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Jens Holger Jensen | 03.07.2014 | 2695 Aufrufe | 4 | Artikel

Das Sachsenhäuser Westend - Westend?

Eine Ausstellung über die Entwicklung des Malerviertels in Frankfurt-Sachsenhausen

Das Sachsenhäuser Westend
                                                                        „ Westend?
                                                        „Das Sachsenhäuser Westend!
                                                           „Das gibt es doch gar nicht.“
                                                              „Wo soll das denn sein?
                                                                  „Das sind doch wir!
                            „Haben wir es nicht nötig uns nach dem Westend zu benennen?“

Das sind nur einige wenige Kommentare zum Titel der Ausstellung über die Entwicklung und Geschichte eines Quartiers in Frankfurt-Sachsenhausen.

Wie kommt man  auf die Idee einer lokalhistorischen Ausstellung einen solchen Titel zu geben? Bei der Literaturrecherche zur ersten Baulanderschließung nach dem Frankfurter Umlegungsgesetz „Lex Adickes“ stieß ich auf die Jahresberichte des Bezirksvereins Sachsenhausen, die in gebundener Form in der Frankfurter Universitätsbibliothek archiviert sind. Im Zusammenhang mit dem Bau einer höheren Schule für Jungen, der Sachsenhäuser Oberrealschule,1901, und insbesondere vor Errichtung eines Mädchengymnasiums, der Schillerschule, 1907, nahm der Verein eine Rolle ein, die mit der eines heutigen Ortsbeirats zu vergleichen ist. In seiner Forderung nach einer höheren Mädchenschule verglich man das aufstrebende neue Wohnquartier, ein wesentlicher Teil des sogenannten Malerviertels, mit der der besten Frankfurter Wohnlage, dem Westend. Bei dem zitierten Villengebiet sind die Straßen rund um den Thorwaldsenplatz und westlich der Holbeinstraße gemeint, dass als Folge des ersten Anwendungsgebiets der „Lex Adickes“ ab 1911 entstand. Zeitgleich mit dem Malerviertel entstanden in Frankfurt übrigens auch das Holzhausenviertel und das Dichterviertel sowie das Diplomatenviertel. Bis heute alles gehobene, attraktive und keinesfalls preiswerte Wohngebiete mit einem großen Villenbestand.

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Die Titelseite eines Jahresberichtes des Bezirksvereins Sachsenhausen für das Jahr 1903

Mit Datum vom 15. Januar 1904 wird in den Jahresberichten ein Brief an dem Frankfurter Magistrat wie folgt zitiert:

… „Unser Stadtteil besitzt zwar seit 1901 eine höhere Knabenschule, die Sachsenhäuser Realschule, entbehrt aber noch einer höheren Mädchenschule, welche für unseren Stadtteil ein dringendes Bedürfnis ist. Alle die Gründe, welche verehrl. Magistrat bewogen haben, in Sachsenhausen eine höhere Knabenschule zu errichten, dürften in gleichem Masse auch für die Errichtung einer höheren Mädchenschule gelten. Die höheren Mädchenschulen, welche sich in dem rechtsmainischen Frankfurt befinden, sind nicht nur sehr weit vom Mittelpunkt unseres Stadtteils entfernt, sondern der Andrang der Schülerinnen zu diesen Schulen ist auch ein derartig grosser, dass die Kinder unseres Stadtteils nur sehr selten dort Aufnahme finden können. Letzeres gilt insbesondere von der unserem Stadtteil am nächsten gelegenen Elisbethenschule.
 
In den letzten Jahren sind daher von den verschiedensten Seiten fortgesetzt Klagen entgegengebracht worden, dass Kinder von Einwohneren Sachsenhausens wegen Ueberfüllung der Elisabethenschule dort keine Aufnahme gefunden haben.
 
Sachsenhausen ist – abgesehen von Oberrad und Niederrad, deren Einwohner eine höhere Mädchenschule in Sachsenhausen auch zum Vortheil gereichen würde – ein aufblühender Stadtteil von über 40.000 Einwohnern.
 
