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Ulf Ludßuweit | 28.04.2018 | 407 Aufrufe | 2 | Artikel

Das ehemalige Landmaschinenunternehmen Philipp Mayfarth & Co. und seine jüdische Inhaberfamilie Moser

Eine Zusammenfassung

Was mit einem Stadtteilspaziergang begann, sollte sich zu einer abenteuerlichen Spurensuche in der Frankfurter Industrie- und einer jüdischen Familiengeschichte entwickeln. Aus der Frage zum Verwendungszweck einer alten Fabrikanlage bei Frankfurt-Fechenheim, wurde eine Odyssee durch zahlreiche Archive und Institute auf der Suche nach der verschollenen Historie des ehemaligen Landmaschinenunternehmens Philipp Mayfarth & Co. und der mit ihm verbunden Inhaberfamilie Moser.

Mit meinen ersten bescheidenen Forschungsergebnissen fand ich Anklang und wurde im September 2016 in die sechste Staffel des Förderprogramms StadtteilHistoriker der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt aufgenommen. Durch nützliche Tipps und der Unterstützung von Fachleuten sowie dank Hinweisen aus dem Netzwerk weiterer ehrenamtlicher Historiker, konnte ich ein genaueres Bild der Firmengeschichte und der Menschen hinter dem Unternehmen Ph. Mayfarth & Co. zeichnen.

Interessant war dabei festzustellen, wie schnell ein einst mit über 1400 Mitarbeitern großes und in Europa renommiertes Industrieunternehmen aus Frankfurt nach nur 70 Jahren fast in Vergessenheit geraten konnte. Auch die Familiengeschichte der Mosers, als Inhaber und Leitung der Firma Mayfarth, liest sich ebenso spannend wie die der Stahlbarone Krupp, der Schuhmacherbrüder Dassler oder anderen bekannter Unternehmerfamilien aus Deutschland.

Zum Abschluss der sechsten Staffel der StadtteilHistoriker, konnte ich meine Forschungsergebnisse über Ph. Mayfarth & Co. Frankfurt bereits visuell in einer öffentlichen Ausstellung vom 07. bis 19. April 2018 mit folgendem im Format Din A0 gestalteten Poster präsentieren. Um den Errungenschaften und dem Wirken der Familie Moser und allen Mitarbeitern der Firma Mayfarth ein Andenken zu setzen, möchte ich in dieser Zusammenfassung die wichtigsten Daten und Fakten aus der fast 100 jährigen Unternehmens- und Werksgeschichte darstellen.

Zoom

Poster zur Ausstellung der StadtteilHistoriker vom 07. bis 19. April 2018 an der Hauptwache in Frankfurt am Main

Google Maps

Die Firmengründung 1872

Das Unternehmen Philipp Mayfarth & Co. wurde am 04. April 1872 durch den Frankfurter Kaufmann Philipp Mayfarth zusammen mit dem jüdischen Unternehmer Samuel Moser[i] gegründet. Begonnen wurde  als Handelsgesellschaft für importierte Landmaschinen im Baumweg 7 in Bornheim bei Frankfurt. Trotz der zunächst bescheidenen Verkaufserfolge, wurde auf dem Grundstück bald eine Werkstatt errichtet, um auch Reparaturen an den Maschinen durchführen zu können. Zum 01. Februar 1875 verließ der Namensgeber Philipp Mayfarth das Unternehmen und Samuel Moser wurde alleiniger Inhaber und 1. Direktor. Durch sein außerordentliches Verkaufsgeschick gelang es ihm, das Geschäft weiter auszubauen und neue Absatzgebiete in der ostpreußischen Landwirtschaft zu erschließen. Um näher am Kunden sein zu können, errichtete Samuel Moser 1877 in Insterburg eine erste Zweigniederlassung, deren Leitung sein Vetter Moritz Moser II übernahm.

