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Dipl.Ing.Architekt Reinhard Gunst | 05.05.2018 | 288 Aufrufe | Artikel

Das Kastell der Pförring

Ein Bauwerk für die Pferdegöttin

Das Kastell in Pförring hatte schon mehrere Namen. In römischer Zeit hieß es Celeusum und wurde ab dem 16. Jahrhundert auch Eponaburgium, oder später auch Pinoburgium genannt. Im Mittelaltepos, dem Nibelungenlied, fand es ebenso eine Erwähnung als Ort der Fährleite, denn hier setzten sie die Gesandtschaft der Nibelungen auf ihrer Brautfahrt zu Etzels Lager auf der Donau über. In römischer Zeit sicherte in Celeusum eine Einheit den Donauübergang, der als wichtige Verbindung einer Römerstraße diente. Wie der Fund einer ungefähr 60mx60m großen Befestigungsanlage 400m weiter westlich zeigte, muss der Ort bereits in der Hallstattzeit als Siedlungspunkt gedient haben. Er wurde am Beginn des 2. Jahrhunderts von den Römern in Besitz genommen, die hier das erste Holz-Erde Kastell für eine berittene Einheit, der `Flavia singularium´ errichteten. Der Name des Kastells Celeusum soll auf einen keltischen Gewässernamen zurückzuführen sein, doch er gleicht ebenso dem Namen des mythischen Königs Celeus. Gemäß der griechischen Götterlegende nahm er die umherirrende Fruchtbarkeitsgöttin Ceres bei sich auf, als sie verzweifelt nach ihrer geraubten Tochter suchte. Während ihres Aufenthaltes heilte sie Celeus Sohn und wollte ihm sogar die Unsterblichkeit schenken. Dies wurde aber von dessen Mutter verhindert. Ceres ist eine alte italische Göttin. Sie wurde von den Römern als Herrin der Erdkräfte, des Wachstums und des Reifens verehrt, gleichzeitig hatte sie auch eine Beziehung zu den Toten und bewachte den Eingang zum Reich der Manes, den Geistern der Toten. In Gallien erfüllte die Göttin Epona die Rolle einer Fruchtbarkeits- und Pferdegöttin. Ihre Abstammung wird auf die Verbindung eines Mannes mit einer Stute zurückgeführt. Ursprünglich wurde sie als göttliche Stute, dem Sinnbild einer Muttergottheit verehrt. Ihre magische Fähigkeit soll ihr die Möglichkeit verliehen haben, zwischen Tier- und Menschengestalt zu wechseln. Dies führte zur Verehrung als menshliche Gestalt. Ein Pferd, oder ein Esel, wurden nun zu ihren Attributen. Bereits im 16. Jahrhundert wurden Gelehrte auf die noch als Biburg bezeichneten Reste des römischen Kastells aufmerksam. In dieser Zeit wurde auch ein Weihestein der gallo-romanischen Pferdegöttin Epona entdeckt, der laut einer Inschrift vom Lager-Kommandanten Aelius Bassianus gestiftet wurde. Da sie sich innerhalb der berittenen Truppe der Legionen ebenso großer Beliebtheit erfreute, wie im gallo-keltischen Bereich, wurde Epona ohne Abwandlung in die römische Götterwelt integriert. Damit vollzog Epona eine ähnliche Entwicklung wie Mars und wandelte sich von einer Fruchtbarkeitsgöttin zu einer Kriegsgöttin, indem sie Schutzgöttin der Kavallerie wurde. Mitunter glich sie deshalb in Darstellungen auch der eigentlichen Kriegsgöttin Bellona. Die Domestizierung des Pferdes war ein epochaler kultureller Entwicklungssprung in Bezug auf die Mobilität. Wohl deshalb wurde die Bedeutung der Pferde auch auf Göttervorstellungen übertragen wurde und so standen Pferde bei vielen indogermanischen Völkern auch in Verbindung mit einem Sonnenkult. Mit der Verbreitung des Christentums wurde ihm diese Rolle streitig gemacht und das Bild des Pferdes änderte sich zu einem Geisterwesen das aus dem Schattenreich kam. Dann trat es in der Wilden Jagd während der Rauhnächte in Erscheinung, wo es im Zusammenspiel mit anderen Dämonen Angst und Schrecken verbreitete. In Celeusum jedoch drückt sich die Verehrung der Epona unmittelbar in der Baustruktur des Kastells aus, denn die Ausrichtung des Bauwerkesl zielt auf den Sonnenuntergang am Tag der Epona, den 18. Dezember.

Sonnenstand am 18. Dezember im Julianische Kalender: Azimut: 231,3°/ Elevation 1,05° / Sonnenscheibe Durchmesser ca. 0,66° / Geländehöhe SW 0,60°  - Sonnenscheibe steht in der Avchse auf dem Horizont

 

Zoom

Kastell Pförring Sonnenuntergang am Tag der Epona

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