Durch die Bestrebungen verehrlichen Magistrats, auch in unserem Stadtteil recht viel Baugelände zu erschliessen, entwickelt sich unser Stadtteil in der schönsten Weise. Da nun nach der bestehenden Bauordnung in einem verhältnismässig grossen Teil der westlichen Sachsenhäuser Gemarkung nur Häuser mit zwei Obergeschossen, ja zum Teil nur Einfamilienhäuser erbaut werden dürfen, da ferner auf dem Sachsenhäuser Berg eine ähnliche Bauordnung Platz greifen soll, so sind auf diese Weise zwei Villen-Viertel in unserem Stadtteil in der Entstehung begriffen, welche in Gemeinschaft mit den bereits im Westen Sachsenhausens und am Mainufer befindlichen Villen eine wohlhabende Bevölkerung nach Sachsenhausen ziehen werden, wie sie –abgesehen vom Westend- in keinem anderen Frankfurter Stadtteil vorhanden sein dürfte.
Nun schicken aber Bürger, welche Einfamilienhäuser oder welche Wohnungen von 5, 6, 7 und mehr Zimmern bewohnen, ihre Söhne im Allgemeinen in höhere Knaben-, ihre Töchter in höhere Mädchenschulen.
 
Derartige Bürger pflegen daher nur in solchen Stadtteilen Wohnung zu nehmen, in welchen die betreffenden Schulen nicht nur für ihre Söhne, sondern auch für ihre Töchter vorhanden sind.
 
Soll deshalb in der Entwicklung unseres Stadtteils durch den gänzlichen Mangel einer höheren Mädchenschule kein Stillstand eintreten, so muss notwendigerweise die Errichtung einer höheren Mädchenschule in Sachsenhausen baldigst erfolgen.
 
Aber nicht nur die gedeihliche Entwicklung unseres Stadtteils ist es, welche die Errichtung einer höheren Mädchenschule dringend fordert, noch in viel grösseren Masse ist die Errichtung einer solchen Schule ein notwendiges Bedürfnis für die nicht wohlhabende Bevölkerung Sachsenhausens.
 
Jeder Bürger. Insbesondere aber der Bürger mit mittlerem und geringem Einkommen muss bestrebt sein, nicht nur seinen Söhnen, sondern auch seinen Töchtern eine Allgemeinbildung zu geben, die ihren Fähigkeiten und Gaben entspricht und die gebührende Rücksicht nimmt auf die etwaige spätere Berufswahl der Kinder.
 
Grosse leistungsfähige Gemeinden wie die unsrige haben darum die Pflicht, auch strebsamen Mädchen die nötigen Schulen zu beschaffen, wo sie ihre Fähigkeiten auszubilden vermögen. Treten sie später in den Stand der Ehe, so sind sie alsdann den Aufgaben eines bürgerlichen Haushaltes voll und ganz gewachsen und können ihren natürlichen Beruf als Lebensgefährtin des Mannes und als Mutter am besten ausfüllen.
Bleibt ihnen aber ihr natürlicher Beruf verschlossen und fühlen sie sich stark genug, einen bürgerlichen Beruf zu ergreifen, so muss ihnen erst recht in ihrer Jugend Gelegenheit geboten worden sein, sich eine möglichst gute abgeschlossene Allgemeinbildung , wie sie durch die Mittel- und Bürgerschulen vermittelt wird, genügt, so ist es doch eine feststehende Tatsache, dass für eine ganze Reihe von Berufsarten der Frauen, nur die höhere Mädchenschule die notwendige Vorbildung gibt.
 
