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Nationalismus auf der Bühne - Theater in Iran

EPISODE 1 | Die Bibliothek des Stadttheaters

Inwieweit spiegelt sich die Geschichte eines Landes auch in seiner Kultur, seiner Kunst, in seinen Theatern wider? Das ist eine der Ausgangsfragen im Froschungsprojekt der Iranistin Anna Heller von der Universität Marburg. Sie erforscht die moderne Theatergeschichte des Iran und fragt dabei nach der Rolle des Theaters für den iranischen Nationsbildungsprozess beziehungsweise für die Schaffung einer nationalen Identität. Für Anna Heller sind die Bibliothek und das Archiv des Stadttheaters in Teheran zentrale Orte ihrer Materialsammlung. Dort sucht sie nach Texten und biographischen Hinweisen auf die Autoren der für sie relevanten Dramen. Dabei rücken auch Dramatiker ins Licht, die nie die große literarische Bühne betreten haben, aber aus historischen Gesichtspunkten von besonderer Bedeutung sind.

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Das Projekt
Moderne Kunstformen als Ausdruck von säkularen und anti-islamischen Bewegungen sind bislang nur marginal in kultur- und sozialgeschichtlichen Studien zur Region des Mittleren Ostens berücksichtigt worden. Sowohl die modernistischen, in ihrem Gedankengut von westlichen Konzepten des Nationalismus beeinflussten Literaten in Iran, als auch der Pahlavi-Staat sahen es als ihre Aufgabe an, ein modernes nationales Bewusstsein zu prägen. Dazu bedienten sie sich vorzugsweise des Theaters, um ihre säkularisierten Moral- und Modernitätsvorstellungen zu propagieren. Dieses Projekt möchte den Nationalismus in Iran zu einer Zeit untersuchen, in der jenseits der Presse noch keine Massenmedien existierten und das Theater als Medium für die Kommunikation nationalistischer Ideen eine bedeutende Rolle spielte. Ziel ist es, sozialgeschichtliche Aufschlüsse über die Art der Verbreitung der Modernisierungspolitik des iranischen Staates, sowie deren gesellschaftliche Rezeption durch das plurimediale Phänomen Theater zu erlangen. Eine zentrale Fragestellung bei der Analyse der ideologischen Wirksamkeit von Theater ist, inwieweit sich diese säkulare Kunstform als eine anti-islamische Bewegung geriert.

Projektleitung:

Prof. Dr. Christoph Werner

Ort:

Teheran

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