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Franca Buss | 28.05.2020 | 2098 Aufrufe | Artikel

Ansteckende Bilder. Visuelles Angstmanagement in der aktuellen Berichterstattung zu Covid-19

Ein Beitrag von Franca Buss und Philipp Müller


Im Nachdenken über die Covid-19-Berichterstattung wird noch zu selten über Bilder gesprochen. Dabei nehmen sie als Übertragungsmedien der Angst wichtige Funktionen im öffentlich praktizierten Affektmanagement ein und könnten so auch ernstzunehmende Größen in der faktischen Virusverbreitung und -eindämmung sein. In den Fokus rücken damit auch kunsthistorische Blicke und bildwissenschaftliche Perspektiven.  

 

Angesichts der pandemischen Bedrohung durch die Atemwegserkrankung Covid-19 aus der Klasse der Corona-Viren haben zuletzt vor allem männliche Politiker aus militärstolzen Staaten martialische Bilder aufgerufen, um sich als potente politische Akteure im ‚Kampf gegen das Virus‘ zu profilieren und sich als affekteinsammelnde Identifikationsfiguren für eine Strategie moralischer und sozialer Ent- und Geschlossenheit zu bewerben: „Wir sind im Krieg“, bekräftigte etwa der französische Präsident Emmanuel Macron mehrfach während seiner Ansprache an die Bürger*innen Frankreichs am 16.03.2020. Mit dieser eindringlichen Wiederholung stellte er seine Zuschauer*innen vor die schwierige Herausforderung, seiner darauffolgenden Bitte Folge zu leisten: „Ich bitte Sie, zu Hause zu bleiben, aber ich bitte Sie auch, Ruhe zu bewahren."[1]

In der Verkündung eines Krieges und der gleichzeitigen Mahnung reflexiver Besonnenheit schimmert indes eine dilemmatisch erscheinende Kommunikationsaufgabe durch, die Bevölkerung zu motivieren, die drastischen Maßnahmen der Regierung mitzutragen und die massiven Einschränkungen freiheitlicher Grundrechte freiwillig vorzunehmen, kurz: „der Bevölkerung den Ernst der Lage nahezubringen, ohne Panik zu machen.“[2] Die wichtige Ausbalancierung dieses dynamischen Verhältnisses von einer reflexhaften Affiziertheit und der Reflexion des Affiziertseins ließe sich in der Pandemie als zwar persönliches Angstmanagement beschreiben, das aber doch im Besonderen von der medialen Berichterstattung in Wort und Bild geprägt ist.

"Es wird noch zu selten nach der Funktion von Bildern für die öffentliche Meinungsbildung in ‚Zeiten von Corona‘ gefragt"

Ohne Zweifel nehmen Sprache und Bilder im Pandemiegeschehen eine wichtige Rolle ein, indem sie nicht nur Ängste schüren, sondern ebenso ein gesellschaftliches und politisches Verantwortungsgefühl stärken können. „So wichtig wie saubere Hände sind jetzt seriöse Debatten“ [3]: Während bereits vielfach darüber diskutiert wird, „[w]as Worte bewirken“ und wie gewichtig sie in massen- und sozialmedialen Kommunikationskontexten sein können, wird noch zu selten nach der Funktion von Bildern für die öffentliche Meinungsbildung in ‚Zeiten von Corona‘ gefragt.[4]

Dabei kommunizieren in der Berichterstattung über das Virus unaufhörlich Bilder mit Bildern und erschaffen so ein visuelles, auf einem Affektpostament wackelndes Informationsgerüst, an das sich die Menschen trotz seiner akuten Einsturzgefahr offenbar klammern wollen. Gerade weil die sprachliche Mittelbarkeit faktischer (Un-)Gewissheiten zum Virus als Angstzentrum sich nicht nur als kompliziertes Transparenzproblem, sondern oft auch als fragil und kurzlebig, sogar widersprüchlich und desorientierend erweisen kann, da sich neue Erkenntnisse und Einschätzungen oft schnell zu überholen scheinen, wird die Suche nach Orientierung im unmittelbar erscheinenden Affektpotenzial der Bilder umso attraktiver. „Visualization is a powerful tool — it can help us more deeply understand the severity of the situation as we work to curb the virus“, stellt die Kunsthistorikern Sarah Elizabeth Lewis fest.[5]

Es stellt sich somit die Frage, ob es bestimmten Bildern im Kontext der Pandemie gelingt, zu einem tendenziellen Gleichgewicht zwischen Angst als arglose Panik und Angst als vorsichtige Zurückhaltung beizutragen? Können sie, indem sie auf verdichtete Weise unsichtbare Prozesse der Ansteckung partiell sichtbar zu machen versuchen, gewisse Ängste nicht nur wirkungsästhetisch reproduzieren, verstetigen oder steigern, sondern auch bannen und medial einhegen?

Ambivalente Angstfunktionen als journalistische Herausforderung

"'Vorsicht – aber keine Panik' bzw. eine 'wohldosierte Panikmache' lauten die heiklen Devisen eines verantwortungsvollen Journalismus in Zeiten der Corona-Krise"

„Nichts ist ansteckender als die Angst“ – diese Feststellung ist zuletzt vielerorts, meist in Gesprächen mit Psycholog*innen, getroffen worden.[6] Damit wird deutlich, dass die körperliche Bedrohung durch das Virus nur eine von mehreren Konkretisierungsformen von Ansteckungsängsten ist.

Gesellschaftlich trägt Angst grundsätzlich wichtige Affektregulierungsfunktionen, doch zeichnet sie sich dabei stets durch eine problematische, teils dilemmatische Ambivalenz aus: Sie kann zu besorgniserregendem Egoismus führen, der seinen Ausdruck etwa in den schon früh aufgetretenen Hamsterkäufen fand; sie kann aber auch zu gesellschaftlicher Solidarisierung aufrufen, wie es sich in diversen Hilfsaktionen zeigte. Gerade weil die körperliche Ansteckungsgefahr vom Verhalten der Menschen abhängt und dieses wiederum vom Umgang mit der Angst als ambivalente Affektinstanz, ist ein verantwortungsvolles medienbasiertes Angstmanagement, das eine Balance zwischen mobilisierender Sorge und lähmender Panik suchen sollte, [7] von großer Bedeutung.

In der Differenzierung und Ausbalancierung dieser Pole liegen sowohl die privaten, aber vor allem die politischen, publizistischen und bildwissenschaftlichen Herausforderungen: Einerseits braucht es Informationen, denn Ungewissheiten schüren Angst;[8] andererseits ist es ebenso „die Aufgabe der Medien, uns ein bisschen Angst zu machen“[9], denn ohne die Angst vor dem Virus, das stets einen selbst treffen könnte, wird niemand sein Handeln ändern.[10] Dass auch sachliche Berichterstattung aus aufmerksamkeitsökonomischen Gründen affektorientiert sein muss, birgt stets die Gefahr, auch unbeabsichtigt, unangebrachte Panik zu befördern.[11] „Vorsicht – aber keine Panik“[12] bzw. eine „[w]ohldosierte Panikmache“[13] lauten deswegen die heiklen Devisen eines verantwortungsvollen Journalismus in Zeiten der Corona-Krise.

Bilderbegehren: Zwischen Affizierungsbedürfnis und Überwältigungsbefürchtung

Wenn wir uns tatsächlich in einer „Zeit der Angst“ befinden, wie die Süddeutsche Zeitung am 27.03.20 epochal titelte, [14]  dann müssen wir nach ihren Verbreitungswegen und Repräsentationsformen suchen, um sie in ihren ambivalenten Bedeutungsformen kennenzulernen und um einen differenzierten und distanzierten Umgang mit ihr finden zu können. Hierbei übernehmen Bilder bedeutende Funktionen, gerade weil sie vergleichbar wirkungsambivalent sind wie die Angst selbst.

„Niemand ist immun gegen Bilder“[15] – umso mehr stellt sich also im Kontext der Corona-Berichterstattung die Frage nach deren Einsatz- und Wirkungsmöglichkeiten als Übertragungsmedien der Angst mit affektivem Ansteckungspotenzial, das eine verstandeshemmende Nähe erzeugen kann, aber auch die Aussicht auf Immunisierung im Sinne einer rationalen Distanzierung bietet.

Einen eindrucksvollen Bericht über ein solches Ansteckungspotenzial von Bildern liefert der Kommentar des Fotografen Sergio Ramazzotti über eine seiner Fotografien für eine achtteilige Bilderstrecke, die am 30.03.20 im Spiegel erschien: Ein an Covid-19 erkrankter Mann liegt in einem Krankenhausbett im italienischen Bergamo. Sein Kopf befindet sich unter einer Plexiglaskuppel: „Jedes Mal, wenn ich dieses Bild ansehe“, kommentiert Ramazzotti, „habe ich das Gefühl selbst zu ersticken.“[16] (Abb. 1) Bereits drei Tage zuvor erschien ebenfalls im Spiegel ein Foto von Ramazzotti aus der Notaufnahme in Bergamo, auf dem gleich mehrere Erkrankte unter den transparenten Beatmungshauben schwer atmend um ihr Leben kämpften. (Abb. 2)

"Aber selbst wenn man sich von der Konfrontation mit dem Worst-Case-Szenario eine ‚heilsame‘ Wirkung erhofft, darf man nicht vergessen, dass die gezielte Angstmache fatale Auswirkungen haben kann, so dass sich immer auch die Frage nach dem 'Exit aus der Angst' stellt."

Der Anblick der um Luft ringenden Menschen fordert zum aktiven Mitleiden auf, das sich von einer symbolischen Einfühlungsgeste zur psychophysischen Panik vor der eigenen körperlichen Ansteckung steigern kann und damit stellvertretend zeigt, welche bedeutsame Rolle zwischen solidarischer Nähe und selbstschützender Distanz Bilder im Infektionsgeschehen einnehmen können. Gleichwohl gilt es, sich immer auch die ethische Janusköpfigkeit des Betrachtens von Bildern des faktischen Leidens anderer ebenso wie die Äußerung der eigenen körperlichen Affiziertheit zwischen ernstem Mitgefühl und selbstzentrierter Vitalitätsbestätigung vor Augen zu führen – das gilt insbesondere für Bilder, die uns nah rücken und jene Differenz zwischen uns in Sicherheit und den Patient*innen in Not affektiv zu überbrücken scheinen, die unseren Rezeptionsakt moralisch fragwürdig erscheinen lässt.

In Bezug auf die Frage, ob die Gefahr des Virus noch immer unterschätzt werde, wies der Sozialwissenschaftler Martin Voss, Leiter der Katastrophenforschungsstelle (KFS) in Berlin, Ende April auf die bedeutende Rolle von Bildern in Krisensituationen hin: „Es fehlen bei der Corona-Pandemie die zerstörerischen Bilder und die sofort sichtbaren großen Opferzahlen, die verwundeten Menschen und zerstörten Häuser.“[17] Mit Blick auf die affizierende Kraft bedauert auch die Kunsthistorikerin Sarah Elizabeth Lewis noch Ende Mai den geringen Einsatz drastischer Bilder von Corona-Toten in der Berichterstattung als Pandemiebekämpfung: „For society to respond in ways commensurate with the importance of this pandemic, we have to see it. For us to be transformed by it, it has to penetrate our hearts as well as our minds."[18]

Es scheint also nicht nur so zu sein, dass „sich all die Einsamen und Depressiven in ihrer häuslichen Isolation eben ›schlechter bebildern‹ ließen als das Sterben auf Intensivstationen“, wie Jakob Augstein in der Talkrunde bei Sandra Maischberger zu bedenken gab, „als sei es ein unfairer medialer Vorteil des Todes, dass er den Leuten Angst macht";[19] gerade Bilder menschlicher Kraftlosigkeit können eine starke affektive Wirkungskraft besitzen und im Pandemiegeschehen dabei helfen, die anfangs noch abstrakt wahrgenommene und potentiell unterschätzte Gefahr des Virus zu einer konkreten Bedrohung werden zu lassen.