Zum weiteren Ausbau des Unternehmens wurde am 01. Februar 1878 der ältere Bruder Moritz Moser I als neuer Teilhaber der Firma Mayfarth aufgenommen. Das in den nächsten Jahren wachsende Geschäft verlangte sehr bald nach größeren Räumlichkeiten und so wurde an der Hanauer Landstraße in der Nähe des Ostbahnhofs zunächst ein neues Gelände gepachtet. Die zwei dort als Notbehelf errichteten Baracken sollten den Grundstock für die weitere Expansion der Firma Mayfarth hin zur eigenen Herstellung von Landmaschinen und Geräten bilden. Dazu musste der technologische Vorsprung der Maschinen aus englischer oder amerikanischer Produktion wettgemacht und die inländische Kundschaft von der besseren Qualität und Leistung der Mayfarth Produkte überzeugt werden. Beides gelang Samuel Moser äußerst gut. Dabei kam ihm aber auch eine wachsende Bevölkerung zugute, die einer Steigerung der Nahrungsmittelproduktionen bedurfte und somit quasi der Landwirtschaft eine weitere Mechanisierung ihrer Abläufe abverlangte. Mit dem Kauf des ca. 3000 qm großen Fabrikgeländes an der Hanauer Landstraße zum 01. September 1881, erfolgte der Schritt zum Großbetrieb. Ph. Mayfarth & Co. begann mit der eigenen Fabrikation von Häcksel- und kleinen Dreschmaschinen.

Gründungsort der Ph. Mayfarth & Co. am 04. April 1872 im Baumweg 7 in Bornheim bei Frankfurt am Main

Die erste Eisengießerei

Weiteres Wachstum brachte dem aufstrebenden Unternehmen 1885 der Kauf eines 16.000 qm großen Grundstücks zur Errichtung einer eigenen Eisengießerei an der früheren Höchsterstraße 1, heute Kleyerstraße, nahe der Galluswarte in Frankfurt am Main. Die zur Fertigung der Landmaschinen benötigten Gussteile wurden bis dato von einem Gießereibetrieb in Worms bezogen. Diese Abhängigkeit konnte Anfang 1887 mit der Inbetriebnahme eines eigenen Kupolofens beendet werden. Mit einer stündlichen Schmelzleistung von 4,5 Tonnen produzierte die Firma Mayfarth unter der Leitung des Gießereimeisters Josef Schiefer fortan Gußerzeugnisse bester Qualität und Güte. Mit einem Produktionsvolumen über den eigenen Bedarf der Maschinenfabrik hinaus, konnten auch Gußteile an fremde Firmen, wie z.B. den angrenzenden Adlerwerken[ii], geliefert werden.

Parallel zum Ausbau des Stammsitzes in Frankfurt, expandierte die Firma Mayfarth ab Ende 1881 auch in Österreich-Ungarn und gründete ein Zweiggeschäft zunächst in der Praterstraße und später in der Taborstraße Nr. 71 in Wien. Unter der Leitung des jüngeren Bruders Adolf Moser entwickelte sich die Handelsniederlassung in Wien, ebenfalls so erfolgreich, dass auch für die K.u.K. Monarchie eine eigene Produktionsstätte geschaffen wurde. Hierzu erwarb das Unternehmen im Jahre 1896 im Wiener Ortsteil Jedlesee, Prager Straße 124 ein größeres Grundstück zur Errichtung einer Fabrik mit eigener Eisengießerei, Werkstätten, Lagerflächen sowie Wohn- und Bürogebäuden.

Original Schraubenschlüssel mit der beidseitigen Beschriftung: Ph. Mayfarth & Co., Frankfurt a. M.

Expansion in Europa zur Kaiserzeit

Der Erfolg der Firma Mayfarth stütze sich auf die gute Qualität, auf wirksame Reklame z.B. in Zeitungen und auf die Nähe zum Kunden, zu dessen Zweck weitere Zweiggeschäfte gegründet wurden. So wurde im Mai 1884 in Posen eine Filiale und Mitte März 1886 die Zweigstelle in Osnabrück eröffnet. Ein Bindeglied zwischen dem Stammhaus in Frankfurt und den Absatzgebieten im Osten stellte das Berliner Handelskontor ab Mai 1887 dar. Innerhalb des Deutschen Reiches folgten noch Niederlassungen im Oktober 1906 im Schlesischen Breslau, im März 1906 in Leipzig sowie im Februar 1910 in Köln am Rhein. Das immer erfolgreichere Geschäft mit Maschinen der Marke Mayfarth bedurfte der ständigen Steigerung der Fabrikation wie auch dem Personal in Frankfurt. Um für den expandierenden Verkauf und für die Verwaltung neue Büroräume zu schaffen, wurde im Januar 1906 das Haus an der Hanauer Landstraße 8 erworben und das dort geschaffene neue Handelskontor im Juli 1907 noch einmal durch den Zukauf des Nachbargebäudes erweitert. Das ursprüngliche Firmengrundstück im Baumweg 7 in Bornheim wurde von der Familie Moser in eine Stiftung zur Einrichtung eines jüdischen Kindergartens umgewandelt[iii].

