Registrieren
Aktuell kommentierte Beiträge
merken
Georgios Chatzoudis | 27.03.2020 | 2035 Aufrufe | 10 | Interviews

26. März 2020 | Coronakrise: Eine Epochenwende?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

Georgios Chatzoudis | 29.03.2020 | 00:10 Uhr
Sehr geehrter Herr Lange,

auch wenn Ihr Kommentar zu unserem LogBuch sehr kritisch ausgefallen ist, danke ich Ihnen, dass Sie sich mit unserem Chat-Format beschäftigt haben. Und tatsächlich ist es nicht mehr als ein Chat, bei dem Geisteswissenschaftler Gedanken zur Coronakrise austauschen, Fragen stellen und das Geschehen kritisch beäugen. Mehr kann es nicht sein, schon gar keine Handlungsanweisungen liefern. Wir tun letzlich das, was zurzeit die meisten tun: Wir beobachten die Ereignisse, in dem Bewusstsein, dass wir alle vor so einer Situation noch nicht standen und daher guter Rat teuer ist. So gesehen ist unser Gespräch nicht mehr als ein freier Gedankenaustausch von Menschen mit Geisteswissenschaftshintergrund, bei dem wir eventuell den einen oder anderen Punkt ansprechen, der im allgemeinen Mediengemurmel noch nicht oder kaum zur Sprache gekommen ist.

Mit Blick auf unsere nächste Chat-Runde werde ich Ihre Kritik gerne zur Diskussion stellen. In einem der nächsten Protokolle könnten Sie, wenn Sie mögen, die Reaktionen darauf nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen
Georgios Chatzoudis
merken
Georgios Chatzoudis | 27.03.2020 | 2035 Aufrufe | 10 | Interviews

26. März 2020 | Coronakrise: Eine Epochenwende?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

Marco Lange | 28.03.2020 | 23:20 Uhr
Sehr geehrte Dame, sehr geehrte Herren,

Ihr Aufmerksamkeitsdefizit in allen Ehren, so, wie sie hier geisteswissenschaftliches Denken explizieren, machen Sie keine Werbung für ihre Disziplinen. Im Gegenteil. Während es Herr Drosten, und im übrigen verkürzen Sie die Virologen leider nur auf Ihn, u.a. in Podcasts immer wieder versucht, seine Expertise im Kampf gegen das Virus nachvollziehbar, wissenschaftlich fundiert und mit einer gehörigen Portion Vorsicht, nämlich um die Artikulation seines begrenzten Wissens und der Forderung um Unbedingtheit der Zuarbeit anderer Wissenschaftsdisziplinen bei der politischen Entscheidungsfindung, darlegt, überschlagen Sie sich hier im Kern im den Gedanken: Wissen wir da wirklich, was wir tun? Warum fragt uns niemand?

So stellt man eine bzw. gleich mehrere Disziplinen nicht im Mediendschungel seriös dar. Bleiben Sie so, wie es viele andere Wissenschaften gerade auch tun, bei Ihren Leisten und legen Sie sortiert, fundiert und nicht im Medienschlagwortjagon Bedenken und Einwände klar und sachlich dar. Anders kann man sie nicht ernst nehmen - zumindest nicht als halbwegs wissenschaftlich interessierter Bürger.

Mit freundlichen Grüßen
Marco Lange
merken
Georgios Chatzoudis | 27.03.2020 | 2035 Aufrufe | 10 | Interviews

26. März 2020 | Coronakrise: Eine Epochenwende?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

Georgios Chatzoudis | 27.03.2020 | 23:37 Uhr
Sehr geehrter Herr Quencher, vielleicht lohnt die Überwindung ja mal. Wir haben hier eine sehr interessante Debatte - bald eventuell von seriellem Charakter. Mit freundlichen Grüßen, Georgios Chatzoudis
merken
Georgios Chatzoudis | 27.03.2020 | 2035 Aufrufe | 10 | Interviews

26. März 2020 | Coronakrise: Eine Epochenwende?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

Quentin Quencher | 27.03.2020 | 23:20 Uhr
Sehr geehrter Herr Chatzoudis, vielen Dank für die Antwort. Vielleicht ist es eine Marotte von mir, prinzipiell keine Texte mit „Sternchen“ zu lesen, denn eigentlich scheue ich mich nicht davor, in die Gedankenwelt von anderen Personen vordringen. Auch und gerade wenn ich anderer Meinung bin, so interessiert es mich doch, wie anders Gestrickte denken. Aber das Gendersternchen löst eine derartige innere Abstoßungsreaktion aus, dass es mir einfach unmöglich ist, mich mit solchen Texten zu befassen.
merken
Georgios Chatzoudis | 27.03.2020 | 2035 Aufrufe | 10 | Interviews