Eine vergleichbare Bildnutzungsidee legt auch ein internes Strategiepapier des Innenministeriums nahe, das von dem gemeinnützigen Portal für Informationsfreiheit FragDenStaat geleakt wurde und einen gefährlichen Umschlagpunkt von geplanten Einsätzen drastischer Bilder umkreist, wenn im Text dafür plädiert wird, der Bevölkerung gezielt Angst zu machen, um eine „Schockwirkung“ zu erzielen.[20] Dass in dem Dokument das Ersticken als eine „Urangst“ auftaucht und mit den „verstörenden Bildern“[21] aus Italien assoziiert wird, betont einmal mehr die Dringlichkeit des Nachdenkens über den Einsatz von Bildern in der Krisenkommunikation.

Letztlich müssen etwa Kausalschlüsse, wie sie Lenz Jacobsen aus dem Begehren nach harten Leidensbildern heraus formulierte, relativierend hinterfragt werden: „Dass es so wenige Fotos vom Leid der Corona-Opfer gibt, trägt dazu bei, dass die Gefahr der Pandemie, ihre körperliche Gewalt, unterschätzt wird.“[22]Denn selbst wenn man sich von der Konfrontation mit dem Worst-Case-Szenario eine ‚heilsame‘ Wirkung[23] erhofft, darf man nicht vergessen, dass die gezielte Angstmache fatale Auswirkungen für die persönliche Alltagsbewältigung und das soziale Miteinander haben kann, so dass sich immer auch die Frage nach dem „Exit aus der Angst“ stellt.[24]

Gerade ansteckende Bilder wie jene aus Bergamo, die dem Betrachter-Fotografen Sergio Ramazzotti selbst das ‚Atmen erschweren‘, sind, so ließe sich mit Kathrin Busch sagen, „verführerisch in der affektiven Intensität [wie] verhängnisvoll in der angeblichen Beeinträchtigung des Reflexionsvermögens.“[25] Damit aber die Affizierungskräfte nicht vorschnell zum „Ende der Distanz als unhintergehbarer Voraussetzung jeglicher Kritikmöglichkeit“[26] erklärt werden, müssen die Bilder auf die Entstehungsbedingungen ihrer Wirkungen untersucht werden. Die Angst vor Überwältigung durch affektstarke Bilder korrespondiert mit einem Begehren nach ihnen, nach ihrer scheinbaren Unmittelbarkeit, die Evidenz und Wahrheit verheißt – obwohl ihnen unter den technischen Voraussetzungen problemloser postproduktiver Bildbearbeitung stets der Verdacht der Wirklichkeitsverzerrung anhaften könnte.[27] Als Informationsverdichtungsobjekte erscheinen die Bilder zudem prädestiniert für reduktionslogische Deutungen zur Befriedigung der eigenen Erregungsbedürfnisse.

Ebenso wie in der Balance zwischen der panischen und vernünftigen Komponente der Angst liegen hierin die methodische Schwierigkeit und zugleich die epistemische Qualität der Analyse von Bildern in der Berichterstattung zu Covid-19. Auch wenn die Affizierungsvorgänge durch Bilder als Übertragungsmedien der Angst unmittelbar erscheinen, so sind sie doch stets kulturell bedingt und immer auf Deutung und Kontextualisierung angewiesen,  die eine reflexive Distanz anvisieren.

Die Bilder aus Bergamo machen letztlich nur einen kleinen Teil des Bildrepertoires der Pandemieberichterstattung aus und gewinnen so potentiell an Bedeutung. Die Gründe hierfür sind durchaus naheliegend: Dass der „Lockdown auch die Sterbenden einschließt“ verstärkt produktionslogisch die ästhetische Herausforderung, die langwierige Prozesshaftigkeit der globalen Viruskrise und des individuellen Krankheitsverlaufs einzufangen, die schwieriger bildlich zu zeitigen ist als etwa der Todesschuss eines Kriegs- oder Terrorereignisses. Doch gerade diese Sonderstellung bzw. dieser „Bildermangel“ an Leid, Zerstörung und Tod muss nicht zwangsläufig zu einer vehementen Einforderung ebensolcher Szenen führen, sondern rückt gerade andere Fotos in den Vordergrund, deren Betrachtung hilfreich für den Umgang mit der Pandemie sein kann und um die es im Folgenden gehen wird:[28]Welche Bilder aber adressieren vernünftiges Handeln und wie tragen sie potentiell dazu bei, aus der Pandemie keine „Panmedie“[29] zu machen? Welche Bilder spielen mit der Unterhaltungslust und Sensationsgier ihrer Zuschauer*innen und scheinen dabei im Zeichen einer vielfach beschworenen „Infodemie“[30] ihre tatsächliche Aufgabe sachlicher Informationsvermittlung zu vernachlässigen? [31]

Ästhetische Einhegung? Gesichter des „unsichtbaren Feindes“

"Die Unsichtbarkeitspotenzen des Virus können Ängste durchaus steigern, indem sie sich mit den negativen Effekten informationeller Ungewissheiten verbinden."

Nicht nur das Virus selbst und seine Übertragungswege folgen einem Unsichtbarkeitsparadigma, sondern auch erfolgte Infektionen können symptomfrei verlaufen, sich so der Sichtbarkeit entziehen und eine präventive Erkennung von Ansteckungsgefahren extrem erschweren. Diese Unsichtbarkeitspotenzen des Virus können Ängste durchaus steigern, indem sie sich mit den negativen Effekten informationeller Ungewissheiten verbinden. Hinzu kommt, dass auch das eigene vernünftige Handeln in Form der Isolierung als Eindämmungsmaßnahme eine längere ‚Inkubationszeit‘ hat: Ob die Infektionszahlen sinken, wird erst längere Zeit nach dem Handeln sichtbar.[32] So lässt sich während des Beschließens von Maßnahmen zum Schutz aller nur schwer Aussage über die Legitimität von deren Radikalität treffen. Die Affektkorrespondenzen von Ungewissheiten und Unsichtbarkeiten machen das Umdenken – je radikaler und schmerzhafter wir unsere Freiheiten beschränken, desto schneller erhalten alle die Freiheiten wieder zurück – sehr schwierig.

Vielfach versuchte man die faktischen Ungewissheiten reduktionslogisch zu kompensieren, indem man das Virus als Gegner und den ‚Krieg‘ so symmetrisch wie möglich zu skizzieren versuchte. Wegen der Unsichtbarkeiten des viralen Krankheitserregers und seiner Übertragungswege aber konnte man sich auch nur auf einen, wie es u.a. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenburg formuliert hatte, „gemeinsamen Kampf gegen einen unsichtbaren Feind" [33] berufen. Hierdurch erklärt sich einmal mehr das starke Begehren von affektorientierten Bildern mit dem Versprechen der medialen Angsteinhegung, indem man ihnen unterstellt, die Unsichtbarkeit des Krankheitserregers und seiner Übertragungswege über seine verschiedenen Effekte auf ‚unseren‘ Alltag selbst visualisieren und damit dem „unsichtbaren Feind“ erkennbare Gesichter geben zu können.

Auffällig sind die vor allem zu Anfang der Pandemie zahlreich kursierenden Fotografien nahezu restlos menschenleerer öffentlicher Plätze, deren Außenwirkung für gewöhnlich gerade darin besteht, mit Menschen gefüllt und Orte des Lebens zu sein.[34] Einerseits zeigt die sichtbare Leere als Alltagseffekt des „unsichtbaren Feindes“, der das Leben aus der Öffentlichkeit vertreibt, dass die Menschen die vorgegebenen Maßnahmen einhalten, die Vernunftappelle aufnehmen und verantwortungsvoll handeln: Ratio. Andererseits erinnert sie immer wieder an den Ausnahmezustand, reproduziert und steigert das imaginäre Potenzial der ‚feindlichen‘ Unsichtbarkeit als Figur der Negation alltäglichen Lebens: Affektsteigerung. (Abb. 3-6)

Eine irritierende Wirkung entfalten die Bilder leerer Plätze außerdem, weil der Effekt des „unsichtbaren Feindes“ nicht von dem Effekt vernünftigen Handelns zu unterscheiden ist. Denn entgegen der eigentlichen Vorstellung vernünftigen Handelns im Sinne von friedlichen Kontakten mit anderen, einem harmonischen Miteinander im öffentlichen Raum auf ebendiesen nun gespenstisch seelenlos wirkenden entleerten Plätzen, bedeutet Vernunft hier eine Inversion ihrer selbst. Kontaktlosigkeit gilt momentan als vernünftiges Handeln und kann ebenso befremden wie der Anblick leerer Plätze, die zwar vom Einhalten der Maßnahmen, aber eben auch von der gewaltsamen Verdrängung des Menschen und dessen Freiheitsbeschneidung erzählen. Doch physische Abstandnahme ist nicht zwangsläufig mit reflexiver Distanz gleichzusetzen, sondern kann auch ein Resultat drastischer Imaginationen sein, die gerade durch Figuren der Negation, durch Bilder entleerter Räume als Projektionsplätze kollektiver Kontaktängste hervorgerufen werden können. So bilden durchaus auch Bilder vernünftigen Handelns Emphasen der Affizierungskräfte des „unsichtbaren Feindes“.

Gerade auch die mediale Sichtbarwerdung der Absenz von Dingen, die im ‚Normalzustand‘ in ihrer Gewöhnlichkeit unauffällig bleiben und in privilegierten Gesellschaften, in denen z.B. Lebensmittelknappheit oder Unterversorgung mit Hygieneartikeln keine alltäglichen Probleme darstellen, einer eigenartigen Unsichtbarkeit anheimfallen, wird zum visuellen Signal unvernünftigen Handelns. Konsumegoismus mag zwar selbst ‚nur‘ eine Art Ersatzhandlung darstellen, kann aber durchaus gefährliche Züge annehmen, wenn er weitere Hamsterkäufe rechtfertigt. So kritisiert  Laurie Penny zu Recht: „if you can’t trust other people to share, selfish behavior makes emotional sense even when selfish behavior is also irrational and actively dangerous.“[35]

Wie wichtig ein gemeinschaftliches Denken im Pandemie-Alltag ist, zeigt sich auch über die Unsichtbarkeitsparadigmen entleerter Supermarktregale. Insbesondere die Abwesenheit von Lebensmitteln und Hygieneartikeln hebt ihre Bedeutung nicht nur als Waren, sondern als im ‚normalen‘ Alltag unauffällige Marker der eigenen Privilegien hervor, oder anders formuliert: Die Absenz dieser Dinge stellt heraus, dass sie unter gewöhnlichen Umständen wichtige Gegenstände der Erhaltung sozialen Friedens sind. (Abb. 7)

Abb.7: Wolfgang Kumm, Leere Regale in Berliner Großmarkt, Fotografie, 16.03.20, publiziert am 18.03.20 auf: https://taz.de/Leere-Regale-in-Supermaerkten/!5668902/ (Zugriff am 13.05.20).

Beispielsweise kursierte Anfang März – zunächst in den sozialen Medien, dann schnell auch auf vielen Online-Nachrichtenseiten – ein Handyvideo, das drei Frauen bei einer wilden Prügelei um eine Packung Toilettenpapier in einem Supermarkt in Sydney festhält. [36] Gefilmt wurde es vermutlich von einer anderen Kundin oder einem anderen Kunden. Schließlich ruft ein Mitarbeiter am Ende des Clips die Polizei. Schon die Entscheidung der filmenden Person, ein Video aufzunehmen muss ethisch in Frage gestellt werden. Selbstverständlich ist das aggressive Verhalten und die körperliche Gewalt der Akteurinnen zu verurteilen, doch rechtfertigt das keineswegs die Produktion eines Clips, der durch die deutliche Identifizierbarkeit der Personen und die Kontextarmut des Handlungsausschnitts eher Funktionen des Anprangerns als des Aufklärens erfüllt. Spätestens aber der Akt des Teilens, der das Objekt letztlich den dekontextualisierenden Eigendynamiken des globalen Netzes überlässt, kann nicht mehrt legitimiert werden.

