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Georgios Chatzoudis | 06.06.2018 | 339 Aufrufe | Artikel

Der ferne Blick. Bildkorpora und Computer Vision in den Geistes- und Kulturwissenschaften. Stand - Visionen - Implikationen

Panel "Der sehende Computer" der Jahrestagung DHd2018 | Kritik der digitalen Vernunft

Getrieben von einer fortschreitenden Computerisierung ihrer wissenschaftlichen Methodik und einer wachsenden Verfügbarkeit von digitalen Bildwerken ist in den letzten Dekaden in zahlreichen Disziplinen der Geistes- und Kulturwissenschaften ein erneuertes Interesse am Bild als Forschungsgegenstand und Erkenntnisinstrument zu beobachten. So begreift sich etwa die (digitale) Kunstgeschichte in der Erweiterung explizit als digitale Bildwissenschaft, hat die Geschichtswissenschaft als “Visual History” das lange vernachlässigte Medium Bild als Quellengattung neben dem Text wiederentdeckt, erfindet sich die Architekturgeschichte nicht zuletzt mit digitalen Instrumenten als Disziplin neu und haben sich junge Fächer wie die Material-Culture-Studies oder die Designgeschichte etabliert. Alle diese Disziplinen begegnen sich in den Digital Humanities als einem geteilten Wissensraum, dessen Erkundung ganz wesentlich von den Möglichkeiten der Informatik mitbestimmt wird. In dem hier vorliegenden Panel verorten Prof. Dr. Björn Ommer, Prof. Dr. Hubertus Kohle und Prof. Dr. Siegfried Handschuh den Stand der digitalen Bildforschung. Sie beleuchten dabei den State-of-the-art im Bereich automatisierter Verfahren der Computer Vision sowie gegenwärtige Wege und Visionen ihrer zukünftigen Anwendung in den Geistes- und Kulturwissenschaften. Moderiert wird das Panel von Prof. Dr. Malte Rehbein.

00:01 Begrüßung und Einführung Prof. Dr. Malte Rehbein (Universität Passau)

09:02 Impulsvortrag Prof. Dr. Björn Ommer (HCI/IWR Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg): Gemeinsam Sehen - Computer Vision und Kunstgeschichte im Dialog

21:03 Impulsvortrag Prof. Dr. Hubertus Kohle (Ludwig-Maximilians-Universität München): Ähnlichkeitsbestimmung in der digitalen Kunstgeschichte

29:42 Impulsvortrag Prof. Dr. Siegfried Handschuh (Universität Passau): Bild, mutimodaler Verbund und Automatisierung

37:14 Paneldiskussion

Videoreihe "Jahrestagung DHd2018"
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Impulsvorträge

Björn Ommer, HCI/IWR Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg:
Gemeinsam Sehen - Computer Vision und Kunstgeschichte im Dialog
Aktuelle Entwicklungen im Bereich des Maschinellen Lernens und der Computer Vision haben Algorithmen hervorgebracht, die Visual Retrieval mit einer zuvor ungeahnten Performanz ermöglichen. Dadurch ergeben sich für die digitalen Bildwissenschaften ganz neue Möglichkeitengroße Korpora zu erschließen und zu analysieren. Allerdings bringen diese neuen informatischen Verfahren auch ihre ganz eigenen Beschränkungen mit sich, die insbesondere bei ihrer Rekontextualisierung in den Geisteswissenschaften zutage treten. Dieser Vortrag wird das Potential einer interdisziplinären Kooperation von Informationswissenschaften und den Geisteswissenschaften diskutieren, grundlegende Beschränkungen beleuchten und mögliche Auswege präsentieren.

Hubertus Kohle, Ludwig-Maximilians-Universität München
Ähnlichkeitsbestimmung in der digitalen Kunstgeschichte
Das Statement widmet sich aus einer eher geisteswissenschaftlichen Perspektive heraus der digital gestützten Ähnlichkeitsbestimmung. Ähnlichkeit wird hier verstanden als Erkenntnismotor, der insbesondere in der Kunstgeschichtes einen Ort hat, die schon immer mit dem vergleichenden Sehen eine Methode des Erkenntisgewinns besaß. Abzuwägen wird sein, ob hierfür eher eine Metadatenanalyse oder die direkte Bildadressierung oder eine Mischung aus beidem zielführend ist.

Siegfried Handschuh, Universität Passau
Bild, mutimodaler Verbund und Automatisierung
Bildanalyse stellt eine besondere Herausforderung an die Fähigkeit von computerbasierten Verfahren Wissen zu generieren. Dass Bilder vollkommen ohne einen Bezug zu anderen Modi – hier besonders Text – vorkommen, ist eher eine Ausnahme als die Regel. Der multimodale Verbund von Bild und Text kann so durch Verfahren aus dem Bereich des maschinellen Lernens ausgewertet werden, um Wissen zu erzeugen, das einen breiteren Kontext berücksichtigt. Das Impulsstatement thematisiert diesen Zusammenhang insbesondere eine Methodik für die Repräsentation, Annotation und (teil)automatisierte Entdeckung multimodaler Wissensbestände in großen digitalen Materialkorpora und fragt wie Techniken der Computer Vision gewinnbringend mit Verfahren aus dem Bereich der Verarbeitung Natürlicher Sprache zusammengebracht werden können.

Konferenz

Die Digital Humanities werden häufig als digital transformierte Bearbeitung von Fragestellungen aus den verschiedenen beteiligten Fächern beschrieben. Daneben entsteht der Eindruck, dass die DH in weiten Teilen eine daten-, algorithmen- und werkzeuggetriebene Wissenschaft sei, die von ihren unmittelbaren Möglichkeiten und ihren Praktiken dominiert sei. Wie lässt sich dies aber mit dem kritischen Anspruch der Geisteswissenschaften vereinbaren? Gibt es im Umgang mit digitalen Medien, in der Modellierung, Operationalisierung und Formalisierung der Arbeit mit Computern implizite, stillschweigend akzeptierte Agenden, die einer Reflexion durch einen „Intellectual Criticism“ bedürfen?

Die Tagung soll den Fokus auf die kritische Dimension digitaler Forschung richten und damit Denkanstöße zu Theoriebildung und Epistemologie der digitalen Forschung geben. In diesem Rahmen sollen auch gesellschaftliche, soziale und politische Dimensionen der in allen Bereichen wirksamen Digitalisierungsprozesse unter so heterogenen Begriffen wie Interaktionsformen, Partizipation, Bildung, Digital Literacy sowie Auswirkungen und Rückwirkungen der Digitalität auf Wissenschaft und Gesellschaft diskutiert werden.

Im Rahmen der Tagung sollen daher unter anderem folgende Fragen verfolgt werden:

– Kritik der Digitalisierung – Formate, Standards und Praktiken
– Kritik digitaler Angebote, Projekte und Werkzeuge
– Kritik der digitalen Methoden
– Kritik der digitalen Geisteswissenschaften (traditionelle Fächer und DH)
– Kritik der digitalen Wissenschaftstheorie
– Kritik der digitalen Gesellschaft

Darüber hinaus sind Vorträge zu allgemeinen Themen aus dem Bereich der DH sowie die Diskussion von positiven und negativen, eigenen und fremden Projektergebnissen willkommen.

Die DHd Konferenz 2018 "Kritik der digitalen Vernunft" wurde unter anderen von der Gerda Henkel Stiftung gefördert.

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