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Georgios Chatzoudis | 29.09.2011 | 2222 Aufrufe | Artikel

Adolph Friedrich Erdmann von Menzel,
Auszüge aus den Briefen eines Künstlers von 1830-1905

Der Maler und Zeichner Adolph Menzel (1815-1905) gilt als einer der produktivsten und bedeutendsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Am Anfang seiner Karriere steht vor allem ein besonderer Auftrag, der den Autodidakten Menzel schnell bekannt machte: Die Illustration einer mehrbändigen Ausgabe über die Geschichte Friedrichs des Großen. Mehr als 400 Zeichnungen fertigte Menzel an und trug so wesentlich zur Historisierung und Popularisierung des Preußenkönigs bei. Außerdem widmete sich der in Breslau geborene Menzel in zahlreichen Bildern und Zeichnungen seiner Wahlheimat Berlin.

In einer neuen Reihe veröffentlichen wir passend zum jeweilgen Datum Briefe Adolph Menzels, die mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung in vier Bänden im Deutschen Kunstverlag erschienen sind: Adolph Menzel. Briefe, herausgegeben von Claude Keisch und Marie Ursula Riemann-Reyher, Deutscher Kunstverlag Berlin München 2009.

Unser besonderer Dank gilt dem Deutschen Kunstverlag sowie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für die Genehmigung, einzelne Briefe auszugsweise veröffentlichen zu dürfen.

Zoom

Berliner Gedenktafel, Adolph Menzel, Ritterstraße 43, Berlin-Kreuzberg, Deutschland

29. September 1829
Brief 3 | Carl Erdmann Menzel an den Sohn Adolph

Adolphs Zeichnung ist eingetroffen. Über Professor Seidel ist sie dem Direktor Schadow vorgelegt worden, der sich beeindruckt gezeigt hat und sie zur Abendsitzung der Akademie allen Professoren zeigen will. Zwar ist, wie man dem Vater gesagt hat, der jüngste Zögling der Akademie schon 19 Jahre alt, dennoch könnte der noch nicht 14jährige Adolph sein Studium sofort, und zwar gebührenfrei, aufnehmen. Der Vater hat den Studienantritt für "künftige Ostern" angekündigt - den Zeitpunkt, den er für die Übersiedlung der ganzen Familie bestimmt hat. "Daß Du freie Academie haben wirst, ist schon vom Direktor Schadow bestimmt." Weiter schreibt der Vater: "Ein hiesiger Gelehrter bearbeitet Dir jetzt eine Aufgabe, welche Du in kurzem erhalten wirst, wenn Du diese lösen könntest, dann würdest Du wunder erregen, und Dein Glück könnte vielleicht schon für die Zukunft gegründet werden. Es ist eine allegorische Zeichnung auf den russischen Kayser Nicolaus I. in Bezug auf Perser, Türken und Griechen [...] Gelingt Dir diese, dann würde sie unserem König und auch dem russischen Kayser gewidmet." Es ist nicht bekannt, daß Menzel diese Aufgabe ausgeführt hätte.

Rechtschreibung und Interpunktion der hier veröffentlichten Briefe entspricht den Originalbriefen.

Fortsetzung folgt...

Der nächste Brief erscheint am 8. Oktober - dann aus dem Jahr 1836.

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