Der Name Mayfarth als Inbegriff für qualitativ hochwertige Landmaschinen und -geräte, wurde immer wieder in zahlreichen Wettbewerben unter Beweis gestellt. Davon zeugen Auszeichnungen im In- und Ausland. Der Wert der Mayfarth Produkte gewann daher auch erhöhte Aufmerksamkeit im Ausland, was zu einem Ausbau der Geschäfte mit eigenen Niederlassungen in Europa führte. Erste Kontakte nach Russland führten im Dezember 1900 in Minsk zur Umwandlung einer Verkaufsagentur in eine Zweigniederlassung. Durch den glänzenden Geschäftserfolg im Zarenreich wurde diese Mitte Juni 1909 nach Moskau verlegt. Auch in Frankreich konnte Samuel Moser mit seinem Verkaufstalent Kundschaft gewinnen und erwarb in Paris ein Grundstück zur Errichtung eines geräumigen Geschäftshauses mit Werkstatt. Die feierliche Eröffnung der Filiale in der Seine-Metropole erfolgte am 01. März 1903. Zum 01. März 1908 wurde im Italienischen Mailand eine weitere Auslandsniederlassung geschaffen. Bereits ab den 1890er Jahren, war Mayfarth auch unter eigener Anschrift in London vertreten. Mit dem Abschluss der Übernahme der Englischen Firma Noxon, wurde allerdings diese Niederlassung bis 1913 wieder aufgegeben[iv].

Das ehemalige Handelskontor Hanauer Landstraße 8 in Frankfurt am Main

Das neue Werk Mainkur

Die erste Maschinenfabrik der Firma Mayfarth an der Hanauer Landstraße konnte nach einem verheerenden Brand im März 1893[v] zwar wieder aufgebaut und durch Zukauf von weiterem 13.000 qm Gelände von der Hessischen Ludwigsbahn im Juni 1895 noch einmal erweitert werden, aber ein Ende der Steigerung der Produktion durch die räumliche Enge war absehbar. Ein unter kluger Voraussicht im Jahr 1903 erworbenes über 100.000 qm großes Grundstück im neu geschaffenen Gewerbegebiet Mainkur in der damals noch zu Hanau gehörenden Gemarkung Fechenheim sollte Abhilfe schaffen. Nach Plänen des Stadtbaumeisters a.D. Dr. Carl Wolff begann Mayfarth unter der Leitung des Oberingenieurs und späteren technischen Direktors Peter Abt 1908 mit dem Bau einer ganz neuen Fabrikanlage. Ausgeführt von dem Frankfurter Stahlunternehmen J. S. Fries Sohn[vi], wurden binnen zwei Jahren die Hallen- und Dachkonstruktionen der Gießerei, der Schmiede und der Werkstätten, wie der Schlosserei und der Tischlerei fertig gestellt. Anfang 1910 konnten so im neuen Werk Mainkur an der Orber Straße alle Produktionsstätten und die Montage, mit der bisher örtlich getrennten Gießerei auf einem großzügigen Firmengelände zusammengeführt werden.

Noch heute ist das viergeschossige Montagegebäude zwischen der Ober- und der Wächtersbacher Straße mit seinen über 15.000 qm Nutzfläche erhalten.

Die Firma Mayfarth hatte mit seiner Vertriebsstruktur, den Niederlassungen und dem Werk Mainkur die besten Voraussetzungen für die Zukunft geschaffen, um neben dem innerdeutschen Markt und den Geschäften mit den europäischen Nachbarn, seine Maschinen und Geräte auch in alle Staaten der Welt anbieten zu können.

Auch die Stadt Frankfurt honorierte den außerordentlichen Erfolg des Landmaschinenunternehmens und vergab am 10.01.1913 einem Straßenzug am Osthafen, der unter der Honselbrücke in Richtung Großmarkthalle durchführt, den Namen: Mayfarthstraße[vii].