Im Interesse der Bürger mit mittlerem und geringem Einkommen, deren Töchter einen bürgerlichen Beruf ergreifen sollen, welcher den erfolgreichen Besuch einer höheren Mädchenschule verlangt, ist mithin die Errichtung einer solchen Schule ein dringendes Bedürfnis. Die Errichtung einer höheren Mädchenschule in unserem Stadtteil dürfte aber auch für die Stadtverwaltung von finanziellem Vorteil sein. Sämtliche Mädchenklassen der z. Zt. In Sachsenhausen bestehenden Bürgerschulen und Mittelschulen haben genügend Schülerinnen. Die Souchayschule, welche seit 1899 Parallelklassen für Mädchen eingerichtet hat, zählt auch bereits in diesen Parallelklassen mehr Schülerinnen als die geltenden Regierungsbestimmungen vorschreiben. Mithin wird unsere Stadtverwaltung genötigt sein, der Gründung neuer Mädchenschulen in Sachsenhausen baldigst näher zu treten. Nun beträgt aber nach dem Verwaltungsbericht des Magistrats vom Jahr 1902 … der städt. Zuschuss für eine Bürgerschülerin 77,05 Mark, für eine Schülerin einer Mittelschule 78,44 Mark, für eine höhere Mädchenschule hingegen nur 61,32 Mark.
 
Demnach wird die Stadtverwaltung bei Errichtung einer höheren Mädchenschule geringere Mittel aufzuwenden haben wie bei Errichtung einer anderen Art von Mädchenschule, ein finanzieller Vorteil für die Stadt dürfte sich also hieraus ergeben.
Aus den angeführten Gründen richtet der Vorstand des Bezirk-Verein Sachsenhausen E.V. an verehrl. Magistrat die Bitte:
 
„Verehrl. Magistrat wolle die Errichtung einer höheren Mädchenschule in Sachsenhausen baldigst veranlassen“.
Hochachtungsvoll
Der Vorstand.“

20 Ausstellungstafeln und 3 große historische Pläne

In der 20 DIN A1 Tafeln und drei große historische Pläne umfassenden Ausstellung stellt neben den Schulen und zwei bedeutenden Kirchen die Holbeinstraße und der Otto-Hahn Platz den Schwerpunkt. Sechs Tafeln beschäftigen sich mit der Holbeinstraße. Der frühere und der heutige Straßenverlauf sind in einem Plan farbig markiert der zu einer Tafel gehört, die anhand von historischen Aufnahmen den Zustand bis 1949 zeigt. Eine andere Tafel zeigt die Situation der Holbeinstraße in den 1950er Jahren und in der heutigen Zeit. Das Leben in der Holbeinstraße wird exemplarisch an fünf Liegenschaften dokumentiert. Es handelt sich um die Haus-Nummern 29, 33, 41, 43 und 56. Die Ausstellung beginnt mit Erläuterungen zur ersten Baulanderschließung nach dem Frankfurter Umlegungsgesetz „Lex Adickes“, die sich im Gebiet des heutigen Malerviertels ab 1911 ereignete. Die Vorgeschichte dieses preußischen Gesetzes, mit einer Gültigkeit nur für Frankfurt am Main, reicht rund 20 Jahre zurück. Der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Franz Adickes war die treibende Kraft hinter diesem modernen Verfahren zur dringend benötigten Baulanderschließung.

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Die verwendete Fachliteratur zur "Lex Adickes"

Leben in der Holbeinstraße 29

Das 1908 erbaute Haus wurde bei den Bombardierungen während des 2. Weltkriegs beschädigt, blieb aber im Gegensatz zu den Nachbarhäusern stehen. Die Häuser mit den Nummern 25, 27 und 31 lagen alle vollständig in Trümmern. Die persönlichen Erinnerungen des Autors sind in diesen Bericht ebenso eingeflossen wie der von weiteren Familienmitgliedern. Es wird insbesondere von dem Leben von 10 Personen in einer 100 qm Wohnung berichtet, in der auch noch zwei Geschäfte, ein Hutatelier und eine Fahrschule, untergebracht waren. (Modellhüte Jensen-Steuernagel und Fahrschule Zipp)

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Von den hier abgebildeten Gebäuden haben nur die Häuser Holbeinstraße 29 und 33 die Luftangriffe während des 2. Weltkriegs überstanden. Beschädigt waren beide, bei der Nr. 33 fehlten von oben bis unten die vorderen linken Zimmer.