Die Leerstellen des öffentlichen Lebens mit ihren imaginären Ladungen, die die Vorstellungswelten der Zerstörungskraft des Virus durchzucken, entfalten ihre ambivalenten Affizierungskräfte wiederum auch in Bildern voraussichtigen Handelns und vernünftiger Vorkehrungen, besieht man sich etwa die zahlreichen Fotos von Mehrzweckhallen, die zu Lazaretten umfunktioniert wurden und noch lauter leere Betten vorzeigen. (Abb. 8)

Abb. 8: Thomas Frey, Leere Sporthalle in Koblenz mit Feldbetten, Fotografie, 2020, publiziert am 23.03.20 auf: https://www.welt.de/gesundheit/plus206665229/Coronavirus-So-ernst-ist-die-Lage.html (Zugriff am 13.05.20).

Diese Bilder des Vorbereitet-Seins können gerade deswegen Angst erzeugen, weil die Leere der Betten in Wirkungseinheit mit der affektiven Kraft des Bildes selbst vermittelt, dass sie noch gefüllt werden, wenn das Virus kommt und es Kranke und Tote geben wird. Vor allem Fotos mit Feldbetten sind nicht um ihre Kriegssymbolik zu bringen; sie werden zu beunruhigenden Anzeigern eines imaginativ vollendeten Futurs. Dabei ist die Leere nicht nur räumlich, sondern vor allem auch zeitlich und akustisch zu verstehen. Das Warten in der stillen Halle auf so viele Kranke wie Krankenliegen gleicht der sprichwörtlichen ‚Ruhe vor dem Sturm‘ als reizökonomischer Katalysator der enormen Affektwirkung des Bildes; die leeren Betten evozieren ein Warten als dunkle Vorahnung der einbrechenden Gefahr: Die Potenzialität des Grauens durch das bedrohliche Virus steht in Wechselwirkung mit der affektgeladenen Potenzialität des Bildes leerer Betten.

Virus, Krieg, Terror: Entfesselte Metaphern

Angesichts der sozialen Isolation, der Trennung von Familie und Freund*innen, der langen Schlangen vor dem und der leeren Regale im Supermarkt, der Bilder von ausgehobenen Massengräbern auf Hart Island in New York sowie von Militärkonvois in Bergamo, die Leichen abtransportieren und nicht zuletzt der Angst, beim Gang vor die Tür lebensbedrohlichen Kontakten ausgesetzt zu sein, fühlten sich manche Menschen an Krieg erinnert.[37](Abb. 9-10) Besonders Menschen aus der Generation der Kriegskinder brachten die aktuellen Einschränkungen im eigenen Alltag durch die Pandemie mit Erinnerungen an ihre Kindheit während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung.[38]

"Auch wenn Kriegsmetaphern mobilisieren können und die berechtigten Sorgen vieler Bürger*innen aufzugreifen scheinen, so ist ihre Anwendung vor allem dann fragwürdig, wenn deren Affektstärke vernünftiges Handeln hemmt, Panik verursacht oder schlicht zu aufmerksamkeitsökonomischen Zwecken genutzt wird – ob von Politiker*innen oder Journalist*innen."

Nicht zuletzt bezog sich auch Angela Merkel am 18.03.20 in einer ihrer wenigen Ansprachen an die Bevölkerung auf den Zweiten Weltkrieg, um die Ernsthaftigkeit der Lage und die Größe der Herausforderung deutlich zu machen, „bei der es so sehr auf unser gemeinsames Handeln ankommt.“[39] Mit Sicherheit wurden Merkels Worte bewusst zwischen affektiver Aufmerksamkeitserzeugung und distanzierter Sachlichkeit gewählt, denn „[d]er Zweite Weltkrieg ist in Europa der Referenzrahmen für die Krise schlechthin. Es ist die Wunde Europas. Daher muss man diese Referenz nur antippen und die Leute sind aufgeschreckt.“[40]

Problematisch ist indes die Rede in den Medien vom „Arbeiten an der Corona-Front“ bzw. von allerhand Frontlinien, da sie ein entgrenztes ‚Kriegsgebiet‘ des Alltags aller skizziert, in dem schlichtweg überall Gefahren lauern – selbst wenn es in vielen Beiträgen mit Kriegsmetaphorik gerade darum geht, die Arbeit der „Helden des Alltags“ wertzuschätzen.[41] Auch wenn Kriegsmetaphern mobilisieren können und die berechtigten Sorgen vieler Bürger*innen aufzugreifen scheinen, so ist ihre Anwendung vor allem dann fragwürdig, wenn deren Affektstärke vernünftiges Handeln hemmt, Panik verursacht oder schlicht zu aufmerksamkeitsökonomischen Zwecken genutzt wird – ob von Politiker*innen oder Journalist*innen. [42] Insbesondere Emanuel Macron und Donald Trump sind für ihre ‚Kriegserklärungen‘ in den deutschen Medien vielfach kritisiert worden.[43]

Bilder von den drakonischen Maßnahmen zur Einhaltung der Corona-Regeln, wie beispielsweise patrouillierende Polizist*innen auf der Straße und im Park, zeigen schließlich auch die Grenzen einer Mobilisierung durch den Vergleich von Krieg und Pandemiegeschehen (Abb. 11). Mag in der Polizeipräsenz ein Sicherheitsversprechen liegen, so evoziert sie ebenso ein Unsicherheitsgefühl, da sie immer auch als Maßnahme zur Bekämpfung einer gesteigerten Bedrohung zu verstehen ist. Die Bilder von Kontrollen in den Parks und Innenstädten stehen auch mit Bildern etwa aus Mailand in Verbindung, auf denen schwerbewaffnete Militärs auf dem Domplatz patrouillieren (Abb. 12). Durch diese ‚Bildkommunikation‘ kann durchaus die Sorge entstehen, dass auch in der eigenen Stadt plötzlich an vielen Orten Schwerbewaffnete auftauchen. Ist zwar in einigen europäischen Großstädten nach vermehrten Terrorangriffen seit 2015 auf großen Plätzen in Innenstädten oder z.B. an U-Bahnhaltestellen generell mehr Militärpräsenz festzustellen, so kann dennoch nicht von einem sicherheitsverheißenden Gewohnheitsbild die Rede sein. Da unter normalen Umständen das Militär nicht ohne Weiteres polizeiliche Aufgaben in Innenstädten übernimmt, erfüllen Bilder von schwerbewaffneten Soldat*innen an belebten Alltagsorten in potenzierter Form die Unsicherheitswirkung verstärkter Polizeikontrollen in Parks.

Kriegsmetaphern verlassen mit der starken Präsenz von Polizei und Militär im Alltag nicht den Bereich des Symbolischen, sondern tragen es auch durch im Bildgedächtnis verankerte Kriegsfilmimaginationen emphatisch mit in die Alltagswahrnehmung; sie können Ängste nicht nur bei Menschen wachrufen, die Kriege faktisch durchleben mussten, sondern auch bei jenen, die Krieg in vielfachen Bildvarianten fiktiv ‚erlebt‘ haben. Im Gebrauch von Kriegsmetaphern mutiert der ‚Krieg gegen das Virus‘ zu einem verwirrenden, aufwühlenden Imaginarium, das Fakt und Fiktion konvergieren lassen kann.

Vor allem der Einsatz militärtechnischer Objekte wie Drohnen, die öffentliche Räume überwachen, Menschen über eine Sprachausgabe an den Lockdown erinnern, zur Einhaltung der Isolations- und Kontaktbeschränkungsmaßnahmen mahnen, Desinfektionsmittel versprühen oder Kranke beliefern, suggerieren einen Ausnahme- oder Kriegszustand, der sich mit horrorfilmischen Phantasmen verknüpfen und Angst bereiten kann. (Abb. 13)

Abb. 13: Gianmarco Maraviglia, Carabinieri mit Drohne, Fotografie, publiziert am 12.05.20 auf: https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/drohnen-gegen-corona-hilfe-von-oben-a-00000000-0002-0001-0000-000170816335 (Zugriff am 13.05.20).

 

Wie nah Mobilisierung und Angststeigerung beieinander liegen, zeigten schließlich auch Bilder der Virusbekämpfung, die uns insbesondere aus China erreichten (Abb. 14-15). Während die fotografische Darstellung des ferngesteuerten Desinfektionspanzers nicht nur den bevorstehenden ‚Kampf‘ visualisiert, sondern diesen gleichzeitig wie ein ernstes Spiel aussehen lässt, wirkt auch die auf die Betrachtenden gerichtete Fieberpistole nicht allein bedrohlich; sie ruft zugleich James Montgomery Flaggs berühmtes Rekrutierungsplakat mit Uncle Sam ins Gedächtnis, mit dem die soldatische Verpflichtung im Ersten Weltkrieg als patriotischer Akt beworben werden sollte. Tatsächlich wurde auch an anderer Stelle auf Uncle Sam zurückgegriffen. So zeigen einige Plakate seine Person mit Atemschutzmaske, Europaflagge und der umgewandelten Bildunterschrift: „I want you to stay home.“ Die Bildaussage ist deutlich: Im ‚Kampf gegen Corona‘ braucht es jeden Einzelnen, der Verlauf der Pandemie hängt vom vernünftigen Handeln aller ab.(Abb. 16) [44] Auf dem Foto mit der Fieberpistole adressiert uns der Lauf der Waffe frontal und direkt. Obwohl wir durch das Bild des Messgeräts nicht als Mitglieder des Militärs angeworben werden, so formuliert doch gerade die Pistolenform eine aggressive Forderung, den eigenen Körper im Blick zu behalten, um im ‚Kampf gegen das Virus‘ zu bestehen. Perspektivisch nehmen wir als Betrachtende eine Stellvertreter*innenposition aller jener ein, die in vielen anderen Fotos von Körperkontrollsituationen zur Sichtbarkeit kommen – Fotos, die insbesondere dann irritieren und bedrücken, wenn sie nicht nur an Erschießungs- oder Bedrohungsszenen aus der fiktiven Film- oder dokumentarischen Kriegsfotogeschichte erinnern, sondern auch biopolitische Überwachungs- oder Kontrollphantasmen wachrufen. Ob an Ländergrenzen oder in Einkaufszentren (Abb. 17) – Fotos von Fiebermessungen, die an vielen verschiedenen Alltagsorten vorgenommen werden, enthalten die imaginationsstarke Potenzialität von Körperkontrollbildern: Jede und jeder könnte eine, wenn auch möglicherweise zur Eindämmung des Virus notwendige, doch fremdbestimmte Kontrolle durchlaufen müssen. So werden wir, wiederum auf dem Foto, auf dem wir aus der Ego-Perspektive in den Lauf der Fieberpistole blicken, zu Stellvertreter*innen nicht nur der Kontrollierten, sondern all jener, die auch noch in Zukunft kontrolliert werden könnten.

All diese Bekämpfungsbilder sind gleichwohl als mediale Symmetrisierungsversuche des Konfliktes zwischen Mensch und Virus und somit als versuchte Angstbannung zu sehen, in denen ebenso das Angsterzeugungspotenzial unheimlicher Vorstellungen steckt, die ihre faktischen Vorläufer wiederum in diversen Kriegsszenarien finden.

Wie trügerisch die Sichtbarmachungsversuche eines praktisch nie symmetrischen Krieges gegen einen „unsichtbaren Feind“ sein können, demonstrieren indes auch Bilder, die gerade keine Bekämpfungsszenen zeigen und dennoch im Kontext eines Ausnahmezustandes stehen. So verdeutlicht beispielsweise die vergleichende Betrachtung des deutschen Filmemachers Alexander Kluge vom blauen Himmel in der Endphase des Zweiten Weltkriegs und dem Frühling von 2020 die Unmöglichkeit einer restlosen Sichtbarmachung des „unsichtbaren Feindes":

"[I]m exzessiven Frühling des März 1945 zeigten die Bombengeschwader ihre Kondensstreifen auf einem strahlend blauen Himmel. Der unsichtbare Gegner, mit dem wir es jetzt zu tun haben, ist nicht so sehr davon verschieden. Die Viren koexistieren in diesen Tagen mit einem ähnlich blauen Frühlingshimmel, wie er für den Frühling 1945 charakteristisch war.“ [45] 

"Fast erwartbar, müsste man nun sagen, erreichten die Welt schnell die ersten eskalationslogischen Vergleiche zu 9/11, als in New York die Todesrate drastisch anstieg."

