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Dr. Birte Ruhardt | 21.01.2014 | 1924 Aufrufe | 1 | Interviews

Auf Reisen mit dem Deutschen Archäologischen Institut

Interview mit Marcel Danner über sein DAI-Reisestipendium

Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) vergibt jährlich ein sogenanntes Reisestipendium an herausragende NachwuchswissenschaftlerInnen. Den Stipendiaten und Stipendiatinnen soll dadurch ein längerer Aufenthalt in den Ländern des antiken Kulturbereiches ermöglicht werden, um so archäologische Monumente und historische Stätten intensiv erkunden zu können. Einer der diesjährigen Stipendiaten, Dr. des. Marcel Danner, promovierte über Wohnkultur im spätantiken Ostia und ist nun seit Oktober 2013 für ein halbes Jahr auf Reisen. Wohin es ihn bisher führte und was seine ganz persönlichen Highlights waren, schrieb er uns aus der Türkei.

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Marcel Danner im Apollonheiligtum in Klaros

"Verschiedene Länder und Kulturkreise erstmals kennenlernen"

L.I.S.A.: Seit Oktober 2013 bereisen Sie die Mittelmeerregion mit dem Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI). Was bedeutet es für Sie als Archäologe das Reisestipendium erhalten zu haben? Welche Strecke haben Sie geplant und aus welchen Gründen?

Danner: Zunächst gibt mir das Reisestipendium die einmalige Gelegenheit, zahlreiche archäologische Stätten des Mittelmeerraums zu bereisen, deren Beschreibungen ich gelesen und deren Fotografien ich gesehen habe. Schon nach den ersten Wochen war mir klar, wie bereichernd diese Erfahrung in fachlicher Hinsicht ist. Jenseits der Begeisterung für die Archäologie ist es natürlich auch überaus spannend, auf diesem Wege verschiedene Länder und Kulturkreise erstmals kennenzulernen oder sich mit ihnen vertieft auseinanderzusetzen.

Bislang habe ich Teile Nord- und Mittelitaliens, das griechische Festland und den Westen der Türkei bereist. Im Januar werde ich mich vor allem in Süditalien und Sizilien aufhalten. Den Februar und den März will ich im westlichen Mittelmeerraum verbringen und dabei einzelne Regionen Südfrankreichs, Spaniens und Marokkos besuchen. Für mich war es besonders wichtig, die bedeutendsten archäologischen Stätten der klassischen Antike in Italien, Griechenland und in der Türkei kennenzulernen. Einen Einfluss auf die Reiseplanung hatte natürlich auch der Umstand, dass viele Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas, die mich zweifellos ebenfalls sehr gereizt hätten, derzeit aufgrund der politischen Situation kaum guten Gewissens zu bereisen sind.

"Ein Gefühl für die einzelnen Kulturlandschaften der klassischen Antike erhalten"

L.I.S.A.: Welche Orte waren auf Ihrer Reise von großer archäologischer Bedeutung und was hat Sie besonders beeindruckt?


Danner: Es fällt mir schwer, einzelne Orte hervorzuheben. Von Ort zu Ort waren es unterschiedliche Aspekte, die mir besonders bemerkenswert erschienen oder mich beeindruckt haben. Aufgrund seiner schieren Größe und der unglaublich qualitätvollen Ausführung seiner Bauteile hat mich der Apollontempel von Didyma sehr beeindruckt, ebenso aber auch die Lage und die gewaltigen Terrassen des Fortunaheiligtums von Palestrina. In Ephesos oder Philippi war es hingegen die Möglichkeit, große, zusammenhängende Stadtareale beschreiten zu können, die sich besonders eingeprägt hat. Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Es ist sicherlich noch zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Freilich, es ist reizvoll, eigene Thesen nun an unterschiedlichsten Befunden zu überprüfen, und sehr befriedigend, wenn sich diese auch noch bestätigen.

