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Dr. Ralf Schäfer | 17.09.2012 | 24959 Aufrufe | 2 | Artikel

Carl Diem und der deutsche Sport in der Ambivalenz der Moderne

Essay von Dr. Ralf Schäfer


Die Verbreitung des modernen Sports britischer Provenienz erfolgte seit Ende des 19. Jahrhunderts im Kontext der Modernisierungsprozesse der westlichen Gesellschaften. In der deutschen Sporthistoriographie wird behauptet, hierzulande habe sich ein moderner, pazifistischer und internationaler Sport im „Kulturkampf“ gegen das autochthone, auf nationalistische Abschließung setzende, militaristische Deutsche Turnen durchgesetzt. Dabei habe Sport im Gegensatz zum Turnen dank seiner „Eigenweltlichkeit“ ethnische oder gesellschaftliche Minderheiten integriert. Somit wird Sport positiv zum „Motor der Modernisierung“ verzeichnet. Problematische Aspekte der Geschichte des deutschen Sports wie seine früh angelegte Staatsnähe, die sich besonders in den deutschen Diktaturen negativ auswirkte, Militarismus oder Antisemitismus werden ausgeblendet oder als „Instrumentalisierung“ bzw. „Missbrauch“ des Sports von „außen“ bzw. „oben“, von Politik oder Staat, gedeutet. Eine Variante dieser sportlichen Modernisierungstheorie will nun die deutsche Sportgeschichte mithilfe totalitarismustheoretischer Theoreme unter verstärkter Akzentuierung der Opferperspektive im transnationalen Kontext der europäischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts verorten.

In diesem Beitrag werden anhand Karriere von Carl Diem (1882–1962), des wichtigsten deutschen Sportfunktionärs im 20. Jahrhundert, Überlegungen zur theoretischen Fundamentierung einer noch zu schreibenden Gesellschaftsgeschichte des deutschen Sports angestellt. Schon im Kaiserreich begriff Diem den Sport als Sozialtechnologie und trug zur Begründung der besonderen Staatsnähe der bürgerlichen Verbände bei, indem er Sport antisozialdemokratisch ausrichtete und als vormilitärische Jugendarbeit konzipierte. Umgekehrt erkannte der Staat das politische Potential des Sports im Rahmen seiner kulturellen Außen-, seiner Erziehung-, Ordnungs- und Wehrpolitik. Wie Diems Karriere in vier Regierungssystemen zeigt, lassen sich weder das Theorem des „Kulturkampfs“ zwischen Turnen und Sport noch das sportlicher „Eigenweltlichkeit“ aufrechterhalten. Stattdessen muss die Geschichte des deutschen Sports mit Blick auf die politische Selbstausrichtung seiner Organisationen, die politischen Einstellungen und Initiativen seiner Akteure und die staatliche Politik mit dem Sport neu vermessen werden. Wegen der spezifischen historischen Bedingungen in Deutschland muss dies mit verstärkter Analyse der Täterseite geschehen. Doch fehlen einschlägige Organisationsgeschichten und Biographien seitens der Sportwissenschaft. Erst wenn diese Forschungslücken geschlossen sind, kann der deutsche Sport in der Ambivalenz der Moderne angemessen interpretiert werden.

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Carl Diem (porträtiert von Emil Stumpp, 1930)

Carl Diem und der deutsche Sport in der Ambivalenz der Moderne

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Gymnastische Übungen am Rhönrad, ausgeführt von Mitgliedern der Deutschen Hochschule für Leibesübungen

Zu Recht gilt Carl Diem (1882–1962) bis heute als der wichtigste deutsche Sportfunktionär des 20. Jahrhunderts. Sein prägendes Wirken im deutschen und olympischen Sport überspannt sechs Jahrzehnte und vier Regierungssysteme: Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Regime und Bundesrepublik. Stets bewegte er sich dabei an der Schnittstelle zwischen Staat und Sport in enger Verbindung mit hohen und höchsten Regierungsstellen. Als Höhepunkt seiner Laufbahn begriff er selbst noch nach dem Zweiten Weltkrieg seine Tätigkeit als Organisator der XI. Olympischen Spielen 1936 im nationalsozialistischen Berlin. Nicht zuletzt wegen seiner NS-Vergangenheit steht Diem, dem in der Bundesrepublik ein sportpolitisches Comeback gelang, exemplarisch für die Ambivalenz des modernen Sports im Deutschland des 20. Jahrhundert. Daher ist seine Biographie besonders geeignet, den Sport im 20. Jahrhundert als einem „Zeitalter der Extreme“ oder gar einem „Jahrhundert der Lager“ zu verorten. Wer sich aber als Historiker kritisch mit Carl Diem und der Ambivalenz des deutschen und olympischen Sports im 20. Jahrhundert befassen will, dem weht seitens der im Rahmen der Sportwissenschaft zur Sportgeschichte arbeitenden Professoren ein scharfer Wind ins Gesicht.[1] Um sich eines theoretischen Standpunkts zu versichern, und zwar nicht nur eklektisch, sondern systematisierend, bedarf es aber theoretischer Diskussionen, die ohne autoritäre Vorgaben durch sporthistorische „Mandarine“ und politische Rücksichtnahmen gegenüber der starken Lobby des Verbandssport geführt werden.[2] Dabei stellen vor allem der Nationalsozialismus, seine Nachwirkungen und der Umgang mit der NS-Vergangenheit für jede Analyse der deutschen und europäischen Geschichte hierzulande bleibende Herausforderungen dar. Das gilt auch für die Geschichte des deutschen Sports in seinem nationalen und transnationalen Kontext.