Alles Sichtbare, so harmlos, friedlich oder schön es scheinen mag, kann während der Pandemie Zweifel erregen und auf das in ihm latent anwesende, nicht erkennbare, ubiquitäre Böse referieren. Die Außenwelt erscheint während der Pandemie insbesondere dann trügerisch, wenn sie uns friedlich und ungefährlich erscheint. Fragwürdig ist vor allem die politische Nutzbarmachung einer solchen von Kluge beschriebenen trügerischen Außenwelt, wenn sie etwa in Macrons affektorientierter Krisenpolitik ihren drastischen Widerhall findet: Der „Feind ist da, unsichtbar, nicht greifbar, auf dem Vormarsch. Und das erfordert unsere allgemeine Mobilisierung.“[46]

Soll die Figur des unsichtbaren Feindes, auch in globalem Umfang, alle gegen das Virus ‚in Stellung  bringen‘, so reproduziert und erzeugt doch gerade die Unsichtbarkeit des Feindes intensive Ängste – Ängste, die das Virus als überlegen, nicht erkennbar und nicht aufhaltbar markieren, Macrons Mobilisierungsaufruf vom Vernunft- zum Rüstungsappell mutieren lassen können und den politischen sowie journalistischen Umgang mit dem Virus wiederum in die Nähe von terroristischen, asymmetrischen Konflikten rücken. [47] 

Bereits Anfang der 1990er-Jahre vermutete Jean Baudrillard in seinem Essay Transparenz des Bösen, dass hoch infektiöse organische Strukturen, Wirtschaftskrisen, „elektronische Viren und Terrorismus irgendwie miteinander verwandt“[48] seien. Nach 9/11 wiederholte er schlagsatzartig seine These in Bezug auf den Massenmord in New York: „Der Terrorismus ist überall, wie die Viren.“[49] Fast erwartbar, müsste man nun sagen, erreichten die Welt schnell die ersten eskalationslogischen Vergleiche zu 9/11, als in New York die Todesrate drastisch anstieg. Der Krieg gegen das Virus meinte in diesem Sinn den Kampf gegen den Terror des unsichtbaren Feindes, der jederzeit und überall jede und jeden treffen kann.[50] 

In der Hoffnung, politisches Kapital aus der Krise zu schlagen, inszenierte sich Trump als nächster „Wartime President“[51] nach George W. Bush. „Wir sind im Krieg – und wir bekämpfen einen unsichtbaren Feind“[52] – ein Satz von Trump, der in ähnlicher Weise auch in Bush´s „War on Terror“ nach 9/11 hätte fallen können. Auch Bush versuchte einen Krieg gegen einen „invisible enemy“ zu führen und diesen den Menschen in einer Reduktionslogik attraktiv zu machen, wie sie in Actionfilmen zur naiven Schaulustbefriedigung angeboten wird, um nicht über sich im Verhältnis zum, so die Suggestionsidee, stets potentiell gewaltvollen und überfordernd komplexen Weltgeschehen ernsthaft nachdenken zu müssen, das eine Binärcodierung eigentlich gerade verunmöglichen würde: „You´re either with us or you´re with the terrorists“[53] – Gut gegen Böse.

Auf Abstand. Gesundes Misstrauen oder gefährliche Stigmatisierung?

Was Alexander Kluge über imaginär aufgeladene Wahrnehmungsphänomene zwischen historischen Kriegszeiten und der aktuellen Pandemie bemerkt hat, zeichnet ein beunruhigend realitätsnahes Bild der gegenwärtigen Situation, in der ein Angstmanagement umso wichtiger ist, als dass der Feind bzw. das Virus uns selbst nicht in anthropomorpher Gestalt begegnet und dadurch ein Bedürfnis nach der Konstruktion stereotyper Feindbilder in Menschengestalt wachrufen kann.

Auch in diesem Punkt teilen sich terroristische und virale Schreckensszenarien Wesensmerkmale. Ein Virus wird als Gefahr gesehen, die, ebenso wie Terror, als ubiquitär wahrgenommen und dafür gefürchtet wird. Im Alltag sind Viren und Terrorakte als schwelende Bedrohung latent präsent, weil sie selten oder nie schon sichtbar werden bevor sie zur akuten Gefahr umschlagen. „Wir fürchten uns nicht vor einem konkreten Feind, sondern die Nähe zu Menschen wird uns unheimlich.“[54] Das gilt umso mehr, als dass eine erfolgte Covid-19-Infektion nicht zwangsläufig sichtbar mit grippeähnlichen Symptomen erfolgen muss, die bei schwerem Krankheitsverlauf zu einem Lungenbefall bzw. einer Lungenentzündung führen können. Die Infektion verläuft oft symptomfrei – die Dunkelziffer der Infizierten ohne Beschwerden kann kaum erahnt werden. Dennoch, und das macht die Unsichtbarkeit des im Menschen ausgebrochenen Virus so affektstark, können Infizierte ohne Symptome die Krankheit übertragen. So kann das Virus prinzipiell in jeder Person im öffentlichen Raum vermutet werden. Alle drohen in der Wahrnehmung anderer selbst zu ansteckenden Objekten der Gefahr zu werden: Alle können zu Gefährdeten, als potentielle Virenwirte aber auch zu Gefährdern werden. (Abb. 18) „Insofern ist es“, wie die Künstlerin und Kulturvirologin Susanne Ristow treffend vermutet, „vielleicht das fremdgewordene Eigene, das uns im Virus begegnet.“[55] Von hier aus ist aber auch der Weg zu sozialen Kontrollphantasien nicht mehr weit: „Alle kontrollieren alle“[56], wie die ZEIT Ende März titelte.  (Abb. 19)

Wenn Gilles Deleuze und Félix Guattari in Tausend Plateaus Viren mit der angsterzeugenden „Vorstellung einer selbstreplizierenden und nicht-intentional gerichteten oder bestimmten Kraft“[57] in Verbindung bringen, so materialisiert sich diese Ubiquität von viralen latenten Bedrohungen bzw. akuten Gefahren im Körper jeder einzelnen Person. Hierin zeigt sich die ganze Ambivalenz eines personenorientierten Angstmanagements. Einerseits kann die Anthropomorphisierung des Virus helfen, sich an die sozialen Kontakteinschränkungen vernünftig zu halten. Andererseits bietet die Universalität des viralen Anthropomorphismus fruchtbaren Boden für soziale Exklusionsmuster mit rassistischen Tendenzen, wie man sie etwa aus der Kriegsgeschichte oder der kriminologischen Gesichtsbildgeschichte kennt.

Den Mechanismus, wie aus der Angst während einer weltweiten Pandemie soziale Kontrollphantasien entstehen, demonstriert Steven Soderberghs Actionfilm Contagion von 2011, dessen Untertitel auf dem Filmplakat das hier diskutierte ‚Meta-Problem‘ betont: NOTHING SPREADS LIKE FEAR. Die Handlung des Films, der momentan im Zuge der Corona-Krise wieder vielfach im Gespräch ist, weist tatsächlich von der Entstehung bis zu diversen sozialen Spannungsdynamiken erstaunliche Ähnlichkeiten zur Covid-19-Pandemie auf. Daniel Loick fasst dies mit einem erweiterten Blick wiederum auf potentiell produktive, doch sozial auch polarisierende gesellschaftliche Mobilisierungsmaßnahmen zusammen:

„Ausgelöst durch eine einzige Tier-zu-Mensch-Übertragung eines tödlichen Virus im chinesischen Macau verbreitet sich die Krankheit so rasant, dass zwei Wochen später acht Millionen Menschen auf der ganzen Welt infiziert sind. Der höchst erfolgreiche Film zeigt eine Krise der Immunität, für deren Lösung er eine verstärkte Bekämpfung von Heterogenität propagiert: ‚Don’t talk to anyone. Don’t touch anyone‘ – Dem entspricht auch die Aufforderung, die nach den Terroranschlägen vom 11. September überall in US-amerikanischen U-Bahnen zu lesen ist, alles Ungewöhnliche oder Fremde als Bedrohung zu interpretieren und umgehend zu melden: ‚If you see something say something‘.“ [58]

"Es erwächst eine soziale Kontrollphantasie, die Räume für offen ausgelebten Rassismus unter den Ausgrenzungsfolien des ‚Anderen‘ und Fremden‘ anbietet."

Kontakt und Kontamination sind verwoben, was zu einer panischen Kontaktangst führen kann. Die Figur des Virus wird zu einer Matrix bzw. zu einem Informationspaket verschiedener „Grenzverhandlungen, in denen die Unterscheidung zwischen ›Eigenem‹ und ›Fremdem‹ auf dem Spiel steht.“[59]

Das Bedürfnis nach Vereinfachung eines komplizierten Umgangs mit einer schwer einzuhegenden, mehrschichtig unsichtbaren pandemischen Bedrohung ist nachvollziehbar und kann zu dem Versuch verleiten, die Angst vor dem Krankheitserreger durch Anthropomorphisierung zu bannen. Da das Virus durch diese Perspektive aber so viele Gesichter erhält, wie es Menschen gibt, entsteht aus dieser potentiellen Angstbannung wiederum eine Angst davor, das Virus letztlich doch nicht mehr erkennen zu können bzw. es in jedem Menschen vermuten zu müssen. Hieraus kann wiederum resultieren, die Angst durch eine spezifische Einschränkung der menschlichen Formen einzugrenzen, die das Virus annehmen kann – nach eigens gesetzten, willkürlichen Kriterien. Es erwächst eine soziale Kontrollphantasie, die Räume für offen ausgelebten Rassismus unter den Ausgrenzungsfolien des ‚Anderen‘ und Fremden‘ anbietet.

Die gesellschaftliche Polarisierung, das Abstandsgebot und das Meiden der Körper der anderen führte in der Tat nicht nur zu Unbehagen; mit dem weltweiten Ansteigen der Infektionen mehrten sich auch rassistische Übergriffe – zunächst auf Personen, denen eine chinesische Herkunft unterstellt wurde. Unter den Hashtags #IAmNotAVirus und #RacismIsAVirus machten Asiat*innen aus aller Welt auf rassistische Diskriminierungen aufmerksam, indem sie ein Blatt Papier, auf dem sie ihre Botschaft authentifizierend und die persönliche Affiziertheit indizierend explizit handschriftlich festhielten, wie eine Schutzmaske gegen Rassismus als ‚sozialer Krankheitserreger‘ vor ihr Gesicht halten.[60] (Abb. 20-21)

Einen Anteil an den rassistischen Übergriffen durch physiognomische Semiotisierungsversuche der Körper anderer tragen dabei auch Titelblätter wie jenes der Printausgabe des Spiegels vom 01.02.20. (Abb. 22) Mit der Überschrift „Corona-Virus. Made in China“ schlug die Redaktion einen ähnlichen Ton an wie einige Wochen später der amerikanische Präsident, der Covid-19 als „Chinese Virus“ bezeichnete, und bot zudem durch die Behauptung der Gemachtheit des Virus allerhand Verschwörungsmythen über den Krankheitserreger als bioterroristische Waffe aus einem Labor in Wuhan journalistischen Anschluss.[61]

Abb. 22: Titelblatt, Spiegel, 01.02.20.

Auch die autoritäre Denkweise in China findet in der Infektionsangst der Bevölkerung emotionspolitische Nahrung.[62] Laut offiziellen Angaben der chinesischen Regierung soll ein Großteil der Neuinfektionen auf Einreisende zurückgehen, was zu einem wachsenden Misstrauen gegenüber anderen Nationalitäten und insbesondere gegen People of Colour geführt hat, das mit einem Comicstrip, der über WeChat verbreitet wurde und einige Arbeiter in voller Schutzmontur zeigt, die eine Person of Colour im Müll entsorgen, extreme, maßlose Bilder hervorbrachte.