Innenhof des ehemaligen Montagegebäudes vom Werk Mainkur an der Orber Str. 4 bei Frankfurt-Fechenheim

Der Erste Weltkrieg

Einen ersten großen Einschnitt in die bis dahin stetigen Erfolge des Unternehmen Philipp Mayfarth & Co.  stellte jedoch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs dar. Abgeschnitten von den europäischen und den Weltmärkten wurden die Werksproduktionen innerhalb kürzester Frist umgestellt. Über die Dauer des  Krieges wurde fortan sowohl für das Heer wie auch für die Landwirtschaft produziert.

Zum 31. März 1915 schieden die bisherigen Teilhaber Moritz Moser I und Moritz Moser II aus der Firma aus. An ihrer Stelle wurde der Sohn des Gründers, Leo Moser, neuer Teilhaber an der Ph. Mayfarth & Co. Im August 1915 folgte eine weitere Änderung im Unternehmen und die Wiener Dependenzen lösten sich vom Stammhaus. Ph. Mayfarth & Co. Österreich wurde von Adolf Moser als alleiniger Inhaber übernommen.

Ein großer Verlust war mit dem plötzlichen Tod des Gründers und Visionärs Samuel Moser am 04. Mai 1917 im Alter von 67 Jahren zu verzeichnen. Als Unternehmenserbe übernahm darauf Leo Moser mit Unterstützung  von erfahrenen Verwaltungsmitarbeitern die Leitung.

Das Ende des Ersten Weltkrieges brachte den endgültigen Verlust der Auslandsniederlassungen in Paris, Mailand und Moskau, des dortigen Warenbestandes sowie der Enteignung der jeweiligen Grundstücke. Die mit dem Friedensschluss einhergehende räumliche Änderungen im Osten und die Trennung Ostpreußens vom übrigen Reich führten dazu, dass Mayfarth die Insterburger Niederlassung an den langjährigen Leiter Alfred Töpfer verkaufte. Ab 01. November 1920 führte dieser die ostpreußischen Geschäfte als selbstständiger Unternehmer weiter. In der Folge des Wechsels der Provinz Posen an den neuen polnischen Staat wurde die dortige Filiale im Herbst 1921 aufgelöst.

Mit dem Umzug der Zweigstelle Köln Ende 1919 in die neue Liegenschaft Steinfeldergasse 14 und der ab 1920 neuen Berliner Anschrift Gartenstraße 33  konnte jedoch ein Fortbestand der verblieben Filialen gesichert werden. Wieder Aufschwung ins Unternehmen brachten neue Absatzmärkte in Südamerika und so konnten Leo Moser und seine Belegschaft am 04. April 1922 das fünfzig-jährige Bestehen der Firma Philipp Mayfarth & Co. in Frankfurt feiern.

Mayfarth Drill- oder Sämaschine "LIBELLE" zur Reihenaussaat von Samenkörnern aus den 1930er Jahren

Das Dritte Reich

Bis zur „Machtübernahme“ der NSDAP im Jahr 1933 entwickelte sich die Firma Mayfarth weiter und im Werk Mainkur wurden bis auf einzelne Halbprodukte, wie Stahlguss, Temperguss und Schrauben, alle Maschinenteile selbst hergestellt und zu den jeweiligen Landmaschinen und Geräten montiert. Zu den Fabrikationen gehörten Ackergeräte, wie Pflüge und Saatmaschinen, Kartoffelernte- und Dreschmaschinen sowie Futterbearbeitungsmaschinen und Mühlen. Eine zweite Abteilung produzierte Obst- und Weinpressen sowie allerlei andere Hydraulischer Pressen,  Hand- und Motorpressen, z.B. zur Ölgewinnung  oder für die Leder- und Textilindustrie, sowie für Handel und Gewerbe. Des weiteren auch Hebebühnen für Werkstätten und den Automobilbau.