Im Rückblick verdichtet sich der Nationalsozialismus in zwei Hauptverbrechen: im Holocaust und im Vernichtungskrieg um „Lebensraum“. Mit beidem hat Sport auf den ersten Blick nichts zu tun; sportliche Egalität und Fairness im Wettkampf scheinen im Widerspruch zur Menschenverachtung der NS-Herrschaft. Daher schreibt Christiane Eisenberg dem Sport den Charakter einer „Eigenwelt“ zu; als Kulturimport aus der westlichen Moderne habe er ethische Werte so ausgebildet und bewahrt, dass er im NS-Regime als autonome Gegenwelt getrotzt habe. Den Organisator der Berliner Spiele von 1936 beschreibt sie als „bürgerlichen Modernen“, der unbeirrt auch im NS-Regime den Modernisierungskonzepten der Weimarer Republik treu geblieben sei.[3] Damit verkennt Eisenberg nicht nur die politische Orientierung Diems, sondern auch seine Bedeutung für die deutsche Sportgeschichte, die sie auf die reine Erfolgsgeschichte einer gelungenen Modernisierung reduziert. Leider hat sich diese Sichtweise in den letzten zehn Jahren trotz der breiten gegenläufigen Forschung nicht nur in den Verbänden, sondern auch in der Sporthistorie als positives Verdikt festgesetzt. 

Neuerdings spricht auch eine andere sporthistorische Variante der Modernisierungstheorie, die sich Zygmunt Bauman verpflichtet wähnt, Diem seine tragende Bedeutung für den deutschen Sport ab, indem sie versucht, die jüngste Debatte um Diem als „Kreisen um den deutschen Nabel“ abzutun.[4] Diese Sporthistoriker erblicken in der Debatte um Diem lediglich das Skandalisierungspotential; sie widmen sich vor allem Fragen der moralischen Bewertung von Diems Verhalten im Dritten Reich.[5] Zugleich wird in eher populärwissenschaftlicher Perspektive und in Anlehnung an Eisenberg Sport als ausschließlich positiv wirkender „Motor der Modernisierung“ dargestellt. So habe gerade der Fußball als der für Deutschland paradigmatischen Sport in seiner Frühphase an der Wende zum 20. Jahrhundert die Inklusion von Juden, nationalen Minderheiten und Einwanderern vorangetrieben.[6] Zwar hat es solche Tendenzen tatsächlich gegeben,[7] doch lässt die historische Faktizität insgesamt an dieser Erfolgsgeschichte zweifeln. Juden und vom NS-Regime zu Juden erklärte Sportler und Funktionäre wurden nach 1933 schnell aus Vereinen und Verbänden entfernt, auch dort, wo sie bis dahin eine größere Rolle gespielt hatten, im Wesentlichen ohne Widerstand, teils sogar unter Mithilfe aus dem Sportmilieu. Doch wichtiger als die Ambivalenz des deutschen Sports, wichtiger als die Analyse seiner Strukturen, seiner traditionellen Staatsnähe und der Bedeutung des Antisemitismus im Sport schon vor 1933[8] erscheint den Protagonisten dieses alternativen Theorieansatzes die Konzentration auf Sportler als Opfer der totalitären Regime im 20. Jahrhundert, das sie in verkürzender Anlehnung an Bauman als „Jahrhundert der Lager“ begreifen. Ihr Theorem arbeitet mit Ausblendungen und wird der Geschichte des deutschen Sports nicht gerecht.

Die Analyse der Moderne in ihrer Ambivalenz erfordert eine theoretisch reflektierte Beschäftigung mit der Täterseite, d. h. mit den relevanten staatlichen und politischen Strukturen und dem jeweiligen politischen Herrschaftspersonal und seinen sozialen, politischen und kulturellen Orientierungen, dazu mit den sportlichen Organisationsstrukturen und den entsprechenden Orientierungen von Sportlern und Sportfunktionären, die den Sport im Rahmen der jeweiligen Herrschaftssysteme realisieren. Bezüglich der deutschen Sportgeschichte ist hierbei das enge Verhältnis zwischen Sport und Staat in die Analyse einzubeziehen, für das gerade Diem paradigmatisch steht. Sport ist hierbei nicht nur als ein privates oder vereinsrechtlich organisiertes Phänomen zu verstehen; einzelne Sportler, Funktionäre, Vereine und Verbände verfolgten bereits in der Frühphase des Sports eine explizit politische Auffassung ihres sportlichen Tuns.