Einen vorläufigen, traurigen und schockierenden Höhepunkt fanden Anfeindungen unter Verwendung nationalsozialistischer Parolen, als Demonstrant*innen am 30.04.20 das Michigan State Capitol stürmten, um ihrer blanken Wut über die derzeitigen Alltagsbeschränkungen Ausdruck zu verleihen. Einer der zahlreichen Schwerbewaffneten schrie, als sich der erregte Mob aufgeheizt hatte, laut „Heil Hitler“ in den Raum.[63] Überraschenderweise findet sich kein Nachrichtenartikel, in dem deutlich ausgesprochen wird, dass ein aggressiver Schwerbewaffneter als Teil einer sich gegenseitig aufstachelnden und hierdurch unberechenbaren Gruppe eine kategorisch unsägliche Nazi-Parole benutzt. Mit zum Hitlergruß in die Höhe gestrecktem rechten Arm feindete der armierte Mann gleich darauf Gretchen Whitmer, die demokratische Gouverneurin von Michigan, an, indem er sie mit Hitler verglich. Während er sich in Wort und Geste mit nationalsozialistischen Ideen gemein macht, scheint die Benutzung von Hitler als Figur des Aburteilens von Whitmer kaum einer nachvollziehbaren Logik zu folgen. Über den Vergleich wiederum berichteten viele Medien; einige kritisierten auch, dass die Protestler*innen ungehindert mit Schusswaffen das Gebäude betreten konnten. Nicht minder muss wiederum Trump für seinen Tweet am 01.05.20 zur Rechenschaft gezogen werden. Nicht nur, dass er sich nicht von den Schwerbewaffneten, die offen rassistische Formeln und Gesten verwendeten, abgegrenzt hat, sodass man sich fragen muss, ob dies noch unter die Redefreiheit fällt – er hatte sich sogar solidarisierend geäußert: „These are very good people, but they are angry.“[64]

Gemeinschaften stiften. Symbolische Bilder

Unter den Hashtags #wirfüreuch und #stayhome kursieren seit Mitte März in den sozialen Netzwerken Fotos von Arbeiter*innen aus sogenannten systemrelevanten Berufen, die selbstgebastelte Plakate in die Kamera halten, mit denen auf das Social Distancing aufmerksam gemacht, an die Vernunft der Bürger*innen appelliert und zu Solidarität aufgerufen werden soll: „Wir bleiben für euch hier, bleibt bitte für uns zu Hause!“[65] (Abb. 23)

Abb. 23: @UniKlinikDUS, #FlattenTheCurve #coronavirus, Fotografie, publiziert am 18.03.20, auf: https://twitter.com/UniklinikDUS/status/1240310792689516544/photo/1 (Zugriff am 17.05.20).

Die Einsatzbereitschaft, der mit dem Zuhausebleiben der anderen gedankt werden kann, zeigt, dass solche sozialmedialen Bildaktionen das Virus durchaus auch in seiner Funktion als „sozialer Klebstoff“[66] vorstellen, indem es offenbar eine kollektive soziale Realität erschafft – wobei immer auch Differenzen markiert bleiben.  

Viele Bildappelle weisen dabei – auch in Rekurs auf #iamnotavirus – eine strukturelle Verwandtschaft zu Kommunikations- und Mobilisierungsstrukturen in Protestbewegungen auf, die sich, wie Kerstin Schankweiler überzeugend herausgearbeitet hat, weniger durch geteilte moralische oder politische Vorstellungen und Lebensrealitäten auszeichnen, als vielmehr durch eine Kollektivbildung durch Affizierung.[67] Die ansteckende Kraft sogenannter Protest-Selfies, die an sich schon auf Resonanz ausgelegt sind, steigert sich durch das Teilen, Liken und Kommentieren, wodurch das eigene Affiziertsein bezeugt sowie Zugehörigkeit demonstriert werden kann, sodass durchaus größere „Affektgemeinschaften“ entstehen können.  In Bezug auf die Covid-19 Pandemie appellieren noch eindringlicher als die Selfies, die unter dem Hashtag #wirfüreuch verbreitet wurden, Bilder von erschöpften Pfleger*innen, die in den Kommentaren von der hohen Arbeitsbelastung erzählen und damit deutlich auf die Differenz von sozialen Realitäten während der Pandemie hinweisen. Stark gezeichnet von den Schutzmasken, die sich rot-bläulich in Form ihrer Umrisse in die Haut der Pfleger*innen eingedrückt haben, wurden diese Selfies der „[e]rschöpfte[n] Helden“[68] als „[b]eeindruckende Bilder nach dem Dienst an der Allgemeinheit“[69] betitelt. (Abb. 24)

Ikonischen Status erreichte wiederum das Foto der italienischen Krankenschwester Elena Pagliarini, die nach einer Nachtschicht um 6 Uhr morgens auf dem Schreibtisch eingeschlafen und von einer Ärztin fotografiert worden war, die es anschließend auf Facebook teilte. (Abb. 25) Elena Pagliarini, die zwei Tage nach Aufnahme der Fotografie selbst erkrankte, kommentierte später: "Ich möchte, dass aus diesem Foto eine Aufforderung wird, uns zu helfen: Bleibt zuhause, haltet euch an die Regeln."[70]

An der Ikonisierung solcher Bilder von sich aufopfernden Pfleger*innen sind außerdem Graffiti-Künstler*innen wie Franco Rivolli beteiligt. Er brachte an der Fassade jenes Krankenhauses, in dessen Notaufnahme Ramazzotti die Lungenkranken fotografierte, das Bild einer Krankenpflegerin an, die in Schutzkleidung den ‚italienischen Stiefel‘ wie ein Kind in den Armen hält, das in die italienische Flagge gewickelt ist. In ihren Armen liegt die Verantwortung des ganzen Landes, so suggeriert die Darstellung, die – insbesondere in einem Land wie Italien, dessen Geschichte stark von christlicher Kunst geprägt ist – Assoziationen zum Motiv der Maria mit Kind als Symbol mütterlicher Fürsorge weckt. Die Überschrift: A tutti voi... Grazie.  (Abb. 26)

Abb. 26: Franco Rivolli, A tutti voi… grazie, Fassade am Haupteingang des Krankenhauses Giovanni XXIII in Bergamo, Fotografie von Sergio Ramazotti, veröffentlicht auf https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-intensivstation-in-bergamo-ich-habe-das-gefuehl-selbst-zu-ersticken-a-2c33d37a-771e-41ed-b015-efd6147f4a4b (Zugriff am 17.05.20).

"Auch in den deutschen Medien riefen einige Bilder, die eine gemeinschaftsstiftende Funktion beabsichtigten, das Bewusstsein für die soziale Ungleichheit hervor."

Als weiteres Zeichen der Dankbarkeit und Solidarisierung wurde medizinisches Personal, Sozialarbeiter*innen, Verkäufer*innen an Supermarktkassen, Polizist*innen – all jene, deren Arbeit als systemrelevant gilt – häufig als Helfer*innen und Held*innen an „vorderster Front“ gefeiert und länderübergreifend zu festen Zeiten auf Balkonen und Terrassen beklatscht. Zwar drückt sich hier einerseits eine solidarisierende Wertschätzung und Dankbarkeit aus; andererseits kann die gesteigerte Solidarisierungseuphorie durchaus über problematische Arbeitsbedingungen hinwegtäuschen, die teils schon vor der Pandemie herrschten.[71] Einen „zynischen“[72] Beigeschmack bekommt das Klatschen nicht zuletzt dann, wenn man Ärzt*innen und Pfleger*innen glaubt, die selbst von Stigmatisierungserfahrungen berichten.[73]

Auch in den deutschen Medien riefen einige Bilder, die eine gemeinschaftsstiftende Funktion beabsichtigten, das Bewusstsein für die soziale Ungleichheit hervor. So ist beispielsweise darauf hingewiesen worden, dass es durchaus als Privileg verstanden werden kann, im Homeoffice zu arbeiten.[74] Ebenso hat man darauf aufmerksam gemacht, dass Frauen von den sozialen und ökonomischen Folgen der Corona-Krise weitaus stärker betroffen sind als Männer. [75]

Krisen wie die Corona-Pandemie funktionieren, so ist man sich gemeinhin einig, „wie eine Lupe, die bestehende Probleme noch deutlicher“[76] hervortreten lassen. Laurie Penny weist indes hoffnungsvoll darauf hin, dass Pandemien, die nie nur den eigenen Körper betreffen, sondern immer auch die Schwachstellen der jeweiligen Gesellschaft offenlegen, Chancen zur Veränderung bieten können:

„A bug or a virus will exploit any weakness in the body politic. Cholera became a huge problem when human beings started moving to cities in huge numbers. It stayed a problem until we worked out new ways of building large-scale public sewage systems, which involved a lot of money and manpower. Because of diseases like cholera, we literally figured out how to handle our s*hit.“ [77]

Bilder als Viren: Visuelles Angstmanagement als medialer Balanceakt

"Die Balance zwischen Panik und Vorsicht, reflexionshemmender Affektüberwältigung und vernunftgeleiteter Affektregulierung muss immer wieder zurückgewonnen werden."

Je gewichtiger die Angst für den Umgang mit dem Virus wird, desto wichtiger wird auch ein öffentlich und idealerweise differenziert geführtes Angstmanagement – ein Angstmanagement, das nach Balance zwischen der Erfüllung von Affektbedürfnissen, wenn sich die Leute in ihren Ängsten bestätigt und ernstgenommen wissen möchten, und der gleichzeitigen Förderung rationalen Denkens und Handelns sucht. Bei dieser Suche nach affektiver Ausgewogenheit wird die Auseinandersetzung mit Bildern als Übertragungsmedien der Angst in ihren verschiedenen Formen virulent. In Bezug auf die Bedeutsamkeit einer seriösen Berichterstattung in Wort und Bild bemerkt auch die Susanne Ristow: "Es ist absolut ernst, wenn es um eine Ansteckung mit einem Krankheitserreger geht. Aber ebenso ernst ist es auch, von Bildern infiziert zu werden. Derzeit werden wir durch die Digitalkultur mit sehr viel mehr infektiösen Erregern in Kontakt gebracht, als es unser kulturelles Immunsystem gewohnt ist. Dadurch entstehen natürlich panische Reaktionen." [78] Wie nah lassen wir bestimmte Bilder an uns heran bzw. wie weit können oder wollen wir uns von ihnen distanzieren? Wie versprachlichen wir diese Wechselwirkungsverhältnisse immer wieder aufs Neue? Hierin liegt die publizistische, individuell-private und auch bildwissenschaftliche Herausforderung, der sich dieser Text angenommen hatte. 

Die besprochenen Bilder erfüllten selbst Kriterien des Viralen, insofern sie auf uns vergleichbar ambivalente Wirkungen erzielen können wie die infektiöse Angst – ihre Wirkungsmechanismen ließen sich Prinzipien einer „ästhetischen Ansteckung“[79] zuordnen. Die Unsichtbarkeit des Virus und seiner Übertragungswege meint wirkungsästhetisch wiederum die affektiven Unmittelbarkeitseffekte von Bildern im Kontext des Virus bzw. das scheinbare Untergraben und gleichzeitige Herausfordern der Reflexion dieser unmittelbar erscheinenden Affizierungsprozesse.

Mit dem Erkennen der einander korrespondierenden Ambivalenzen der Angst- und Bildwirkungen in Bezug auf ein visuelles Angstmanagement kann in der Covid-19-Berichterstattung auf die epistemischen Kräfte ansteckender Bilder rückgeschlossen werden, die – wie das Virus selbst unsichtbar – erst im Rückblick sichtbar werden, nachdem sich eine Affektwirkung eingestellt hatte. Erst wenn das Affiziertsein sichtbar wird, kann der Affektübertragungsprozess nachvollziehbar werden, um Distanzierung zu ermöglichen.

