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Georgios Chatzoudis | 19.02.2010 | 1410 Aufrufe | Artikel

Der Herbst 1989

Eine Chronologie

Die Montagsdemonstrationen in Leipzig läuteten im
Herbst 1989 die friedliche Revolution ein. Zuvor waren bereits
zehntausende Menschen aus der DDR geflüchtet. dpa dokumentiert wichtige Ereignisse vor dem Mauerfall:

4. September: In Leipzig versammeln sich nach dem traditionellen Friedensgebet mehrere hundert Menschen vor der Nikolaikirche. Sie fordern Reisefreiheit und die Abschaffung der Staatssicherheit (Stasi). Daraus entstehen die Montagsdemonstrationen.

10. September: In Grünheide bei Berlin gründet sich die DDR-
Reformbewegung «Neues Forum». Anfangs als staatsfeindliche
Plattform» abgelehnt, wird sie am 8. November als politische
Vereinigung zugelassen.

11. September: Mehrere tausend DDR-Bürger, die in Ungarn
ausharren, dürfen ab 00.00 Uhr nach Österreich ausreisen. Bereits im Mai hatte Ungarn mit dem Abriss des «Eisernen Vorhangs» an seiner Westgrenze begonnen.

30. September: Nach wochenlangem Tauziehen erklärt sich die DDR-Regierung bereit, die mehr als 6300 Flüchtlinge in den
bundesdeutschen Botschaften in Prag und Warschau in die
Bundesrepublik «auszuweisen». Sie fahren in den Westen.

7. Oktober: Bei seinem Besuch zum 40. Jahrestag der DDR mahnt der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow grundlegende Reformen an. Zehntausende DDR-Bürger protestieren gegen das SED-Regime. Zahlreiche Demonstranten werden festgenommen.

9. Oktober: Mit dem Ruf «Wir sind das Volk» demonstrieren in
Leipzig 70 000 Bürger. 8000 bewaffnete Polizisten, Angehörige der Kampfgruppen und Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) stehen bereit. Der Einsatzbefehl wird aber nicht gegeben.

14. Oktober: Am Morgen trifft der 50 000. DDR-Flüchtling seit
Öffnung der ungarischen Grenze in der Bundesrepublik ein.

18. Oktober: Egon Krenz löst Erich Honecker als SED-
Generalsekretär ab. Krenz verkündet die Einleitung einer «Wende», mit der die SED wieder in die politische und ideologische Offensive gehen will.

23. Oktober: In Leipzig beteiligen sich an der bis dahin größten
Protestkundgebung in der DDR knapp 300 000 Menschen.

26. Oktober: Erstmals findet ein Treffen von SED und Opposition
statt. Der Ostberliner SED-Bezirkschef, Günther Schabowski, empfängt die Initiatoren des Neuen Forums, Bärbel Bohley und Jens Reich.

29. Oktober: Bei einer Großveranstaltung in Ost-Berlin stellen
sich Spitzenfunktionäre zum ersten Mal der Diskussion mit der
Bevölkerung.

30. Oktober: In Leipzig gehen rund 250 000 Demonstranten mit
Transparenten wie «Ein Land ohne Mauern» auf die Straße. Die
«Aktuelle Kamera» des DDR-Fernsehens berichtet erstmals live vom Ort des Geschehens.

3. November: Alle 4500 DDR-Bürger in der bundesdeutschen Botschaft in Prag dürfen ohne Formalitäten in die Bundesrepublik ausreisen.

4. November: Bei einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin demonstrieren nahezu eine Million Menschen für Versammlungs- und Meinungsfreiheit.

6. November: Die DDR erlebt die größte Demonstrationswelle. Bei Protesten in Leipzig ist die Stimmung der rund 200 000 Teilnehmer aggressiv. Sie fordern: «Die Mauer muss weg».

7. November: Die DDR-Regierung tritt zurück, tags darauf auch das SED-Politbüro. Krenz wird als Generalsekretär bestätigt. Im neu formierten Politbüro, dem höchsten Machtzirkel, herrscht Konfusion.

9. November 1989: Überraschend werden die Grenzübergänge geöffnet. Noch in der Nacht strömen Tausende zu einem Besuch in den Westen.

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