26. März 2020 | Coronakrise: Eine Epochenwende?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

Georgios Chatzoudis | 27.03.2020 | 13:30 Uhr
Sehr geehrter Herr Quencher, es sind doch nur sehr wenige Gendersternchen und im Chat wird das Thema "Sprachgendern" sogar einmal kurz angeschnitten - heiter und gelassen. Wir fühlen uns im Übrigen in einem persönlichen Chat nicht dazu berechtigt, die präferierte Kommunikationsform unserer Gäste zu sanktionieren. Ich hoffe da auf Ihr Verständnis. Mit freundlichen Grüßen, Georgios Chatzoudis
merken
Georgios Chatzoudis | 27.03.2020 | 2035 Aufrufe | 10 | Interviews

26. März 2020 | Coronakrise: Eine Epochenwende?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

Quentin Quencher | 27.03.2020 | 13:26 Uhr
So ärgerlich, gerne hätte ich den Text gelesen, aber alles voller Gendersternchen. Ich kann das nicht lesen! Und werde auch solch verunstaltete Texte in Zukunft nicht lesen.
merken
Georgios Chatzoudis | 27.03.2020 | 2035 Aufrufe | 10 | Interviews

26. März 2020 | Coronakrise: Eine Epochenwende?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

Georgios Chatzoudis | 27.03.2020 | 12:47 Uhr
Sehr geehrter Herr Meinhof, vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Frage, die wir heute Abend in unserer zweiten Runde aufnehmen werden. Wir werden unsere Gäste bitten, diesen Aspekt noch einmal zu präzisieren bzw. näher darauf einzugehen. Morgen können Sie unser Protokoll dazu nachlesen. Viele Grüße, Georgios Chatzoudis
merken
Georgios Chatzoudis | 27.03.2020 | 2035 Aufrufe | 10 | Interviews

26. März 2020 | Coronakrise: Eine Epochenwende?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

Marius Meinhof | 27.03.2020 | 12:44 Uhr
Tolle Debatte.
Finde es aber Schade, dass die Frage "warum waren wir unvorbereitet" irgendwie untergegangen ist. Ich denke, es gäbe einiges zu sagen zu der noch Ende Februar vielfach geäußerten Überzeugung, dass ein Virus, das eine Katastrophe im Entwicklungsland China auslöst, vom deutschen Gesundheitssystem verkraftet werden kann. Da steckt doch eine Art Distanzierung Europas von den Entwicklungsländern dahinter, vielleicht eine Form von othering? Die Nachrichten über China waren ja mindestens auch auf Englisch zugänglich, warum hat das anscheinend fast niemand in EU, USA usw. auf 'uns' bezogen?

Das wäre dann auch meine völlig utopische Hoffnung auf eine positive Folge: Dass Europa sich vielleicht etwas verletzlicher fühlt, zumindest nicht mehr denkt, Zusammenbruch des Gesundheitssystems durch Pandemien kann es nur in Asien und Afrika geben. Vielleicht ein stärkeres Gefühl dafür, global in einem Boot zu sitzen (oder in der Sprache der chinesischen Propaganda: eine globale Schicksalsgemeinschaft zu sein)?
Ich glaube nicht, dass das passieren wird, ist nur so eine spekulative Idee einer möglichen positiven Folge.
merken
Georgios Chatzoudis | 25.09.2018 | 3370 Aufrufe | 1 | Interviews

"Historischer Zusammenhang zwischen Neoliberalismus und Linksliberalismus"

Interview mit Andreas Reckwitz über die Gesellschaft der Singularitäten

Pau Simek | 08.03.2020 | 17:06 Uhr
Ob ich voreingenommen bin … man sieht was man sehen will? Mein Eindruck nämlich, die Postmoderne wird immer mehr als oberflächlich bis dumm abgelehnt … Sie ist doch nicht eine „Explosion“ von neuen Ideen … Immer mehr fragen sich, ob man einige wichtige Ideen der Frühmoderne und des Frühliberalismus nicht retten und weiterentwickeln muss, sonst endet der ach soooo „liberaler“ Kapitalismus in einer Katastrophe. So gat Prof. Reckwitz sogar kein Problem mit dem Klassenbegriff usw
"Ich will den Begriff [Neoliberalismus], der ja seinen Wert hat, eigentlich retten, indem ich ihn wieder auf seine Kernbedeutung zurückführe: auf die neoliberale Politik, die Politik der Vermarktlichung, die zweifellos in den letzten Jahrzehnten prägend war."
Die Marktwirtschaft war ursprünglich nicht eine „freiheitliche“, sondern eine geregelte Ordnung (Spinoza, Hume, Smith, …), der Neoliberalismus ist ihr Verrat und Henker
Marktwirtschaft neue denken
http://marktwirtschaft-neu-denken.de/
merken
Georgios Chatzoudis | 04.12.2018 | 4270 Aufrufe | 10 | Interviews

"Folgsamkeit der Klienten als Ressource"

Interview mit Bettina Grimmer über Jobcenter als Disziplinierungsinstitutionen

M. Ulrich | 28.01.2020 | 14:53 Uhr
Die Alternative zu einem Regelsystem mit alle seinen Fehler ist nicht, dass jeder nur noch macht, was er will und alle glücklich sind. Die Alternative nennt sich Anarchie und Zerfall der Gesellschaft.


Niemand wird auf Dauer bereit sein eine Gesellschaft mit seiner eigenen Arbeitskraft zu finanzieren, wenn andere nicht dazu bereit sind.

