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Georgios Chatzoudis | 29.03.2012 | 6133 Aufrufe | 1 | Interviews

"Archäologische Stätten wie Mondlandschaften"
Plünderung und Antikenraub im Irak

Interview mit Dr. Michael Müller-Karpe

Im Irak gibt es nach Schätzungen bis zu 100.000 archäologische Stätten, nur etwa 10.000 sind bisher registriert - für den illegalen Antikenhandel ein wahre Goldgrube. Seit dem Ende des letzten Irakkrieges werden die archäologischen Stätten des Landes zwischen Tigris und Euphrat systematisch geplündert und ausgeraubt.

Der Archäologie Dr. Michael Müller-Karpe vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz ist einer der führenden Experten für altorientalische Metallarbeiten. Seit Jahren engagiert er sich zusätzlich gegen den illegalen Handel mit Kulturgütern, unter anderem mit antiken Objekten aus dem Irak. Dafür hat ihn vor einer Woche die irakische Regierung in Berlin ausgezeichnet.

Wir haben Dr. Müller-Karpe zu seiner Ermittlungsarbeit sowie zur aktuellen archäologischen Lage im Irak befragt.

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Luftaufnahme der Großstadt Jokha im Südirak, deren Ruinen fünftausend Jahre weitgehend unversehrt im Boden überdauert hatten und nun innerhalb weniger Monate durch Plünderungen unwiederbringlich zerstört wurden. Jedes Loch dieser Mondlandschaft ist eine Raubgrabung.

"Archäologische Stätten im Irak werden systematisch geplündert"

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Dr. Michael Müller-Karpe, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Vorgeschichte am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz

"Was im Antikenhandel angeboten wird, ist in der Regel illegaler Herkunft"

"München spielt beim illegalen Antikenhandel eine zentrale Rolle"

"Vor dem Krieg gehörte der irakische Antikendienst zum besten weltweit"

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Geplünderte Großstadt Umm al-Agarib, ebenfalls im Südirak

"Jährlich werden Milliarden mit geplünderten Kulturgütern umgesetzt"

"Archäologische Kampagnen im Irak sind lebensgefährlich"

Das Interview in einer Audiodatei

Kommentar

von Professor Henrik Hanstein | 20.10.2014 | 16:06 Uhr
Die Ausführungen von Herrn Müller Karpe sind von der Sorge um das wertvolle Kulturgut geprägt,aber nicht immer von Realität und abgewogenem Sachverstand-wie bereits ein Frankfurter Gericht bemängelte. Sein Engagement in Ehren,aber manches ist nun wirklich Unfug in Bezug auf den Kunsthandel.Selbiger hat die Kulturgüterschutzgesetze ebenso zu beachten wie die Museen und besonders auch die UNESCO Konvention von 1970. Darüberhinaus haben sich aber alle grösseren Auktionshäuser dem art Loss Register angeschlossen,welches alle Werke über 2500E in den Auktions-und Messekatalogen auf Verlust weltweit überprüft. Dies haben die Museen mit ihren Beständen noch nicht vollständig getan.
Würde Dr. Müller Karpe nicht so unbedacht und hemmungslos übertreiben,wäre sein Anliegen,welches ich teile,überzeugender.
Der Orient ist die Wiege unserer Kultur,und es ist ein Katastrophe was dort mit der Kultur passiert.
Die Zollfreiläger in Genf & Co. sollten daraufhin besser untersucht werden.

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