Will man nun den Begriff der „Moderne“ im Kontext der totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts verwenden, so ist der zeitliche Horizont der Analyse auch auf deren Wurzeln und Vorgeschichte sowie auf den Prozess ihrer Überwindung und nachträglichen Verarbeitung auszudehnen. Da das Personal des NS-Sports im Wesentlichen aus dem bürgerlichen Sport der Weimarer Republik hervorging und die meisten NS-Sportfunktionäre ihre Karriere in der Bundesrepublik im deutschen, aber auch im olympischen Sport fortsetzten, stellt sich zudem auch die Aufgabe, die jeweiligen Konversionsprozesse dieser Eliten nach 1945 im Kontext eventueller Kontinuitäten autoritärer, antisemitischer oder rassistischer Einstellungen zu analysieren.[9] Ansonsten besteht die Gefahr, dass diese Spezifika deutscher Sportgeschichte in einer verengenden, mit Theoremen Baumans eklektisch versetzten Totalitarismusperspektive aufgelöst werden, sodass letztlich das kritische Potential einer noch zu schreibenden Gesellschaftsgeschichte des Sports verschenkt wird. Auch wenn die Biographie Diems mittlerweile vergleichsweise gut erforscht ist, liefert sie immer noch einen strategischen Ausgangspunkt für eine innovative Analyse des deutschen und olympischen Sports in der Ambivalenz der Moderne. Darüber hinaus umreißt sie über weite Strecken eine neue Kultur- und Gesellschaftsgeschichte des deutschen Sports im internationalen und transnationalen Kontext.
 

„In der peinlichen Gesellschaft von Gleichheit und Brüderlichkeit“ [10] - Diem vor 1933

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Das Olympiastadion während der Wettkämpfe 1936

Zwar betrieben im frühen 20. Jahrhundert adelige und bürgerliche Funktionseliten die technisch-wirtschaftliche Modernisierung Deutschlands, doch wiesen sie in weiten Teilen den politischen Kern der Moderne, Menschenrechte und Parlamentarismus, zurück. So klaffte ein Riss im politischen Spektrum: SPD und Gewerkschaften, der größere Teil des Links- und der kleinere der Nationalliberalen sowie der linke Zentrumsflügel verfolgten emanzipatorische und demokratische Politikkonzepte in der Tradition der Französischen Revolution. Teile des Zentrums, die Mehrheit der Liberalen, die Konservativen, die Antisemitenparteien und die Agitationsverbände der Rechten setzten dagegen einen zunehmend völkischen Nationalismus, forderten Machtpolitik nach innen und außen, lehnten die Arbeiterbewegung völlig, den Parlamentarismus teilweise ab, bekämpften Pazifismus und Minderheiten. Antisemitismus, oft mit Arier- bzw. Germanenkult legiert, markierte die Trennlinie: Wer ihm anhing, lehnte die westliche Moderne ab.[11] Diese Polarisierung schrieb auch der modernen Kultur, somit auch dem Sport, ihre Bruchlinien ein: Die Diskriminierung der Arbeiterbewegung führte zur Gründung von Arbeiterturn- und -sportverbänden. Antisemitismus infizierte auch die bürgerliche Turn- und Sportbewegung; der „neue Mittelstand“, die Angestellten, und der Adel, die beide in der Sporthistoriographie als Trägerschichten der Sportbewegung gelten, waren für judenfeindliche Vorurteile besonders anfällig.

Diese Tendenzen beeinflussten Diem schon als jungen Angestellten und Sportsmann. Auch im Militär erlebte er Antisemitismus als soziale Norm. Er rezipierte völkisch-antisemitische Bildungsautoren wie Langbehn, Lagarde und Chamberlain und entwickelte judenfeindliche Alltags- und Körperwahrnehmungen, glaubte, Juden an Aussehen und Redeweise erkennen zu können und deutete politische, sportinterne und Alltagskonflikte judenfeindlich. Zwar war er kein Anhänger des biologistischen Antisemitismus und pflegte freundschaftlichen Umgang mit assimilierten, meist getauften Personen jüdischer Herkunft – doch hatten diese ihre jüdische Identität bereits aufgegeben. Zudem setzte er voraus, dass sie gleiche Werte wie er selbst vertraten; im Konfliktfall mobilisierte er sein Ressentiment auch gegen assimilierte Juden. Das zeigt sein Kommentar zur Bestallung eines Vereinskameraden zum Berliner Stadionarzt 1913: „Ich selbst hätte mich nicht so für ihn eingesetzt, wenn nicht seine Rivalen ein paar fürchterliche Juden gewesen wären […] Dieser Semitenbande wollte ich das Stadion doch nicht ausliefern.“[12] Doch äußerte Diem gemäß staatlicher Vorgaben und der Konventionen des bürgerlichen Establishments seine Judenfeindschaft nur privat – wer Karriere machen wollte, musste hier diskret bleiben.

Zugleich hegte er autoritäre Ordnungsvorstellungen, lehnte Gewerkschaften ab und forderte die „Bekämpfung staatsfeindlicher Parteien“ – gemeint ist die SPD. Sozialdemokraten, Linksliberale, Pazifisten, Juden markierte er 1913 als Feinde offensiver Machtpolitik. „Die Judenpresse mit ihrem zersetzenden Gesäusel, wenns und abers, mit ihrer liberalen Wabbligkeit, mit ihrem öden Spott über Regierung und Heer ist eine Schande für unser Volk. Sie hat alle Macht in den Händen […]“.[13] Seine Affekte bestätigen den Konnex von Antisemitismus und Ablehnung der politischen Moderne: „Auch das 20. Jahrhundert hat den größten Unsinn der Weltgeschichte, die klingende Phrase von der Freiheit (in der peinlichen Gesellschaft von Gleichheit und Brüderlichkeit) nicht überwinden können.“[14] Für die Krise der Republik machte er 1923 ihren „Überparlamentarismus“[15] verantwortlich, 1932 glaubte er, dass „die jetzige parlamentarische Form in jeder Richtung hin abgewirtschaftet hat. […] Unter allen schlechten Regierungen ist die Diktatur aber immer noch die relativ beste.“[16]