Die Folge konnte man im Staatssozialismus sehen: Schwarzmarkt, Unter-der-hand-Gemauschel, intransparentes Beziehungsgekungel. Der Normalbürger dagegen hatte das bloße Minimum (zumindest in Polen).

Ist das am Ende besser?

merken
Georgios Chatzoudis | 04.12.2018 | 4270 Aufrufe | 10 | Interviews

"Folgsamkeit der Klienten als Ressource"

Interview mit Bettina Grimmer über Jobcenter als Disziplinierungsinstitutionen

Martin B. | 26.01.2020 | 11:29 Uhr
Vielen herzlichen Dank an Bettina Grimmer für alle Mühe zu diesem Buch und exakt treffenden Buchtitel „Folgsamkeit herstellen“ - nach Synonymlexikon auch: Fügsamkeit, Gefügigkeit, Kadavergehorsam und um genau das geht es – vorallem sogar wie in feudalen* Zeiten in denen der Untertan auch keine Rechte hatte (?) - und man sie nicht mit Gesetzen und Rechten belästigen soll – der Amtsleiter sogar bestreitet, daß er die falsche Behörde bei einer Notlage ist ! - es heute eine zum Teil schrecklichste deutsche Geschichte gibt, aber nichts daraus gelernt, ein GG, Gesetze und sogar Urteile vom Bundesverfassungsgericht und sogar über das Leben und Lebensexistenz prozessiert werden muß (… wo ist da die Würde des Menschen unantastbar, wenn sie gerade vom Staat angetastet wird ?! (Art. 1 GG)) … und ich könnte viele Bücher füllen mit den ganzen Verhaltensweisen der Jobcenter, aber auch mit vielen anderen staatlichen Institutionen, wie Behörden, Gerichte, aber auch Parlamente (!) in denen genauso gedacht und gearbeitet wird - und die nur schriftlich und nachweisbar „produziert“ worden sind … und fühle mich heute an die damaligen Zeiten erinnert, wie auch ständig der Angst um mein Leben und meiner Lebensexistenz und dem Wissen, daß es dort Menschen gibt, die uns „verrecken“ lassen, indem sie von Anfang an ohne berechtigten Grund sämtliche Leistungen verweigern, dazu noch belügen, betrügen, verleumden, diskriminieren, auch Eingehungsbetrug, Prozeßbetrug, Nötigung und Erpressungen begehen … und dann auch noch gezwungen wird unter Androhung von Sanktionen (Nötigung/Erpressung) deren „Einladungen“ zu folgen, die Vorladungen sind und auch hier verharmlost wird wie zu anderen Zeiten … ihre vollständige Menschenverachtung dann auch (!) dadurch, indem man wieder ungewollte Menschen ohne rudimentäre Anhaltspunkte zu Geisteskranken und als vollständig erwerbsunfähig erklärt, was mal in die Öffentlichkeit gelangt ist unter https://hartz4widerspruch.de/news/leistungen-gestrichen-geisteskrank/

und dann soll man dort erscheinen in dem Wissen, daß in dem Beratungsvermerk wie üblich Lügen stehen die als Wahrheit an die Gerichte weitergegeben werden und so die „Kunden“ auch heute auch von den Gerichten entrechtet und entwürdigt werden, weil denen alles geglaubt wird ohne jeglichen Anhaltspunkt. Das war jetzt nur ein kleiner rudimentärer Anfang von über 1000 Seiten Jobcenter – Akten (ohne der inoffiziellen Geheimakten, die es darüber hinaus auch noch gibt und überhaupt keiner Kontrolle unterliegen), fast 100 Gerichtsverfahren, fast 100 Petitionen … noch mehr unbeantwortete (Dienstaufsichts-)Beschwerden, Befangenheitsanträge, ANTRÄGE auf Auskunft (ANTRÄGE müssen immer beschieden werden!) …

und werde als klagefreudiger Problememacher benannt, auch von Richtern (!) ohne Grund als Betrüger bezeichnet, obwohl ich nur mein Recht auf die gesetzlichen Leistungen durchsetzen möchte … = was ist da also völlig „geisteskrank“ in diesem Staat ??? - und weshalb macht auch heute niemand etwas gegen diese Exzesse – und darf ich mich nach Urteilen der Gerichte nicht mal darüber äußern …

ein selbstverständlich vollständiger, pünktlicher und unbürokratischer Leistungsbezug sowie Dienstleistungen überall vorausgesetzt werden, obwohl nicht vorhanden – und nach Treu und Glauben – und dann auch keine Pflichten für den „Kunden“ bestehen, er jedoch trotzdem seine Pflichten zu erfüllen hat mit Nötigung / Erpressung durch Sanktion oder vollständiger Leistungsversagung.

Es gibt viele Arten zu töten:
Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen,
einen von einer Krankheit nicht heilen,
einen in eine schlechte Wohnung stecken,
einen zum Selbstmord treiben,
durch Arbeit* zu Tode schinden,
einen in den Krieg führen u.s.w.
und nur wenig ist in diesem Staate verboten.