Als jüdischer Alleininhaber und  Direktor der Firma Mayfarth kam Leo Moser im Dritten Reich immer mehr in Bedrängnis. Dies führte dazu, dass Anfang 1936 das Landmaschinenunternehmen auf Betreiben von Gläubigerbanken in die so genannte Maschinenfabrik vormals Ph. Mayfarth & Co. GmbH umgewandelt und als arisches Unternehmen fortgeführt wurde[viii]. Leo Moser wurde in diesem Zuge aus seiner Firma ausgesperrt. Da er noch Inhaber der Grundstücke und Liegenschaften war, wurde Leo Moser in der Reichskristallnacht im November 1938 verhaftet und zusammen mit anderen Frankfurter Juden in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht[ix]. Auf Grund seines schlechten Gesundheitszustandes und unter der Zustimmung des Verkaufs aller Firmenimmobilien, konnte Leo Moser nach Frankfurt zurückkehren. Trotz sehr strenger Auflagen hatte er daraufhin seine Auswanderung nach Kuba erwirken können, die er im September 1941 in einem Zug ab Berlin antrat. In Bilbao bestieg er ein Schiff und überquerte mitten im Krieg den Atlantik. Sein eigentliches Ziel New York City erreichte Leo Moser erst 1943[x].

Das Ende der Mayfarth Landmaschinen und -geräte wurde am 01. August 1938 mit dem Kauf der kompletten Geschäftsanteile der Maschinenfabrik vormals Ph. Mayfarth & Co. GmbH durch die Frankfurter Maschinenbau AG vormals Pokorny & Wittekind eingeleitet. Unter Federführung der Frankfurter Maschinenbau AG, kurz FMA, wurde die Fabrikation im Werk Mainkur auf die Zulieferung für die eigene Produktion von Kompressoren und Druckluftwerkzeugen umgerüstet und die Landmaschinenproduktion an andere interessierte Unternehmen verkauft[xi]. Die sehr erfolgreiche Sparte der Obstpressen z.B. wurde von den Hollmann-Werken in Wetzlar übernommen.

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs brachte abermals eine Umstellung auf Rüstungsgüter. Im Werk Mayfarth wurden fortan 2cm Flakgeschütze für die Luftabwehr hergestellt[xii]. Nach Bombardierungen und schweren Schäden am Werk kam zum Ende des Krieges die Produktion gänzlich zum Erliegen. Nur die unversehrt gebliebene Gießerei konnte mit Kriegsende fast ohne Ausfall wieder auf „friedliche“ Produkte umgestellt werden[xiii].
Über die ab 1942 auch im Werk Mayfarth eingesetzten Zwangs- und Fremdarbeiter, hat meine StadtteilHistoriker Kollegin Frau Lenore Hinkel eine Publikation mit dem Titel verfasst: ""Die Russen, das waren die Neandertaler" / Sowjetische Kriegsgefangene in Bergen-Enkheim 1942-1945".

Mayfarth Hochleistungs-Dreschmaschine "HEROLD" zur Getreidegewinnung von 1935

Nachkriegszeit bis zur Werksschließung 1968

Die Maschinenfabrik, vorm. Ph. Mayfarth & Co. GmbH nahm nach dem Zweitem Weltkrieg verschiedenste Fertigungsaufträge an, zu denen in den 1950er Jahren auch der Bau von Original-Glöckner-Mercedes Stoppzylinder-Buchdruckmaschinen gehörte[xiv].

Ein durch Leo Moser eingeleitetes Restitutionsverfahren zur Rückgabe der Maschinenfabrik und der Liegenschaften, wurden mit Begründung auf die schlechte Finanzlage und den roten Zahlen, die Firma Mayfarth in den 1930er Jahren schrieb, mit einem Vergleich aller beteiligen Parteien eingestellt[x]. Leo Moser verstarb am 24. Oktober 1960 in New York und hinterließ als Alleinerbin seine Frau Emmi Moser, geb. Neumann.

Bereits 1955 war die Aktienmehrheit der Frankfurter Maschinenbau AG wiederum von der DEMAG, der Deutschen Maschinenbau AG, übernommen worden. Die DEMAG führte die Produktionsstätte, insbesondere die Gießerei in der Mainkur bei Fechenheim, noch bis zur Schließung 1968 als Werk Mayfarth fort[xv].

Fast einhundert Jahre wechselvolle Frankfurter Industriegeschichte fand damit ihr Ende.

