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Georgios Chatzoudis | 08.10.2011 | 1951 Aufrufe | Artikel

Adolph Friedrich Erdmann von Menzel,
Auszüge aus den Briefen eines Künstlers von 1830-1905

Der Maler und Zeichner Adolph Menzel (1815-1905) gilt als einer der produktivsten und bedeutendsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Am Anfang seiner Karriere steht vor allem ein besonderer Auftrag, der den Autodidakten Menzel schnell bekannt machte: Die Illustration einer mehrbändigen Ausgabe über die Geschichte Friedrichs des Großen. Mehr als 400 Zeichnungen fertigte Menzel an und trug so wesentlich zur Historisierung und Popularisierung des Preußenkönigs bei. Außerdem widmete sich der in Breslau geborene Menzel in zahlreichen Bildern und Zeichnungen seiner Wahlheimat Berlin.

In einer neuen Reihe veröffentlichen wir passend zum jeweilgen Datum Briefe Adolph Menzels, die mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung in vier Bänden im Deutschen Kunstverlag erschienen sind: Adolph Menzel. Briefe, herausgegeben von Claude Keisch und Marie Ursula Riemann-Reyher, Deutscher Kunstverlag Berlin München 2009.

Unser besonderer Dank gilt dem Deutschen Kunstverlag sowie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für die Genehmigung, einzelne Briefe auszugsweise veröffentlichen zu dürfen.

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Briefmarke der Serie Männer aus der Geschichte Berlins (1952)

Was in der Zwischenzeit geschah...

Seit dem letzten, bei L.I.S.A. veröffentlichten Brief vom 29. September 1829 sind mehr als sieben Jahre vergangen.

Adolph Menzel ist in der Zwischenzeit mit der Familie von Breslau nach Berlin umgezogen (1830), wo er eine lithographische Ausbildung in der Druckerei seiner Vaters absolviert. Ein Jahr darauf erhält Menzel seinen ersten Auftrag: "Luthers Leben. Ein Bilderbuch für die Jugend".

1832 stirbt sein Vater Carl Erdmann Menzel, Adolph Menzel übernimmt die Steindruckerei, um die Familie zu ernähren. Ein Jahr später (1833) besucht er die Berliner Künstlerakademie und erhält seinen ersten größeren Auftrag: elf Illustrationen zu Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) Gedicht "Künstlers Erdenwallen".

1836 studiert Menzel in den Berliner Kunstsammlungen venezianische, holländische und französische Maler des 17. und 18. Jahrhunderts. Sein erstes Ölbild "Schachpartie" entsteht.

8. Oktober 1836
Brief 4 | An Carl Heinrich Arnold in Kassel

Herzens Freund!
Nicnt wahr? Sie denken hier unterdeß alles umgekommen, daß man nichts von sich hören läßt, wäre es nach meinem Willen gegangen, so hätte ich, auch wenn ich Ihren lieben Brief nicht dazwischen erhalten hätte, spätestens zum 17. September geschrieben, allein ich hatte die Berechnung, wenn auch nicht ohne den Wirth, so doch ohne den Buchdrucker gemacht, so musste ich mich bis heute in Geduld fassen.

Nehmen Sie indeß, und der kleine Carl, meine innigstgefühlten Wünsche, wofür, brauche ich nicht zu sagen, sie kommen leider sehr spät nach, sind aber ohngeachtet dessen, noch ganz warm geblieben. Indem ich dieß schreibe kommt Biermann zu mir, ich habe ihn gleich in die Presse genommen, und was er über Sie und von Ihnen wußte jetzt aus eigner Ansicht, aus ihm herausgesogen, zu meiner großen Freude entnehme ich daraus, daß bei Ihnen noch alles das Alte geblieben, daß Sie oft an mich gedacht haben, ich kann Sie dasselbe verscihern, es vergeht wohl keine Stunde, wo nicht in Gedanken bei Ihnen bin. Ihr letzter Brief hat mich außerordentlich gefreut, wäre in allen Ihren Briefen dieser Humor gewesen, so hätte die Freude rein genoßen.

Unter anderem amüsirte mich sehr wie Sie den Drake auf einen hohen Berg führten und ihm alle Städte und Länger zeigten, da ließ sich wohl der Schlußvers aus einem bekannten Gedicht auf ihn anwenden:
In dem Anblick dieses Schauspiels ganz versunken,
Sitzt der Drake mit gesetztem Geist,
Hier auf diesem Basaltfels wonnetrunken;
Und---------------------------------------------------

Auf unserer Ausstellung sieht es noch etwas dünn aus, aber eine andere, wie die der Kastilianer, wird es doch wohl sein, da hier neben den anderen Bildern, z.B. neben Hildebrandts' "Söhnen Eduards'" Bendemanns' Jeremias ganz grau aussieht, alle Sonne, alles Tageslicht ist weg, der blaue Himmel wirkt gar nicht mehr, und nun die Schönheit der Malerei nicht mehr besticht, so tritt der geistige Defect nur umso greller hervor. Es ist zum verzweifeln, was dazu gehört, ein Bild in seinem Zimmer so zu malen, (versteht sich ohne Knalleffekt,) daß es dann unter einer Menge anderer in andern Räumen, nicht wegfällt, im Allgemeinen laufen bis jetzt die Franzosen den Deutschen das Ziel ab, in der Landschaft ist dies entschieden; wie es heißt werden einige, unter andern Roqueplan, zur Austellung herkommen, wenn wir nich noch einen bedeutenden Succurs guter Sachen erhalten, so word sich unser Nationalstolz nicht zu sehr darauf zu freuen haben. Mein Bild habe ich nun fertig, eigentlich deshalb, weil ich nicht füglich mehr was drin machen kann, Biermann wird Ihnen wohl gesagt haben, daß ich mit fingerdicker Farbe, nachdem ich dünn angefangen hatte, weiter gemalt habe, nachdem ich mich zwar wieder moderirt, aber es ist doch halb geknetet, und halb geknuzt worden, Biermann meinte, ich hätte mich gutgenug druchgeschlagen, mein Trost ist der, daß es auf der Ausstellung unter dem unendlich, wirklich auf imposante Art dominirenden Schund, noch nicht zum Allerschlechtesten gehören wird. Wenigstens habe ich Erfahrungen gemacht, was ja auch mein Hauptzweck war. Das Zweite, hoffe ich, soll besser werden.

Wegen Ihrer Frage habe ich mich erkundigt, Sie haben den Beitrag an den Stadtrath Keibel zu schicken, und auf der Adresse zu vermerken, daß es in Angelegenheiten des Berliner Kunstvereins ist, so geht es portofrei.

Nun leben Sie wohl, Freund 100000 Grüße an Sie und Alle lieben Ihrigen von den Meinigen und Ihrem

Menzel.

Rechtschreibung und Interpunktion der hier veröffentlichten Briefe entspricht den Originalbriefen.

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Buchdeckel Band 1 mit Briefen von 1830 - 1855

Fortsetzung folgt...

...der nächste Brief erscheint am 17. Oktober.

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