Registrieren
merken
Jacobus Bracker | 21.07.2019 | 233 Aufrufe | Ankündigungen

CFP Bild-Schichtungen. Phänomene und Konstruktionen von Bildebenen (Hamburg, 23.-25.03.2020)

Geplante bildwissenschaftliche Tagung, Universität Hamburg, 23.–25. März 2020

Bildwerke sind nicht zweidimensional. Diese Erkenntnis ist für eine Annäherung an die Rezeption und Bedeutungsgenese von Bildwerken essentiell. Sie trifft sowohl auf rundplastische Skulpturen, Reliefs und Wandgemälde, aber auch auf Münzbilder, Buchmalerei oder Bodenmosaike zu. Solche Bildwerke haben alle einen (veränderlichen) Platz im Raum, sind an ihren Untergrund gebunden, werden gehandhabt, bestehen aus mehreren Schichten und wirken mit anderen Objekten und Handlungen zusammen. Auch die Herstellung der Bildwerke kann als ein im materiellen Sinne mehrschichtiger Prozess beschrieben werden. Steinchen werden in einen Untergrund eingesetzt, Farbe aufgetragen, Material mit dem Meißel abgetragen oder mit einer gewissen Dicke in eine Form gegossen. Es liegt also nahe, die verschiedenen Ebenen oder Schichten zu unterscheiden und zu fragen, wie diese zur Wahrnehmung und zur Wirkmacht beigetragen haben. Außerdem sind die mit Bildwerken verbundenen Phänomene und Prozesse allesamt an eine Zeitlichkeit gebunden: die Produktion des Bildträgers ist ein Vorgang, der sich wie seine Wahrnehmung in der Zeit erstreckt. Das Bild selbst referenziert Zeit und Dauer des Dargestellten und sein Träger wandert nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit. Mit der Zeit sedimentieren verschiedene Bedeutungsschichten, die durch Erosionsprozesse wieder zum Vorschein kommen können. Die Dimension der Zeit erzeugt also weitere Ebenen des Bildes.

Während diese Phänomene letztlich für alle physisch erfahrbaren Objekte gelten, zeichnen sich Bilder außerdem durch weitere Vielschichtigkeit in kommunikativen Prozessen aus. In figürlichen Darstellungen können Figuren miteinander interagieren, im Bildraum gestaffelt oder parallel positioniert sein. Der Vasenmaler, Stempelschneider oder Buchmaler – um nur drei beliebige ProduzentInnengruppen zu nennen – bedient sich mannigfaltiger Möglichkeiten der Bildgestaltung. Diese wiederum können in ihrem jeweiligen Kontext unterschiedliche Absichten der ProduzentInnen widerspiegeln bzw. Wirkungen auf Seiten der RezipientInnen evozieren. Es wird z. B. mit verschiedenen Registern operiert, um einzelne Bildelemente zu hierarchisieren. Innerhalb einer Komposition erfolgt auf unterschiedliche Art und Weise eine Rahmung bzw. Framing, welches wiederum der Kenntlichmachung von signifikanten Unterschieden dient. Framing bedeutet hier nicht nur die tatsächliche Einbettung in einen Rahmen, sondern kann auch Phänomene wie stilistische Unterschiede, Größenunterschiede, die Positionierung auf einem Sockel, in einem Gebäude und andere Strategien der Differenzierung meinen. Durch solche wird etwa eine menschliche Figur als altertümliche Statue oder als verstorbene Person gekennzeichnet oder zwischen verschiedenen Handlungssträngen unterschieden. Unterschiedliche Erzählstile, Techniken und Themen boten den Malern, Bildhauern etc. jeweils spezifische Optionen mit den kommunikativen und ontologischen Ebenen zu operieren.

Bildwerke sind mehrdimensional. Für die RezipientInnen ergeben sich dadurch vielfältige und vielschichtige Ansätze zur Deutung von und zur Auseinandersetzung mit ihnen. Die Annäherung an zeitgenössische Wahrnehmungen und Bedeutungszuschreibungen lenkt unweigerlich den Blick auf das ‚sowohl als auch‘, auf die Möglichkeiten einer flüchtigen, ebenso wie einer intensiven Betrachtung: Zusammenhänge und Sinnebenen konnten in unterschiedlicher Weise erschlossen werden. Für die analytische Bildbetrachtung bleibt die immer wiederkehrende Frage, ob, wie und von wem eigentlich zwischen verschiedenen Ebenen unterschieden werden kann oder soll. Vor diesem Hintergrund befasst sich die Tagung mit den Phänomenen und den Konstruktionen der unterschiedlichen Arten von Bildebenen.

Mögliche Fragen wären:

Wie sind in bestimmten materialen Eigenschaften und Gattungen die Möglichkeiten zur Unterscheidung von Bildebenen angelegt? Welche Wechselwirkungen ergeben sich hierbei zwischen Material, Bearbeitung und Thema?

Welche Zusammenhänge lassen sich zwischen der Gestaltung materialer, zeitlicher und kommunikativer Ebenen feststellen?

Wie trägt die Unterscheidung und Kennzeichnung von Bildebenen zur Präsenz eines Bildwerks als Objekt, Medium oder Bild bei?

