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Georgios Chatzoudis | 05.11.2011 | 1621 Aufrufe | Artikel

Adolph Friedrich Erdmann von Menzel,
Auszüge aus den Briefen eines Künstlers von 1830-1905

Adolph Menzel schreibt einen weiteren Brief an seinen Freund Friedrich Wilhelm Anton Puhlmann (*1797, †1882), einem Militärarzt aus Potsdam.

Puhlmann studierte in Berlin Medizin und Chirurgie sowie Philosophie und arbeitete später als Wundarzt im Berliner Charité-Krankenhaus. 1828 übernahm er das Amt des Regimentarztes bei den Garde-Husaren. Puhlmann machte sich außerdem einen Namen als Kulturförderer und war unter anderem Mitbegründer und Mitglied einiger Kunstvereine. Darüber lernte er Adolph Menzel kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte.

Puhlmann besaß zahlreiche Zeichnungen und graphische Arbeiten Menzels, die nach seinem Tod in den Bestand der Nationalgalerie übergegangen sind.

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5-Mark-Gedenkmünze der DDR zum 75. Todestag von Adolph von Menzel aus dem Jahr 1980

5. November 1836, Berlin
Brief 6 | An Wilhelm Puhlmann in Potsdam

Mein Hochverehrter Freund!
Für das Ueberschickte nehmen Sie und Ihre Frau Gemahlin (welcher ich meine Hochachtung zu bezeigen bitte) meinen schönsten Dank, ich muß gestehen, daß ich eine solche Beweisführung großartig finde, wer solche Exemplare sieht, der sollte, denk ich, vor der Potsdamer Weintraubenkultur Respekt bekommen, wenn ich nicht etwa hier eine Elite vor mir habe. Indem ich mich, durch den Augenschein überzeugt, der höheren Kenntniß ihrer lieben Frau Gemahlin gefangen gebe, und Ihnen zugestehe, (wenn auch nur hierin) daß die Damen immer Recht haben, so kann ich mich doch nicht der Bemerkung enthalten, daß: hätte Preyer die Weintrauben auf seinem Bilde so gegeben wie ich sie nun gesehen habe, d.h. hätte er sie mir geistreich und karackteristisch behandelt, als peinlich, ich nie verleitet worden wäre, über ihre Naturwahrheit zu streiten, denn: nicht Alles ist naturwahr, was der Natur ängstlich genau nachgeschrieben ist.

Es folgen ein paar Andrücke von der Actie mit, den Raum für den Namen des Actionnairs habe ich unterhalb der Hände, auf denen sich das Rad der Fortuna dreht frei gelassen; den Druck habe ich von demselben ausführen lassen, welcher den Titel für Raczynski's Werk gedruckt hat, der Mann behandelt die Sache mit Sorgfalt, hat auch schon viele meiner Arbeiten stets zu meiner Zufriedenheit gedruckt.

Nun leben Sie wohl, bestellen Sie herzliche Grüße an Ihre liebe Frau, Schwiegermutter, Herren Bruder, und Kinder von Ihrem ergebenen Menzel.

Fortsetzung folgt...

...der nächste Brief erscheint am 29. Dezember.

Über unserer Menzel-Reihe

Der Maler und Zeichner Adolph Menzel (1815-1905) gilt als einer der produktivsten und bedeutendsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Am Anfang seiner Karriere steht vor allem ein besonderer Auftrag, der den Autodidakten Menzel schnell bekannt machte: Die Illustration einer mehrbändigen Ausgabe über die Geschichte Friedrichs des Großen. Mehr als 400 Zeichnungen fertigte Menzel an und trug so wesentlich zur Historisierung und Popularisierung des Preußenkönigs bei. Außerdem widmete sich der in Breslau geborene Menzel in zahlreichen Bildern und Zeichnungen seiner Wahlheimat Berlin.

In einer neuen Reihe veröffentlichen wir passend zum jeweilgen Datum Briefe Adolph Menzels, die mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung in vier Bänden im Deutschen Kunstverlag erschienen sind: Adolph Menzel. Briefe, herausgegeben von Claude Keisch und Marie Ursula Riemann-Reyher, Deutscher Kunstverlag Berlin München 2009.

Unser besonderer Dank gilt dem Deutschen Kunstverlag sowie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für die Genehmigung, einzelne Briefe auszugsweise veröffentlichen zu dürfen.

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