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Birgit Marzinka | 10/12/2011 | 1250 Views | Announcements

Das Bild des Islam in Bildungsmedien

In dieser Ausgabe unseres LaG-Magazins befassen wir uns mit Bildern vom Islam in Bildungsmedien und in der Schule. Diese Thematik ist nicht nur eine des historischen Lernens. Die bundesdeutsche Gesellschaft hat einen anhaltenden Nachholbedarf in der notwendigen Entwicklung zu einer Offenheit und Anerkennung ihrer Minderheiten und der Zugewanderten. Dieser Umstand schlägt sich bei Debatten um und über den Islam auch auf dem pädagogischen Feld deutlich nieder.

Im Zusammenhang mit Repräsentationsformen des Islam in Bildungsmedien wäre auch ein selbstkritischer und –reflexiver Umgang der sogenannten Mehrheitsgesellschaft notwendig. Hier ist eine Auseinandersetzung mit der These erforderlich, die darauf verweist, dass die deutsche Vereinigung unter anderem auf Kosten der eingewanderten (oder seit langem hier lebenden) Minderheiten vollzogen wurde, wie z.B. von Nevim Çil in dem Sammelband "Crossover Geschichte" gut nachvollziehbar diskutiert wird. In diesem Diskussionszusammenhang wird auch deutlich, dass häufig die fehlende gesellschaftliche Anerkennung sowie rechtsextreme, teils bis in die gesellschaftliche Mitte reichende Gewaltprozesse,  Rückzüge von Migrant/innen auf die Religion zumindest mit ausgelöst haben. Aus Zugewanderten wurden in der öffentlichen Wahrnehmung Muslime. Die mehrheitsgesellschaftliche Wahrnehmung des Islam und der Muslime infolge der Bedrohung eines weltweiten islamistischen Terrorismus verschärften diese Entwicklung.

Bei der Durchsicht der vorgestellten Bildungsmedien zum Islam haben wir uns bemüht für diese Ausgabe ein besonderes Augenmerk auf vereinfachende und homogenisierende Darstellungen des Islam zu werfen und Bilder, die den Islam als grundsätzliches Anderes darstellen zu problematisieren.
Wir freuen uns, dass es möglich war, den Schwerpunkt des Magazins durch eine Zusammenarbeit mit dem Projekt „1001 Idee für den Unterricht über muslimische Kultur und Geschichte(n)“ des Georg Eckert Instituts für internationale Schulbuchforschung zu realisieren. Daher stammen drei der vier externen Beiträge von Autorinnen aus dem genannten Projekt. „1001 Idee“ wurde als Projekt in diesem Jahr abgeschlossen, die Webseite (www.1001-idee.eu) bietet nachhaltig eine Vielzahl von Materialien an.
Einleitend beschreibt die Religionshistorikerin Gerdien Jonkers die Wahrnehmung von Muslimen in zeitgenössischen Schulbüchern und zeigt einen möglichen Ausweg aus der Produktion von Selbst- und Fremdbildern auf.

Die Islam- und Politikwissenschaftlerin Inse Böhmig stellt in ihrem Aufsatz prägnant die Ziele von „1001 Idee“ dar und gibt uns eine überblicksartige Darstellung zu den damit verknüpften Unterrichtsmodulen.

Wie können aktuelle gesellschaftliche Debatten über Moscheebauten mit historischem Lernen verknüpft werden? Darauf verweist der Beitrag der Erziehungs- und Islamwissenschaftlerin Felicitas Klingler.
Unser Dank gebührt auch Matthias Schwerendt, Berliner Mitarbeiter im Schulnetzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Sein pointierter Beitrag diskutiert die gesellschaftliche Wahrnehmung des Islam und die fehlende Anerkennung, die Minderheiten erfahren.

Zum LaG-Magazin Nr. 09/2011

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