Ebenso wie das Virus brauchen Bilder einen Wirt, mit dem sie in ein Wirkungsverhältnis treten.[80] So stecken sie uns an, aktivieren unsere emotionalen und reflexiven Abwehrkräfte und enthalten das Potenzial einer Immunisierung im Sinne einer reflexiven Distanz – ohne Präventionsgarantie vor einer Wiederansteckung bei neuen Bildtransformationen im Kontext der Pandemie. Die Balance zwischen Panik und Vorsicht, reflexionshemmender Affektüberwältigung und vernunftgeleiteter Affektregulierung muss immer wieder zurückgewonnen werden. 

Können Bilder mit affektiver Infektionskraft ernstzunehmende Faktoren im öffentlich diskutierten und persönlichen Angstmanagement sein, dann wirken sie sich auf das Verhalten der Menschen in ihrem Alltag aus, was wiederum Einfluss nehmen kann auf die tatsächlichen Verbreitungsmechanismen des Virus. Gleichwohl sollte man die Wirkungskräfte ansteckender Bilder, gerade während derartig unterschiedlicher und vielschichtiger Berichterstattungswellen, nicht überschätzen. Ebenso wie sich Informationen innerhalb kürzester Zeit überholen, korrigieren, widerlegen oder aber bestätigen können, treten auch Bilder in ein kommunikatives, regulatives Verhältnis zueinander und fordern immer wieder aufs Neue unsere Aufmerksamkeit und Reflexionsbereitschaft zwischen visueller Aufgeschlossenheit und Zurückhaltung ein.

Autorin und Autor

Philipp Müller ist seit März 2019 Projektmitarbeiter der DFG-Kolleg-Forschungsgruppe Imaginarien der Kraft in Hamburg und beschäftigt sich in seinem Dissertationsprojekt Technische Gewaltbilder: Anziehung und Abstoßung mit verschiedenen Wirkungsoptionen von und möglichen Umgangsformen mit drastischen Gewaltfotos und -videos in der aktuellen Berichterstattung und der zeitgenössischen Kunst.

Franca Buss ist seit 2017 Promotionsstipendiatin der Gerda Henkel Stiftung. Ihre Dissertation fragt nach den Auswirkungen aufklärerischer Debatten um den Status der Toten, die Erinnerungsstiftung und Jenseitshoffnung auf die Todesvorstellung und Grabmalkultur im 18. Jahrhundert.

Gemeinsam haben Franca Buss und Philipp Müller den Sammelband "Hin-und Wegsehen. Formen und Kräfte von Gewaltbildern" herausgegeben, der in diesem Jahr in der Reihe der "Imaginarien der Kraft" bei De Gruyter erschienen ist: https://www.degruyter.com/view/title/547694?language=de 

 

