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Georgios Chatzoudis | 05/29/2012 | 2876 Views | 1 | Interviews

"Blühendes Kirchenleben vor der Reformation"

Interview mit Prof. Dr. Enno Bünz

Ursache für die Reformation war eine fundamentale Krise der Kirche und der Frömmigkeitspraktiken, während der sich die Gläubigen vom Papst und seinen Vertretern abgewendet haben. So die landläufige Vorstellung, warum Martin Luther einst so erfolgreich und nachhaltig gegen die katholische Kirche aufbegehren konnte. Aber stimmt das tatsächlich? Die Wissenschaft sieht das schon seit Jahrzehnten anders - Untersuchungen des Alltags am Vorabend der Reformation zeigen, dass die Frömmigkeitspraxis der Menschen damals nicht nur intakt war, sondern weiter blühte.

Wie die Gläubigen ihre Frömmigkeit im damaligen Mitteldeutschland auslebten, darüber tauschten sich im April anlässlich einer Tagung Mediävisten, Kirchen-, Kunst- und Rechtshistoriker, Germanisten und Brauchtumsforscher drei Tage lang aus. Wir wollten vom wissenschaftlichen Leiter der Tagung, Prof. Dr. Enno Bünz, wissen, wie die Tagung verlaufen und zu welchen Ergebnissen man gekommen ist.

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Prof. Dr. Enno Bünz, seit 2001 Professor für Sächsische Landesgeschichte an der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig und die Broschüre zur Tagung "Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation in Mitteldeutschland"

"Mitteldeutschland ist weithin eine terra incognita"

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"Die Reformation war vor allem eine Fürstenreformation"

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"Grimmenthal, Elende, Wilsnack sind als Wallfahrtsorte vergessen"

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"Die Reformation setzte ein gebildetes Bürgertum voraus"

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"Frömmigkeitsgeschichte berührt alle Bereiche des späten Mittelalters"

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Das Interview in einer Audiodatei

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Comment

by Dipl.Ing. ETH, Martin Holzherr | 03.06.2012 | 18:38
Luther hat ja vor allem theologisch und aus Intellektuellen Gründen gegen den Ablasshandel argumentiert und von Beginn weg die Mittlerrolle der Kirche in Frage gestellt. Die Reue und das Vergeben der Sünden war für Luther eine Angelegenheit zwischen dem Gläubigen und Gott und die Autorität der Kirche wurde durch die Autorität der Bibel ersetzt. Für die Fürsten war Luther somit eine Figur, die theologisch begründete, warum eine Machtteilung zwischen kirchlicher und weltlicher Macht nicht gerechtfertigt war. Jedwelche Macht war weltliche Macht und die Religion war eine private Angelegenheit zwischen Gott und Gläubigem. Ohne den Schutz, der Luther von seinem Landesherrn Friedrich dem Weisen gewährt wurde, wären er und seine Thesen schon ganz zu Beginn von der römisch katholischen Kirvhe einkassiert worden. Die Fürsten erkannten früh, dass da jemand ihre Machtstellung auf zwar indirekte, deshalb aber gerade umso wirkungsvollere Art und Weise, legitimieren und sie von lästiger Konkurrenz befreien konnte - und dieser jemand spielte prächtig mit und verlangte nicht Mal einen Lohn für seine Dienste.

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