Holbeinstraße 33

Einer spektakuläre Fotografie, von 1953,  des bombengeschädigten Hauses stehen aktuelle Aufnahmen gegenüber. Diese vergleichende Dokumentation zeigt wie pragmatisch die Menschen sich in der Nachkriegszeit mit den Wohnsituationen arrangiert haben. Der Wiederaufbau der zerstörten Gebäudehälfte, in den 1950er Jahren, erfolgte in Anlehnung an den ursprünglichen Zustand, aber nicht originalgetreu. Fassadenornamente zwischen den Geschoßen und der Giebel sind nicht mehr vorhanden. Die einfachere Rekonstruktion ist am Schlußstein des linken Parterrefensters und an den modernen Fensterbänken deutlich sichtbar.

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Die Ausstellungstafel zu den Liegenschaften Holbeinstraße 29 und 33

Holbeinstraße 41

Das 1913 von dem Bildhauer Wilhelm Oskar Prack errichtete Wohn- und Atelierhaus wurde vom Bauherrn durch Säulen, Figuren und Wandornamente geschmückt. Diese haben fast komplett die Fliegerangriffe im 2. Weltkrieg überstanden. Das Haus selbst wurde von einer Bombe getroffen. Wie Fotografien von 1916 bis heute zeigen hat sich die Fassade  fast überhaupt nicht verändert. Lediglich die Grundstückseinfriedung war mehreren Änderungen unterworfen. Der Bildhauer wird als ein Kurator des deutschen Kunstbeitrags der Weltausstellung sowie aus dem Blickwinkel eines Zeitzeugens vorgestellt.

Ein vom Bildhauer Prack an der Fassade angebrachter Spruch existiert nicht mehr:

„Ich hatt‘ mit vorgenommen,  
g’rad durch die Welt zu kommen;
es woll’t mir nicht immer glücken,  
ich mußt mich öfter bücken.“

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Die Ausstellungstafel zur Holbeinstraße 41

Holbeinstraße 43

Die bei einem Luftangriff  zerstörte repräsentative Villa war baulich mit dem Haus von W.O.Prack verbunden und hatte ab dem Baujahr 1913 eine identische Hauseinfriedung. Die Familie von Dr. Ernst Moritz Auerbach zog 1913 aus dem Frankfurter Westend in die Holbeinstraße. Ernst Auerbach war bis zu seinem Tod im Jahr 1926 Vorsitzender des Frankfurter Anwaltsvereins und stellvertretender Vorsitzender der Anwaltskammer. Er betrieb mit seinem Schwager eine Anwaltssocietät und war im Vorstand der jüdischen Gemeinde und gewähltes Mitglied im Großen Rat der 1914 gegründeten Frankfurter Universität. Seinen Töchtern, der Kunsthistorikerin und Malerin  Dr. Erna und der Rechtsanwältin Ilse Auerbach wurde nach der Machtergreifung durch die Nazis 1933 die Berufserlaubnisse entzogen. Deshalb wanderten beide im Sommer 1933 nach London aus. Emma Auerbach, die Witwe von Ernst A. blieb bis Anfang 1939 im eigenen Haus bis sie dieses verkaufen musste und siedelte dann ebenfalls nach London über. In der Ausstellung werden erstmals Aufnahmen der  Familie Auerbach und von Erna Auerbach gemalten Portraits präsentiert, die aus dem im London archivierten Nachlass stammen. Ilse Auerbach heiratete in London den aus Berlin emigrierten Juristen Maximilian Schmulewitz, der während des Krieges den Namen Clive M. Schmitthoff annahm. Schmitthoff machte als Jura-Professor eine weltweit beachtete Karriere. Es war ein Fachmann für internationales Handelsrecht.

