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Neues aus der Himmlischen Fundgrube -
Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation (Deutschland)

EPISODE 1 | Das Zerbster Prozessionsspiel

Ein Germanistikstudent hat im Rahmen lokalhistorischer Recherchen einen bedeutenden Zufallsfund gemacht. Im Archiv der Stadt Zerbst entdeckte er Dokumente des Zerbster Prozessionsspiels, die seit dem Zweiten Weltkrieg als vernichtet galten. Die Manuskripte aus dem frühen 16. Jahrhundert enthalten Spieltexte und Regieanweisungen des mittelalterlichen Schauspiels. Sie bilden damit ein wichtiges Zeitdokument zur Erforschung der vorreformatorischen Frömmigkeit in Mitteldeutschland. Doch wie würde ein mittelalterliches Laienspiel heute aussehen? Die Forscher haben es nachspielen lassen.

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Das Zerbster Prozessionsspiel - nachgespielt.

Die Jahrzehnte vor Beginn der deutschen Reformation galten lange als eine von klerikalen Missbräuchen, kirchlicher Unordnung und allgemeiner sozialer Unruhe geprägte Krisenzeit. Ergebnisse neuerer Forschungen lassen diese Epoche jedoch als kulturell fruchtbare Zeitspanne erscheinen, in der eine starke und relativ konfliktfreie Verkirchlichung der gesamten Gesellschaft eine breite religiöse Vielfalt nicht ausschloss. Insbesondere der mitteldeutsche Raum, das Ursprungsland der Reformation, wurde dabei bislang wenig erforscht, da einerseits die protestantische Prägung dieser Region ältere Formen der Frömmigkeit zum Verschwinden brachte und andererseits die ideologische Dominanz des Dritten Reiches und der DDR ein halbes Jahrhundert lang die historische Erforschung religiöser Kultur verhinderte und das Bewusstsein für diese Aspekte der eigenen Geschichte weitgehend auslöschte.

Ziel eines von Thomas T. Müller, Leiter des Zweckverbands der Mühlhäuser Museen, initiierten Forschungsprojekts ist es, durch eine repräsentative Bestandsaufnahme von Sachzeugnissen vorreformatorischer Alltagsreligion aus dem mitteldeutschen Raum und deren kontextueller Dokumentation die in dieser Region weitgehend vergessene religiöse Lebenswelt des späten Mittelalters wieder zu entdecken. Die Phänomene spätmittelalterlicher Frömmigkeit sollen dabei als eine das gesamte Leben der Gesellschaft integrierende Wirklichkeit verstanden werden. Im Rahmen des Projekts führt der Bearbeiter, Dr. Hartmut Kühne, umfangreiche Recherchearbeiten in den Inventaren, Katalogen und Sammlungsbeständen mittlerer und kleiner Museen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen durch. Der Fokus ist dabei nicht auf die traditionellen musealen Sammlungsraster gerichtet, sondern zielt darauf, die Funktion von Objekten in bestimmten Lebenskontexten zu verorten und ihre religiösen Aspekte sichtbar zu machen.

Das Projekt ist eingebunden in eine Forschungskooperation der großen kulturhistorischen Museenin Magdeburg, Leipzig und Mühlhausen, des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt und der Historischen Kommission für Thüringen. Im Rahmen des Projektes, das die Grundlage für einen von 2013 bis 2015 geplanten Ausstellungszyklus in den Mühlhäuser Museen, dem Kulturhistorischen Museum Magdeburg und dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig sein wird, fand im April 2012 an der Universität Leipzig eine von der Gerda-Henkel-Stiftung unterstütze wissenschaftliche Tagung statt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Enno Bünz und Dr. Hartmut Kühne trafen sich mehr als einhundert Wissenschaftler, um ihre einschlägigen Forschungen vorzustellen und sich an den aktuellen Diskussionen zu beteiligen.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie in einer früheren Filmproduktion bei L.I.S.A.video sowie auf der Homepage der Gerda Henkel Stiftung.

Projektleitung:

Thomas T. Müller
Dr. Hartmut Kühne

Ort:

Deutschland

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