Bertold Brecht
merken
Georgios Chatzoudis | 21.01.2020 | 737 Aufrufe | 1 | Interviews

"Nichts verhindert ökologische Nachhaltigkeit mehr als sozioökonomische Ungleichheit"

Interview mit Christoph Butterwegge über Ungleichheiten in Deutschland

R.Gunst | 23.01.2020 | 11:32 Uhr
Ungleichheit und Armut ist nicht das Resultat böser geistiger Gesinnung, sondern der schlichte Effekt des Zinsfußes. Der treibt in jede Gesellschaft den Keil. der sie über kurz oder lang spaltet. Das wussten bereits die Israeliten und deshalb strichen sie wohl alle 7 Jahre die Schulden
Doch gerade dieser Keil ist die Grundlage einer nachhaltigen und permanenten Entwicklung der Menschheit. Ihre Durchfütterung mit einem Grundeinkommen würde aber gerade diese Anstrengungen für eine Weiterentwicklung verhindern.
merken
Georgios Chatzoudis | 24.09.2015 | 1797 Aufrufe | 1 | Interviews

"Der Verkündungsmechanismus funktioniert nicht mehr"

Interview mit Franz Sommerfeld zu Leserreaktionen in analogen und in digitalen Zeiten

Ingmar O. | 09.01.2020 | 11:36 Uhr
Gutes Interview, das die WDR-Belegschaft mal lesen sollte.

Stichwort "Oma-Sau-Lied" - Die Zeit der Gatekeeper ist vorbei und das ist gut so. Im ÖRR ist das leider noch nicht angekommen. Da sitzt man mit Millarden subventioniert auf den hohen Ross und jammert, wenn die eigene Meinung mal in Frage gestellt wird.

Ich denke auch da wird es knallen, wenn klar ist dass der ÖRR es nicht mal mehr schafft die Fußball-EM 2022 zu zeigen - und das bei 6 Millarden Zwangsgebühren.
merken
Georgios Chatzoudis | 24.06.2014 | 21576 Aufrufe | 10 | Interviews

Ustaša - "Faschismus und Nationalsozialismus als ideologische Leitsterne"

Interview mit Alexander Korb über Kroatien im Zweiten Weltkrieg

DPM | 02.01.2020 | 10:55 Uhr
Sehr geehrter Herr Korb, ich habe Ihr Buch zwar nicht gelesen, jedoch das Interview. Mir scheint Ihre Arbeit äusserst einseitig zu sein und wichtige Aspekte des serbisch-kroatischen Konflikts (welcher bereits weit vor dem 2.WK ausbrach) beiseite zu lassen. Zuerst einmal beruht die Dämonisierung der Kroaten (und zwar kollektiv alle Kroaten!) auf einer pervertierten serbischen Mythomanie, welche sich auch in obigen Kommentaren wieder findet. Die Ustaschi waren sicherlich keine heiligen aber folgende Punkte möchte ich zum weiteren Verständnis hervorheben: 1. Bereits im Rahmen des Jugoslawischen Königreiches wurden alle nicht-serbische Völker (und v.a. Kroaten) von den Serben brutal unterdrückt. Als die "Banowina Hrvatska" 1939 ausgerufen wurde kam es zu schwersten von Tschetniks ausgeübten Massakern an Kroaten und Muslimen im Gebiet Bosniens und der Herzegowina. Dass die Kroaten nach Selbständigkeit suchten ist somit verständlich. Dass die Serben dies niemals zulassen würden, da sie Kroatien als Teil ihres "Lebensraumes" betrachten war ebenfalls klar. Kein Wunder also, war die Erstellung des Vasallenstaates NDH für die Serben ein Fiasko, welches man mit propagandistischen Mittels bekämpfen musste. So entstanden danach weitere Mythen von 700'000 getöteten Serben im sog. KZ Jasenovac) die Zahl wurde mittlerweile auf 80'000 gesenkt, obwohl keinerlei Beweise dafür vorliegen (Ausgrabungen wurden 1964 abrupt eingestellt, als man nur wenige Leichen im Umkreis des Lagers finden konnte, selbst Tito hat Jasenovac nie besucht, um seine Kondolenz an die Opfer zu erbieten, etc.). Auch von kindertötenden kroatischen Monstern, welche die Augen ihrer kleinen Opfer in Früchteschalen hielten und weitere degoutante Mythen wurden entwickelt, mit dem Ziel die Kroaten und ihr Bestreben nach Selbständigkeit im Keim zu ersticken. All die Geschichten, welche über Kroaten und ihre Rolle im 2. WK (oder im rezenten Aggressionskrieg der Serben währen der 90er Jahre) kursieren sind übertrieben und häufig erfunden. Die aktuelle Datenlage in den Archiven bestätigt dies klar. Ich hätte mich deshalb sehr auf mehr Objektivität und Wissenschaftlichkeit in Ihrem Interview gefreut...
merken
Georgios Chatzoudis | 31.01.2017 | 3379 Aufrufe | 2 | Interviews

"Von der Marktwirtschaft zur Marktgesellschaft"

