Förderung kritischer Wissenschaften und Bildung e.V.“. Er ist gemeinnützig anerkannt, was es uns ermöglicht, Spenden anzunehmen und öffentliche Fördergelder für unsere Projekte zu beantragen. Außer dem Projekt Studierendenwissen konzipiert der Verein Bildungsangebote für Studierende und Schüler_innen. Darüber hinaus organisiert er öffentliche Veranstaltungen und wissenschaftliche Konferenzen zu unterschiedlichen Themen. 

"Seminararbeiten von Studierenden verschwinden in der Schreibtischschublade"

L.I.S.A.: Was war der Leitgedanke bei der Gründung von Studierendenwissen.de? Wer macht das überhaupt?

Stoop: Die Idee für das Projekt Studierendenwissen entstand im „Café Chaos“, einem selbstverwalteten Café an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Dort saßen am Ende des Semesters einige Studierende zusammen und unterhielten sich über die anstehenden Seminararbeiten, die sie in der vorlesungsfreien Zeit schreiben würden. Im Gespräch stellte sich heraus, dass viele von uns sehr spannende Themen bearbeiteten, dass aber niemand die Arbeiten der Anderen aus dem vergangenen Semester gelesen hatte. Seminararbeiten von Studierenden werden also oft nur von einer Person gelesen und verschwinden danach in der Schreibtischschublade. Das fanden wir schade und dachten uns, dass es Studierenden erleichtert werden sollte, ihre Arbeiten zu veröffentlichen. Die Idee für Studierendenwissen war geboren.

Inzwischen sind einige der Studierenden, darunter auch unsere drei Projektkoordinator_innen Sandra Vacca, Alexander Rubbert und David Stoop, in die Promotion übergegangen. Wir haben uns inzwischen vernetzt und mit unserer Idee bei vielen Fachschaften und Studierendenvertretungen offene Türen eingerannt.

"Wir ladern alle Studierenden ein, uns ihre Arbeiten per Mail zu schicken"

L.I.S.A.: Wie fällt bisher die Resonanz aus? Können Sie etwas zur Zahl der Hausarbeiten, zu den Aufrufzahlen und zur Rezeption der Hausarbeiten sagen?

Stoop: Momentan liegt auf unserer Website eine Auswahl von etwa drei Dutzend Arbeiten. Wir stehen allerdings in Kontakt mit Fachschaften, die bereits kleinere Hausarbeitenarchive an ihren Fakultäten angelegt haben. Wir arbeiten daran, diese zu vernetzen und in unsere Datenbank zu integrieren. Besonders hat uns gefreut, dass die bisher hochgeladenen Arbeiten bereits Diskussionen in den Kommentarspalten angeregt haben.  

Der Gewinn der Google Impact Challenge hat uns viel öffentliche Aufmerksamkeit beschert und es haben sich einige Menschen bei uns gemeldet, die unser Projekt unterstützen möchten. Daraufhin sind auch die Zugriffszahlen auf unserer Seite erheblich gestiegen. Momentan wird unser Archiv nicht erweitert, weil wir an der Optimierung der Seite arbeiten.  

Nachdem wir die Seite technisch überarbeitet haben, werden wir ein aktualisiertes Archiv einstellen. Darüber hinaus laden wir aber alle Studierenden herzlich ein, uns ihre Arbeiten per Mail zu schicken, falls es wegen der aktuellen Überarbeitung auf der bestehenden Seite Probleme beim Hochladen geben sollte. Bis zur Einrichtung der neuen Seite können Texte per Mail an info@la-talpa.org geschickt werden.

"Wir wollen zur Vernetzung studentischen Wissens beitragen"

L.I.S.A.: Wie geht es weiter mit Studierendenwissen.de? Was schwebt Ihnen für die nächste Zeit vor?

Stoop: Zunächst einmal arbeiten wir mit Hochdruck an der Verbesserung der Seite. Wir hoffen, sie in 2-3 Monaten in verbessertem Design und mit neuen Funktionen präsentieren zu können.

Darüber hinaus haben wir bereits einige Projekte in Planung, die wir zukünftig realisieren werden. Studierendenwissen soll kein „einfaches“ Archiv für studentische Seminar- und Hausarbeiten sein, sondern wir wollen mit zahlreichen Aktivitäten zur Vernetzung studentischen Wissens beitragen. Wir planen deshalb regelmäßig thematische Call for Papers zu veröffentlichen, die wir in Kooperation mit Studienstiftungen, Fachschaften, Asten und anderen Interessierten herausgeben werden. Perspektivisch können wir uns zudem gut vorstellen, eine Sammelbandreihe („Edition Studierendenwissen“) herauszugeben, in der wir Texte von Studierenden und (jungen) Wissenschaftler_innen publizieren.

Auch Veranstaltungen und studentische Konferenzen werden wir weiterhin organisieren. Unser Verein La Talpa e.V. pflegt gute Kontakte zu dem internationalen Wissenschaftsnetzwerk „Cultural Difference and Social Solidarity“ (CDSS). Unsere ambitionierten Vorhaben können wir nicht alleine realisieren. Wir freuen uns deshalb sehr über Kooperationsanfragen, von denen schon einige bei uns eingegangen sind. Auch interessierte Einzelpersonen, die sich ehrenamtlich bei uns einbringen möchten, sind herzlich willkommen. Studierende können beispielsweise als Standortverantwortliche von Studierendenwissen Veranstaltungen und Call for Papers an ihren Hochschulen organisieren. Aber auch als Designer_in oder Informatiker_in kann man sich sicherlich einbringen. Als Verein von und für Studierende sind uns Angebote zur Mitwirkung ebenso willkommen, wie finanzielle Unterstützung.

David Stoop hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

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