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Die Ausstellungstafel zur Holbeinstraße 43

Holbeinstraße 56

Mit seiner zweiten Ehefrau und seinen 1933 und 1934 geboren Kindern lebte Prof. Dr. med. Albrecht Bethe in der zweiten Etage des Hauses Holbeinstraße 56, genau gegenüber der Villa von Familie Auerbach. Das Haus wurde bei einem der ersten Tagesangriffe während des 2. Weltkriegs zerstört. Albrecht Bethe war Gründungsdirekter des Physiologischen Instituts und von 1917 bis 1918 Rektor der Frankfurter Universität. In der Ausstellung wird Familie Bethe vorgestellt und aus der Zeit in der Holbeinstraße berichtet. Albrecht Bethe hatte aus erster Ehe einen Sohn, Hans Albrecht Bethe, der über ein großes mathematisches Talent verfügte. Hans Bethe studierte Physik und verließ Deutschland, weil ihm wegen seiner jüdischen Mutter eine Professur verweigert wurde, mit einer Zwischenstadion in England in Richtung USA. Er wurde einer der bedeutendsten Physiker weltweit und erhielt 1967 den Physik-Nobelpreis. Nach Hans Bethe wurde 2008 eine Straße auf dem Frankfurter Riedberg benannt. Doris, die Tochter aus zweiter Ehe von Albrecht und Vera Bethe war in den 1950er Jahren eine sehr erfolgreiche Sportlerin und mehrfache deutsche Turnmeisterin. Ihr jüngerer Bruder Klaus wurde Professor für Elektrotechnik an der TU in Braunschweig. Es existiert offenbar keine Fotografie von dem Haus Holbeinstraße 56 vor der Zerstörung.

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Die Ausstellungstafel zur Holbeinstraße 56

Portraits

Portraits von Persönlichkeiten aus dem Sachsenhäuser Westend ergänzen in einer Texttafel die Lebensberichte aus der Holbeinstraße. Stellvertretend für eine Vielzahl Frankfurter Persönlichkeiten, die dort aufgewachsen, gebaut oder zugezogen sind werden folgenden Damen und Herren vorgestellt:

Heinrich Bensing
Wilhelm Breidenstein
Horst-Gregorio Canellas
Prof. Dr. med. Max Flesch-Thebesius
Inge Hacker
Toni Impekoven
Georg Kalischer
Bischof Maximilian Kaller
Prof. Dr. med. Friedrich Kreter
Senator Friedrich Linsenhoff
Adolf Melber
Dr. med. Hanna Mommsen
Ilse Pohl
Karl Preuß
Gerhard Schulte-Bulmke
Prof. Dr. med. Rudolf Thiel
Renate Wirth
Prof. Dr. phil. Alfred Wolters

Die konkrete Situation vor dem ersten gesetzlichen Umlegungsverfahren "Lex Adickes"

Basierend auf einem Bericht aus dem Jahr 1912 von Emil Klar wird die damalige Situation beschrieben. Die Eigentümer von zwei innerhalb des Umlegungsgebietes  befindlichen Grundstücken legten Einspruch gegen das neue gesetzliche Verfahren ein. Mittels alter Pläne und aktueller Fotografien werden diese seinerzeit bebauten Grundstücke vorgestellt. Auf einem davon befand sich ein eiserner Laubengang, ein Musiktempel und einen Schießbahn. Die Einsprüche betrafen die Liegenschaften Gartenstraße 85 und die heutige Passavantstraße 7-9.
Vorgestellt wird ein drittes bebautes Grundstück, dass explizit von dem Umlegungsgebiet ausgeschlossen wurde Es handelt sich um ein hofähnlich bebautes Gelände mit 2 Hinterhäusern. Die Liegenschaften Gartenstraße 101 bis 103. Im Jahr 1910 ist dort eine Kaffeebrennerei der Wittwe Hassan vermerkt. Bei „Wittwe Hassan“ handelte es sich um ein Feinkostgeschäft mit eigener Kaffeerösterei die in mehreren, auf das Stadtgebiet und Offenbach verteilten Filialgeschäften, auch Tee,  Kakao, Gebäck und Schokolade verkaufte.             