Interview mit Tim Engartner über die Privatisierung öffentlicher Leistungen und Güter

Imre | 22.12.2019 | 11:46 Uhr
Mir ist nach längerer Suche bisher auch noch kein positives praktisches Beispiel einer ÖPP, außer der Telekom, begegnet. Und zu dieser Firma sehe man die obigen Einwände des Autors an!
Neben vielen bekannten Reinfällen (Wasserversorgung, Autobahnbau, Bundesbahn in Vorber., Abwasserentsorgung, Toll Collect u.v.a.) möchte ich ein weniger bekanntes Ergebnis beisteuern.
Von 2005 bis 2012 fanden in der niedersächsischen Strassenbauverwaltung- auf Druck der regierenden CDU und der koaltionären FDP- zwei Pilotprojekte des Betriebs von Strassenmeistereien nach ÖPP-Maßstäben statt. Anfang 2013 gab es dazu eine recht umfangreiche Auswertung durch Gewerkschaft und Betriebsrat, im Beisein der Landespolitik und vieler Interessierter / Betroffener. Mehreren "mittleren" Nachteilen stand als positive Erfahrung eine schnellere Abwicklung von Baumaßnahmen gegenüber. Das Hauptergebnis fiel jedoch eindeutig stark negativ aus.
Die Befürworter hatten mit einer mindestens 10%-igen Kostenreduzierung geworben.
Tatsächlich erbrachten die Abrechnungen in der SM Herzberg und der SM Fürstenau eine einmal 35%-ige Verteuerung, im zweiten Fall 37% Verteuerung!
Oder zu gut deutsch: Absolut indiskutabel, das Ergebnis, nichtsdestoweniger werden hartnäckig derartige Irrwege angepriesen wie Sauerbier!
merken
Georgios Chatzoudis | 09.09.2019 | 1739 Aufrufe | 4 | Interviews

Wohin mit diesem Europa?

Zu Gast bei L.I.S.A. mit Ulrike Guérot

Ines | 15.12.2019 | 12:44 Uhr
Das linksliberale Spektrum in Deutschland hat mittlerweile jede Bodenhaftung verloren, wie das Interview, aber auch andere Beiträge, zeigen:

- DE soll alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen
- Atomausstieg, Kohleausstieg sollen durch Windräder (grundlastunfähig) ersetzt werden
- DE finanziert die Zobiepolitik der EZB jeden Monat mit Milliarden, aber niemand stoppt die Enteignung
- Dr. Roth will 1,3 Billionen Entschädigung
- DE soll die Arbeitslosen der EU finanzieren
Die SPD wählt eine drittklassige, völlig verpeilte Führung


Vielleicht sollten die CDU einfach mal die wahnwitzigen Vorhaben dieses Milieus benennen. wenn die normalen Leute das wüssten, wären die schnell wieder bei 70%.
merken
Dr. Mara Zatti | 25.02.2011 | 6777 Aufrufe | 3 | Interviews

Die Bergung der Grabkammer an der Heuneburg

Ein Interview mit Dr. Dirk Krausse

Dr. Detlef Klaehn | 14.12.2019 | 13:24 Uhr
Tolles Projekt, ich wüsste gerne den aktuellen Stand der Erkenntnis. Außerdem führen inzwischen viele Links in die Leere (404) und sollten aktualisiert werden...z.B. WDR Mediathek....
merken
Dr. Birte Ruhardt | 17.08.2013 | 17436 Aufrufe | 4 | Interviews

Die psychiatrische Einweisungspraxis in Nationalsozialismus, DDR und BRD (1941-1963)

Interview mit Stefanie Coché zur Geschichte der Psychiatrie in Deutschland

Georgios Chatzoudis | 11.12.2019 | 14:55 Uhr
Sehr geehrte Frau Schmidt,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut uns, dass Ihnen das Interview zusagt. Allerdings können wir nicht auf Ihre Tweets eingehen, da diese öffentlich nicht sichtbar sind. Dafür gibt es sicherlich gute Gründe - wir wollten nur erläuteren, warum wir nicht darauf eingehen können.

Mit freundlichen Grüßen
Georgios Chatzoudis
merken
Dr. Birte Ruhardt | 17.08.2013 | 17436 Aufrufe | 4 | Interviews

Die psychiatrische Einweisungspraxis in Nationalsozialismus, DDR und BRD (1941-1963)

Interview mit Stefanie Coché zur Geschichte der Psychiatrie in Deutschland

Schmidt, Karin-Teresa | 11.12.2019 | 13:28 Uhr
Danke, für Ihren interessanten Artikel, den ich eben erst entdeckte. Es scheint eine neue Entwicklung in der BRD zu geben, die diese Tendenzen wieder aufgreift. Vielleicht möchten Sie einmal meine Twitter-Einträge dazu lesen:
Schmidt Karin-Teresa@Schmidt67952491

Tragen wir alle mit dazu bei, dass sich das nicht weiter ausdehnt, egal mit welcher Technik.
Herzlichen Dank und freundliche Grüße
Karin-Teresa Schmidt
merken
Georgios Chatzoudis | 05.11.2019 | 1482 Aufrufe | 1 | Interviews