Welche unterschiedlichen Wahrnehmungen werden durch die Anlage von Ebenen ermöglicht oder auch gesteuert? Wie hängen diese mit den Umständen der Rezeption zusammen? Ist die Vielschichtigkeit an eine intensivere Betrachtung geknüpft oder erlaubt sie in manchen Fällen vielleicht sogar eine zügigere Erfassung bestimmter Zusammenhänge?

Welche Mittel wurden zur Unterscheidung von Bildebenen genutzt? Inwiefern sind diese typisch für bestimmte zeitliche und räumliche Kontexte?

Kann man im Zusammenhang mit Bildebenen von einer Lesbarkeit der Bilder sprechen und welches Potential birgt eine an Texten orientierte Analyse antiker Bildwerke? Inwieweit können hier z. B. Analysekategorien aus der Erzähltheorie fruchtbar gemacht werden? Mit welchen Mitteln werden in Texten Ebenen unterschieden und kenntlich gemacht und welche Rolle spielten in der Antike Phänomene wie Palimpseste oder Intertextualität?

Bitte schicken Sie Abstracts (250 Wörter) mitsamt Ihren Kontaktdaten und einer Kurzvita bis zum 22.8.2019 an fanny.opdenhoff@uni-hamburg.de.

Die Tagung wird von Jacobus Bracker, Fanny Opdenhoff und Martina Seifert am Institut für Archäologie und Kulturgeschichte des antiken Mittelmeerraumes der Universität Hamburg organisiert.

PDF-Datei downloaden (156.79 KB)

The Layered Image. Its Phenomena and Constructions in Ancient Art

Call for papers for a conference in image theory and visual culture studies, 23-25 March 2020, University of Hamburg

Images are not two-dimensional. This insight is essential for approaching the perception of and the constitution of meaning through images. It applies to sculpture in the round, reliefs, and wall paintings as well as to coins, book illumination or floor mosaics. Such works of art all occupy a (variable) place in space, are bound to the surface and consist of several layers. Moreover, they are handled and interfere with other objects and actions. Even the production of all kinds of images can be described as a multilayered process in a material sense. Tesserae are inserted into a substrate, paint is being applied, material removed with a chisel or poured into a mould with a certain thickness. Thus, it makes sense to distinguish different levels or layers of images and to ask how they have contributed to their perception and efficacy. In addition, the phenomena and processes associated with images are all bound to a temporality: the production of the image medium is a process that, like its perception, extends over time. The image itself references the time and duration of what is depicted, and its carrier moves through space as well as through time. With time, various layers of meaning may sediment or reappear through erosion processes. The dimension of time thus creates further layers of the image.

While, in the end, these phenomena apply to all physically perceptible objects, images are additionally characterised by further complexity in communication processes. In figural representations, figures can interact with each other, be staggered or positioned parallel in the pictorial space. The vase painters, engravers or illuminators – to name just three groups of producers – makes use of a variety of possibilities to shape and design their works. These, in turn, can reflect different intentions of their producers in their respective contexts or evoke effects on the recipient’s side. For example, different registers are used to invoke hierarchies of image elements. Within a composition, framing takes place in different ways, which in turn serves to identify significant differences. Framing here does not only mean the actual embedding in a picture frame, but moreover it refers to phenomena such as stylistic differences, size variation, positioning on a pedestal or in a building and other strategies of differentiation. Such strategies can be used to identify a human figure as an ancient statue or as a deceased person or to distinguish between different strands of action. Different narrative styles, techniques and themes provide e.g. the painters and sculptors with specific options to operate with the communicative and ontological levels.

Works of art are multidimensional. For the recipients, this results in diverse and multi-layered approaches to interpret and deal with them. Approaches to contemporary perceptions and attributions of meaning inevitably raise questions regarding ambiguous aesthetic experiences: the possibilities of a casual, as well as an intensive contemplation and observation. Connections and layers of meaning can be developed in different ways. The recurring question remains, whether, how, and by whom a distinction can or should be made between different layers. With these considerations in mind, the conference will address phenomena and constructions of different types of image layers.

We invite contributions regarding possibly but not exclusively the following questions:

How do certain material properties and genres influence the possibilities of distinguishing between image layers? How do material, design and content interact?

Which correlations exist between the design of material, temporal and communicative layers?

How does the differentiation and marking of image layers contribute to the presence of an artwork as object, medium or image?

Which different perceptions are fostered or controlled by the creation of layers? How do these relate to the circumstances of reception? Is the recognition of multiple layers linked to an intensive scrutiny or does the multi-layered image in some cases perhaps even allow a more rapid understanding of certain contexts?

Which means were used to distinguish between image layers? To what extent are these typical for certain temporal and spatial contexts?

In the context of image layers, is it feasible to speak of a readability of images, and what potential does a text-oriented analysis of ancient works of art hold? To what extent can, for example, categories of analysis from narratology be applied in this respect? By what means are levels differentiated and identified in texts, and what role did phenomena such as palimpsests or intertextuality play in antiquity?

Please send an abstract (250 words) of your proposed paper along with your contact details and a short academic CV to: fanny.opdenhoff@uni-hamburg.de by 22 August 2019.

The conference is organised by Jacobus Bracker, Fanny Opdenhoff, and Martina Seifert and will take place at the Institute for the Archaeology and Cultural History of the Ancient Mediterranean at the University of Hamburg.

Kommentar erstellen

6B7BBB