Seine Sportpolitik gestaltete Diem ab 1909 im Hauptausschuss für Leibesübungen und Jugendpflege von Groß-Berlin und ab 1912 im reichsweiten Jungdeutschlandbund gemäß seiner politischen Haltung. In diesen halbstaatlichen Organisationen realisierten militärische Stellen, Kommunal-, Länder- und Reichsbehörden in Kooperation mit konfessionellen, pädagogischen und politischen Jugend- sowie Turn- und Sportverbänden aus dem Bürgertum unter dem Rubrum „Jugendpflege“ ein Bündel jugend-, ordnungs- und wehrpolitischer Maßnahmen. Schul- und Vereinssport wurden als Sozialtechnologie zur politischen Kontrolle und vormilitärischen Erziehung genutzt: Sportliche Gemeinschaftspädagogik sollte die Jugend antisozialdemokratisch ausrichten und körperlich wie mental auf den Wehrdienst vorbereiten.

Im Konsens mit dem Kriegsministerium, das sein Ausbildungsmonopol wahren wollte, lehnte Diem dabei militärische Formen und Übungen ab und propagierte das Motto „Sport statt Jugendwehr“.[17] Sein Militarismus zeigt sich in der sportpolitischen Kooperation mit dem Kriegsministerium, wo nötig unter Umgehung aller zivilen Stellen, aber auch in der sportlichen Sinnzuweisung, der Konzeption von Sport als militärischem Propädeutikum, der Gleichsetzung von Sportler- mit Soldatentum. 1912 legte er dazu ein Sportpflichtgesetz vor. Ab 1919 forderte er eine Sportpflicht als Ersatz für die im Versailler Vertrag verbotene Wehrpflicht. 1932 führte er den bürgerlichen Sport in das paramilitärische Reichskuratorium für Jugendertüchtigung. Diems (Sport-) Politik trug zur Separierung des Arbeitersports bei, aus dessen Reihen er in Kaiserreich und Weimarer Republik scharf kritisiert wurde.

Olympische Spiele begriff er als nationalistische Leistungsschau. Sie sollten „die Kunde von der Bedeutung des deutschen Wirtschaftslebens und der deutschen Industrie, aber auch von Deutschlands kriegerischer Macht verbreiten“, alle „Völker von unserer Weltmachtstellung […] überzeugen.“ Dank „Volkskraft und „Rasseanlagen“ könnten Deutsche „liebenswürdige Gastgeber“, aber „auch gefährliche und erfolgreiche Gegner“ sein.[18] Dabei legierte Diem Olympismus und Militarismus. „Der Geist des Sports ist der Wettkampf. Wer aber alle Völker abrüsten will, der kann für seine allgemeine Gesundheitssuppe auch keine sportliche Gegensätze mehr brauchen.“[19] Nach 1918 sollte der Sport helfen, „ohne Zeitverlust den Platz an der Sonne wiederzuerobern“: „Deutsch sein darf nicht mehr heißen genügsam sein, deutsch sein muß heißen, die Welt für Deutschland fordern“.[20] NS-Kritikern der Olympiateilnahme von 1932 entgegnete er: „Wie soll man dies den Patrioten in der Heimat einhämmern, daß es draußen eine deutsche Front gibt und daß wir ein Stoßtrupp waren.“[21] Schon 1931 verhandelte er mit einem höheren SA-Führer „Möglichkeiten für die Pflege der Leibesübungen im dritten Reich“.[22]

Olympisches Feuer? Diem als NS-Sportfunktionär

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Berlin, Olympiade 1936, Siegerehrung Fünfkampf

Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag. Tags darauf wurde mit der „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ der faktische Ausnahmezustand verhängt, der, am 23. März im Ermächtigungsgesetz in legale Form gegossen, Grundlage der NS-Herrschaft bis zu ihrem Untergang blieb: Gegner des Nationalsozialismus waren nun vogelfrei. Am 28. März bewarb sich Diem als „Reichskommissar für körperliche Erziehung“. Damit passte er sich nicht nur an, er rekrutierte sich selbst für das NS-Regime.

In der Bewerbung pries er den Sport als „Mittel der Nationalerziehung“, Hauptziel sei seine „nationale Durchglühung“. Sportpädagogik akzentuierte der erfahrene Sportpolitiker als „geistige Jugendführung“ und „Erziehung zur Opferfreudigkeit“. Derlei „Leibeserziehung“ wolle er „in allen Volkskreisen zur Gewohnheit machen mit einheitlicher nationaler gesunder und wehrhafter Zielsetzung“, „Überfeinerung, Ziellosigkeit, Materialismus, Zersplitterung beseitigen“ sowie „die freien Kräfte des Volkslebens in eine einheitliche Richtung bringen“. Das Regime solle die „Mitwirkung des Reichs bei der Durchführung Olympischer Spiele“ und die „Kontrolle des Sportverkehrs zur Wahrung der internationalen Würde“ sicherstellen. Dafür würden die bürgerlichen Verbände ihre Arbeit nach „Weisung der Reichsregierung“ fortsetzen; hier schlug Diem „lose Zügelführung bei Gutwilligen, Rücksichtslosigkeit bei Widerspruch und Faulheit“ vor, zudem „Führerwechsel, wo notwendig“. Sich selbst hielt er für die Führungsposition im NS-Sport geeignet.[23]