"Eine gemeinsame europäische Erinnerungsarbeit an den Zweiten Weltkrieg ist überfällig"

Interview mit Anke Hilbrenner über die Resolution zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg

Erschreckend offensichtlich totalitäres Verständnis von Geschichtswissenschaft | 09.12.2019 | 22:56 Uhr
In diesem Interview zeigt sich, wie übrigens auch in der von Fachkollegen als methodologisch völlig ungenügend beurteilte Publikation von Frau Weber (vgl. die Rezensionen von Professor Jost Dülffer in der SZ oder Professor Stefan Plaggenborg in der FAZ), das erschreckende Selbstverständnis einer neuen Fraktion von Geisteswissenschaftlern, die sich als ideologische "Bewusstseinsingeneure" im Dienste politischer Macht begreifen. Ich frage mich, ob Menschen wie Frau Hilbrenner klar ist, was sie hier vertreten: Hier wird nämlich, vermeintlich im Namen rechtsstaatlicher Demokratien, ein Verständnis von Freiheit der Wissenschaft aufgegeben, das gerade für demokratische Rechtsstaaten historisch grundlegend war.

Nein, es ist keine Aufgabe von Geschichtswissenschaftlern, einem politischen Gebilde wie der EU den passenden ideologischen "Kitt" vermittels der diskursiven Durchsetzung eines politisch genehmen "Kollektivgedächtnisses" zu verpassen. Das hierin implizierte normative Primat ist in keiner Weise mit der Freiheit von Forschung und Lehre, die unsere Verfassung schützt, vereinbar.

Es ist definitiv nicht die Rolle der Geschichtswissenschaft in einem demokratischen Rechtsstaat, einer politisch motivierten Deutung der Vergangenheit die diskursive Hegemonie zu verschaffen. Allein das als Bestreben zu formulieren, ist Nachweis der totalitären Tendenzen des dahinter stehenden Denkens.

Historiker haben sich allein um die Frage der historischen Wahrheit zu kümmern und auch politisch nur da einzuschreiten, wo politische Macht sich anschickt, Verfälschung zu kanonisieren oder ihre Verbreitung zu verhindern. Das zugleich wisssenschaftlich wie politisch motivierte Engagement bedeutender deutscher Historiker im Historikerstreit war eben genau darin begründet, dass die geschichtsrevisionistischen Positionen der Fraktion um Ernst Nolte eben aus der Motivation heraus, die Schuld Deutschlands an dem fürchterlichsten Vernichtungskrieg aller Zeiten (so das Urteil sogar Ernst Noltes) zu relativieren, Wahrheit entstellten.

Genau dies tun die neuen Apolgetinnen und Apologeten der vermeintlichen Auslösung des Zweiten Weltkriegs durch den Pakt zwischen Stalin und Hitler auch - damit negierend, dass es absolut unbestritten ist, dass der Eroberungskrieg des "Lebensraum im Osten" das durchgängig seit 1925 konsequent verfolgte Kernprojekt Hitlers war, dem von allem Anfang an jede Eskalationsdynamik bis zum "totalen Krieg" inhärent war. Hitlers Äußerung noch vor dem Pakt, dass er die westlichen Mächte für zu dumm hielte zu verstehen, dass alles, was er je getan habe, vorrangig und ausschließlich gegen Russland gerichtet gewesen sei, lässt hier wenig Interpretationsspielraum, wie zahlreiche weitere Dokumente auch, die zu beleuchten sowohl Frau Weber wie Frau Hilbrenner vorsorglich unterlassen und hierdurch ein alarmierendes Beispiel geben, was mit Geschichtswissenschaft geschieht, wenn sie Wahrheitssuche von normativen Primaten abhängig macht.

Die mit einem solchen normativen Anspruch einhergehende Selbstüberhöhung und die damit einhergehenden Gefahren für die Wissenschaft zeigen sich in den folgenden beiden Zitaten Hilbrenners: Erstens: "Dennoch sind etwa wir HistorikerInnen nicht nur Akteure der Geschichtswissenschaft, sondern häufig auch Gestalter von Geschichtspolitik." Zweitens: "Ja, eine gemeinsame europäische Erinnerung ist absolut notwendig und wünschenswert! Aus meiner Sicht als Historikerin ist es für das Gelingen der europäischen Integration unerlässlich, dass wir uns auf eine gemeinsame europäische Geschichte berufen, die mehr ist, als eine reine Summe der Nationalgeschichten. Für die Nation, die als Zugehörigkeit stiftendes Projekt das 19. und das 20. Jahrhundert prägte, hat sich die Geschichte als zentrale Legitimationsressource etabliert. Wenn wir wollen, dass das europäische Projekt im 21. Jahrhundert gelingt, dann brauchen wir eine gemeinsame Erzählung, um Zugehörigkeit erfahrbar zu machen."