Original-Glöckner-Mercedes Buchdruckmaschine, 1952 gefertig von der Maschinenfabrik vorm. Ph. Mayfarth & Co. GmbH im Werk Mainkur bei Frankfurt-Fechenheim

Epilog

Diese auf meinen Recherchen als StadtteilHistoriker in Frankfurt bis zum April 2018 und den unten aufgeführten Quellen basierende Zusammenfassung, soll einen kleinen Überblick über die Firma Mayfarth und seinen jüdischen Unternehmern allen voran Samuel und Leo Moser bieten.
Die komplette Historie des ehemaligen Landmaschinenunternehmes Philipp Mayfarth & Co. im Deutschen Reich als auch in Europa und dem Wirken der jüdischen Inhaberfamilie Moser über 64 Jahre in zwei Generationen hinweg, soll noch eine umfangreichere Publikation von mir folgen. Darin wird z.B. auch auf die Nachfolgeunternehmen und die Abspaltung des ehemaligen Montagegebäudes an der Orber Straße 4 von der Maschinenfabrik ab 1939 und deren weitere Nutzung bis heute Einzug finden.

Quellennachweis:

[i]               Inst. für Stadtgeschichte Frankfurt, Sig.: 5.034 „Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Firma Ph. Mayfarth & Co. 1922“
[ii]              Inst. für Stadtgeschichte Frankfurt, Akte: IHK Ffm 16 Aussage von Ludwig von Rösler Prof. an der Großherzoglichen Hochschule Darmstadt über Gußerzeugnisse der Firma Mayfarth
[iii]              Inst. für Stadtgeschichte Frankfurt, Sig.: 6.433 Schulamt Akte und Frankfurter Israelitisches Gemeindeblatt Jg.8. 1919/30, Nr.11, S.435f
[iv]              Bishopsgate Institute London, Londoner Adressbücher von 1909 bis 1913, 81 Bunhill row EC
[v]              Feuerwehrgeschichts- und Museumsverein Frankfurt am Main e.V. Herr Keine, Notiz von 1893 aus der Feuerwehr-Fachzeitschrift "Mittheilungen für den Feuerwehr-Verband des Reg.-Bez. Wiesbaden"
[vi]              Inst. für Stadtgeschichte Frankfurt, Sig.: S1/154 Nr. 5 Bl. 31 bis 36 Fotographien der Firma J. S. Fries Sohn
[vii]             Inst. für Stadtgeschichte Frankfurt, Sig.: 557 Magistratsbeschluß 2776
[viii]             Institut für Agrartechnik - Universität Hohenheim, Arisierungsschreiben der Maschinenfabrik vorm. Ph. Mayfarth & Co. GmbH vom 24. Januar 1936
[ix]            Gedenkstätte Konzentrationslager Buchenwald, Liste der sogenannten Aktions-Juden
[x]              Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Akte: Abt. 518 Nr. 16859 und Abt. 519/3 Nr. 27762 sowie Nr. 4857, Restitutionsakten von Leo Moser
[xi]              Wirtschaftsarchiv Darmstadt, Sig.: HF1145 Geschäftsbericht der FMA über das Jahr 1938
[xii]              Bundesarchiv, Militärarchiv Freiburg, Sig.: RW 21-19/2 Anlagenband Nr.1 zum Kriegstagebuch Nr. 1 des Kommando des Rüstungsbereich Frankfurt
[xiii]             Wirtschaftsarchiv Darmstadt, Sig.:HF1145 Geschäftsbericht der FMA über das Jahr 1945
[xiv]            Wirtschaftsarchiv Darmstadt, Sig.:HF1145 Geschäftsberichte der FMA aus den 1950er Jahren
[xv]            Inst. für Stadtgeschichte Frankfurt, Sig.: S3/R 2.084 Zeitungsartikel über das Werk Mayfarth

Kommentar

von Jens-Holger Jensen | 29.04.2018 | 10:48 Uhr
Lieber Herr Ludßuweit,

nach der Open-Air-Ausstellung an der Frankfurter Hauptwache legen Sie mit diesem L.I.S.A.-Beitrag einen weiteren Nachweis für ihre akribische Arbeitsweise vor. Ich gratuliere Ihnen zu diesem sehr interessanten und erhellenden Beitrag und erwarte mit großer Neugierde auf die bereits avisierte Publikation.

Jens-Holger Jensen, Frankfurt am Main

Kommentar

von Angelika Schreiber | 16.05.2018 | 20:01 Uhr
Lieber Herr Ludßuweit,

gerade habe ich Ihren Beitrag mit großem Interesse gelesen. Gratulation! Was so eine "verschüttete" Firmengeschichte beim Graben und Schürfen in Fakten doch alles hergibt. Sehr interessant!

Angelika Schreiber, Frankfurt am Main

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