Obwohl die Bewerbung erfolglos war, er seine Ämter zunächst verlor und eine SA-Charge zum Reichssportführer ernannt wurde, stellte er dem überforderten Reichssportführer seine Expertise uneingeschränkt zur Verfügung, richtete die Spiele von 1936 zu den Bedingungen des Regimes aus und verschleierte dessen antisemitische Maßnahmen nach außen. 1938 übernahm er das vom Reich finanzierte, vorgeblich Internationale Olympische Institut und trug von dort aus zur kulturellen Auslandspropaganda bei. Im Juni 1939 übernahm er den Auftrag der NS-Regierung, die kurzfristig an Garmisch-Partenkirchen vergebenen IV. Olympischen Winterspiele 1940 zu organisieren, die allerdings im November wegen des mit dem deutschen Überfall auf Polen begonnenen Weltkriegs abgesagt wurden. Nun zum Führer des Gaues Ausland des Nationalsozialistischen Reichsbunds für Leibesübungen ernannt organisierte Diem die bis 1943 fortgesetzten internationalen Sportkontakte des Regimes; auch überwachte er den tschechischen Sport im „Reichsprotektorat“.

Diems Konsens mit dem Regime war so groß, dass er dessen Verbrechen selbst in seinen Tagebüchern meist nur unter taktischen Gesichtspunkten beurteilte, so am 1. Januar 1940. Er „verkenne gar nicht die Schuld Englands am Kriege“, für Diem die erneute „Einkreisung“ Deutschlands. Aber „wir haben ihr schlechtes Gewissen uns gegenüber durch die Brutalitäten der Juden-Kirchen und anders-Denkenden Verfolgung [sic!] beruhigt. Hätte diese Belastung des deutschen Ansehens gefehlt, wären weder England noch Frankreich in den Krieg getreten, noch hätte Amerika, Schweden und Norwegen eine feindliche Gesinnung.“[24] Erleichtert feierte er im Juni den Sieg im Westen als „Siegeslauf in ein besseres Europa“[25] und wirkte danach an der Errichtung einer NS-Hegemonie im europäischen und olympischen Sport mit.

Vor französischem Publikum erläuterte er im besetzten Paris 1941 eine nationalsozialistische Variante der Olympischen Spiele als „Weltspiele“: „Die weiße Rasse“ müsse aufgrund „ihrer hohen Intelligenz“ sowie „planmäßiger Übung und Rückzüchtung“ den „Vergleich mit anderen Rassen nicht scheuen“; wer „ritterlich im Kämpfen“ sei, sei zugelassen.[26] Dass dies nach der NS-Ideologie nicht für Juden galt, wusste er. Während der Versuche zur Beseitigung des französischen Übergewichts in der Führung der europäischen Verbände bat Diem am 17. Oktober 1940 Otto Abetz, den deutschen Botschafter in Paris, von „geeigneter Stelle“ überprüfen zu lassen, ob zwei missliebige französische Funktionäre Juden waren[27] – im Juli hatte Abetz eine eigene Verfolgungsinitiative lanciert, am 3. Oktober die Vichy-Regierung ein „Judenstatut“ zu ihrer Entfernung aus dem öffentlichen Leben erlassen. Die beiden Funktionäre waren keine Juden, fand die SS heraus, kündigte aber weitere Nachforschungen an. Mit dieser Denunziation demonstrierte Diem seine Bereitschaft zur Teilnahme auch an antisemitischen Verfolgungsmaßnahmen.

Dennoch 1943 und 1944 bei der Ernennung zum Reichssportführer übergangen, meldete er sich zweiundsechzigjährig, also nicht mehr dienstpflichtig, freiwillig zum Volkssturm. Am 18. März 1945 hielt er unter Rekurs auf Antike, Sport und Olympismus im Berliner „Haus des Deutschen Sports“ eine Durchhalterede vor einem Volkssturmbataillon der Hitlerjugend. Mit dieser letzten Aufforderung zu der von ihm schon vor 1914 propagierten „Opferfreudigkeit“ setzte der Sportpädagoge den Schlussstein seiner „geistigen Jugendführung“ im NS-Regime.
Im April beteiligte er sich noch an den Kämpfen um Berlin.

„Spätlese am Rhein“[28]: Ankunft in der Moderne?

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Gedenktafel am Olympischen Platz 4, in Berlin-Westend

Nach 1945 schaffte Diem in der Bundesrepublik ein sportpolitisches und -wissenschaftliches Comeback. Als Gründungsrektor der Deutschen Sporthochschule Köln avancierte er zum einflussreichsten Sportwissenschaftler der Bundesrepublik; bis zu seinem Tod im Amt 1962 bildete er Generationen von Sportlehrern, -wissenschaftlern, -journalisten, Sportfunktionären und -politikern aus. Zeitgemäß akzentuierte er nun Sport als Vorschule der Demokratie, Olympismus als Friedenserziehung. 1949 war er Gründungsmitglied des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland, 1951 Mitbegründer der Deutschen Olympischen Gesellschaft. 1950 bis 1953 fungierte er als sportpolitischer Berater der ersten Regierung Adenauer. In Absprache mit der Bundesregierung beriet der international erfahrene Funktionär zudem verschiedene ausländische Regierungen. Aufgrund seiner guten Kontakte zum Internationalen Olympischen Komitee gelang dem Organisator der Spiele von 1936 auch der Wiederaufstieg in der internationalen olympischen Bewegung. Mehrmals Ehrengast bei Olympischen Spielen initiierte „Mr. Olympic Games“[29] noch die Einrichtung der Internationalen Olympischen Akademie 1961.