Was zeigen die Zitate? Frau Hilbrenner (und Interviews mit Frau Weber erweisen, dass sie das gleiche Selbstverständnis aufweißt) benennt als ein der konkreten Arbeit an historischen Forschungsprojekten vorrangiges und vorgelagertes Ziel, das kein wissenschaftliches, sondern ein politisches ist, womit sie Geschichtswissenschaft unter ein politisches Primat stellt. Geschichtswissenschaft soll sich also in den Dienst eines wissenschaftfernen, nämlich politischen Ziels stellen, nämlich den ideologischen Zement für das politische Gebilde der EU darbieten, weil nur dieses supranationale Gebilde den Rückfall in die Nationalismen verhindere.

Hier wird also wissenschaftliche Erkenntnis unter ein normatives politisches Primat gesetzt - strukturell und ideologisch jenen nationalistischen Historikern entsprechend, die im 19. Jahrhundert Fachkollegen vorwarfen, "Verräter der Nation" zu sein, wenn ihre Forschung nicht zur großen Erzählung von Deutschlands Herrlichkeit und Preußens Gloria betrügen. Nun musss Geschichte der Gloria der EU dienen. Und auch die diffamierende Verurteilung von Fachkollegen sind in Hilbrenners Darlegungen bereits angelegt, falls sie ihre Prioritätensetzung nicht teilen: Sie unterstellt ernsthaft Kollegen, die nicht bereit sind, ihre Forschung in den Dienst des von ihr priorisierten Narrativs zu stellen, verkappte Altstalinisten oder Nationalisten zu sein. Ergebnisoffenes Arbeiten gibt es in Hilbrenners Kosmos offenbar gar nicht - und das im Falle einer empirischen Wissenschaft. Diese Frau merkt gar nicht, dass sie - darin ideologischen Apologeten des Nationalismus gleich, selbst Apologetentum fordert, nur für ein anders aufgestelltes politisches Machtgefüge - ein Anspruch, der jedoch zutiefst Wissenschaft widerspricht.

Wenn ich die Reihe der Historiker betrachte, die durch ihre empirische Arbeit - seit Beginn der am intensivsten geführten Forschungskontroverse der bundesdeutschen Geschichtswissenschaft, dem Historikerstreit nämlich, durch zähe Quellenarbeit nämlich, nachgewiesen haben, dass die Eskalationsdynamik des Vernichtungskriegs und die gesamte daraus sich entwickelnde Zerstörung zweifellos ihre Ursache allein im Aggressions-, Eroberungs- und Vernichtungswillen des nationalsozialistischen Regimes und seines Führers Adolf Hitlers hatte, was Verbrechen der stalinistischen Diktatur ja in keiner Weise in Abrede stellt, nur dass die eben nicht die Auslöser für den Zweiten Weltkrieg waren, dann ist das demagogische Potenzial ihrer von normativer Warte formulierten Pauschalverurteilung atemberaubend beträchtlich: Die Historiker, deren empirische Befunde sich nämlich nicht in Hilbrenner/Webers Deutungsnarrativ einfügen lassen, umfassen Namen wie Eberhard Jäckel, Martin Broszat, Wolfgang Benz, Wigbert Benz, Gerd Ueberschär, Wolfram Wette, Rolf-Dieter Müller, Jürgen Zarusky, Stephan Merl und Bernd Bowetsch - um nur einige zu nennen.

Doch Hilbrenner gibt nicht nur die Grundlagen von Wissenschaft preis, wenn sie die unter ein politisches Primat stellt, sondern beruft sich auch zu unrecht auf den von Hannah Ahrendt stammenden Totalitarismusbegriff. Die nämlich hielt Demokratien in keiner Weise für sui generis immun gegen Totalitarismus. In ihrem Aufsatz "Über Wahrheit und Lüge in der Politik" benennt sie genau den kritischen Punkt, an dem demokratische Systeme in den Totalitarismus zu kippen drohen, nämlich, wenn sie nicht mehr zwischen Tatsachenwahrheiten und Meinungen/Bewertungen/Deutungen unterscheiden können. Während jedes liberale Verständnis akzeptiert, dass es im Falle von Tatsachenaussagen, aus deren Eruierung Politik in liberalen Staaten sich herauszuhalten hat, nur darum geht, ob diese richtig oder falsch sind. Solche ergo unter einen Gesinnungsverdacht zu stellen, wie Hilbrenner dies tut, ist damit prinzipiell autoritär - und ein Missbrauch von Wissenschaft. Wenn Aussagen für falsch befunden werden, gehören sie fachwissenschaftlich vermittels widersprechender empirischer Befunde widerlegt. Dagegen müssen in einer liberalen Gesellschaft Meinungen, Deutungen und Bewertungen auf der Grundlage der vollständigen Menge ermittelter Tatsachenwahrheiten, welche nämlich u.a. von subjektiven Prämissen und Prioritäten beruhen, dem freien Spiel demokratischer Diskussionsprozessse zur Verfügung stehen. Auch hier ist eine Normierung von oben, sofern sie über verfassungsmäßige Prinzipien hinausgeht, mit dem demokratischen Rechtsstaat nicht vereinbar.