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Eine von zwei Ausstellungstafeln zur ersten Baulanderschließung nach dem Frankfurter Umlegungsgesetz "Lex Adickes"

Die Holbeinstraße

Auf zwei Ausstellungstafeln wird mit Fotografien von 1913 bis heute die Entwicklung der Holbeinstraße präsentiert. In einem Plan ist der ehemalige und heutige Verlauf der Straße markiert.

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Eine von zwei Ausstellungstafeln, die die Entwicklung der Holbeinstraße aufzeigen.

Fluchtlinienplanung und Straßenumbennung

Bezugnehmend auf einen Fluchtlinienplan aus dem Jahr 1909 und eine Straßenumbenennung aus dem Jahr 1917 wurden extra für die Ausstellung zwei Straßenzusatzschildern angefertigt. Es handelt sich um eine Rauchstraße und die in Schaubstraße umbenannte Morettostraße. Eine Rauchstraße gibt es in Frankfurt am Main bis zum heutigen Tage nicht und das, obwohl diese als eine zentrale Diagonale im Malerviertel eingeplant war.

Eines von zwei, speziell für diese Ausstellung angefertigten, Straßennamen-Zusatzschildern. Vielleicht liefern diese beiden Schilder dem zuständigen Ortsbeirat 5 eine Anregung bei der Suche nach zukünftigen neuen Straßennamen.

Das "Rosengärtchen"

Das Gelände, der in der 2. Hälfte des Jahres 1897 abgehaltenen Rosen-, Blumen- und Pflanzenausstellung, sollte in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts für die Errichtung eines „Juxplatzes“ eine neue Verwendung finden. Die Ausstellung erstreckte sich seinerzeit von der Forsthausstraße ungefähr bis zur heutigen Rubens-, Holbein-, und Passavantstraße. 1905 protestierten Anwohner und der Bezirksverein Sachsenhausen erfolgreich gegen dieses Vorhaben. Die Postkarte von 1897 lässt aber bereits einen Vergnügungspark, mit einem Karussell,  erahnen.   Die Vorstellung, dauerhaft so eine Art „Tivoli“ dort anzusiedeln, war den Sachsenhäusern offenbar nicht geheuer.
1913 begann der Bau der  gärtnerischen Anlage des Holbeinplatzes.
Die bis 1969 Holbeinplatz genannte Grünanlage heißt heute Otto-Hahn-Platz wird aber von Generationen von Sachsenhäusern nur "Rosengärtchen" genannt. Auf zwei Ausstellungstafeln wird die Entwicklung der mit einem alten Baumbestand gesäumten Grünanlage nachgezeichnet. In den Jahresberichten des Bezirksvereins Sachsenhausen finden sich Berichte wie die ovale Grünfläche mit einer Skulptur von dem Bildhauer Fritz Boehle oder W.O.Prack "gekrönt" werden sollte.

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Eine von zwei Ausstellungstafeln die sich mit der Entwicklung des "Rosengärtchens" beschäftigen.

Die Schulen

Dank der freundlichen Unstützung der Carl-Schurz-Schule und der Schillerschule wurde es möglich den beiden Gymnasien je eine Ausstellungstafeln zu widmen. Es werden eine Vielzahl historischer Fotografien gezeigt und aus der Zeit vor dem Bau der Schillerschule und der Schulzeit in der Sachsenhäuser Oberrealschule, Ende der 1930er Jahre, berichtet. Gezeigt werden auch Aufnahmen von den durch Luftangriffe stark beschädigten Schulgebäuden.

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Die beiden Ausstellungstafeln zu der heutigen Carl-Schurz-Schule und der Schillerschule.

Die Straßen des Malerviertels

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Eine von zwei Ausstellungstafeln, die die Straßennamen des Malerviertels zum Inhalt haben. In einer zweiten Tafel werden die Portraits der Namensparten präsentiert.