Zugleich wirkte er in Entnazifizierungsverfahren als Entlastungszeuge. Mit der Legende, der Sport sei frei von Einflüssen des NS-Regimes geblieben, mit dessen Verbrechen habe der Sport genauso wenig zu tun wie er selbst, schuf er eine bis in aktuelle Theoriebildungen nachhallende Leitüberlieferung. Wirkte dieser „Vater des deutschen Leibesübungen“[30] vor 1933 als bürgerlicher Wegbereiter des NS-Regimes, so deformierte er als „pater historiae“ nach 1945 auch die Sporthistoriographie. Hierin mag einer der Gründe liegen, warum die deutsche Sportgeschichtsschreibung bis heute keine umfassende Analyse der NS-Vergangenheit geleistet hat. 

Sport und Nationalsozialismus – eine Forschungsbilanz

Obwohl in der Sportwissenschaft der Nationalsozialismus als eine der „am besten erforschten Epochen der deutschen Sportgeschichte“ gilt – tatsächlich existiert eine Reihe interessanter Aufsätze und Detailstudien – fehlen wissenschaftliche Monographien, moderne Organisationsgeschichten und biographische Studien zum NS-Sport; gleiches gilt für Weimar und die Bundesrepublik sowie für den olympischen Sport.[31] Auch stellt sich angesichts der letzten Debatte um Diem und seiner Stellung in der Geschichte des deutschen und olympischen Sports die Frage, warum in der deutschen Sportwissenschaft in den fünfzig Jahren seit seinem Tod weder eine Biographie dieses Sportfunktionärs und –politikers noch eine epochenübergreifende Gesellschaftsgeschichte des deutschen Sports erarbeitet wurde. Die im Rahmen der Sportwissenschaft verankerte Sportgeschichtsschreibung widmete sich bisher vor allem der moralischen Bewertung Diems, d. h. dem Konflikt, ob er als Namenspatron für Preise, Ehrungen, Sportanlagen oder Straßennamen taugt; der wissenschaftlichen Dimension der causa Diem gegenüber verhielt sie sich allenfalls abwartend oder intransingent. Daher beherrschten in der Sportwissenschaft bis vor kurzem Diems Apologeten das Feld und marginalisierten alle kritischen Ansätze, obschon die sportwissenschaftlichen Diem-Kritiker auf kommunalpolitischer Ebene einige Umbenennungen durchsetzen konnten. Jedoch blieben die theoretischen Dimensionen einer Gesellschaftsgeschichte des deutschen Sports vor dem Hintergrund der Moderne, zu deren Analyse die Biographie Diems geradezu herausfordert, dabei unterbelichtet.[32] So wurde die letzte Debatte um Diem in Münster und Berlin auch in der Hauptsache von Historikern geführt, während die progressiven Sporthistoriker zu ihrem historiographischen Kernproblem schwiegen.

Dass diese Debatte um Diem nunmehr von ihnen als „Kreisen um den deutschen Nabel“[33] abgetan wird, verweist auf ein Grundproblem der deutschen Sportgeschichtsschreibung: die Anwendung eines problematischen oder bestenfalls unterreflektierten Begriffs von Moderne bzw. Modernisierung. Es scheint, dass die von der Geschichtswissenschaft geführten intensiven Debatten über den Charakter von Moderne bzw. Modernisierung im Kontext der deutschen Geschichte die Sporthistoriker nicht erreicht haben.[34] Es reicht nicht aus, den Sport bzw. Fußball in politisch-pädagogischer Perspektive als „Motor der Modernisierung“ darzustellen, erwies sich der Sport doch gerade in Deutschland eine spitze Harke im Baumanschen Gärtnerstaat. So verbieten sich einfache moralische Kategorisierungen der deutschen Sportgeschichte. Auch lässt sich diese nicht einfach unter eklektischem Rückgriff auf Baumans Konzept vom „Jahrhundert der Lager“ in einem paneuropäischen Konzert von Sportler- und Funktionärsbiographien jeglicher Prägung auflösen. Zwar ist die Behandlung der NS-Verbrechen im gleichen Zusammenhang mit dem Stalinismus etwa aus osteuropäischer, vor allem aus polnischer Sicht, sinnvoll, da Polen zweifaches Opfer war. Doch birgt die gleiche Totalitarismusperspektive im deutschen Kontext die Gefahr, dass mit der Spezifik der NS-Geschichte als deutscher Gesellschaftsgeschichte auch die Geschichte des NS-Sports zugunsten eines wenig differenzierten Blicks auf angeblich zeittypische autoritäre, antidemokratische und antisemitische Tendenzen nivelliert wird. Überdies verführt eine allzu eingängige Thematisierung der Opferperspektive hierzulande dazu, die Analyse der Täterseite und deren struktureller und mentaler Nachwirkung über 1945 hinaus in die Nachkriegsgesellschaft zu gering zu gewichten alle damit verbundenen Probleme zu glätten.