Es ist bezeichnend, dass Weber, genau wie Hilbrenner, Kritik mit normativen (d.h. moralisierenden) Angriffen ad personam pariert. Webers Monographie erfuhr durch ihren Fachkollegen, den Kölner Historiker Jost Dülffer, eine niederschmetternde, aber rein fachlich ausgerichtete, nämlich auf ihre selektive Berücksichtigung von Quellen und ihre mangelnde Quellenkritik abhebende, Kritik. Dülffer schrieb in der SZ am 18.8.19: "Was an dem Buch stört, ist der durchgängige Gestus des Innovativen, wo doch Sachverhalte dargelegt werden, die seit den 1950er-Jahren im Westen diskutiert werden. Im letzten Jahrzehnt des Ostblocks wurden "Westler" dort wiederholt eingeladen, weil sie vom Geheimen Zusatzprotokoll reden konnten, was die östlichen Kollegen tapfer nicht weiter kommentieren durften, aber immerhin zur Kenntnis nahmen. Das war aber nicht der Anfang der Forschung. Weber stützt sich zu den allgemeinen Beziehungen (neben einer alten Edition von 1949) fast durchgängig auf eine populäre Quellenedition aus den letzten Tagen der DDR aus dem Jahr 1990 (Pätzold und Rosenfeld), gelegentlich auf Internetfunde. Die grundlegende deutsche Edition in über einem Dutzend Bänden scheint unbekannt zu sein. Das ist für eine Wissenschaftlerin nicht seriös. Schlimmer aber: Bei ihrem Durchgang durch die deutsch-sowjetischen Beziehungen seit den frühen 1920er-Jahren zitiert sie in Dutzenden, wenn nicht Hunderten von Fällen die Memoiren der betroffenen deutschen oder sowjetischen Protagonisten, als ob dies nicht durchgängig nachträglich geschönte Versionen eigenen Tuns waren. Tatsächlich liegen ja vielfach die weniger anschaulichen amtlichen Aufzeichnungen in den Editionen vor. Dass das so nicht geht, lernt ein Studienanfänger an der Universität im ersten Semester. Quellenkritik ist unbekannt, wie ein anderes Beispiel zeigt: Im Rahmen der diversen Umsiedlungen hätten die Deutschen den Russen gesagt, sie wollten nicht noch mehr Juden im deutschen Bereich haben, die Russen sollten sie "doch selbst liquidieren". Wo hat Weber das her? Polens Exilministerpräsident Stanisław Mikołajczyk, der damals in London saß, hatte das im Gespräch mit US-Zeitungen erklärt. Woher er das hatte, ob das stimmte oder nicht, ob es andere Quellen dafür gibt, interessiert nicht; es passt so schön." Verheerender geht es wohl kaum, aber persönliche Angriffe gibt es hier nicht.

Wie aber antwortet Weber auf diesen Verriss? Auf Dülffers inhaltliche und methodische Kritik mit keinem Wort reagierend, entledigt sie sich des Vorwurfes durch eine ad hominem gerichtete Spekulation aus dem Trivialitätenreservoir abgestandenster Genderdebatten. Da der Kollege etwas an ihrer Arbeit auszusetzen hat, muss er ein unrettbarer Macho sein. In einem Interview des brandenburgischen Nachrichtenportals MOZ psychologisiert sie:
"Ich befürchte, da bin ich mit meinen Äußerungen in ein Wespennest gestoßen. Meine Beobachtung ist, dass den NS- und Dikaturforscherinnen nur Themen zugestanden werden, wie - salopp - gesagt Kochbücher im Dritten Reich. Über die wirklich harten Themen, wie Gewaltverbrechen und Zusammenarbeit der Geheimdienste, dürfen Historikerinnen nicht forschen. Es sind Männer-Themen. Und wenn sie es doch machen, dann machen sie es halt schlecht. Und dann bin ich als ostdeutsche Historikerin gekommen und habe den Vorwurf erhoben, "ihr habt da was jahrzehntelang übersehen, ihr habt da nicht hingeduckt"."

Hier wird gut deutlich, was Weber und Hilbrenner einerseits von Wissenschaft, andererseits von einem liberalen Diskurs halten. Das ist autoritäres Denken pur, einhergehend mit der Bereitschaft, historische Tatsachenbehauptungen der Überprüfung nach fachwissenschaftlichen zu entziehen und ihnen durch das, was im englischen Raum "character assassination" nennt, die Weihe der Deutungshoheit zu verleihen.

1986 verkündete Jürgen Habermas, als er die massive Kampagne Ernst Noltes in den konservativen Blättern der Republik erlebte, er fürchte um die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland. So geht es mir bei dem Hype um Geschichtsnarrativen wie die von Weber und Hilbrenner. Denn im Prinzip betreiben sie das gleiche wie das rechte Milieu der Geschichtsrevisionisten. Wie diese versuchen sie einer normativ definierten Sicht auf Geschichte politische Deutungshoheit zu verschaffen, unter Bereitschaft, die empirische Wahrheit zu entstellen. Dass dies im Namen eines dogmatischen Libertinismus erfolgt, der aber allen Prinzipien des Liberalismus widerspricht, macht das Ganze nicht beruhigender.