Nachweise

[1] Vgl. exemplarisch Rudolf Balmer und Daniel Zylbersztajn: „Wir sind im Krieg“, in: taz.de, am 17.03.20, https://taz.de/Corona-Ausgangssperre-in-Frankreich/!5672039/ (Zugriff am 14.05.20); vgl. Britta Sandberg: „Wir sind im Krieg“, in: spiegel.de, am 16.03.20, https://www.spiegel.de/politik/ausland/coronavirus-in-frankreich-wir-sind-im-krieg-a-50b0dce2-6f7e-4cba-bda1-87fe05bfc7ca (Zugriff am 17.04.20).
[2] Hans-Jürgen Wirth im Interview mit Jana Simon: "Wir sind noch nicht in der Phase der Aufmunterung", in: zeit.de, am 27.03.20, https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2020-03/isolation-coronavirus-angst-trauma-psychoanalyse-hans-juergen-wirth (Zugriff am 03.05.20).
[3] Maria Fiedler: Die Worte der Krise und wie sie wirken, in: tagesspiegel.de, am 24.04.20, https://www.tagesspiegel.de/politik/die-worte-der-krise-und-wie-sie-wirken-das-virus-ist-eine-plage-der-kampf-dagegen-ein-krieg/25768460.html (Zugriff am 03.05.20).
[4]  Zuletzt bemerkte auch Lenz Jacobsen: "Bilder können unser Verhalten prägen, und unser Verhalten bestimmt über die Seuche." Lenz Jacobsen: Unsere unsichtbaren Toten, in: zeit.de, am 24.05.20, https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-05/corona-epidemie-opfer-covid-19-infizierte-verstorbene-leid-sichtbarkeit (Zugriff am 24.05.20).
[5] Sarah Elisabeth Lewis: Where are the Photos of People Dying of Covid, in: nytimes.com, am 01.05.20, https://www.nytimes.com/2020/05/01/opinion/coronavirus-photography.html(Zugriff am 24.05.20).
[6] Vgl. exemplarisch Heike Haarhoff mit Jürgen Margraf: „Angst ist ansteckend“, in: taz.de, am 06.03.20, https://taz.de/Psychologe-ueber-das-Coronavirus/!5665965/ (Zugriff am 28.03.20); vgl. Julius Betschka: „Die Angst ist genauso ansteckend wie das Virus“, in: tagesspiegel.de, am 16.03.20,  https://www.tagesspiegel.de/berlin/isolation-durch-das-coronavirus-die-angst-ist-genauso-ansteckend-wie-das-virus/25646448.html (Zugriff am 28.03.20); Katherine Rydlink mit Borwin Bandelow: "Angst ist ansteckend", in: spiegel.de, am 30.01.20, https://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/coronavirus-panik-angst-ist-ansteckend-a-50fe51d8-6f57-4cf2-a468-fcb5098b98a6 (Zugriff am 28.03.20); vgl. Susanne Ristow im Gespräch mit Daniel Völzke: „Nichts ist ansteckender als die Angst“, in: monopol.de, am 29.02.20, https://www.monopol-magazin.de/coronavirus-susanne-ristow-viral-art (Zugriff am 08.04.20).
[7] Zur Wichtigkeit ein Gleichgewicht zwischen Sorge und Panik zu finden siehe Jan Kalbitzer im Interview mit Christina Lopinski: "Die etwas für die Gemeinschaft tun, haben weniger Angst", in: faz.net, am 06.03.20,  https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/coronavirus-psychotherapeut-ueber-den-umgang-mit-der-angst-16665906.html?pr… (Zugriff am 28.03.20).
[8] „Es ist die Aufgabe der Medien, uns zu informieren. Und wenn wie hier über den neuen Corona-Virus nicht berichtet würde, wäre die Angst vielleicht noch größer durch den Eindruck, dass eine Gefahr vielleicht bewusst verschwiegen wird.“ Borwin Bandelow, in: Angst-Experte über neuen Virus. Warum haben wir mehr Angst vor Corona als vor der neuen Grippe?, in: Bild.de, am 29.01.20, https://www.bild.de/bild-plus/ratgeber/2020/ratgeber/angstforscher-warum-haben-wir-mehr-angst-vor-corona-als-vor-grippe-67633802,view=conversionToLogin.bild.html (Zugriff am 14.05.20).
[9] Samira El Quassil: Corona-Medienhype. Wohldosierte Panikmache, in: deutschlandfunk.de, am 04.03.20, https://www.deutschlandfunk.de/corona-medienhype-wohldosierte-panikmache.2907.de.html?dram:article_id=471683 (Zugriff am 01.05.20).
[10] Richard Friebe: Zu viel Panikmache? Warum wir das Coronavirus ernst nehmen sollten, in: tagesspiegel.de, am 01.02.20, https://www.tagesspiegel.de/wissen/zu-viel-panikmache-warum-wir-das-coronavirus-ernst-nehmen-sollten/25497284.html (Zugriff am 01.05.20).
[11] Jan Klauth: "Das Schädlichste am Coronavirus ist die Überreaktion darauf", in: welt.de, am 03.03.20, https://www.welt.de/wirtschaft/article206289603/Coronavirus-DIW-Chef-Marcel-Fratzscher-kritisiert-Medien.html (Zugriff am 01.05.20).
[12] Titelbild von Die Zeit vom 27.02.2020.
[13] Samira El Quassil: Corona-Medienhype. Wohldosierte Panikmache, in: deutschlandfunk.de, am 04.03.20, https://www.deutschlandfunk.de/corona-medienhype-wohldosierte-panikmache.2907.de.html?dram:article_id=471683 (Zugriff am 11.05.20); außerdem Nils Markwardt: Wohltemperierte Panik, in: freitag.de, am 07.03.20, https://www.freitag.de/autoren/nils-markwardt/wohltemperierte-panik (Zugriff am 01.05.20).
[14] Kurt Kister: Zeit der Angst, in: sueddeutsche.de, am 27.03.20, https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-freiheit-alte-home-office-triage-krieg-1.4859123?reduced=true (Zugriff am 04.04.20).
[15] Johannes Franzen: "Niemand ist immun gegen Bilder", in: zeit.de, am 29.02.20, https://www.zeit.de/kultur/film/2020-02/epidemien-angst-coronavirus-outbreak-contagion/komplettansicht (Zugriff am 07.05.20).
[16] Bernhard Riedmann: „Ich habe das Gefühl, selbst zu ersticken“, in: spiegel.de, am 30.03.20, https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-intensivstation-in-bergamo-ich-habe-das-gefuehl-selbst-zu-ersticken-a-2c33d37a-771e-41ed-b015-efd6147f4a4b (Zugriff am 07.05.20).
[17] FU-Wissenschaftler: "Corona-Pandemie ist eine komplexe Katastrophe", in: welt.de, am 29.04.20, https://www.welt.de/regionales/berlin/article207596915/FU-Wissenschaftler-Corona-Pandemie-ist-komplexe-Katastrophe.html (Zugriff am 01.05.20).
[18] Sarah Elizabeth Lewis: Where are the Photos of People Dying of Covid, in: nytimes.com, am 01.05.20, https://www.nytimes.com/2020/05/01/opinion/coronavirus-photography.html(Zugriff am 24.05.20).
[19] Christian Stöcker: Das hier ist kein Krieg, in: spiegel.de, am 05.04.20, https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/corona-debatte-das-hier-ist-kein-krieg-kolumne-a-ee82dba7-e0f1-4a6a-93ef-c499cb16b433 (Zugriff am 14.04.20).
[20] Vgl. zu den verschiedenen Medienpositionen stellvertretend Philipp Hübl im Gespräch mit Anja Reinhardt: Coronakrise. "Die Ängste verschieben sich“, in: deutschlandfunk.de, am: 10.04.20, https://www.deutschlandfunk.de/coronakrise-die-aengste-verschieben-sich.694.de.html?dram:article_id=474448 (Zugriff am 03.05.20); Florian Reiter: Internes Papier aus Innenministerium empfahl, den Deutschen Corona-Angst zu machen, in: focus.de, am 05.04.20, https://www.focus.de/politik/deutschland/aus-dem-innenministerium-wie-sag-ichs-den-leuten-internes-papier-empfiehlt-den-deutschen-angst-zu-machen_id_11851227.html (Zugriff am 07.05.20).
[21] https://fragdenstaat.de/blog/2020/04/01/strategiepapier-des-innenministeriums-corona-szenarien/ (Zugriff am 07.05.20).
[22] Lenz Jacobsen: Unsere unsichtbaren Toten, in: zeit.de, am: 24.05.20, https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-05/corona-epidemie-opfer-covid-19-infizierte-verstorbene-leid-sichtbarkeit/seite-2 (Zugriff am 24.05.20).  
[23] Alexander Neubacher: Heilsamer Horror, in: spiegel.de, am 03.04.20, https://www.spiegel.de/politik/deutschland/coronavirus-und-maskenpflicht-heilsamer-horror-kolumne-a-00000000-0002-0001-0000-000170323240 (Zugriff am 07.05.20)
[24] Andreas Rosenfelder: Exit aus der Angst, in: welt.de, am 30.04.20, https://www.welt.de/kultur/plus207600437/Corona-Strategie-Der-Exit-aus-der-Angst.html (Zugriff am 07.05.20).
[25] Kathrin Busch: Ansteckung und Widerfahrnis. Für eine Ästhetik des Pathischen, S. 52. In: dies. und Iris Därmann (Hg.): »pathos«. Konturen eines kulturwissenschaftlichen Grundbegriffs, Bielefeld 2007, S. 51-73.
[26] Busch 2007, S. 52.
[27] Vgl. exemplarisch Franca Buss und Philipp Müller: Hin- und Wegsehen. Formen und Kräfte von Gewaltbildern, in: dies. (Hg.): Hin- und Wegsehen. Formen und Kräfte von Gewaltbildern, Berlin/Boston 2020, S. 11-45.; vgl. zur Veränderung des fotografischen Wahrheitsversprechens im digitalen Zeitalter Karen Fromm: „Wie Schiffer sind wir, die ihr Schiff auf offener See umbauen müssen“. Einführung in das Kapitel ‚Nichts als die Wahrheit‘, in: dies., Sophia Greiff und Anna Stemmler (Hg.): Images in Conflict, Weimar 2018, S. 142-151.
[28] Zitate aus: Lenz Jacobsen: Unsere unsichtbaren Toten, in: zeit.de, am: 24.05.20, https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-05/corona-epidemie-opfer-covid-19-infizierte-verstorbene-leid-sichtbarkeit/komplettansicht(Zugriff am 24.05.20).
[29] Georgios Chatzoudis und Jürgen Zimmerer mit Natascha Bagherpour Kashani und Andreas Rödder: Coronakrise: Sind wir im Krieg? Wie über die Pandemie sprechen?, in: lisa.gerda-henkel-stiftung.de, am 02.04.20, https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/logbuch_corona_2april2020 (Zugriff am 10.04.20).
[30] Susanne Ristow im Gespräch mit Daniel Völzke: „Nichts ist ansteckender als die Angst“, in: monopol.de, am 29.02.20, https://www.monopol-magazin.de/coronavirus-susanne-ristow-viral-art (Zugriff am 08.04.20).
[31] Siehe dazu Johannes Franzen: Angst vor Epidemien. Niemand ist immun gegen Bilder, in: zeit.de, am 29.02.20, https://www.zeit.de/kultur/film/2020-02/epidemien-angst-coronavirus-outbreak-contagion (Zugriff am 03.05.20); vgl. Philipp Hübl im Gespräch mit Anja Reinhardt: Coronakrise. "Die Ängste verschieben sich“, in: deutschlandfunk.de, am 10.04.20, https://www.deutschlandfunk.de/coronakrise-die-aengste-verschieben-sich.694.de.html?dram:article_id=474448 (Zugriff am 11.05.20).
[32] „Ich habe Familie“: Virologe Christian Drosten über eigene Corona-Gefühle, in: watson.de, am 20.03.20,  https://www.watson.de/deutschland/best%20of%20watson/637156154-coronavirus-virologe-drosten-ueber-persoenliche-angst-ich-habe-familie (Zugriff am 14.05.20).
[33] Holger Romann: Zwischen Sicherheit und Gesundheit, in: tagesschau.de, am 02.04.20, https://www.tagesschau.de/ausland/nato-aussenminister-treffen-corona-101.html (Zugriff am 02.04.20); vgl. Trump „im Krieg“ gegen das Corona-Virus, in: faz.net, am 28.03.20, https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/trump-im-krieg-gegen-corona-mehr-als-100-000-infizierte-in-usa-16700550.html (Zugriff am 02.04.20);  zur Auseinandersetzung mit dem Topos des unsichtbaren Killers in populärwissenschaftlichen Texten Ruth Mayer und Brigitte Weingart: Einleitung, S. 20-21. In: dies. (Hg.): Virus. Mutationen einer Metapher, Bielefeld 2004, S. 7-43. Angeführt werden dort u.a. Stellen ausKarin Willen: Viren. Die unsichtbaren Killer, München 1995.
[34] Inzwischen kursieren vermehrt Bilder, auf denen überfüllte Plätze zu sehen sind, stellvertretend Jakob Simmank u.a.: Die Vorsicht scheint vorbei, in: zeit.de, am 16.05.20, https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-05/coronavirus-deutschland-stimmung-mundschutz-social-distancing (letzter Zugriff am 16.05.20).
[35] Laurie Penny: Panic, pandemic, and the body politic. Stopping an outbreak is never just a fight with nature. It’s also a fight with culture, in: wired.com, am 19.03.20, https://www.wired.com/story/what-coronavirus-pandemic-says-about-society/ (Zugriff am 11.05.20).
[36] Das Video ist nach wie vor auf Youtube abrufbar. Unter anderem die Süddeutsche integrierte den Link unkommentiert in folgenden Artikel: Violetta Simon: Hamsterkäufe. Plötzlich fast die wertvollste Ware der Welt, in: sueddeutsche.de, am 18.03.20, https://www.sueddeutsche.de/leben/hamsterkaeufe-toilettenpapier-corona-1.4844306 (Zugriff am 25.05.20).
[37] Lenz Jacobsen: Unsere unsichtbaren Toten, in: zeit.de, am: 24.05.20, https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-05/corona-epidemie-opfer-covid-19-infizierte-verstorbene-leid-sichtbarkeit/komplettansicht(Zugriff am 24.05.20).
[38] Vgl. exemplarisch Johannes Kulms: Erinnerungen an den Krieg, in: deutschlandfunk.de, am 20.03.20, https://www.deutschlandfunk.de/senioren-und-das-coronavirus-erinnerungen-an-den-krieg.1773.de.html?dram:article_id=472906 (Zugriff am 06.04.20); Sabine Klier: Corona hat meine Erinnerungen an den Krieg zurückgeholt, in: bz.de, am 02.04.20, https://www.bz-berlin.de/berlin/charlottenburg-wilmersdorf/corona-hat-meine-erinnerungen-an-den-krieg-zurueckgeholt (Zugriff am 02.04.20).
[39] Das Video der Rede ist abrufbar auf: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/ansprache-der-kanzlerin-1732108 (Zugriff am 14.05.20).
[40] Ingrid Meyer-Legrand im Interview mit Jana Hensel: „Angst zu haben ist nicht per se schlecht“, in: zeit.de, am 13.04.20, https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-04/angst-corona-krise-nachkriegszeit-ingrid-meyer-legrand/komplettansicht (Zugriff am 14.04.20); vgl. auch Carsten Reinemann im Interview mit Lisa Caspari: „Absolute Transparenz ist nicht immer richtig“, in: zeit.de, am 19.03.20, https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-03/krisenkommunikation-angela-merkel-emmanuel-macron-corona-krise (Zugriff am 19.04.20);  https://www.zeit.de/kultur/2020-03/angela-merkel-bundeskanzlerin-krisenkommunikation-ansprache
[41] Vgl. exemplarisch den Filmbeitrag Arbeiten an der Corona-Front des Bayrischen Rundfunks vom 04.04.20, Nach wie vor abrufbar auf: https://www.ardmediathek.de/br/player/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvL2MwNzRiZTQ5LWVkNGQtNGY4YS04NmNlLTNkNmNlYmNjNzMwNA/arbeiten-an-der-corona-front (Zugriff am 15.05.20).
[42] Zur Historizität der Kriegsmetaphern in der Mikrobiologie siehe Brigitte Weingart: Viren visualisieren. Bildgebung und Popularisierung, in: Mayer/Weingart 2004, S. 97-130.
[43] Vgl. Christian Stöcker: Das hier ist kein Krieg, in: spiegel.de, am 05.04.20, https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/corona-debatte-das-hier-ist-kein-krieg-kolumne-a-ee82dba7-e0f1-4a6a-93ef-c499cb16b433 (Zugriff am 14.04.20).