Es scheint sich aber auch jetzt schon abzuzeichnen, dass der große fachliche Gewinn dieser Reise für mich einerseits darin liegt, mir Kenntnisse unterschiedlichste Lebensbereiche antiker Kulturen zu erarbeiten. Schließlich beschäftige ich mich nun notwendigerweise mit Dingen, die ich während des Studiums und der auf Spezialisierung ausgerichteten Promotion nicht einmal gestreift habe. Andererseits erhalte ich durch die Besichtigung zahlreicher Stätten und die Bewegung zwischen diesen ein Gefühl für die einzelnen Kulturlandschaften der klassischen Antike. Dass beispielsweise Attika anders ist, als Epirus, kann man so oft hören und lesen, wie man will: Die Unterschiede zwischen diesen Landschaften, aber auch die kulturellen Beziehungen zwischen ihnen selbst vor Ort kennenzulernen, ist etwas Anderes.

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"Haus 1" in Orraon, Nordwest-Griechenland

"Spanien und Marokko im März"

L.I.S.A.: Bis Ende März sind Sie noch auf Reisen. Auf welche Reiseziele freuen Sie sich noch in den letzten Monaten?

Danner: Gespannt bin ich auf viele Orte. Besonders freue ich mich aber auf Spanien und Marokko im März. Schließlich sind die Wintermonate auch hier am Mittelmeer empfindlich kühl und ziemlich verregnet.

"Dass ich Archäologe bin, erwies sich an vielen Orten als Eisbrecher"

L.I.S.A.: Auf Ihren Reisen quer durch die Mittelmeerregion sind sie bestimmt häufig in Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung geraten. Wie wird man als Reisestipendiat von der einheimischen Bevölkerung und von den Außenstellen des Deutschen Archäologischen Instituts empfangen?

Danner: In den Zweigstellen des Deutschen Archäologischen Insituts wurden meine Frau, die mit mir reist, und ich stets freundlich empfangen. Von einzelnen Mitarbeitern wurden wir sogar zum Abendessen eingeladen, worüber wir uns sehr gefreut haben. Das verlieh den Aufenthalten an den Zweigstellen einen persönlichen, freundschaftlichen Charakter. Was den Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung angeht, so hatte ich bislang nicht den Eindruck, dass mich diese aufgrund des Reisestipendiums in irgendeiner Weise besonders behandelt. Sicherlich: Dass ich freiwillig während des gesamten Winterhalbjahres den Mittelmeerraum bereise, ohne einen dauerhaften Wohnsitz zu haben, ruft bei vielen Personen Verwunderung, bei den Archäologen anderer Nationalitäten aber auch oft Bewunderung hervor. Der Verweis darauf, dass ich Archäologe bin, erwies sich an vielen Orten, die ich bislang besucht habe, jedenfalls als Eisbrecher. In vielen Mittelmeerländern haben auch Personen ohne höhere Bildung einen Bezug zur Antike – und sei es nur, weil sie in der Nähe einer Ausgrabungsstätte wohnen und einige alte Tonscherben zuhause im Regal liegen haben.

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Marcel Danner mit seiner Frau Elisa Bazzechi in Tivoli

"Die zahlreichen Eindrücke dieser Reise in fachlicher Hinsicht verwerten"

L.I.S.A.: Was planen Sie nach dem Reisestipendium? Verfolgen Sie weiter die wissenschaftliche Karriere?

Danner: Ja. Die zahlreichen Eindrücke dieser Reise würde ich gerne auch in fachlicher Hinsicht verwerten. Es ist natürlich schwierig, eine geisteswissenschaftliche Karriere zu planen. Aber vielleicht ist ja gerade das Reisestipendium die ausschlaggebende Qualifikation, die meinem Profil bislang noch fehlte...

Marcel Danner hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

Kommentar

von Marcus Cyron | 09.05.2015 | 02:09 Uhr
Und zwei Jahre später ist nun Frau Bazzechi drann als Stipendiatin des DAI zu reisen. Eine wirklich interessante Familie. Da hoffen wir doch auf die Zukunft.

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