Da die deutsche Sportwissenschaft den NS-Sport nach den methodischen Grundsätzen der Geschichtswissenschaft bis heute nicht ausreichend erforscht hat, nicht einmal monographisch, könnte ein kritischer Ansatz oder ein vorschneller internationaler Vergleich sie nun überfordern. Daher bleiben der Sport als Sozialtechnologie und Medium systemkonformer Erziehung, die Selbstrekrutierung bürgerlicher Funktionäre im NS-Regime und die Dekonstruktion ihrer Rechtfertigungsmuster sowie ihre Konversion in der demokratischen Nachkriegsgesellschaft auch weiter lohnende Themen wissenschaftlicher Analyse im Rahmen einer Gesellschaftsgeschichte des Sports. Hierzu aber sind solide theoretische Fundamente und eine offene Debattenkultur unerlässlich. Das aber sind bis heute schmerzlich vermisste Desiderate.


[1] Zu Carl Diem vgl. die Biographie von Frank Becker, Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882–1962), vier Bände, Duisburg 2009–2011 und Ralf Schäfer, Militarismus, Nationalismus, Antisemitismus. Carl Diem und die Politisierung des bürgerlichen Sports im Kaiserreich, Berlin 2011. Zur aktuellen Debatte Wolfgang Benz (Hrsg.), Erinnerungspolitik oder kritische Forschung? Der Streit um Carl Diem, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 59 (2011), Themenheft, 197–271.

[2] In der Debatte um Diem offenbart sich – wie schon bei früheren Auseinandersetzungen um Sport und Olympische Spiele im Nationalsozialismus – ein bedauerliches Defizit an demokratischer Diskussionskultur in der deutschen Sporthistoriographie. Vgl. das Interview von Andrea Schültke mit dem Diem-Biographen Frank Becker im Deutschlandfunk, 19. 2. 2012, „Ich würde es nicht noch einmal machen". Eine unabhängige Forschung über den deutschen Sportfunktionär Carl Diem ist schwierig; www.dradio.de/dlf/sendungen/sport/1681567/; zuvor in abgeschwächter Form in: ZEIT ONLINE, www.zeit.de/sport/2011-12/interview-becker-diem-nazi/seite-2, Streit um Carl Diem. Vater des deutschen Sports als Vorbild ungeeignet.

[3] Christiane Eisenberg, „English sports“ und deutsche Bürger. Eine Gesellschaftsgeschichte, Paderborn 1999, 441.

[4] So Diethelm Blecking im Interview mit der Badischen Zeitung, 30. 11. 2011, Von Opfern, Widerstand und steilen Karrieren, vgl. http://www.badische-zeitung.de/sonstige-sportarten/von-opfern-widerstand-und-steilen-karrieren--52592532.html.

[5] Stellvertretend Frank Röller, Carl Diem – ein moralisches Vorbild?, in: SportZeiten 12 (2012), 1, S. 39–57.

[6] Diethelm Blecking, Der Motor der Modernisierung? Wie der moderne Sport nach Deutschland kam!, in: Beilage der Kreiszeitung Böblinger Bote, herausgegeben vom Heimatgeschichtlichen Verein für Schönbuch und Gäu, Heft 2012, S. 1–4; vgl. www.bb-live.de/beilagen/getpdf.php?BBLIVEID=&datei=963_20120104132133.

[7] Vgl. hierzu Dietrich Schulze-Marmeling, Der FC Bayern und seine Juden. Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur, Göttingen 2011.

[8] Vgl. hierzu Wolfgang Benz (Hrsg.) Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Bd. 5, Organisationen, Institutionen, Bewegungen, Berlin 2012, darin: Sportvereine bis 1933, S. 577–582; ebenda, Band 2/1, Personen, darin: Ferdinand Hueppe, S. 385–386 und Carl Diem, S. 171–173 sowie Bd. 2/2, Personen, darin: Guido von Mengden, S. 544–545 und Edmund Neuendorff, S. 580–581.

[9] Zur Elitenkontinuität vgl. Ingo Haar/Michael Fahlbusch, Völkische Wissenschaften und Politikberatung, in: diess. (Hrsg.), Völkische Wissenschaften im 20. Jahrhundert: Expertise und „Neuordnung“ Europas, Göttingen 2010, S. 9–38.

[10] Carl Diem, Pflichtsport (1912), in: Olympische Flamme. Das Buch vom Sport, 3 Bände, Berlin 1942, hier Band III, Organisation und Praxis, 1120–1121, Zitat S. 1120.

[11] Hierzu Shulamith Volkov, Antisemitismus als kultureller Code, in: diess., Antisemitismus als kultureller Code. Zehn Essays, München 2000, S. 13–36.

[12] Carl Diem an Richard Franz, 16. 4. 1913, Carl und Liselott Diem-Archiv (CuLDA).

[13] Carl Diem an Richard Franz, 3. 4. 1913, CuLDA.

[14] Carl Diem, Pflichtsport (1912), in: ders., Olympische Flamme, Band III, 1120–1121, Zitat S. 1120.

[15] Ders., Arbeitszeit und Sport (1923), in: Olympische Flamme, Band I, Sinn, 101–103, Zitat 101.