[44] https://www.dw.com/de/coronavirus-social-distancing-visualisierungen-im-netz/a-52796538 (Zugriff am 18.05.20); https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/coronavirus-krise-spanien-steht-still-16679673.html (Zugriff am 18.05.20).
[45] Alexander Kluge im Interview mit Daniel Völzke: Der blaue Frühlingshimmel dieser Tage, in: monopol-magazin.de, am 05.04.20, https://www.monopol-magazin.de/interview-alexander-kluge-corona?slide=0 (Zugriff am 16.04.20).
[46] Fernsehansprache von Staatspräsident Emmanuel Macron, in: ambafrance.org, am 16.03.20, https://de.ambafrance.org/Fernsehansprache-von-Staatsprasident-Emmanuel-Macron-zum-Coronavirus-Covid-19 (Zugriff am 18.04.20).
[47]  Vgl. Herfried Münkler: Vom Krieg zum Terror. Das Ende des klassischen Krieges, Zürich 2006, S. 53 und S. 72; vgl. ebenso Herfried Münkler: Kriegssplitter: die Evolution der Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert, Berlin 2015; vgl. auch exemplarisch Philipp Knesebeck: Soldaten, Guerillos, Terroristen: die Lehre des gerechten Krieges in Zeiten asymmetrischer Konflikte, Wiesbaden 2014. Professor Carsten Reinemann, Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Universität München sieht den Terror-Vergleich kritisch: „Diese Krise ist anders als beispielsweise die politische Herausforderung nach den islamistischen Terroranschlägen vor ein paar Jahren. Auch die haben die Bevölkerung sehr verunsichert, aber meist für einen kurzen Zeitraum. Dieser Verunsicherung konnte begegnet werden durch mehr Polizeipräsenz und Sicherheitskontrollen. Wie geht es aber weiter mit dem Coronavirus, das noch dazu unsichtbar ist?“ Lisa Caspiari mit Carsten Reinemann: „Absolute Transparenz ist nicht immer richtig“, in: zeit.de, am 19.03.20, https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-03/krisenkommunikation-angela-merkel-emmanuel-macron-corona-krise (Zugriff am 19.04.20). Gleichwohl liegen Gegenargumente auf der Hand: Auch Terror wurde und wird immer wieder als unsichtbar und ubiquitär gekennzeichnet. Auch Terroranschläge hallen lange nach. Die Verunsicherung äußert sich kurzfristig akut in Panik und Desorientierung, hat aber durchaus langfristige Konsequenzen, etwa in Form einer schwelenden Angst vor Terror als ständigem Alltagsbegleiter. Jedes Mal, wenn ein Anschlag passiert, ist die Panik sofort wieder da. Das zeugt von einer langfristigen Prägung unseres visuellen und affektiven Gedächtnisses. 
[48] Jean Baudrillard: Transparenz des Bösen. Ein Essay über extreme Phänomene, Berlin 1992, S. 45.
[49] Jean Baudrillard, L’esprit du terrorisme, in: Le Monde vom 2.11.2001: »Le terrorisme, comme les virus, est partout.« Zitiert in: Mayer/Weingart 2004, S. 24. „Bedenkenswert ist dabei Baudrillards Feststellung, dass gerade die virale Beschaffenheit der ›neuen‹ Kriege, die anhaltende Aktivität und das Wuchern unterhalb der medialen Wahrnehmungsschwelle jenseits der großen Attacken, umso dringender erforderlich macht, dass ihnen die spektakuläre Inszenierung ›richtiger‹, nämlich sichtbarer Kriege (wie im Irak) gegenübergestellt werden.“ Ebd.
[50] Vgl. exemplarisch „Unser 9/11-Moment“: Bereits über 10.000 Corona-Tote in den USA, in: bz-berlin.de, am 06.04.20, https://www.bz-berlin.de/welt/bereits-ueber-10-000-corona-tote-in-den-usa (Zugriff am 20.04.20); Elmar Theveßen: Das 9/11 der Trump-Administration, in: zdf.de, am 21.03.20, https://www.zdf.de/nachrichten/politik/coronavirus-trump-usa-100.html (Zugriff am 20.04.20).
[51] Exemplarisch hierzu Steffanie Riess: Trumps Bühne als „Wartime President“, in. zdf.de, am 04.04.20, https://www.zdf.de/nachrichten/politik/coronavirus-usa-wahlkampf-100.html (Zugriff am 14.05.20).
[52] https://www.spiegel.de/politik/coronavirus-donald-trump-spricht-von-krieg-gegen-virus-aus-china-a-9cf1fc92-8531-40b4-9702-0500247abd21 (Zugriff am 19.04.20).
[53] Bush in einer Rede am 20.09.2001, nachlesbar auf: https://georgewbush-whitehouse.archives.gov/news/releases/2001/09/20010920-8.html (Zugriff am 20.04.20). Diese Reduktionslogik, die andere Staaten in Form eines Ultimatums zu einer Entscheidung drängt, in welches – und auch hier zeigt sich die Kriegsmetaphorik – Lager man geht, hat eine lange Tradition. Auch Hillary Clinton benutzte den Satz in etwas abgewandelter Form kurz nach den Anschlägen am 11. September 2001. Die polarisierende Potenz des Satzes ließe sich bis in antike Schriften über Kriegsstrategien, etwa in Cäsars Gallischem Krieg, zurückverfolgen. Selbst in der Bibel würde man schnell fündig auf der Suche nach martialisch anmutenden Ultimaten.
[54] Hans-Jürgen Wirth im Interview mit Jana Simon: Wir sind noch nicht in der Phase der Aufmunterung, in: zeit.de, am 27.03.20, https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2020-03/isolation-coronavirus-angst-trauma-psychoanalyse-hans-juergen-wirth (Zugriff am 03.05.20).
[55] Daniel Völzke im Gespräch mit Susanne Ristow: „Nichts ist ansteckender als die Angst“, monopol-magazin.de, am 29.02.20, https://www.monopol-magazin.de/coronavirus-susanne-ristow-viral-art (Zugriff am 08.04.20).
[56] Lenz Jacobsen: Alle kontrollieren alle, in: zeit.de, am 29.03.20, https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-03/corona-massnahmen-kontrolle-kontaktsperre-denunziation (Zugriff am 02.05.20). Nicht zuletzt ist auch ein deutlicher Anstieg an Bürgerhinweisen zu beobachten gewesen: Macht die Corona-Krise uns zu Denunzianten?, in:deutschlandfunknova.de, 07.04.20, https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/macht-corona-uns-zu-denunzianten-fuenf-fragen-an-einen-experten (Zugriff am 02.05.20).
[57] Gilles Deleuze und Felix Guattari: Tausend Plateaus, S. 330. Zitiert bei: Mayer/Weingart 2004, S. 24.
[58] Daniel Loick: Immunität und Ansteckung. Roberto Espositos Kritik des Sicherheitsdenkens, S. 3, Fußnote 8. In: Rüdiger Voigt (Hg.): Sicherheit versus Freiheit. Verteidigung der staatlichen Ordnung um jeden Preis?, Wiesbaden 2012.
[59] Mayer/Weingart 2004, S. 25.
[60] Vgl. exemplarisch Steven Vertovec: Ein Stigma, das bleibt, in: taz.de, am 26.04.20, https://taz.de/Corona-verschaerft-Rassismus/!5678303/ (Zugriff am 14.05.20). Mit dem #Iamnotavirus bezog man sich vermutlich auch auf die Selfiekampagne während der Ebola-Epidemie 2014, die sich gegen die Stigmatisierung von Westafrikaner*innen richtete. Vgl. das Gespräch zwischen Kerstin Schankweiler und Irene Chabr vom 26.09.17: #MachtDieHandykameraDirAngst, abrufbar auf: https://affective-societies.de/2017/interviews-portraits/machtdiehandykameradirangst/ (Zugriff am 14.05.20).
[61] Zur Kritik an diversen Startseitenbilder und u.a. auch am Spiegel-Cover vgl. Samira El Ouassil: Corona und der grassierende Virus der Chinesenfeindlichkeit, in: ubermedien.de, am 03.02.20, https://uebermedien.de/45749/corona-und-der-grassierende-virus-der-chinesenfeindlichkeit/ (Zugriff am 13.05.20). Trump stellte entgegen der Warnungen seiner Beraterin Deborah Brix die bislang gängige Theorie des Wildtiermarkts in Wuhan als den Ursprung des Virus in Frage und mutmaßte es handle sich bei Covid-19 um eine im Labor gemachte Seuche, die aus einem chinesischen Hochsicherheitslabor bewusst auf die Menschheit losgelassen wurde. „Ich habe keinen Beweis dafür, dass es ein Unfall in einem Labor war“, in: spiegel.de, am 19.04.20, https://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-beraterin-zu-coronavirus-kein-beweis-dass-es-ein-unfall-in-einem-labor-war-a-c5824475-ee4b-46f7-8788-188b9992adc0 (Zugriff am 14.05.20).
[62] Die Geschichte von Infektionsnarrativen autoritärer Regime gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen, soziale Milieus etc. ist lang. Vgl. zur Verwendung von Krankheitsbezeichnungen und Ekelattesten für Menschen, die man politisch und sozial ausschließen wollte, deren Rechte man nehmen wollte, um sie im äußersten Fall kollektiv zu ermorden, den Gastbeitrag von Philipp Hübl: Die Seuche der Menschenfeindlichkeit, in: zeit.de, am 03.04.20, https://www.zeit.de/wissen/2020-03/corona-pandemie-menschenfeindlichkeit-abgrenzung/komplettansicht 5/ (Zugriff am 03.04.20).
[63] Protesters argue with Police inside Michigan Capitol Building, YouTube-Kanal von mlive, 30.04.20, 05:00 min, der zitierte Ausschnit bei 01:49. https://www.youtube.com/watch?v=Z2CxC8Qqu-4 (Zugriff am 13.05.20).
[64] https://twitter.com/realDonaldTrump/status/1256202305680158720 (Zugriff am 13.05.20).
[65] „Wir bleiben für euch hier. Bitte bleibt für uns daheim“, in: spiegel.de, am 19.03.20, https://www.spiegel.de/gesundheit/coronavirus-aufhalten-wir-bleiben-fuer-euch-hier-bleibt-bitte-fuer-uns-daheim-a-10ea79a3-3474-4af7-a019-8d543e751d6f (Zugriff am 11.05.20).
[66] Mayer/Weingart 2004, S. 10.
[67] Kerstin Schankweiler: Bildproteste. Widerstand im Netz, Berlin 2019; vgl. Julia Höner, Kerstin Schankweiler (Hg.): Affect Me. Social Media Images in Art, Ausst.kat., Leipzig 2017.
[68] Erschöpfte Helden, in: welt.de, am 29.03.29, https://www.welt.de/vermischtes/article206864647/Coronavirus-in-Italien-Fotos-der-erschoepften-Helden.html (Zugriff am 14.05.20).
[69]   Beeindruckende Bilder nach dem Dienst an der Allgemeinheit, in: rtl.de, am 25.03.20, https://www.rtl.de/cms/die-helden-der-corona-krise-so-zeichnet-ihr-dienst-die-menschen-an-vorderster-front-4510276.html (Zugriff am14.05.20). Zu der hier gezeigten Abbildung findet sich auf der Internetseite von RTL bemerkenswerterweise der Hinweis der Redaktion, dass es sich bei den Bildern in diesem Instagram-Post nicht um die Orignialbilder handle, sondern diese nachträglich bearbeitet worden seien. Vermutlich handelt es sich hierbei um eine Reaktion auf einen Kommentar, in dem behauptet wird, die Abdrücke können in der Intensität nicht allein vom Tragen der Maske stammen.
[70]  Miriam Khan: "Ich bin zusammengebrochen." Wie Mediziner und Krankenschwestern in Italien an ihre Grenzen stoßen, in: stern.de, am 11.03.20, https://www.stern.de/gesundheit/coronavirus-in-italien--wie-mediziner-und-krankenschwestern-an-grenzen-stossen-9177798.html (Zugriff am 24.05.20); Karen Krüger: Die Weigerung, Verantwortung zu übernehmen, in: faz.net, am 13.03.20, https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/quarantaene-in-italien-keine-verantwortung-uebernehmen-wollen-16676472.html (Zugriff am 11.05.20); vgl. Matthias Rüb: Sie hat das Lachen nicht verlernt, in: faz.net, am 03.04.20, https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-in-italien-zehntausende-aerzte-und-pfleger-infiziert-16710505.html (Zugriff am 14.05.20).
[71] Oliver Meiler: Wir wollen nicht als Helden gelten, in: süddeutsche.de, am 02.04.20, https://www.sueddeutsche.de/politik/corona-italien-schutzmasken-aerzte-1.4865018 (Zugriff am 11.05.20).
[72] Vgl. Elisabeth Raether: „Dieses Klatschen ist fast zynisch“, zeit.de, am 25.03.20, https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-03/pflegekraefte-systemrelevante-berufe-unterbezahlung-corona-krise-ungerechtigkeit (Zugriff am 08.05.20).
[73] So soll eine Nachbarschaft in Spanien Ärzt*innen  dazu aufgefordert haben, auszuziehen. Vgl. Hans-Christian Rössler: „Wegen uns habt ihr noch zu essen“, in: faz.net, am 15.04.20, https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-in-spanien-angst-stellt-solidaritaet-in-den-schatten-16726651.html (Zugriff am 14.05.20). Auch gab es Meldungen von Pfleger*innen, denen der Zutritt zu Geschäften verweigert wurde. Vgl. David Gutensohn: „Ich wurde aus dem Supermarkt geworfen“, in: zeit.de, am 07.04.20, https://www.zeit.de/arbeit/2020-04/intensivpflege-coronavirus-ausgrenzung-social-distancing (Zugriff am 14.05.20).
[74] Julia Schaaf: Ein Großteil der Bevölkerung arbeitet nicht im Homeoffice, in: faz.net, am 21.04.20, https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/corona-artikel-was-eine-leserin-an-der-berichterstattung-stoert-16731102.html (Zugriff am 11.05.20).
[75] Elisabeth Raether u.a.: Die Krise der Frauen, in: zeit.de, am 22.04.20, https://www.zeit.de/2020/18/coronavirus-pandemie-arbeit-frauen-bezahlung-ungleichheit (Zugriff am 11.05.20); Carolina Schwarz: Eine Krise der Frauen, in: taz.de, am 26.03.20, https://taz.de/Corona-ist-weiblich/!5670768/ (Zugriff am 11.05.20); Jana Hensel: Die Krise der Männer, in: zeit.de, am 13.04.20, https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-04/gleichberechtigung-coronavirus-maenner-frauen-wissenschaftler-politiker-systemrelevante-berufe (Zugriff am 11.05.20).
[76] Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki im Interview mit Almut Siegert: „Solche Krisen sind wie eine Lupe“, am 25.04.20,  https://www.spiegel.de/partnerschaft/narzissten-in-der-corona-krise-wie-gehe-ich-jetzt-mit-meinem-partner-um-a-2cc8fd2b-4ddf-43d7-b6bc-a16212dcc6bd (Zugriff am 14.05.20).
[77] Laurie Penny: Panic, Pandemic, and the Body Politic, in: wired.com, am 14.03.20, https://www.wired.com/story/what-coronavirus-pandemic-says-about-society/?fbclid=IwAR0xHu5YvxbJSJHO7MS60snSGp_rVIfTPdyzFGK4oxJBrkx7wUk1lRqO2ec (Zugriff am 14.05.20).
[78] Susanne Ristow im Interview mit  Katharina Rustler: Kulturvirologin: "Ich weigere mich, mir Angst machen zu lassen", in: derstandard.de, am 14.03.20, https://www.derstandard.de/story/2000115720208/kulturvirologin-ich-weigere-mich-mir-angst-machen-zu-lassen (Zugriff am 26.05.20).
[79] Busch 2007, S. 54.
[80] Susanne Ristow im Gespräch mit Daniel Völzke: „Nichts ist ansteckender als die Angst“, in: monopol.de, am 29.02.20, https://www.monopol-magazin.de/coronavirus-susanne-ristow-viral-art (Zugriff am 08.04.20).

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