Thorwaldsenstraße und Thorwaldsenplatz

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Blick vom Turm der Bonifatiuskirche in die Thorwaldsenstraße mit dem Thorwaldsenplatz (rechts), 2011

Vom Güterbahnhof Sachsenhausen zum Holbeinviertel

Eine Fotodokumentation zeigt in 15 Aufnahmen, aus den Jahren von 1925 bis heute, die Entwicklung des Geländes vom Güterbahnhof Sachsenhausen zum Holbeinviertel. Den Blick von oben auf das Malerviertel hat eine weitere Tafel zum Thema und historische Fotografien von Gebäuden die während der Fliegerangriffe im 2. Weltkrieg getroffen wurden, werden aktuellen Aufnahmen in einer anderen Tafeln gegenübergestellt.

Die Ausstellung umfasst insgesamt mehr als 250 Fotografien und Dokumente.

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Ausstellungstafel mit der Dokumentation der Veränderung eines Bahnhofgeländes zu einem modernen aber relativ dichtbebauten neuen Wohnviertels

Ausstellung vom 6. Juni bis 19. Juli 2014

 
Vom 6.Juni 2014 bis 19. Juli 2014

ist die Ausstellung während der Öffnungszeiten der Bibliothek:

im Bibliothekszentrum Sachsenhausen

Hedderichstraße 32

Montag, Mittwoch und Freitag  11:00 – 17:00 Uhr

Dienstag und Donnerstag 13:00 – 19:00 Uhr,

Samstag 11:00 – 14:00 Uhr zu sehen.

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Bibliothekszentrum Frankfurt-Sachsenhausen
Hedderichstraße 32

Kommentar

von Hans Dieter Schneider | 03.07.2014 | 14:43 Uhr
Hallo Herr Jensen,

wieder einmal ein gelungenes Werk. Gratuliere!

Kommentar

von Dr. Philipp Bockenheimer | 03.07.2014 | 16:57 Uhr
Lieber Herr Jensen,

als StadtteilHistoriker haben Sie mit dieser Ausstellung einen großartigen Abschluss zu Ihrer riesigen und sorgfältigen Recherche vorgelegt. Herzlichen Glückwunsch! Das ist ein ausgezeichneter und wichtiger Beitrag über die Sachsenhäuser Geschichte. Die von Ihnen aufgefundenen und gesicherten Quellen wären in der nächsten Generation unwiederbringlich verloren.

Bleibt, der Ausstellung zahlreiche Besucher zu wünschen. Da ich in Sachsenhausen im "Westend" aufgewachsen bin, war der Besuch der Ausstellung für mich wie ein Spaziergang durch meine Kindheit und Schulzeit. Aber auch den Jüngeren wird die Ausstellung Einblicke darein geben, wie Sachsenhausen früher und besonders in der unmittelbaren Nachkriegszeit aussah und ein Gefühl dafür, wie sich die lebenswirksamen Veränderungen eines Quartiers im Laufe von Jahrzehnten auswirken können. Das ist dann "lebendige" Geschichtsschreibung.

Da Sie die Bild- und Textmaterialien in Ihrer Ausstellung ausgezeichnet strukturiert haben, bleibt zu hoffen, dass diese auch auch in voller Auflösung als PDF auf L.I.S.A. eingestellt und so dauerhaft zugänglich gemacht werden können.

Mit herzlichen Grüßen,

Philipp Bockenheimer

Kommentar

von Elisabeth Bergmann | 26.10.2016 | 14:59 Uhr
Sehr geehrter Herr Jensen,
wie schön, diese Informationen zur Holbeinstraße zu finden! Ein Teil meiner Familie lebte in Haus Nummer 31 bis zur Zerstörung. Gern sende ich Ihnen für Ihre Sammlung ein paar Informationen und Fotos zu.
Herzliche Grüße aus Hamburg, ich freue mich auf Ihre Antwort.
Elisabeth Bergmann

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von Jens-Holger Jensen | 26.10.2016 | 16:54 Uhr
Sehr geehrte Frau Bergmann,

schreiben Sie mit bitte eine E-Mail an meine private Adresse:
jensholger.jensen@freenet.de

Ich nehme dann gerne Kontakt zu Ihnen auf.

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen
Jens-Holger Jensen

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