[16] Carl Diem an Erich Günther Blau, 1. 3. 1932; CuLDA.

[17] Carl Diem, Sport statt Jugendwehr, in: Welt-Echo. Eine politische Wochenschau, 1919, Nr. 12/13, 179.

[18] Ders., Aufgaben für 1916, Fußball und Leichtathletik 14 (1913), Nr. 28, nach Karl Lennartz (Hrsg.), Die VI. Olympischen Spiele Berlin 1916, Köln 1978, 61–64.

[19] Ders., Das Deutsche Stadion – was es uns sein soll, in: Lennartz, Die VI. Olympischen Spiele, 45.

[20] Ders., Die Welt für Deutschland fordern  (1925), in: Olympische Flamme Band I, 244.

[21] Ders., Ergebnis von Los Angeles (1932), in: ders., Olympische Flamme, Bd. I, 373–387, Zitat 374.

[22] Carl Diem an Franz Breithaupt, 30. 11. 1931, mit Bitte um mündliche Aussprache am 11. 12.; CuLDA.

[23] Carl Diem, Reichskommissariat für körperliche Erziehung. Entwurf auf Ersuchen einer Reichsstelle, in: ders., Olympische Flamme, Bd. III, 1152–1155.

[24] Ders., Tagebuch, 26. 12. 39–1. 1. 1940; CuLDA.

[25] Ders., … und sie haben die Probe bestanden, in: Reichssportblatt, 25. 6. 1940; unter dem Titel „Sturmlauf durch Frankreich“ nochmals in: ders., Olympische Flamme Bd. I, 124–129.

[26] Ders., Der Olympische Gedanke im Neuen Europa, Berlin 1942, 50–51.

[27] Carl Diem an Otto Abetz, 17. 10. 1940; Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Bot. Paris, Kult. 12, Nr. 4–6.

[28] So der Titel von Carl Diem, Spätlese am Rhein. Gedanken und Reden über den Sport 1947–1957 (Zum 75. Geburtstag ihres Rektors herausgegeben von der Sporthochschule Köln), Frankfurt/Main, 1957.

[29] Willi Weyer/Hans Lenk, Zwei Reden anlässlich der Gedenkfeier zum 90. Geburtstag von Carl Diem, gehalten am 24. Juni 1972 in der Deutschen Sporthochschule Köln, Sonderdruck, unpaginiert, Zitat von Willi Weyer.

[30] Der deutsche Sport verlor seinen Vater, in: Hamburger Abendblatt, 18. 12. 1962.

[31] Lorenz Peiffer, Editorial, in: SportZeiten 12 (2012), 1, S. 4. Im Folgenden konstatiert er, die „historische Aufarbeitung z. b. der Entwicklung, Funktion und Rolle einzelner Sportarten und ihre Verbände“ beschränke sich „weitestgehend auf die populäre Sportart Fußball und den Fußball-Bund sowie auf den größten Turn- und Sportverband: die Deutsche Turnerschaft“; ebenda, S. 4. Vgl. auch die nützliche Bibliographie von Lorenz Peiffer, Sport im Nationalsozialismus. Zum Stand der aktuellen historischen Forschung. Eine kommentierte Bibliographie, Göttingen 2009. Angesichts eines seit Jahren wachsenden öffentlichen Interesses an Sportgeschichte sind die genannten Forschungslücken bemerkenswert.

[32] Insofern dokumentieren die neuesten sportwissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Diem-Debatte in Michael Krüger, Erinnerungskultur im Sport. Vom kritischen Umgang mit Carl Diem, Sepp Herberger und anderen Größen des deutschen Sports, Berlin 2012 und die Beiträge zu Diem in SportZeiten 1, 2012, einen methodologischen Rückschritt.

[33] S. o. Fußnote 5.

[34] Paradigmatisch Norbert Frei, Wie modern war der Nationalsozialismus?, in: Geschichte und Gesellschaft (1993), S. 367–387, sowie Axel Schildt, NS-Regime, Modernisierung und Moderne. Anmerkungen zur Hochkonjunktur einer andauernden Diskussion, in: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 18 (1994), S. 3–22, hier besonders S. 21–22.

Kommentar

von F. Bonse | 18.09.2012 | 14:05 Uhr
Welche Funktion hat denn der Sport im Deutschen Kaiserreich und später nun tatsächlich gehabt? War er letztlich doch rückwärtsgewandt im Sinne von Nationalismus, Militarismus und Antisemitismus, wie er durch die Person Diems verkörpert wird, oder hat der Sport doch als ein wesentliches Merkmal gesellschaftlicher Modernisierung gewirkt - nämlich im Sinne einer Sozialtechnologie, die von den Zeitgenossen als Instrument verstanden wurde, um "die Dinge" zu verändern? Soll heißen: Welches Verständnis von Modernisierung liegt dem Beitrag zugrunde?
Mfg F.B.

Kommentar

von Magarete Amsel | 28.04.2015 | 15:09 Uhr
Wie würde ihr Fazit lauten ? Hat Carl Diem eine tragende Rolle in Bezug auf den angeblichen gesellschaftlichn Modernisierungsprozess durch den Sport gehabt, oder verkörperte er tatsächlich nur den nationalsozialistischen Einfluss auf den Sport ?

LG

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